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Bangladesch - zweitgrößter Schneider Europas: Tödliche Falle Textilfabrik

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Sie verdienen kaum 20 Euro pro Monat und stellen Kleidung für den Westen her: ... (Foto: REUTERS)

Sie verdienen kaum 20 Euro pro Monat und stellen Kleidung für den Westen her: ...

Sie verdienen kaum 20 Euro pro Monat und stellen Kleidung für den Westen her: ...

... In Bangladesch arbeiten 2,5 Millionen Menschen in Textilfabriken.

Sicherheits- und Gesundheitsvorkehrungen gibt es dort kaum, oft arbeiten sehr viele Menschen auf sehr engem Raum.

Brandschutz existiert oft nur auf dem Papier.

So sterben beim jüngsten Unglück in einer Textilfabrik schon wieder viele Menschen. Weitere 200 erleiden schwere Verbrennungen.

Das Feuer bricht im Erdgeschoss des neunstöckigen Gebäudes nahe der Hauptstadt Dhaka aus.

Rund 1000 Arbeiter befinden sich zum Zeitpunkt des Unglücks in der Fabrik.

Die Flammen greifen so schnell auf die oberen Stockwerke über, ...

... dass einige von ihnen in Panik aus den Fenstern springen.

Es dauert vier Stunden bis die Feuerwehr den Großbrand unter Kontrolle bringt.

Nach dem Ende der Löscharbeiten werden 100 Leichen, meist Frauen, aus der Fabrik geborgen. Weitere zwölf Menschen sterben im Krankenhaus.

Allein 69 Leichen werden im ersten Stock geborgen. Die meisten Fabrikarbeiter waren im Innern des Gebäudes eingeschlossen, weil es keine Notausgänge gab.

Viele Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Das jüngste Unglück ist leider bei weitem kein Einzelfall. Laut Dienstleistungsgesellschaft Verdi kamen zwischen 2006 und 2010 allein in Bangladesch mehr als 550 Beschäftigte bei Fabrikbränden ums Leben.

2006 waren bei einem Brand in einem Hafen der Stadt Chittagong 84 Menschen gestorben. Damals konnten die Türen der Notausgänge nicht geöffnet werden.

Im September dieses Jahres wurde eine Textilfabrik in Pakistan zur tödlichen Falle für mehr als 280 Arbeiter.

Sie verbrannten oder erstickten in einem Inferno, dessen Flammen stundenlang wüteten.

Ihr Arbeitsplatz, ein dreistöckiges Gebäude ohne Notausgänge und mit vergitterten Fenstern. Arbeitsschutz: Fehlanzeige.

Wie auch in den meisten der etwa 4000 Textilfabriken in Bangladesch. Viele von ihnen erfüllen nicht einmal minimale Sicherheitsstandards. Elektrokabel hängen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlen, Notausgänge sind nicht vorhanden oder verschlossen, Fluchtwege versperrt.

Zudem herrschen in den Fabriken katastrophale Arbeitsbedingungen.

Die Arbeiter, meist sind es Frauen, verbringen den Tag mit rundem Rücken über Nähmaschinen gebeugt. Sie arbeiten 10, 12, manchmal auch 20 Stunden am Tag.

Am Ende eines gewöhnlichen Tages haben sie 300 Ärmel oder 300 Kragen oder 300 Knopfleisten an 300 Hemden genäht und gerade mal zwei Euro verdient. Der Mindestlohn für die Näher wurde nach massiven Protesten im Sommer von 1660 auf 3000 Taka (rund 34 Euro) im Monat erhöht.

Fast jede Zweite verletzt sich bei der Arbeit oder wird chronisch krank.

Die Ursachen sind heiße, überfüllte Fabriken, veraltete Nähmaschinen, schlecht isolierte Stromkabel.

Die Symptome sind chronischer Husten, brennende Augen, durchstoßene Finger.

Bangladesch ist in zehn Jahren vom zehnt- zum zweitgrößten Schneider für Europa geworden – gleich nach China. Das Land verdient jährlich rund 20 Milliarden Dollar durch den Export von Textilien, die meisten von ihnen sind für den europäischen und den amerikanischen Markt bestimmt.

Allein Deutschland importierte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 Bekleidung im Wert von drei Milliarden Euro aus dem asiatischen Entwicklungsland.

Zu den Kunden unter anderem die Moderiesen C&A, H&M und der Textildiscounter Kik.

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