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"Mission erfüllt, Präsident tot": Der letzte Widerstand des Salvador Allende

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Im November 1970 wird der Sozialist Salvatore Allende zum Staatspräsidenten von Chile gewählt. Sein erklärtes Ziel ist es, auf demokratischem Wege eine sozialistische Gesellschaft in Chile zu etablieren. (Foto: AP)

Im November 1970 wird der Sozialist Salvatore Allende zum Staatspräsidenten von Chile gewählt. Sein erklärtes Ziel ist es, auf demokratischem Wege eine sozialistische Gesellschaft in Chile zu etablieren.

Im November 1970 wird der Sozialist Salvatore Allende zum Staatspräsidenten von Chile gewählt. Sein erklärtes Ziel ist es, auf demokratischem Wege eine sozialistische Gesellschaft in Chile zu etablieren.

Zum Zeitpunkt der Regierungsübernahme befindet sich Chile in einer prekären Situation: Viele Kinder sind unterernährt, die Straßen sind voll von Obdachlosen und die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, verstaatlicht Allende die wichtigsten Wirtschaftszweige - Bankwesen, Landwirtschaft, Kupferminen, Industrie, Kommunikation -, wodurch eine anfängliche Verbesserung der wirtschaftlichen Situation einsetzt. Dadurch gewinnt Allende zwar zunächst an Beliebtheit in der Bevölkerung. Mit der Opposition hingegen gerät er zunehmend in Konflikt.

Der vierwöchige Besuch von Kubas Präsident Fidel Castro verstärkt sowohl national als auch international den Eindruck, dass Allende dem kubanischen Modell einer sozialistischen Planwirtschaft folgen will.

Nicht nur in der Opposition, sondern auch in der Bevölkerung nehmen nach dem Mord an dem Christdemokraten Zújovic die Proteste gegen Allende zu. Etliche Berufsgruppen, darunter Lastwagenfahrer, Bankangestellte, Arbeiter und Studenten, fordern eine Wende in der Wirtschaftspolitik. Es kommt zu Straßenschlachten und Terroranschlägen, der Notstand wird ausgerufen.

Um die Situation zu beruhigen, wird das Militär 1972 durch die Ernennung des Generals Carlos Prats in die Regierung eingebunden. Sein Nachfolger Augusto Pinochet (l.) - massiver Gegner Allendes (r.) - wird durch seine 17 Jahre dauernde Diktatur in die Geschichte eingehen. Die Herrschaft Pinochets beginnt mit ...

... dem Staatsstreich des Militärs unter seiner Führung am 11. September 1973. Es ist ein grauer Dienstagmorgen. Allende kommt früh in seinem Büro an, nachdem er von den ersten Truppenbewegungen der Marine in Valparaíso erfahren hat.

Heerespanzer umzingeln das Regierungsgebäude La Moneda, die Putschisten fordern den Präsidenten zum Rücktritt auf. Ihm werde freies Geleit ins Ausland garantiert. "Scheißverräter!", heißt die Antwort Allendes.

Am Mittag beginnt der Bombenangriff der Hawker-Hunter-Kampfflieger der Luftwaffe. Neben La Moneda werden auch regierungsfreundliche Radiosender ...

... sowie einige Viertel der Hauptstadt angegriffen, in denen hauptsächlich Sympathisanten Allendes wohnen.

Bodyguards Allendes versuchen den Staatschef mit Hilfe von Maschinengewehren vom Balkon des Regierungsgebäudes aus zu verteidigen.

Zwei Stunden nach Beginn des Angriffs begeht Allende Selbstmord, kurz vor dem Eindringen des Militärs. La Moneda ist vollständig zerstört.

Im "Saal der Unabhängigkeit" soll der Präsident sich erschossen haben. Die Selbsttötung wird durch zwei seiner Ärzte bezeugt, die den Suizid beobachten. Neben den beiden überlebenden Ärzten werden fünf weitere Personen des näheren Umfelds Allendes Augenzeugen seines Todes.

Die beiden Einschusslöcher sind deutlich zu erkennen. Gerüchte um eine mögliche Inszenierung des Suizids werden viele Jahre nach dem Tod des Regierungschefs durch eine erneute Obduktion aus der Welt geschafft.

"Meine Aufopferung wird nicht vergeblich sein, sie wird ein moralisches Beispiel sein, das die Untreue, die Feigheit und den Verrat bestrafen wird." Das sind die letzten Worte Allendes, die über Radio Magallanes ausgestrahlt werden.

Das dreijährige Experiment eines "demokratischen Wegs zum Sozialismus" ist mit dem Putsch abgebrochen worden. "Mission erfüllt, Präsident tot", meldet General Javier Palacios, der den Angriff anführt, seinen Vorgesetzten. Soldaten und Feuerwehrmänner tragen die Leiche Allendes aus dem Regierungspalast.

Die Stadt ist von Zerstörung und Gewalt gezeichnet.

Allein am Tag des Putsches nimmt das Militär über 2000 Anhänger und Helfer des toten Präsidenten in Gewahrsam. Bis zum Ende des Jahres steigt die Zahl auf über 13.000.

Soldaten verbrennen marxistische Bücher, Flyer und Poster.

Neben seiner trauernden Witwe Hortensia Bussi hinterlässt Salvatore Allende drei Töchter.

Unter der Führung des Generals Augusto Pinochet beginnt nach dem Putsch eine 17-jährige Diktatur, in der bis zu 38.000 Menschen gefoltert oder getötet werden. Zu den Opfern gehören linke Arbeiter und Gewerkschafter ebenso wie kritische Intellektuelle und unbequeme Journalisten. Zehntausende Menschen flüchten ins Exil.

Zwar kommt es zu Beginn der Diktatur Pinochets noch zu Protesten, doch der Machthaber wehrt sich schnell mit Wasserwerfern und Festnahmen gegen die Demonstranten. Zudem droht er mit ziviler Aufsicht, um den Aufständen ein Ende zu bereiten.

Erst 1988 bessert sich die Situation im Land - die Diktatur nimmt ein Ende. Als Nachfolger von Pinochet wird der Christdemokrat Patricio Aylwin gewählt. Er bemüht sich, politisches Gleichgewicht herzustellen und beginnt behutsam mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur.

Nach 15 Jahren im Exil kehrt 1988 auch die Witwe Salvador Allendes nach Chile zurück. Ihr Enkel Gonzalo und Tochter Isabel (l.), die Großcousine der gleichnamigen, bekannten Schriftstellerin, empfangen Hortensia Bussi am Flughafen.

Augusto Pinochet - hier mir seiner Frau Lucia Hiriart de Pinochet - stirbt im Dezember 2006. Trotz zahlreicher Klagen im In- und Ausland muss er sich nie vor Gericht verantworten, Geschäftsleute und Anhänger der Rechten schätzen den Putschistenführer als den Mann, der Chile angeblich vor dem Kommunismus rettete und dem Land ein in Lateinamerika beispielloses Wirtschaftswachstum bescherte.

Nach 40 Jahren sind die Anhänger der Diktatur deutlich weniger geworden. Eine jüngst veröffentlichte Umfrage ergab nur noch 7 Prozent Zustimmung, 37 Prozent schätzten das Pinochet-Regime negativ ein. Vor vier Jahren hatten es noch 14 Prozent gutgeheißen, während sich 23 Prozent kritisch äußerten.

Die Auswirkungen der Diktatur werden aber noch immer von einer breiten Mehrheit wahrgenommen: 75 Prozent der Befragten gaben an, dass die Folgen der Diktatur weiterhin spürbar seien. Dieses Ergebnis hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert: 2004 gaben 79 Prozent dieselbe Antwort.

Nun stehen sich die Töchter zweier damaliger Luftwaffengeneräle, Evelyn Matthei (l.) und Michelle Bachelet (r.), als Kandidatinnen bei der Präsidentenwahl am 17. November gegenüber. Die Väter der beiden Frauen waren Kollegen und gut befreundet. Alberto Bachelet wurde jedoch am Tag des Militärputschs wegen seiner loyalen Haltung zu Allende festgenommen und inhaftiert. Einige Monate später starb er unter Folter. Fernando Matthei dagegen war Mitglied von Pinochets Militärjunta.

Als Favoritin gilt die Sozialistin Bachelet, die bereits von 2006 bis 2010 Staatschefin war. Sie verspricht umfassende politische Reformen. Eine neue Verfassung soll an die Stelle derjenigen treten, die Pinochet im Jahr 1980 durchsetzte.

Ihre Gegenkandidatin, die rechtskonservative Evelyn Matthei, tritt dagegen für den Status quo ein. Sie kommt vom rechtskonservativen Lager der Unión Demócrata Independiente (Unabhängige Demokratische Union, UDI), die von dem Chef-Ideologen der Pinochet-Regierung Jaime Guzmán gegründet wurde.

"Wir wollen überwinden, (aber) nicht vergessen", sagt der amtierende Präsident Sebastián Piñera, als er alle Parteien zu den Gedenkfeiern des 40. Jahrestags des Putsches einlädt. "Nie wieder und unter keinerlei Umständen können die Menschenrechtsverletzungen gerechtfertigt werden", erklärt der Staatschef der konservativen Partei Renovación Nacional.

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