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Donnerstag, 26. April 2012

Einsame Menschen und verlassene Landschaften: Die verlorenen Orte um Tschernobyl

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Am 26. April 1986 ereignet sich die bislang wohl schwerste Atomkatastrophe, als es am Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl zur Kernschmelze kommt. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Am 26. April 1986 ereignet sich die bislang wohl schwerste Atomkatastrophe, als es am Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl zur Kernschmelze kommt.

Am 26. April 1986 ereignet sich die bislang wohl schwerste Atomkatastrophe, als es am Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl zur Kernschmelze kommt.

Bei der darauffolgenden Explosion wird die Schutzhülle des Reaktors zerstört.

Riesige Gebiete werden mit der ausgetretenen Radioaktivität verseucht.

Um das Atomkraftwerk wird ein mehr als 4000 Quadratkilometer großes Sperrgebiet mit einem Radius von 30 Kilometern eingerichtet.

Hunderte Ortschaften werden aufgegeben, die Bewohner evakuiert.

Das Gebiet wird wieder zu einer Wildnis. Straßen verfallen und enden schließlich im Nichts.

"Die verlorenen Orte" wird die einstige Heimat unzähliger Menschen inzwischen genannt.

Viele Orte sind komplett verschwunden, riesige Gruben wurden ausgehoben, die verstrahlten Häuser regelrecht beerdigt.

Soldaten und Jäger erschossen Vieh und Haustiere.

Die überlebenden Tiere verwilderten und versorgen sich inzwischen selbst.

50.000 Menschen müssen allein Pripjat verlassen.

Die einst geschäftige und moderne sowjetische Vorzeigestadt zerfällt.

Zunächst kommen die Plünderer, nehmen Möbel, Kleidung, Hausrat und sogar die Fliesen mit.

Sie wissen nicht, dass sie radioaktiven Sondermüll mit sich nehmen.

Mit jedem Jahr, das vergeht, erobert sich die Natur ein wenig mehr von Pripjat zurück.

Als der Reaktor explodiert, bereitet die Stadt gerade die Feiern zum 1. Mai vor.

Noch heute hängen ramponierte Hammer-und-Sichel-Dekorationen an den Laternenmasten.

Im Vergnügungspark hinter dem Kulturzentrum ragt ein verrostetes Riesenrad in den Himmel.

Am 1. Mai waren keine Kinder mehr da, die auf den Rummel hätten gehen können ...

... oder in den Kindergarten.

In den leeren Häusern sammelt sich Müll, Farbe und Putz blättern ab.

Überall hat die Katastrophe ihre Spuren hinterlassen, und sei es in Form verstaubter Gasmasken.

Ein in Pripjat geborener Liquidator, der erst in den 1990er Jahren in die Stadt zurückkehrte, fand noch die Klassenarbeit an der Tafel vor, die er 1986 am Tag vor der Katastrophe geschrieben hatte. (nicht im Bild)

Ein Abriss mit schwerem Gerät kommt nicht in Frage.

Es würde unkontrolliert Radioaktivität frei werden.

Einige Menschen kehrten inzwischen vor allem in die erst später geräumten Dörfer zurück.

Schätzungen gehen von mehrern hundert sogenannten "Samosely", Selbstansiedlern, aus.

Sie konnten in den Gemeinschaftswohnungen, in die sie umquartiert wurden, nicht heimisch werden.

Das Heimweh war einfach größer als die Angst vor der Strahlung.

Oder sie konnten die Ausgrenzung durch die neuen Nachbarn nicht ertragen, die Angst vor den "Verstrahlten aus Tschernobyl" hatten.

Inzwischen duldet die Sperrzonenpolizei diese Bewohner.

Sie sollen Lebensmittel essen, die aus unverstrahlten Gebieten hertransportiert werden.

Aber viele von ihnen ernähren sich von dem, was in ihren Gärten wächst, ...

... was sie in den Flüssen und Seen der Umgebung angeln oder im Wald jagen.

Die Häuser sind nicht mehr an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen.

Manchmal schicken die Behörden einen Arzt vorbei.

Es sind vor allem alte Frauen, die hier leben.

Viele sind die einzigen und wahrscheinlich letzten Bewohner ihres Dorfes.

Die ärmlichen Küchen und Wohnzimmer erzählen ihre eigene Wahrheit.

Kinder dürfen nicht zu Besuch kommen und schon gar nicht in der Sperrzone leben.

Es soll aber auch Familien mit Kindern geben. Sie scheuen zumeist den Kontakt zu den Behörden.

Doch viele Orte sind komplett ausgestorben.

Nur einmal im Jahr am Totengedenktag Raduniza dürfen die einstigen Anwohner die Gräber ihrer Angehörigen besuchen.

Dann müssen sie Checkpoints passieren und brauchen Sondergenehmigungen.

Im Herbst fallen in den Obstgärten ungepflückte, verstrahlte Früchte von den Bäumen, die Gartenzäune sind eingefallen.

Mancherorts erinnert die Szenerie an ein Kriegsgebiet.

Militärfahrzeuge, riesige Lastwagen und Hebekräne sind übriggeblieben.

Die Straßen sind leer, oft ist es gespenstisch still.

Überall warnen Schilder vor Radioaktivität.

Die Ukraine hat die evakuierte 30-Kilometer-Zone um den Reaktor von Tschernobyl inzwischen offiziell für den Fremdenverkehr geöffnet.

Man kann in Tagestouren den Unglücks-Reaktor besichtigen und durch Pripjat schlendern.

Die Besucherzahlen steigen.

28 Jahre nach der Kernschmelze ist der Verlust der Heimat und der eigenen Geschichte für viele noch immer tägliche Realität.

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