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Panorama

Das Monströse wird verhandelt: Josef Fritzl vor Gericht

 
Das Monströse ist verhandelt worden.

Das Monströse ist verhandelt worden.

Und die Welt schaute zu.

Vier Tage lang behandelte im niederösterreichischen St. Pölten das Amtsgericht einen Prozess, ...

... der die Dimensionen des Fassbaren übersteigt.

Josef Fritzl stand vor Gericht, ...

... ein Mann, in dem viele nur "das Monster" oder "das Biest" sehen.

Der Mann, der seine eigene Tochter Elisabeth 24 Jahre in ein Kellerverlies sperrte und sie tausende Male vergewaltigte.

Der seine Tochter monatelang ankettete, ...

... je nach Laune das Essen verweigerte, ...

... sich zum Herren über Leben und Tod aufschwang.

Sieben Kinder zeugte Fritzl mit seiner Tochter, ...

... die diese ohne ärztliche Hilfe in dem Kellerkerker zur Welt bringen muss.

Ein erkrankter Säugling starb kurz nach der Geburt, weil Fritzl ihm ärztliche Hilfe versagte.

Eher zufällig kommt dann, nach 24 Jahren, am 27. April 2008 die furchtbare Wahrheit ans Licht, ...

... als er Elisabeth gestattet, ihre schwer erkrankte Tochter im Krankenhaus zu besuchen.

Fritzl wird verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft, ...

... wo er ein unauffälliges Häftlingsdasein führt und versucht, das Bild des fürsorglichen Vaters zu retten.

"Ich bin kein Monster", ...

... erklärt er noch wenige Tage vor dem Prozess.

Er habe seine Tochter "geliebt".

Auch zum Prozessauftakt erscheint Fritzl unbelehrbar.

Versteckt hinter Aktenordnern wird er ins Gericht geführt, ...

... wo er sich lediglich "teilweise" schuldig bekennt.

Aber dann wird die elfstündige Videoaussage seiner Tochter abgespielt, ...

... was offenbar zu einem Sinneswandel führt.

Diese Aussage habe eine "Erschütterung" ausgelöst, so Fritzls Verteidiger, Staranwalt Rudolf Mayer.

Nun habe Fritzl wohl erstmals "gefühlt", was er tatsächlich verbrochen habe.

Hinzu kam, dass Fritzls Tochter Elisabeth bei der Vernehmung ihres Vaters im Gerichtssaal saß.

Schon vorher sei der Angeklagte "sichtlich verfallen", meint Verteidiger Mayer.

"Als er bemerkt hat, dass die Elisabeth dort (auf der Zuschauertribüne) sitzt, war's mit ihm ganz aus!" (Im Bild: Die Opferanwältin Eva Plaz)

Und dadurch kommt es am dritten Prozesstag zu der überraschenden Wende:

Fritzl bekennt sich schuldig in allen Punkten der Anklage:

Mord, Vergewaltigung, Blutschande, jahrzehntelange Freiheitsberaubung.

Die Aussagen der Tochter waren per Video aufgenommen worden.

So sollte ihr eine Konfrontation mit ihrem Peiniger erspart bleiben.

Die Öffentlichkeit wird ausgesperrt beim Abspielen des Videos. Zu privat sind die Details.

Die mehr als 90 Medienvertreter vor Ort müssen sich mit kleinen Brocken zufriedengeben.

Mit den wenigen Bildern des Inzesttäters, ...

... mit Interviews mit Experten jeder Art, ...

... mit Aktionskünstlern vor dem Gericht ...

... und den spärlichen Aussagen des Vizepräsidenten des Landgerichts, Franz Cutka, ...

... der auf nachmittäglichen Pressekonferenzen Rede und Anwort stehen muss.

Wie es Fritzl gehe (hier ein Bild von 1951), ...

... wann er aufgestanden sei, ...

... was er gegessen habe.

Dabei ist die Grenze fließend zwischen dem Interesse am Unbegreiflichen und der Sensationslust, ...

... unter der nun, nach den Jahren der Tortur, Fritzls Kinder leiden.

Seitdem sie im vergangenen Jahr die Klinik verlassen haben, versuchen sie an einem unbekannten Ort ein neues Leben zu beginnen.

Doch ob sie auch in Zukunft ihre Privatsphäre aufrechterhalten können, ist fraglich.

Schon jetzt hat haben Boulevardzeitungen allen Appellen zum Trotz zahllose Details aus dem Keller geschildert, die Londoner "Sun" druckte bereits Bilder eines Paparazzo.

Und auch nach der Verurteilung ihres Vaters zu lebenslanger Haft ...

... wird das Martyrium der Kinder weitergehen. (Alle Bilder: Reuters, AP, dpa)

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