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Ob Bordell, Steinbruch oder Armee: Das Geschäft mit der Kinderarbeit

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Ob auf Müllkippen ... (Foto: REUTERS)

Ob auf Müllkippen ...

Ob auf Müllkippen ...

... oder in Werkstätten, ...

... in Ziegeleien ...

... oder auf Plantagen: ...

Weltweit werden Kinder zur Arbeit gezwungen.

Unicef geht von rund 150 Millionen Kindern zwischen 5 und 14 Jahren aus, die regelmäßig mehrere Stunden am Tag arbeiten müssen.

Anderen Schätzungen zufolge sind es sogar mehr als 215 Millionen.

Weit mehr als die Hälfte von ihnen, rund 125 Millionen, müssen dabei unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten.

Gang und gäbe ist Kinderarbeit in Afrika.

Hier arbeitet etwa jedes dritte Kind.

Ein Grund dafür ist die Aids-Epidemie.

"15 Millionen Kinder haben ihre Eltern verloren", meint Unicef-Sprecher Rudi Tarneden zu den Zuständen in Afrika.

"Die älteren müssen dann die jüngeren Geschwister großziehen und Geld verdienen."

Doch auch in Asien ...

... und Südamerika kommen viele Familien nicht ohne das Einkommen ihrer Kinder aus.

Und sei es auch noch so gering.

Meist sind die Familien so arm, ...

... dass jeder arbeiten muss.

Vielfach sind die Schulen auch schlicht zu weit weg und teuer.

Selbst wenn sie kostenlos sind, ...

... können sich viele Schuluniform sowie Bücher und Hefte nicht leisten.

In Asien gibt es zudem noch immer die Schuldknechtschaft.

Arbeitgeber leihen dabei ihren Arbeitern oft zu horrenden Zinsen Geld, das diese nicht zurückzahlen können.

Die Eltern müssen dann ihre Kinder verpfänden, ...

... damit diese die Schulden abarbeiten.

Oft ein Leben lang.

Für die Arbeitgeber liegt der Vorteil auf der Hand.

Kinder sind extrem billig, ...

... in Massen verfügbar ...

... und begehren nur selten auf.

Selbst wenn sie vom frühen Morgen bis in die Nacht arbeiten müssen und die Arbeitsumstände noch so gefährlich sind.

Eine besonders kriminelle Form der Kinderarbeit ist die der Kinderprostitution.

Etwa 1,2 Millionen Kinder, so schätzt man, arbeiten in Bordellen oder auf dem Strich.

Für umgerechnet nur wenige Cents müssen sie ihren Kunden sexuell zur Verfügung stehen.

In Zeiten von Aids bevorzugen die Freier besonders junge Mädchen.

Kinder wie die elfjährige Shefali aus Bangladesch müssen dabei rund 20 bis 25 Männern am Tag zu Diensten sein.

Wie viel sie verdient, weiß sie nicht. Alles Geld steckt ihre Mutter, die selbst Prostituierte ist, ein.

In manchen Kulturen glauben Männer auch, dass Sex mit einer Jungfau sie von Aids heilen kann, ...

... sie verjüngt oder reich macht.

Viele Freier fotografieren oder filmen dabei die Kinder und stellen die Bilder ins Netz.

Es ist ein lukratives Geschäft.

Laut Unicef werden allein mit Kinderprostitution und Kinderpornografie im Jahr rund 6 Milliarden Euro umgesetzt.

Eine andere Form von Kinderarbeit findet sich in vielen Konfliktregionen.

Rund 250.000 Kinder müssen weltweit als Soldaten dienen.

Sie müssen kämpfen und töten, gezwungen von Regierungstruppen oder bewaffneten Gruppen.

Geschätzte 40 Prozent von ihnen sind Mädchen.

Dabei verbietet ein vor zehn Jahren in Kraft getretenes Abkommen den Einsatz von Kindersoldaten.

Dass Minderjährige dennoch illegal rekrutiert werden, liegt laut Unicef auch daran, dass Kinder leicht zu manipulieren sind.

Viele von ihnen sind Waisen, die sich in der Hoffnung auf Schutz den Truppen anschließen.

Viele werden auch zwangsrekrutiert.

Dass die Folgen katastrophal sind, liegt auf der Hand:

Die Minderjährigen - etliche von ihnen drogenabhängig - leiden nach ihrem Einsatz unter psychischen Störungen und brauchen medizinische Hilfe.

Etliche werden sexuell missbraucht und haben schon kleine Kinder.

In den Armeen und Söldnerheeren sind die katastrophalen Auswirkungen von Kinderarbeit sicher am offensichtlichsten.

Doch auch wenn Kinder nicht töten oder sexuell zu Diensten stehen müssen, sind die Folgen der Kinderarbeit desaströs.

Vielfach ist die Arbeit körperlich extrem belastend.

In Gewächshäusern und auf den Feldern atmen Kinder giftige Chemikalien und Düngemittel ein, ...

... auf den Müllkippen ...

.. und in Fabriken sind sie umgeben von giftigsten Rückständen.

Kein Wunder, dass viele erkranken.

An den Atemwegen, ...

... an der Haut.

Doch nicht nur das.

Arbeitsunfälle sind an der Tagesordnung.

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation IAO sterben jährlich rund 22.000 Kinder durch Unfälle.

Eine weitere gravierende Folge der Kinderarbeit:

Viele Kinder schaffen es nicht, neben der Arbeit noch eine Schule zu besuchen.

Und wer nicht lesen und schreiben kann, hat kaum eine Chance, später eine bessere Arbeit zu finden.

Dennoch sprechen sich viele Organisationen wie Unicef gegen ein generelles Verbot von Kinderarbeit aus.

"Handelsverbote oder Boykotte haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass Kinder noch schlechtere Jobs annehmen mussten", meint etwa Unicef-Sprecher Tarneden.

"Letzendlich wurden also die Kinder bestraft."

Auch muss nicht jede Form von Kinderarbeit "per se ausbeuterisch" sein, meint etwa die Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes.

"Werden Kinder ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend an Arbeiten beteiligt, erlangen sie Selbstbewusstein und lernen, gemeinsam mit anderen produktiv für die Gemeinschaft zu sein", heißt es in einem Bericht der Organisation.

Jungen wie Mädchen könnten durch Mithilfe im elterlichen Betrieb ein Handwerk oder Formen der Landbebauung erlernen.

Dennoch ist sowohl Unicef wie auch Terre des Hommes klar: Kinder brauchen eindeutige Schutzgesetze.

Entscheidend ist dabei für Unicef:

Wie alt ist ein Kind? Wirkt sich die Arbeit auf seine Gesundheit und Entwicklung aus?

Kann es noch eine Schule besuchen?

Allen gut gemeinten internationalen Abkommen zum Trotz wird es dabei voraussichtlich so schnell kein Ende der Kinderarbeit geben.

Nicht zuletzt profitieren auch die westlichen Staaten von Kinderarbeit und heizen das Geschäft an.

Durch ihr Verlangen nach immer billigeren Waren, seien es Handys, Kleider oder Teppiche.

Und dann ist da noch das Problem der weltweiten Armut:

Rund 1,3 Milliarden Menschen verdienen täglich weniger als 1,25 Dollar am Tag.

Solange dies so ist und Millionen Menschen nur Hungerlöhne erhalten, von denen sie nicht leben können, ...

... werden sie auch ihre Kinder wieder zum Arbeiten schicken.

Und aus diesen schlecht bezahlten Kindern ...

... werden schlecht bezahlte Tageslöhner, ...

... die wiederum ihre Kinder zum Arbeiten schicken müssen.

Womit sich der Teufelskreis schließt.

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