Unterwäsche wurde ihm zum Verhängnis: Mafia-Boss Provenzano verhaftet
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Nach mehr als 40 Jahren auf der Flucht ist der meistgesuchte Mann Italiens, Mafia-Boss Bernardo Provenzano, im April 2006 in seiner Heimat Sizilien verhaftet worden.Bild 1 von 35 Die Festnahme des 73-Jährigen gilt als größter Erfolg des Staates gegen das organisierte Verbrechen seit mehr als zehn Jahren.Bild 2 von 35 Wegen seiner Verwicklung in einige der berüchtigtsten Mafia-Verbrechen wurde Provenzano bereits in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.Bild 3 von 35 Mafiaaussteiger, die später als "pentiti" vor Gericht aussagten, erzählten von "mindestens 40 Morden", in die Provenzano direkt oder indirekt verwickelt gewesen sein soll, ...Bild 4 von 35 ? darunter die Ermordung des Untersuchungsrichters Giovanni Falcone ?Bild 5 von 35 ? sowie des Untersuchungsrichters Paolo Borsellino, beide im Jahr 1992.Bild 6 von 35 Provenzano war seit 1963 auf der Flucht. Das letzte bekannte Foto von ihm stammt aus dem Jahr 1959 und wurde aufgenommen, als er 25 Jahre alt war. Damals war er beim Käseklauen erwischt worden.Bild 7 von 35 Spätere Fahndungsfotos waren nur Computerbilder. Besonders ähnlich waren die nicht. Der Grund ist klar: An den Phantombildern hatten inhaftierte Mafiosi mitgewirkt, also einstige Helfershelfer des Paten.Bild 8 von 35 Die Polizei spürte "Don Binnu" am Dienstagmorgen auf einem abgelegenen Hof nahe der sizilianischen Stadt Corleone auf, ?Bild 9 von 35 ? die durch die Film-Reihe "Der Pate" zweifelhaften Ruhm als "Hauptstadt der Mafia" erlangt hat.Bild 10 von 35 Am Tag nach der Festnahme ordnete die Staatsanwaltschaft in Palermo die Festnahme von drei Vertrauten des Paten an. Die Männer, die wie Provenzano aus Corleone kommen, sollen dem Mafia-Boss Nachrichten und Briefe aus ganz Sizilien in sein Versteck weitergeleitet haben.Bild 11 von 35 Bernardo Provenzano war Anfang 1993 nach dem Tod von Luciano Liggio und der Verhaftung von Toto Riina (Bild) an die Spitze der sizilianischen Cosa Nostra aufgestiegen. "Er schießt wie ein Gott, schade nur, dass er das Gehirn eines Huhns hat", soll Liggio einmal über Provenzano gesagt haben.Bild 12 von 35 "Dies ist die Geschichte von drei Bossen, die als halbe Analphabeten Mitte der 50er Jahre in Corleone aufgewachsen sind und sich entschieden haben, sich das, was sie wollen, mit Waffengewalt zu nehmen", schrieben Kommentatoren.Bild 13 von 35 Dennoch war Provenzano offenbar schlau genug, 43 Jahre der Polizei zu entkommen. Mehrfach wurde er totgesagt - zuletzt nicht einmal zwei Wochen vor seiner Festnahme.Bild 14 von 35 Einmal tauchte der "Pate" zu einem Treffen der Cosa Nostra als Bischof verkleidet auf. Die Tarnung sei allerdings bei anderen Teilnehmern auf Missfallen gestoßen - wohl weil es ihnen wie Gotteslästerung erschien, schilderte eine Augenzeugin vor Gericht.Bild 15 von 35 Zu einer Prostata-Operation in der südfranzösischen Stadt Marseille reiste Provenzano im Oktober 2003 in einem Wagen mit Chauffeur an. In der Klinik gab er sich als armer Bäcker aus Sizilien aus. Der falsche Pass, den er bei sich trug, stammte aus einer sizilianischen Amtsstube.Bild 16 von 35 Provenzano war 1963 nach mehreren Morden an Rivalen untergetaucht. In dieser Zeit trug er wegen der unbarmherzigen Art, mit der er Feinde des Corleone-Clans niedermähte, den Spitznamen "der Traktor".Bild 17 von 35 Dieser Name gefiel ihm später nicht mehr. Von seinen Leuten soll er vor einigen Jahren verlangt haben, ihn nicht mehr "Traktor", sondern "professore" zu nennen.Bild 18 von 35 In den vergangenen 13 Jahren revolutionierte Provenzano das Gebaren der Mafia. Er führte einen weniger grausamen Führungsstil ein.Bild 19 von 35 Zudem stellte die Mafia die Aufsehen erregenden Morde an prominenten Feinden wie Polizisten, Staatsanwälten und Politikern ein und verhängte eine "Pax mafiosa" über die sizilianische Insel.Bild 20 von 35 Nicht etwa plötzlich entdeckte Menschenfreundlichkeit war das Motiv. Provenzano wollte, dass die Mafia aus dem Blickfeld der Polizei rückt. In der ruhigeren Atmosphäre sollte sich die Organisation dann stärker auf ihre Geschäfte mit Erpressung und Drogenhandel konzentrieren können.Bild 21 von 35 Zur Legende wurde das "Phantom von Corleone" wegen seiner Fähigkeit, immer wieder der Polizei zu entkommen. Stets schaffte er es, sich in letzter Minute aus dem enger werdenden Netz herauszuwinden.Bild 22 von 35 Im vergangenen Jahr sorgte der italienische Chefankläger für Mafia-Verbrechen, Pietro Grasso, für einen Skandal mit der Bemerkung, Provenzano werde von Polizisten und Politikern geschützt.Bild 23 von 35 Eine Fährte führte nach Deutschland: Dort sollen Provenzanos Ehefrau und seine beiden Söhne Angelo und Paolo zeitweise gelebt haben. Dann, in den 90er Jahren, kehrten sie wieder in die Heimat zurück. Angeblich arbeitet Paolo als Italienischlehrer an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen.Bild 24 von 35 Auch in dem Bauernhaus, in dem Provenzano verhaftet worden war, wurden zahlreiche Briefe gefunden, in denen es um die Organisation der Mafia auf Sizilien gehen soll.Bild 25 von 35 An seine Getreuen schickte Provenzano Zettel mit Befehlen, die mit der Drohung endeten: "Sorgt dafür, dass ich mich nicht blamiere."Bild 26 von 35 Gefunden wurde auch Provenzanos Schreibmaschine, eine uralte Olivetti 32 (hier verborgen unter einem Handtuch).Bild 27 von 35 Zum Verhängnis wurde Provenzano seine Unterwäsche. Die Ermittler hatten ein Telefonat abgehört, in dem ein Vertrauensmann sich mit seinem Gesprächspartner darüber abstimmte, wann er dem Boss seine saubere Wäsche bringen soll.Bild 28 von 35 Bei seiner Verhaftung leistete der 73-Jährige keinerlei Widerstand, sagte aber auch kein Wort. Erst ein DNS-Test bestätigte seine Identität.Bild 29 von 35 Provenzano galt als Hauptvertreter einer neuen Strategie der Cosa Nostra - "minimale Sichtbarkeit, maximale Geschäftstätigkeit", schrieb die Zeitung "Messaggero" aus Rom.Bild 30 von 35 In Corleone, wo Provenzanos Ehefrau Saveria eine Wäscherei betreibt, stieß die Nachricht von der Festnahme des Mafia-Bosses auf Unglauben. "Die Menschen sind geschockt", berichtet der auf Mafia-Recherchen spezialisierte Journalist Dino Paternostro.Bild 31 von 35 "Der Mythos seiner Unbesiegbarkeit ist zum Teil ihrer Denkweise geworden", so Paternostro weiter. "Die meisten Menschen glaubten, dass er niemals gefasst werden könnte."Bild 32 von 35 In Palermo wurde Provenzano von einer wütenden Menge beschimpft, als ihn die Ermittler in das Polizeigebäude eskortierten.Bild 33 von 35 Viele jubelten.Bild 34 von 35 Mafia-Jäger Grasso (Bild) warnt jedoch, jetzt könne es auf Sizilien zu einem "Nachfolgekrieg" kommen. Als Kandidaten gelten der seit 1983 flüchtige Salvatore Lo Piccolo sowie Matteo Messina Denaro, der seit 1993 gesucht wird.Bild 35 von 35
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