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Montag, 18. September 2006

Unrühmliche Schlagzeilen: 15 Jahre Hoyerswerda

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15 Jahre ist her, dass die Stadt Hoyerswerda tagelang für Schlagzeilen sorgt.

15 Jahre ist her, dass die Stadt Hoyerswerda tagelang für Schlagzeilen sorgt.

15 Jahre ist her, dass die Stadt Hoyerswerda tagelang für Schlagzeilen sorgt.

In der einstigen Musterstadt im Nordosten Sachsens attackieren hunderte Rechtsextremisten und Mitläufer Ausländerwohnheime mit Pflastersteinen und Molotow-Cocktails.

Angefangen hatte alles auf dem Gemüsemarkt am 17. September 1991. Acht angetrunkene Skinheads pöbeln vietnamesische Händler an.

Am gleichen Abend ziehen Rechte vor ein Hochhaus in der Albert-Schweitzer-Straße, wo Mosambikaner und Vietnamesen wohnen. Steine fliegen, Flaschen werden geworfen.

Das geht einige Nächte so. Immer mehr Menschen schließen sich den Randalierern an. Am 20. September ziehen die Angreifer ab und nehmen nun das Asylbewerberheim in der Thomas-Müntzer-Straße ins Visier. Auch hier fliegen Steine und Brandsätze.

Die Polizei schaut zu. Zwar versuchen einige Beamte, die Belagerung mit Wasserwerfern und Schlagstöcken zu beenden, doch bleiben sie erfolglos. Erst als der Grenzschutz zu Hilfe kommt, hat der Spuk ein Ende. Am 23. September kann das Heim geräumt werden. 230 Ausländer verlassen die Stadt.

Das Bittere: Nicht nur Rechtsextremisten und Neonazis nahmen an den Krawallen teil, sondern auch "normale" Einwohner der Stadt Hoyerswerda. Sogar aus Leipzig und Hamburg kamen Randalierer angereist.

Die Bilanz: 32 Verletzte. Joschka Fischer, damals noch Umweltminister in Hessen, spricht nach den Krawallen in Hoyerswerda vom "ersten Pogrom nach 1945".

Hoyerswerda war erst der Beginn. Das so genannte "Sonnenblumenhaus" in Rostock-Lichtenhagen ist Ende August 1992 Schauplatz tagelanger Krawalle.

Dort ist die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber untergebracht.

Rechtsradikale Randalierer werfen Brandsätze durch die Fenster des Hauses, die in dem Gebäude zwei Treppenhäuser und etliche Wohnungen in Brand setzen.

Auch Autos gehen in Flammen auf.

Die Räume des Asylbewerberheims brennen völlig aus. Mehr als 100 Vietnamesen können sich erst in letzter Minute über das Dach des Hauses retten.

Damit nicht genug: Am 23. November 1992 werfen zwei Männer Molotow-Cocktails in zwei Wohnhäuser in Mölln und setzen sie in Brand.

Drei Türkinnen kommen ums Leben. Außerdem werden neun Menschen verletzt, fünf von ihnen schwer.

In der Nacht zum 29. Mai 1993 wird auf das Haus der Familie Genc in Solingen ein Brandanschlag verübt.

Mevlüde Genc verliert dabei zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte.

Seitdem waren rechtstremistische Aktionen zwar meist weniger spektakulär, aber nicht minder gewalttätig.

Nach wie vor ist Gewalt gegen Ausländer ein massives Problem in manchen Gegenden Deutschlands.

Einige Landstriche sind inzwischen "No Go Areas" für Ausländer, ...

... rechtsextremistische Parteien erfreuen sich mit ausländerfeindlichen Parolen wachsender Zustimmung.

NPD und DVU sind inzwischen sogar in den Landesparlamenten von vier Bundesländern vertreten.

Regelmäßig kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen.

Bundesweit nehmen rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten zu.

Allein im Jahr 2005 wurden 15.361 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund begangen. Davon waren 958 Gewalttaten. 2004 waren es noch deutlich weniger: 12.051 Straftaten, davon 776 Gewalttaten.

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