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Die Schuhkartonklasse aus Japan: 55 Jahre kuriose Kei-Cars

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Auf Europas Straßen gehören sie zu den Exoten, … (Foto: autodrom)

Auf Europas Straßen gehören sie zu den Exoten, …

Auf Europas Straßen gehören sie zu den Exoten, …

… in Japan aber sind sie ein Verkaufsschlager: die kuriosen Kei-Car-Kleinstwagen, die ein Viertel der japanischen Neuzulassungen ausmachen.

Mit der weltweit einzigartigen Klasse der "Kei Jidosha" (übersetzt: leichtes Automobil) kämpfen japanische Politiker und Verkehrsplaner seit 55 Jahren gegen die Parkplatznot in Nippons Megametropolen.

Maximal 3,40 Meter Länge bei 1,48 Metern Breite und 660 Kubikzentimetern Hubraum lauten heute die Eckwerte für die Schuhkartonklasse, …

… die in dieser Spezifikation nicht einmal der Smart Fortwo erfüllt.

Wichtigstes Privileg der japanischen Zwerge: In vielen japanischen Gemeinden entfällt die Nachweispflicht eines teuren Parkplatzes. Außerdem ist das Massenverkehrsmittel steuerbegünstigt.

Egal ob Mazda, Mitsubushi, Nissan oder Suzuki – fast jeder japanische Konzern setzt auf die Kleinstwagen.

Das Volksauto gibt es trotz der geringen Ausmaße in fast unüberschaubarer Vielfalt an Karosserien – vom Kleinstauto bis zum Geländewagen – und kitschigen Varianten, immer aber mit einem Hauch von Luxus, Lifestyle und Leistung bei Ausstattung und Motoren.

Kei-Cars prägen seit Beginn der Massenmotorisierung das Bild japanischer Großstädte.

Während im Nachkriegs-Deutschland die Zeit der Kleinstwagen, Kabinenrollern und sogenannten Knutschkugeln mit zunehmendem Wohlstand um 1960 zu Ende ging, …

… zählen die Kei-Jidosha-Leichtautos in Japan bis heute zu den meistverkauften Modellen.

Als erster Kleinstwagen ging 1958 der Subaru 360 in Großserie.

Zwei Jahre später startete das erste kleine Coupé: der Mazda R 360.

Der weltweit kleinste Geländewagen, der Jimny von Suzuki, feierte 1970 seine Markteinführung. Im selben Jahr wird mit 750.000 Zulassungen im Kalenderjahr ein neuer Kei-Car-Rekord in Japan erzielt.

König der Mini-Formate ist hingegen der Alto, ebenfalls aus dem Hause Suzuki. In Japan ist er 1980 das meistverkaufte Kei-Car.

Ihm allein gelang von Beginn an eine weltweite Karriere – allerdings ausgestattet mit einem größeren Motor. Andere Zwerge, wie der Suzuku Wagon R+ (im Bild), folgten.

Weltweit bekannt wurden aber vor allem die Sportwagen und Allradler unter den Winzlingen: Der 1991 eingeführte Roadster Suzuki Cappuccino …

… und der 2002 vorgestellte Daihatsu Copen mit versenkbarem Hardtop schrieben ein eigenes Kapitel Roadstergeschichte.

Technische Meilensteine setzten andere Kleinstmodelle: Der i-MiEV von Mitsubishi übernahm 2010 eine Pionierrolle bei der Elektrifizierung des Antriebs.

Kurz, schmal und leicht bringen der i-MiEV und seine Schwestermodelle Peugeot iOn und Citroën C-Zero (im Bild) wesentliche Voraussetzungen mit, um trotz geringer Batteriereichweite und relativ hoher Preise als lokal emissionsfreie Citymobile Absatzerfolge zu erzielen.

Die Kei-Cars haben aber auch einige Kuriositäten zu bieten. So gibt es, neben den klassischen zwei- und viertürigen Karosserien, auch sogenannte 2+1-Modelle …

… wie den Mitsubishi Minica, der nur einen Zugang auf der in Japan rechten Fahrerseite hat, dafür aber zwei Türen auf der linken Beifahrerseite.

Die fremdartigen Türkonzepte sind ein Grund, warum eine globale Erfolgsgeschichte der Kei-Cars ausbleibt. Schrill-bunte Lackierungen, winzige Turbomotoren und die in japanischen Interieurs so beliebten kuscheligen weichen Velourssitze, kombiniert mit Häkeldeckchen und anderen kitschigen Accessoires tun ihr Übriges.

Dafür aber sind die kleinen Kei-Cars seit jeher automobiler Inbegriff der japanischen Tradition und Bescheidenheit – kombiniert allerdings mit dem Glauben an technologische Überlegenheit. (Text: kse/sp-x)

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