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Massenpanik in Duisburg: Horror bei der Loveparade

 
Massenpanik in Duisburg: Horror bei der Loveparade

Die Loveparade hat ihre Unschuld verloren.

21 Menschen sterben bei der Massenpanik während der Loveparade am Samstag auf dem ehemaligen Güterbahnhof von Duisburg.

Hunderte werden verletzt.

Das Unglück ereignet sich kurz nach 17 Uhr hinter zwei überfüllten Tunneln, die nur etwa 20 Meter breit und gut 200 Meter lang sind.

Bei Twitter war mit Blick auf die Tunnel schon vor der Veranstaltung von einer "Falle" die Rede gewesen.

Augenzeugen äußern später scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen. Die Straßentunnel waren der einzige Zugang zum Festgelände am alten Duisburger Güterbahnhof.

"Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 350.000 Menschen bereitstellen", sagt n-tv Kameramann Udo Sandhöfer, der das Chaos unverletzt überstand.

"Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor", sagt Sandhöfer. "Das war programmiertes Chaos."

"Es waren Massen hier drin. Die Luft war zum Zerschneiden. Plötzlich fingen Leute an zu schreien", sagt eine 27-Jährige.

Von allen Seiten habe es Druck gegeben. "Da war plötzlich Panik.

Die Leute fielen um." Viele hätten geweint. "Neben mir lag eine Frau auf dem Boden. Die hat ganz schnell geatmet. Es war schrecklich."

Nach dem Unglück öffnet die Polizei alle Notausgänge des Areals. Die für den Verkehr aus Sicherheitsgründen ohnehin gesperrte Autobahn 59 neben dem Güterbahnhof wird als Fluchtweg freigegeben.

Teilnehmer der Veranstaltung werfen der Polizei vor, viel zu spät reagiert zu haben. Die Polizei weist das zurück.

"Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen", sagt der 21-jährige Raver Fabio.

"Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei aber erst einmal nichts.

"Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen", so Fabio. "Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."

Die schwersten Vorwürfe richten sich gegen die Stadt Duisburg und gegen den Veranstalter.

Am Samstagnachmittag verkündet Duisburg stolz einen Ansturm von 1,4 Millionen Menschen.

Doch das ehemalige Bahnhofsgelände hätte schon den erwarteten Ansturm von "weit über eine Million" Besuchern (so der Loveparade-Geschäftsführer am 23. Juli im Interview mit n-tv.de) nicht aufnehmen können.

Loveparade-Erfinder Dr. Motte, der mit den heutigen Organisatoren nichts zu tun hat, wirft den Veranstaltern "einen krassen Management-Fehler" vor. "Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal."

Von Selbstkritik zunächst keine Spur. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sagt: "Wir hatten im Vorfeld mit dem Veranstalter und allen beteiligten Partnern ein stichhaltiges Sicherheitskonzept ausgearbeitet."

Der Panikforscher Michael Schreckenberg verteidigt das Sicherheitskonzept, an dem er selbst beteiligt war.

Der Tunnel, in dem es zur Massenpanik gekommen war, sei groß genug ausgelegt gewesen, sagt der Professor am Samstagabend im Westdeutschen Rundfunk.

Laut Schreckenberg hatten kurz vor dem Unglück einzelne Jugendliche ein Gitter überrannt und waren eine ungesicherte Treppe hochgelaufen.

Einige von ihnen seien dann von der Treppe aus einer Höhe von acht bis zehn Metern nach unten gestürzt.

Dass "Menschen von oben herunterfallen" sei ein Fall gewesen, der überhaupt nicht in dem Sicherheitsplan vorgesehen gewesen sei, betonte Schreckenberg.

Feuerwehren und andere Rettungsdienste starten einen gigantischen Einsatz. Die A 59 wird zum Anlaufpunkt für Rettungsfahrzeuge und Hubschrauber.

In den Tunneln fahren noch Stunden später Notarztwagen mit Blaulicht.

Bis nach Mitternacht verlassen Leichenwagen den Unglücksort.

In der Nacht kommen erste Trauernde zu dem Tunnel, um ihr Mitgefühl mit den Opfern zu bekunden. Einige zünden Kerzen an.

Doch einige feiern einfach weiter.

Die Musik wird erst nach 23 Uhr abgestellt. Der städtische Krisenstab habe gewollt, "dass diese Veranstaltung in Ruhe ausklingt" und keine weitere Panik entstehe, begründet Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe die Entscheidung.

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