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Dienstag, 17. November 2015

Unter Eindruck des 2. Weltkriegs entstanden: Unesco ist mehr als nur Weltkulturerbe

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Die meisten Menschen verbinden mit der Unesco deren berühmte Welterbe-Liste, ... (Foto: Reuters)

Die meisten Menschen verbinden mit der Unesco deren berühmte Welterbe-Liste, ...

Die meisten Menschen verbinden mit der Unesco deren berühmte Welterbe-Liste, ...

... also die Weltkultur- und ...

... Weltnaturerbestätten, die auf dieser Liste zu finden sind. (Unesco-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin)

Der Titel "Welterbestätte der Unesco" ist begehrt, bringt er doch mediale Aufmerksamkeit ... (Kölner Dom)

... und ist mit der Hoffnung auf größeren Zuspruch durch Touristen verbunden. (Schloss Potsdam-Sanssouci)

Zum Welterbe Deutschlands gehören mittlerweile 40 Orte: ...

Der Aachener Dom wurde 1978 als erste deutsche Kulturstätte auf die Unesco-Liste gesetzt, …

... zuletzt kamen im Juli 2015 die Speicherstadt ...

... und das Kontorhausviertel in Hamburg dazu.

Aber die Unesco ist viel mehr als die Institution, die diesen Titel verleiht. Der Name steht für ...

... "United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization", Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie ist eine von 16 Sonderorganisationen der Vereinten Nationen und hat ihren Sitz in Paris.

Derzeit sind 195 Mitgliedsstaaten (und 9 assoziierte Mitglieder) in der Unesco vertreten. Bei ihrer Gründung ...

... waren es 37. So viele Staaten unterzeichneten am 16. November 1945 in London die Verfassung der Unesco, etwa ein Jahr später trat sie dann in Kraft. (im Bild: Unesco-Generalversammlung 1952 in Paris)

Die Bundesrepublik Deutschland wurde im Juli 1951 in die Unesco aufgenommen, die Deutsche Demokratische Republik erst im November 1972. (im Bild: Schloss Sanssouci, 1971)

In der Präambel ihrer Verfassung steht die Leitidee der Unesco: "Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden." (im Hintergrund: Festung Ehrenbreitstein, seit 2002 Teil des Welterbes Oberes Mittelrheintal)

Die Unesco entstand also ebenso wie Uno, ...

... die am 26. Juni 1945 gegründet worden war (im Bild: US-Präsident Truman bei seiner Rede nach Unterzeichnung der Gründungscharta der Uno in San Francisco), ...

... ganz unter dem Eindruck der verheerenden Zerstörungen, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte. Eine der gezogenen Lehren war, dass ein Frieden, ...

... der nur auf politischen und wirtschaftlichen Abmachungen von Regierungen beruht, nicht ausreicht. Der Frieden müsse, "um nicht zu scheitern, in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden".

Daraus leiten sich die Aufgabengebiete ab, denen sich die Unesco verschrieben hat: die Förderung von Erziehung, Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation und Information (Medienpolitik).

Auf dem Gebiet der Erziehung setzt sich die Unesco vor allem für Bildung ein. Unter dem Namen "Bildung für alle" (Education for All, EFA) hatte sie im Jahr 2000 ein Programm aufgestellt mit einem sehr ehrgeizigen Ziel: ...

... Bis 2015 sollten alle Kinder weltweit eine Grundschulbildung erhalten. Die Bilanz ist - bei allen Fortschritten - jedoch eher bescheiden. Nur die Hälfte aller Staaten biete heute jedem Kind eine Grundschulbildung, so die UN im April 2015.

Rund 58 Millionen Kinder können nach wie vor keine Schule besuchen. Nur ein Drittel aller Staaten hat die Bildungsziele wie vereinbart erreicht. Die angestrebte Halbierung der Zahl von Analphabeten wurde in drei Vierteln der Länder verfehlt, stellte die Unesco fest.

Zu den Erfolgen des Aktionsprogramms gehört, dass heute 50 Millionen mehr Kinder als 1999 zur Schule gehen. Vor allem der Anteil von Mädchen ist gestiegen.

Laut Unesco sind jährlich zusätzlich 22 Milliarden Dollar nötig, um die Bildungsziele doch noch zu erreichen - um die Zahl der Lehrer zu erhöhen, neue Schulen zu bauen und Schulbücher zu kaufen. Rund vier Millionen mehr Lehrer seien notwendig, um allen Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.

Beim Aufgabengebiet Wissenschaft geht es der Unesco vor allem um die Förderung zwischenstaatlicher Zusammenarbeit bei Wissenschaft und Technik.

Hauptziele dabei sind der Erhalt der Arten ...

... und der Trinkwasservorräte. Die Unesco ist nach eigenen Angaben "die Weltorganisation mit der größten Expertise zu allen Fragen rund um das Wasser".

Im Unesco-Bereich Kultur verwaltet das Welterbekomitee ("World Heritage Committee") das Weltkultur- und Weltnaturerbe der Menschheit, zusammengefasst unter Welterbe.

Hier geht es nicht nur um die jährlichen Neuaufnahmen oder Streichungen von Welterbestätten von der Liste, ...

... das Komitee setzt bei seinen Sessions auch Stätten auf die "Rote Liste des gefährdeten Welterbes". Darauf befindet sich derzeit zum Beispiel die Klagemauer in Jerusalem, wegen umstrittener Bauarbeiten.

Auch der Kölner Dom stand von 2004 bis 2006 auf der Roten Liste - Begründung: "Die visuelle Integrität des Doms und die Kölner Stadtsilhouette waren durch die Hochhausplanungen auf der dem Dom gegenüberliegenden Rheinseite gefährdet."

Die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal, 2004 gerade erst aufgenommen in die Weltkulturerbeliste, kam bereits 2006 auf die Rote Liste, 2009 schließlich wurde der Titel wieder aberkannt - wegen der ...

... Waldschlößchenbrücke. Die Unesco sieht sie als landschaftszerstörend an, laut Gutachten zerteilt die Brücke "den zusammenhängenden Landschaftsraum des Elbbogens an der empfindlichsten Stelle". Das Dresdner Elbtal ist damit eins von nur zwei Welterbestätten bisher, die endgültig von der Liste gestrichen wurden (die andere ist das Wildschutzgebiet der Arabischen Oryxantilope in Oman).

Im Oktober 2003 wurde von der Unesco die Konvention zur Erhaltung des "immateriellen Kulturerbes" verabschiedet - dazu zählen "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten sowie die dazugehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume". Der argentinische und uruguayische Tango steht beispielsweise auf dieser Liste, ...

... die Pfeifsprache El Silbo von der zu Spanien gehörenden Kanareninsel La Gomera ...

... und die türkische Kaffeekultur und -tradition. Die Liste umfasst bislang 314 "kulturelle Ausdrucksformen". Es kommen aber ständig mehr dazu.

Die deutschen Bäcker sähen ihre Brotkultur auch gern auf der Unesco-Liste des immateriellen Welterbes. Das soll der Vielfalt des deutschen Brotes offizielle Anerkennung bringen.

Harte Konkurrenz: Auch das Reinheitsgebot für Bier ist im Rennen für Deutschland, ...

... der rheinische Karneval, der Genossenschaftsgedanke und noch einiges andere. Ende 2016 entscheidet die Unesco über die Aufnahme in die Liste.

Im Aufgabenbereich Kommunikation und Information schließlich befasst sich die Unesco mit der Informationsgesellschaft und den damit verbundenen Problemen.

Sie setzt sich für die Pressefreiheit ein ...

... und den Zugang zu Informationen. Dafür bildet sie ...

... Journalisten aus, baut Radiostationen und Nachrichtenagenturen auf und ...

... vermittelt Medienkompetenz, vor allem in Entwicklungsländern.

Zudem betreibt die Unesco unter dem Kürzel EOLSS eine große wissenschaftliche Online-Enzyklopädie.

In den 70 Jahren seit ihrer Gründung hat die Unesco viel erreicht, doch ist ihre Bilanz auch umstritten. Zu wenig sichtbar, zu schwerfällig und gelähmt durch die großen Konflikte in der Welt - so lauten einige der Kritikpunkte.

Doch die Unesco-Direktorin Irina Bokova ist überzeugt, dass die Mission zur Förderung von wissenschaftlichem und kulturellem Austausch heute wichtiger ist denn je: "Die Unesco wurde geschaffen, um den Frieden im Geist der Frauen und Männer zu verankern durch Kooperation in den Bereichen der Bildung, Wissenschaft und Kultur. Diese Idee ist heute relevanter denn je mit der Zunahme der Konflikte und der Intoleranz, die viele Gesellschaften verwüstet", ist sie überzeugt.

Ihren 70. Geburtstag am 16. November 2015 feierte die Unesco mit einem zweitägigen Gipfeltreffen in Paris, wo sie ihren Sitz hat.

Zu dem "Leader's Forum" kamen mehrere Staats- und Regierungschefs. Die Feiern wurden überschattet ...

... von den islamistischen Anschlägen in der französischen Hauptstadt vom Freitagabend. Der iranische Präsident Ruhani sagte daher seine Teilnahme ab.

Die Unesco-Generaldirektorin Bokova eröffnete die Zeremonie zum Geburtstag. Dann blickten die Politiker auf die Erfolge der Organisation zurück und formulierten ihre Vorstellungen für die zukünftigen Aufgaben der Unesco: Was kann sie besser machen?

Die Unesco erklärte zudem aus aktuellem Anlass, die Politiker seien versammelt, "um den Terrorismus zu verurteilen und ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, mit der Organisation für die Förderung von Dialog, Bildung und den Schutz des kulturellen Erbes in seiner Vielfalt zu arbeiten". Bokova äußerte ihre Solidarität mit Frankreich: "Paris steht für alles, was die Extremisten am meisten hassen und fürchten, eine Stadt des Lichts, eine freie Stadt in einem freien Land."

Frankreichs Präsident François Hollande hat aus Anlass des Jahrestages ein "Asylrecht" für Kulturgüter angekündigt, die durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefährdet sind. "Das Asylrecht gilt für Menschen, doch das Asyl gilt auch für Werke, das Welterbe", sagte er am 17. November bei der 70. Generalkonferenz der Unesco. Er sagte, Frankreich werde dieses Recht mit einem Gesetz zur Schaffensfreiheit einführen. Demnach sollen Museen bedrohte Kulturschätze in Frankreich in Sicherheit bringen können.

Hollande (hier mit Bokova) kündigte zudem an, dass Frankreich seine Zollkontrollen für geraubte Kulturgüter verschärfen werde. Außerdem werde es eine Resolution des UN-Sicherheitsrats ins französische Recht aufnehmen, die den Transport und Handel von illegal exportierten Kulturgütern verbietet. Der Präsident verwies darauf, dass die IS-Miliz in Syrien und dem Irak sich auch durch Raubgrabungen und den illegalen Verkauf von Kulturgütern finanziere. (abe/dpa/AFP)

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