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Die größten Sektentragödien: Vom Paradies zur Hölle auf Erden

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Anfang September 2013 holt die Polizei 40 Kinder aus der Sekte "Zwölf Stämme". Schon seit Jahren beschäftigt das merkwürdige Treiben der Glaubensgemeinschaft die bayerischen Behörden. (Foto: picture alliance / dpa)

Anfang September 2013 holt die Polizei 40 Kinder aus der Sekte "Zwölf Stämme". Schon seit Jahren beschäftigt das merkwürdige Treiben der Glaubensgemeinschaft die bayerischen Behörden.

Anfang September 2013 holt die Polizei 40 Kinder aus der Sekte "Zwölf Stämme". Schon seit Jahren beschäftigt das merkwürdige Treiben der Glaubensgemeinschaft die bayerischen Behörden.

Die Vorwürfe reichen von schlechter Ernährung, ignorierter Schulpflicht bis hin zu fehlender medizinischer Versorgung. Seit Längerem besteht auch der Verdacht, dass die Kinder körperlich gezüchtigt und seelisch misshandelt werden.

Doch erst als ein TV-Journalist Prügelstrafen mit dem Rohrstock öffentlich macht, greifen die Behörden ein und entziehen den Eltern vorläufig das Sorgerecht.

Dass in der heilen Welt in Klosterzimmern ein Prügelregiment herrschen soll, kann sich hier hier keiner vorstellen. Die Anhänger der "Zwölf Stämme" seien "harmlose, liebe Menschen", heißt es in der Nachbarschaft.

Überall auf der Welt operieren unheimliche Sekten im Verborgenen. In kleinen elitären Kreisen hoffen ihre Mitglieder auf Halt und Erlösung. Fanatische Gurus finden mit ihren Predigten vor allem bei gesellschaftlichen Außenseitern Anklang.

Sie verlassen Freunde und Familie, um abgeschottet von der Außenwelt ein "besseres Leben" zu führen. Doch was sie finden, ist die Hölle - und meist bemerken sie es zu spät.

Die Bilder, die im November 1978 um die Welt gehen, sind grauenvoll. Sie zeigen die Siedlung Jonestown im Norden Guyanas.

Unzählige Leichen, Männer, Frauen, alte Menschen und Kinder liegen dicht an dicht über das Areal verteilt. Die Tragödie von Jonestown forderte nach heutigem Kenntnisstand 913 Opfer.

Die Toten sind Anhänger der Peoples-Temple-Sekte, einer in den fünfziger Jahren von dem US-Amerikaner Jim Jones gegründeten religiösen Bewegung. Weil sich allerdings viele Skandalgeschichten um seinen Tempel in Indianapolis ranken, siedelt der Guru mitsamt seinen Anhängern nach Guyana über.

Doch der "bessere Ort" wird für sie zur Hölle auf Erden. Nahrungsmittel sind knapp, die hygienischen Zustände katastrophal, das Gelände streng abgeschottet. Wer Jones nicht folgt, den erwarteten Prügel, Folter und Gefangenschaft.

Der Massenselbstmord wurde während sogenannter "Weißer Nächte" bereits mehrfach geprobt. Allerdings ohne tödlicher Beigabe. Bis zu jenem Tag, als Jones die Nerven verliert und seinen Jüngern mit Zyankali versetzten Traubensaft verabreicht, der binnen weniger Minuten zum Tod führt.

1993 halten die Branch Davidians die Welt in Atem. Es handelt sich dabei um eine Sekte, die sich ehemals von den Davidianischen Siebenten-Tags-Adventisten abgespalten hatte. Die Sekte um ihren Anführer David Koresh verschanzt sich 51 Tage lang vor der Polizei in einem Haus im texanischen Waco.

Gegen die Endzeitjünger wird wegen Kindesmissbrauch und illegalem Waffenbesitz ermittelt. Als sich das FBI Zutritt zu ihrem Hauptquartier verschaffen will, eskaliert die Lage. Die Davidianer eröffnen das Feuer, zehn Menschen sterben.

Es folgt ein erbittertes, weitere anderthalb Monate andauerndes Gefecht mit den US-amerikanischen Behörden, das von unzähligen Kameras live in alle Welt übertragen wird.

Bei einem neuerlichen Vorstoß des FBI kommt zur Katastrophe: ...

Die Davidianer zünden das Gebäude an. 76 Menschen sterben in einem Flammeninferno, weitere Sektenmitglieder erschießen sich selbst.

Bis heute ist nicht klar, wie gefährlich die Sekte tatsächlich war. Das FBI glaubt, Koresh habe seine Anhänger in den Suizid getrieben. Doch es gibt auch Stimmen, die das Vorgehen der Behörden für überzogen halten. Noch heute gibt es eine kleine Gruppe von Branch Davidians, die sich allerdings von Koreshs Methoden distanzieren.

Gleich drei schreckliche Massaker gehen in den neunziger Jahren auf das Konto der Sonnentempler-Sekte:

1994 in der Schweiz, 1995 in Frankreich und ...

... 1997 in Kanada werden insgesamt siebzig Leichen gefunden, die sternförmig angeordnet sind.

Ob die Opfer freiwillig starben, ist bis heute nicht klar. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Anhänger unter Drogen gesetzt und dann ermordet wurden.

Was die Entstehung des Ordre du Temple Solaire betrifft, gibt es keine verlässlichen Fakten. Die Sonnentempler berufen sich jedoch nach eigenen Aussagen auf den Orden der berühmten Tempelritter.

Luc Jouret und ...

... Joseph Di Mambro gelten als Köpfe der Sekte. Sie sehen sich als Wiedergeburten von Moses und Osiris und propagandieren ihren Jüngern ein Leben nach dem Tod. Beide sterben bei dem Massaker in der Schweiz.

Japan ist von einer Vielzahl religiöser Einflüsse geprägt, zuletzt wurden über 180.000 anerkannte Religionsgemeinschaften verzeichnet. Nicht alle sind harmlos.

1995 rücken die fanatischen Ōmu Shinrikyō, bei uns besser als Aum-Sekte bekannt, schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit. Der halb blinde Guru Shoko Asahara prophezeit seinen Anhängern Ende der 1990er Jahre die baldige Apokalypse.

Die Sektenmitglieder schotten sich vollkommen ab und verüben schließlich sogar einen heimtückischen Giftanschlag auf die Tokioter U-Bahn.

Im morgendlichen Berufsverkehr stechen fünf Sektenmitglieder in ihre mitgebrachten Plastikbeutel: Drei Kilo des flüssigen Nervengiftes Sarin verteilen sich in den U-Bahn-Waggons. 13 Menschen sterben, etwa 1000 weitere werden verletzt.

Asahara wird als Auftraggeber des Massakers zum Tod verurteilt, aber bisher nicht hingerichtet.

Trotz der wahnwitzigen Tat existiert der "Aum"-Kult nach wie vor. In vielen Ländern ist die Sekte verboten. In der EU wird Aleph (im Januar 2000 benannte sich die Sekte um) sogar auf der Liste Terroristischer Vereinigungen geführt.

Ein biederes deutsches Lager, regiert von einem herrschsüchtigen Führer, in dem Zwangsarbeit, Unterdrückung und Folter an der Tagesordnung sind - ...

... die Parallelen der Colonia Dignidad mit den Konzentrationslagern der deutschen Nazionalsozialisten sind nicht zu übersehen.

Die düsteren Vorgänge in der deutschen Enklave im Süden Chiles bleiben jahrelang im Verborgenen. Erst vor wenigen Jahren kommen die schrecklichen Details ans Licht.

Bereits in den 1940 er Jahren waren gegen den Gründer, den deutschen Jugendpfleger Paul Schäfer, Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs laut geworden. Aus dem Kirchendienst entlassen, zieht Schäfer als Laienprediger umher.

Mit der Idee, eine urchristliche Lebensgemeinschaft zu gründen, wandert er 1961 mit seinen Anhängern nach Chile aus.

Was als Wohlfahrts- und Erziehungsgesellschaft Würde beginnt, entwickelt sich während der Militärdiktatur unter Pinochet zu einem Folter- und Ermordungslager des chilenischen Geheimdienstes. Zahlreiche politische Gefangene und Regimegegner werden hier festgehalten - oder verschwinden spurlos.

Seine Anhänger leben abgeschottet von der Außenwelt. Ehepaare und Kinder werden getrennt, zahllose Jungen und Mädchen missbraucht. Mitgliedern, denen eine Flucht zur Deutschen Botschaft gelingt, werden von den Behörden zurückgeschickt.

Schäfer taucht 1996 unter. Erst 2005 wird er gefasst und vor Gericht gestellt.

Die Kolonie benennt sich daraufhin in Villa Baviera um und distanziert sich von den Vorgängen in der Vergangenheit. Kritische Stimmen vermuten jedoch, dass sich nur wenig an den inneren Zuständen geändert hat.

Mit dem Kometen Hale Bopp, der 1997 die Erde passierte, sieht die US-amerikanische Sekte Heaven's Gate das Ende ihres irdischen Daseins gekommen.

Die Jünger um Marshall Herff Applewhite und dessen Frau vermuten ein Raumschiff im Schweif des Kometen, das ihre Seelen aufnehmen und vor dem Weltuntergang retten soll.

Kurz bevor der Komet die Erde passieren sollte, bringen sich 39 Sektenmitglieder kollektiv um, um ihre Seelen für die Reise vorzubereiten.

Die Leichen liegen zugedeckt in einem Haus in Kalifornien, allesamt schwarz gekleidet, die Haare geschnitten, mit neuen Schuhen, Geld und Ausweispapieren ausgestattet.

Auch die afrikanische Bewegung zur Wiederherstellung der Zehn Gebote sieht einen angeblichen Weltuntergang kommen. Dieser sollte laut ihrem Guru Joseph Kibwetteere am 31. Dezember 1999 stattfinden. Doch als die Sonne auch am 1. Januar 2000 wieder aufgeht, verlangen die Mitglieder ihr Geld zurück.

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