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Der Erbauer der Stalinallee: Hermann Henselmann, der Architekt der DDR

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Kaum einer hat so nachhaltig das Bild der DDR bestimmt wie der Architekt Hermann Henselmann. (Foto: Andrea Beu)

Kaum einer hat so nachhaltig das Bild der DDR bestimmt wie der Architekt Hermann Henselmann.

Kaum einer hat so nachhaltig das Bild der DDR bestimmt wie der Architekt Hermann Henselmann.

Mit seinen neoklassizistischen Bauten in der einstigen Stalinallee in Ostberlin, ...

... dem "Haus des Lehrers" am Berliner Alexanderplatz ...

... und dem City-Hochhaus in Leipzig prägt Hermann Henselman das Antlitz ostdeutscher Städte bis heute.

Und während nach der Wende viele Gebäude aus der Zeit der DDR dem Erdboden gleichgemacht wurden - von Plattenbauten ...

... bis zum Palast der Republik - blieben seine Bauten verschont.

Obwohl Henselmann mit einem provokanten "Macht's doch" selbst zu einem Abriss aufrief und bemerkte, dass die Architektur so vergänglich sei wie das Leben.

Henselmann schien zu wissen: Manches ist vergänglicher als anderes.

Seine Bauten stehen auch 20 Jahre nach seinem Tod am 19. Januar 1995 noch immer hoch im Kurs.

Nach der Wiedervereinigung wurde der 2,3 Kilometer lange Straßenzug der ehemaligen Stalinallee sogar unter Denkmalschutz gestellt. Er ist damit das längste Baudenkmal Europas.

Auch wenn Henselmanns Name für immer mit den Bauten an der einstigen Stalinallee, die längst in Karl-Marx-Allee umbenannt wurde, verbunden bleibt:

Er schuf noch deutlich mehr.

Geprägt war der gelernte Tischler, der in den 1920er-Jahren die Handwerker- und Kunstschule in Berlin besuchte, vom Stil der klassischen Moderne und Le Corbusier.

Diese Moderne verriet er allerdings bereits in der Nazizeit, als er im Stil eines Heimatarchitekten arbeiten musste, und Jahre später wieder in der DDR.

Die junge sozialistische Republik wollte von der Moderne nichts wissen und orientierte sich vor allem an Stalins Architektur in der Sowjetunion.

Kurz vor seinem Tod sagte Henselmann: "Ich habe in der Nazizeit gelernt, was ich in der DDR weiterübte: Hakenschlagen."

Bereits 1946, Deutschland lag noch in Trümmern, trat Henselmann in die SED ein und arbeitete an der Staatlichen Hochschule für Baukunst in Weimar.

Drei Jahre später kam er ins zerbombte Berlin, wo er der Parteiführung Pläne zum Neuaufbau vorlegte.

Doch seine Ideen behagten den SED-Chefs nicht, sein Entwurf entspreche "nicht dem Empfinden der Arbeiterklasse", hieß es.

Henselmann reagierte schnell und baute, gemeinsam mit anderen Architekten, wie gewünscht: Palastartige Gebäude mit vielen Verzierungen an den Fassaden, mit Säulen, Säulenhallen und Turmaufbauten.

Der als vulgärklassizistisch kritisierte "Zuckerbäckerstil" hatte Ostberlin erreicht.

Am 1. September 1951 bereits wurde der Grundstein zum Hochhaus an der Weberwiese gelegt - hier entstand das erste Wohnhochhaus im Osten Berlins.

Wenig später, am 3. Februar 1952, erfolgte die Grundsteinlegung für den gesamten Straßenzug der Stalinallee durch Ministerpräsident Otto Grotewohl.

Der Druck auf die Bauarbeiter, rechtzeitig fertig zu werden und ihre Norm überzuerfüllen, führte letztlich zu massiven Protesten und dem Aufstand vom 17. Juni 1953.

Es kam zu Streiks, Kundgebungen und Angriffen auf offizielle Einrichtungen, nicht nur in Berlin, sondern in vielen Teilen der DDR.

Der Aufstand wurde schnell gewaltsam niedergeschlagen, ...

... die fertigen Wohnungen in der "ersten sozialistischen Straße" bezogen zu einem Großteil normale Arbeiter. Aber auch Wissenschaftler, Politiker, Schauspieler und andere bekannte Persönlichkeiten zogen dort ein.

Sie wohnten vor allem in den großzügigen, repräsentativen Turmhäusern am Strausberger Platz und am Frankfurter Tor. Henselmann bezog hier ebenfalls eine der Wohnungen.

Die Turmhäuser am Frankfurter Tor waren den Kuppeln des Deutschen und Französischen Doms am Berliner Gendarmenmarkt nachempfunden und sollten an deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mahnen.

Entgegen der ursprünglichen Planung wurde die Allee nicht bis zum Alexanderplatz einheitlich bebaut - die repräsentativen Arbeiterpaläste waren zu aufwändig, die Baukosten zu hoch.

Zudem war inzwischen ein Stilwandel eingetreten - der Zuckerbäckerstil galt auch in der DDR nicht mehr als zeitgemäß.

Henselmann orientierte sich schnell um und entwarf kühne Pläne "zur sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR".

Sein Entwurf für einen Fernsehturm beim Roten Rathaus und sein Haus des Lehrers mitsamt Kongresshalle ignorierte den historischen Stadtplan Berlins.

Für sein Hochhaus in Leipzig, das an ein aufgeschlagenes Buch erinnern sollte, wurde eigens die Paulinerkirche gesprengt.

Auch für sein rundes Hochhaus in Jena - das höchste Bürogebäude Ostdeutschlands - musste ein vom Krieg verschontes historisches Viertel weichen. Die Stadt sollte ein "sozialistisches Aussehen" erhalten mit einer "Stadtdominanten", die alle anderen Gebäude, besonders die Kirchtürme, überragte. 1972 wurde das Hochhaus eingeweiht.

Im selben Jahr ging Henselmann in den Ruhestand.

Doch auch mehr als 40 Jahre danach ist der Chefarchitekt der DDR sehr präsent.

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