Bilderserie
Mittwoch, 09. August 2017

Land der Könige: Deutschlands kuriose Regenten

Bild 1 von 15
Monarch in Deutschland zu werden, ist heutzutage einfacher denn je. Die adelige Abstammung ist nicht mehr entscheidend, auch der Genderaspekt ist zweitrangig. Manchmal kommt es sogar vor, dass keiner ein angesehenes Amt bekleiden will. So war es auch im Moselort Kesten: Wegen der Not an weiblichen Kandidatinnen ist Sven Finke die erste männliche "Weinkönigin" Deutschlands geworden. (Foto: picture alliance / dpa)

Monarch in Deutschland zu werden, ist heutzutage einfacher denn je. Die adelige Abstammung ist nicht mehr entscheidend, auch der Genderaspekt ist zweitrangig. Manchmal kommt es sogar vor, dass keiner ein angesehenes Amt bekleiden will. So war es auch im Moselort Kesten: Wegen der Not an weiblichen Kandidatinnen ist Sven Finke die erste männliche "Weinkönigin" Deutschlands geworden.

Monarch in Deutschland zu werden, ist heutzutage einfacher denn je. Die adelige Abstammung ist nicht mehr entscheidend, auch der Genderaspekt ist zweitrangig. Manchmal kommt es sogar vor, dass keiner ein angesehenes Amt bekleiden will. So war es auch im Moselort Kesten: Wegen der Not an weiblichen Kandidatinnen ist Sven Finke die erste männliche "Weinkönigin" Deutschlands geworden.

Der Repräsentant der Thüringer Nationalspeise wird dagegen in einem Wettbewerb gekürt. Der Bratwurstkönig muss einen Rost anwerfen und dabei auch noch Späße machen können. Ganz wichtig: Würste werden gebraten. Wer Würste grillen will, ist gleich durchgefallen. Derzeit trägt Gerhard I., ein pensionierter Metzgermeister, Krone und Zepter, das an eine hölzerne Wurstzange erinnert.

Und wenn es im Land einen Bratwurstkönig gibt, muss es ja auch eine Königin geben. Die amtierende Wurstkönigin von Thüringen, Anne Sonntag aus Geisenhain, ist eigentlich Fleischereiverkäuferin.

Sie wird oft zusammen mit Gerhard I. gesehen und doch ist Anne Sonntag keine Ehefrau des Bratwurstkönigs. Und obwohl in Thüringen gleichzeitig zwei Sprosse unterschiedlicher Adelsgeschlechter herrschen, verstehen sich beide Wurstmonarchen anscheinend sehr gut.

Diese Monarchin ist bundesweit einzigartig: Patricia I. ist die Deutsche Nudelkönigin. Die 29-Jährige wurde im sachsen-anhaltischen Steuden gekrönt und ist jetzt zwei Jahre lang auch optisch als Nudelkönigin unterwegs. Die Krone der Hallenserin ist mit Nudeln verziert. Die Wahl meisterte sie gegen zwei Konkurrentinnen mit ihrem Pasta-Wissen. Kein Wunder: Patricia Schenk ist normalerweise Einzelhandelskauffrau in einem Supermarkt und verantwortet dort die Nudelabteilung.

Eberswalder Spritzkuchenkönigin Jenny I. vertritt ein Gebäck, das dem brandenburgischen Eberswalde zu einiger Berühmtheit verholfen hat. Sie selbst läuft mit glitzerndem Diadem, sonnengelbem Pünktchenkleid im Rockabilly-Stil und schwingendem Petticoat sowie der unausweichlichen Schärpe auf. Auch sie kennt ihr Produkt vom Hauptberuf: Jenny Bechly-Günzel ist gelernte Konditorin. Spritzkuchen werde aus einem Brandteig gemacht, in Kringel gespritzt und schwimmend in Fett ausgebacken.

Wohl in keinem anderen deutschen Landstrich als dem Erzgebirge kann eine Nussknackerkönigin gewählt werden - dort, wo die Figuren aus Holz seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat haben. Derzeitige Amtsinhaberin ist die 26-jährige Christin Kopitzke. Die Nussknackerkönigin wird im erzgebirgischen Neuhausen seit 2005 gekürt. Die Majestät soll die Stadt, die Region, das Handwerk und das Nussknackermuseum selbst bekannter machen.

Das Museum brachte es schon auf vier Einträge im Guinness-Buch der Rekorde - etwa als größte Nussknackersammlung der Welt: Mehr als 5500 Exemplare von 49 Millimeter bis mehr als zehn Meter Höhe gibt es zu sehen. Zwei der berühmten Holzfiguren trägt auch die Monarchin auf dem Kopf - im Miniformat an ihrer Krone.

Rettichkönig: Er ist der erste Mann auf diesem Thron. Im pfälzischen Schifferstadt schwingt Rettichkönig Lukas I. das Zepter. Der 22-jährige Lukas Kopping trägt den Rettich-Titel, der mit Unterbrechungen seit 1936 vergeben wird - bislang aber nur an Frauen. Kopping ist nun für zwei Jahre "Botschafter des Rettichanbaus" und der "Rettichmetropole", wie sich Schifferstadt nennt.

Die Deutsche Hutkönigin trägt logischerweise keine Krone, sondern einen Hut. Lindenberg im Allgäu hat eine lange Tradition der Hutmacher. Auch das deutsche Hutmuseum ist hier beheimatet. Vor sieben Jahren wurde hier deshalb die erste Deutsche Hutkönigin gewählt. Seit 2016 ist Janine Halder die amtierende Repräsentantin der Stadt. Ihre verschiedenen Kopfbedeckungen sind dabei mal sportlich oder klassisch schick, mal üppig garniert oder ganz schlicht.

"Das Schönste ist die Resonanz der Leute", sagt Maria Dolge zu ihrem Amt als Sachsen-Anhalts Waldkönigin. Besonders Kinder seien bei ihren Auftritten auf Festen und Veranstaltungen ganz aus dem Häuschen. Seit September 2016 soll Dolge die Aktivitäten der Forstwirtschaft bekannter machen - als erste Waldkönigin des Landes. Rund 50 Veranstaltungen hat sie seither absolviert, war auch auf der Grünen Woche. Ihren Titel bekam Dolge ganz unkompliziert: "Ich arbeite in der Forstverwaltung, wurde gefragt und habe ja gesagt."

Sachsens Botschafterin von Wald und Forst stammt ebenfalls aus Sachsen-Anhalt. Forststudentin Friederike Binder wurde vom sächsischen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt zur Waldkönigin Friederike I. gekrönt. In ihrem Amt wirbt sie für den Wald und informiert die Menschen über die Aufgaben einer nachhaltigen Forstwirtschaft.

Auch königliches Gemüse braucht Regenten. Spargelherzogin Elin I. herrscht im Kreis Herzogtum Lauenburg im Süden Schleswig-Holsteins. Seit 2016 bekleidet Elin Lippert, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, dieses Amt. "Schon mein Großvater hat im Garten Spargel angebaut", sagt Elin I. In der kurzen Spargelsaison von Ende April bis zum 24. Juni bereist sie Spargelfeste und Wochenmärkte in der Region.

Die 21-jährige Antonia Schieck aus Herbsleben bekleidet ein ähnliches Amt in Thüringen. Zu den Aufgaben der Spargelkönigin gehört es unter anderem den ersten Spargel des Jahres zu präsentieren.

Die neue Spargelkönigin von Kirchdorf in Niedersachsen Sarina Kynast hatte vor ihrem Amtsantritt eigentlich wenig mit dem königlichen Gemüse zu tun. Dennoch wird die 19-jährige Bürokauffrau die kommenden zwei Jahre ehrenamtlich ihre Gemeinde auf den Spargelfesten repräsentieren. Na dann: Gutes Regieren!

weitere Bilderserien