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Massenverkehrskathedrale Grand Central: Der größte Bahnhof der Welt

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Der New Yorker Grand Central Terminal ist nicht einfach nur irgendein Bahnhof - er ist ... (Foto: REUTERS)

Der New Yorker Grand Central Terminal ist nicht einfach nur irgendein Bahnhof - er ist ...

Der New Yorker Grand Central Terminal ist nicht einfach nur irgendein Bahnhof - er ist ...

... eine Kathedrale des Massenverkehrs ...

... und ein herausragendes Beispiel für erfolgreichen Denkmalschutz.

Und er ist der größte Bahnhof der Welt.

Am 2. Februar 2013 wurde er 100 Jahre alt.

Schon 1831 hatte New York seine erste Eisenbahn. 1858 wurden die dampfenden Ungetüme an den Stadtrand verbannt - der heute wieder ganz zentral liegt, da die Stadt unaufhörlich wuchs.

Cornelius Vanderbilt, seinerzeit der reichste Mann der Welt, sorgte um 1900 für einen kräftigen Aufschwung seiner Eisenbahnen. Nach einem Unfall im Jahr 1902 - in einem vollgequalmten Tunnel unter New York stießen zwei Züge zusammen, 17 Menschen starben - ...

... wurde auf elektrische Züge gesetzt und ein neuer Bahnhof geplant. Im Bild: nicht verwirklichter Entwurf für den Grand Central Terminal von 1903.

Den Wettbewerb für den neuen Bahnhof gewann das Architekturbüro Reed and Stem. Später kam noch das Büro Warren and Wetmore dazu - Warren war der Cousin von Eisenbahnchef William Vanderbilt; ein wenig Vetternwirtschaft war also im Spiel. (im Bild: Terminal-Baustelle im Juni 1907)

An dem Terminal-Standort gab es vorher schon den Bahnhof Grand Central Station (hier im Jahr 1909); er wurde zwischen 1903 und 1913 Stück für Stück abgebaut und ...

... durch den Neubau des Grand Central Terminal im Beaux-Arts-Stil ersetzt. (Bild von 1912)

Was dann am Sonntag, dem 2. Februar 1913, eine Minute nach Mitternacht eröffnet wurde, war schlicht atemberaubend. Vor allem der Lichteinfall beeindruckte (und tut das bis heute).

In den folgenden Jahrzehnten erlebte der Prachtbau seine Glanzzeit.

Wenn Präsidenten und Filmstars nach New York kamen, nahmen sie den Zug und kamen natürlich in Grand Central an - so wie hier Marlene Dietrich im Jahr 1935.

Das noble Hotel Waldorf-Astoria bekam einen eigenen Bahnsteig (Nummer 61), zu dem bis heute ein privater unterirdischer Gang führt, den sogar Autos befahren können, ...

... es gab im Bahnhof ein Kino, ...

... eine Kunstgalerie ...

... und sogar eine Kunstschule: die "Grand Central School of Art".

Ein Restaurant darf in einem Bahnhof natürlich nicht fehlen: die "Oyster Bar" ...

... im Keller mit ihrer gefliesten Gewölbedecke existiert noch immer. (Neben einigen anderen Cafes, Bars und Restaurants.)

Im Jahr 1947 nutzten gut 65 Millionen US-Amerikaner den Grand Central Terminal, statistisch damals fast jeder zweite Einwohner des Landes.

Doch in den 1950er und vor allem 1960er Jahren nahm der Autoverkehr immer mehr zu, der Bahnverkehr verlor an Bedeutung und Grand Central Terminal seinen Glanz. 1967 sollte der Bau sogar abgerissen werden.

An seiner Stelle sollten Hochhäuser errichtet werden - die Lage im Zentrum Manhattans war inzwischen so begehrt, dass der Grundstückspreis wohl höher war als der Wert des Bahnhofsgebäudes.

Doch die New Yorker, allen voran Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy (2.v.l., 1975 mit anderen Unterstützern des "Committee to Save Grand Central") wehrten sich ...

... und verwiesen auf die nahe Pennsylvania Station.

Deren prächtiger Bahnhof war nur ein paar Jahre zuvor, 1963/64, abgerissen ...

... und durch einen modernen Bau ersetzt worden. Auch der neue "Madison Square Garden" wurde an die Stelle des alten Beaux-Arts-Bahnhofs gesetzt. (Baustelle 1967)

Das bunkerähnliche Gebilde der neuen "Penn Station", wie der Bahnhof meist kurz genannt wird, gilt noch heute als klassische New Yorker Bausünde.

Die Proteste waren erfolgreich; Grand Central blieb erhalten - aufgrund eines Beschlusses des obersten US-Gerichts -, wurde jedoch umgebaut; ein 55-stöckiges Gebäude wurde draufgesetzt.

Erst 1976 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt.

Doch das Gebäude verfiel trotzdem und war schließlich nur noch ein Schatten seiner selbst.

1990 begann schließlich die Sanierung, die insgesamt 600 Millionen Dollar verschlang. (im Bild: vergoldeter Kronleuchter in der Haupthalle)

Besonders die Renovierung der etwa 4000 Quadratmeter großen, prachtvollen Decke mithilfe eines riesigen Alu-Gerüstes ...

... kostete etwa 4,2 Millionen US-Dollar. Es war vor allem ein Großreinemachen, für welches die Arbeiter etwa 5700 Liter Liter Wasser und 6500 Putzlappen verbrauchten. Der Sternenhimmel ...

... mit seinen 2500 Sternen ist übrigens spiegelverkehrt - so wie Gott ihn sieht, heißt es.

Die Sanierung dauerte insgesamt acht Jahre, die Eröffnung ...

... des neuen Grand Central 1998 war so glanzvoll wie die 85 Jahre zuvor.

Neben seiner Pracht hat Grand Central Terminal einige Superlative zu bieten: ...

Seine Haupthalle ist der größte öffentliche Raum der gesamten USA; ...

... die über 4 Meter hohe Tiffany-Uhr des Prachtbaus ...

... ist die größte der Welt.

Die vierseitige Uhr auf dem Informationsschalter ist keine gewöhnliche Bahnhofsuhr: ihre Ziffernblätter ...

... bestehen aus Opal; sie hat einen geschätzten Wert von 10 bis 20 Millionen US-Dollar.

Der Bahnhof hat stattliche 44 Bahnsteige und 67 Gleise und damit mehr als jeder andere.

Seit 1991 fahren zwar keine Fernverkehrszüge mehr aus dem Palast an der 42. Straße, …

… dafür aber Vorortzüge mit täglich Hunderttausenden Pendlern.

Und mehr als 21 Millionen Touristen im Jahr kommen vorbei. Der Louvre in Paris hat nicht einmal halb so viele – und der kostet Eintritt, ...

... der Bahnhof natürlich nicht. Laut dem US-Reisemagazin "Travel + Leisure" ...

... ist der Grand Central Terminal sogar Nummer 6 auf der Liste der weltweit am meisten von Touristen besuchten Attraktionen.

Er ist auch das meistbesuchte Gebäude der Stadt New York, ...

... weit vor Empire State Building, Rockefeller Center oder Madison Square Garden.

Gut eine Million Menschen besuchen im Jahr das Empire State Building. Grand Central braucht dafür gerade nicht mal zwei Tage: Etwa 750.000 Menschen durchqueren ihn jeden Tag.

Anlässlich seines 100. Geburtstag bekommt der Bahnhof nun noch etwas mehr Aufmerksamkeit als ohnehin schon - und sicher auch noch mehr Besucher. (abe/dpa)

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