Bilderserie

Vor 26 Jahren: Was geschah in Tschernobyl?

Bild 1 von 49
Am 26. April 1986 ereignet sich im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl die bisher schwerste nukleare Havarie der Menschheit.

Am 26. April 1986 ereignet sich im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl die bisher schwerste nukleare Havarie der Menschheit.

Am 26. April 1986 ereignet sich im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl die bisher schwerste nukleare Havarie der Menschheit.

Tschernobyl gilt zu dieser Zeit als das modernste Kernkraftwerk der Sowjetunion. Ein Zwischenfall gilt als unvorstellbar.

Am 25. April startet die Reaktormannschaft in Block 4 eine Versuchsreihe.

Unter der Leitung des stellvertretenden Chefingenieurs Anatoli Stepanowitsch Djatlow soll während einer planmäßigen Abschaltung ein totaler Stromausfall simuliert werden.

Der Reaktor bleibt in Betrieb, das Notkühlsystem und weitere Sicherheitssysteme werden nacheinander abgeschaltet.

Doch mittendrin muss das Experiment wegen einer Stromanforderung für neun Stunden verschoben werden, es wird erst nachts fortgesetzt.

Zu diesem Zeitpunkt ist unerfahreneres Schichtpersonal anwesend als eigentlich geplant.

Als der Reaktor schließlich bis auf 25 Prozent seiner Leistung heruntergefahren werden soll, kommt es zu einem Leistungsabfall bis in einen Bereich, in dem der Reaktor instabil läuft. Der Grund dafür ist bis heute ungeklärt, möglich sind ein Bedienfehler oder ein technischer Defekt.

Anstatt den Reaktor abzuschalten, versucht die Bedienmannschaft, die Leistung wieder zu steigern.

Dazu werden die Regelstäbe, mit deren Hilfe die Leistung des Reaktors gesteuert wird, aus dem Reaktorkern herausgezogen.

Weil der Tschernobyl-Reaktor ein grafitmoderierter Siedewasserreaktor ist, ist diese Entscheidung fatal.

Es kommt zu einem rapiden Anstieg der Reaktorleistung auf offenbar das 100-fache der Nennleistung, die Betriebsmannschaft versucht eine Notabschaltung. Dies misslingt, eine nukleare Kettenreaktion baut sich auf.

Der Reaktorkern erhitzt sich bis zum Schmelzpunkt des Kernbrennstoffs. Das Graphit im Reaktorinneren gerät in Brand.

Der Druck, der sich im Reaktor durch Aufheizung und Verdampfung aufgebaut hatte, ist bereits zu hoch.

Um 1.23 Uhr kommt es zu einer ersten Explosion, bei der Teile des Reaktors und des 64 Meter hohen Reaktorgebäudes zerstört werden.

Das über tausend Tonnen schwere Betondach wird weggesprengt, ...

... Brennelemente und Teile des Kerns werden in die Luft geschleudert. Wenige Sekunden nach der ersten Explosion kommt es zu einer zweiten Detonation.

Mit dem Großfeuer, das erst Tage später gelöscht werden kann, werden große Mengen Radionuklide in die Atmosphäre gesogen.

Die radioaktiven Emissionen, vor allem Jod 131 und das langlebigere Cäsium 137, verteilt der Wind über ganz Europa.

Eine erste Wolke zieht über Polen nach Skandinavien, eine zweite über Tschechien nach Deutschland und weiter westwärts, eine dritte verteilt den Fallout über Rumänien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei.

Um das Ausmaß der Katastrophe einzudämmen, muss der Reaktor gelöscht und abgedeckt werden.

Noch in der Nacht des 26. April beginnen Feuerwehrleute damit, Kühlwasser in den Reaktorkern zum pumpen.

Als das fehlschlägt, werden Militärhubschrauber organisiert, ...

... mit deren Hilfe man Blei, Bor, Sand und Lehm abwirft, insgesamt rund 5000 Tonnen Material.

Dies führt jedoch zum gegenteiligen Effekt: Durch die Abdeckung erhöht sich die Temperatur und es werden umso mehr radioaktive Materialien freigesetzt.

Erst als der Reaktor mit Stickstoff gekühlt werden kann, gelingt es nach zehn Tagen den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Die Sowjetunion versucht zunächst in altbewährter Manier, die Katastrophe zu vertuschen. Noch 12 Stunden nach der Explosion behauptet die Kraftwerksleitung, der Reaktor sei intakt geblieben.

Am 27. April wird in Nordfinnland stark erhöhte Strahlung gemessen. Sie soll "höchstwahrscheinlich aus einem Kernkraftwerk in der Sowjetunion" entwichen sein.

Die 45.000 Bewohner der nur vier Kilometer entfernten Stadt Pripjat werden evakuiert.

Einen Tag später meldet die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS erstmals den Unfall in Tschernobyl.

Der Reaktor sei beschädigt worden und man habe Maßnahmen zur Beseitigung der Havarie ergriffen, lautet die offizielle Sprachregelung nach der zunächst verhängten Nachrichtensperre der Sowjetunion.

Die Deutsche Presseagentur verschickt eine Eilmeldung zu dem Unglück.

Die 130.000 Bewohner der 30-Kilometer-Zone um den Reaktor holt man erst am 4. und 5. Mai aus der Gefahrenzone.

Damit der Reaktor keine Radioaktivität mehr an die Umwelt abgeben kann, muss er abgedeckt werden.

Bis zum Herbst 1986 wird daher ein sogenannter Sarkophag aus Beton um den Reaktor gebaut.

Schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Männer, sogenannte "Liquidatoren", sind dafür in und um Tschernobyl im Einsatz.

Sie sollen die Folgen der Katastrophe beseitigen.

Der Sarkophag ist für eine Dauer von 20 bis 30 Jahren ausgelegt, doch bereits nach einigen Jahren zeigen sich schwerwiegende Schäden.

1997 wird bei einer internationalen Konferenz, an der sich unter anderem die G7-Staaten, Russland, die Ukraine und die Europäische Union beteiligten, der Bau einer neuen Hülle beschlossen, die den zerstörten Reaktor für mindestens 100 Jahre sicher umgeben soll.

Nach vielen Verzögerungen soll die neue Schutzhülle nun 2013 fertig sein.

Im Dezember 2000 wird der dritte und letzte noch arbeitende Tschernobyl-Reaktor endgültig abgeschaltet.

Noch heute leiden die Menschen in den betroffenen Regionen in der Ukraine und in Weißrussland an den Folgen der radioaktiven Verseuchung.

Schwere Erkrankungen, vor allem der Schilddrüse, und eine Krebsrate, die 30-mal so hoch ist wie die vor der Katastrophe, machen das Ausmaß deutlich.

Die Feuerwehrleute, die unmittelbar nach dem Unfall an den Folgen der Strahlung starben, sind als Tschernobyl-Opfer anerkannt.

Doch genaue Zahlen, wie viele Menschen wirklich an den Folgen von Tschernobyl gestorben sind, sind schwer zu ermitteln, nicht zuletzt weil die Krankenakten der Liquidatoren geheim gehalten werden und selbst behandelnden Ärzten nicht zur Verfügung stehen.

Man geht aber davon aus, dass bis heute über 100.000 Liquidatoren gestorben sind.

Noch heute ist ein weitläufiges Gebiet um das ehemalige Kernkraftwerk unbewohnbar und sollte nicht betreten werden.

Durch die Folgen des Reaktorunglücks sind ungezählte Menschen sozial entwurzelt worden.

Tschernobyl und später Fukushima lösen ein intensives Nachdenken über die Risiken der Kernenergie aus. In der Folge beschließt Deutschland als erster Industriestaat weltweit den Ausstieg aus der Atomkraft.

weitere Bilderserien