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Bunga-Bunga-Berlusconi: Der Mann, dem gar nichts peinlich ist

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Silvio Berlusconi ist ein Phänomen. Er übersteht Krisen nicht, er lässt sie an sich abperlen. (Foto: REUTERS)

Silvio Berlusconi ist ein Phänomen. Er übersteht Krisen nicht, er lässt sie an sich abperlen.

Silvio Berlusconi ist ein Phänomen. Er übersteht Krisen nicht, er lässt sie an sich abperlen.

Ein Ende ist nicht in Sicht - Berlusconi ist der Inbegriff des politischen Überlebenskünstlers. Seit den 1990er Jahren ist er immer wieder Gegenstand von Ermittlungen, ...

... immer wieder wird ihm Korruption vorgeworfen. Verurteilt wurde er jedoch nie - was zum Teil einfach daran liegt, dass Verfahren wegen Verjährung eingestellt wurden.

Die Regelung, dass der Regierungschef und seine Minister nicht im Gerichtssaal erscheinen müssen, gilt vorerst nur befristet.

Nicht nur sein langjähriger Weggefährte Gianfranco Fini (l.) unterstellt Berlusconi daher, er wolle nur an der Macht bleiben, um nicht vor Gericht zu landen.

74 Jahre alt ist Berlusconi mittlerweile. Als Ministerpräsident will er noch zwei Jahre durchhalten - was möglicherweise auch gesundheitlich schwierig werden könnte, ...

... denn seine "Vorliebe für Partys" halte ihn davon ab, genügend Erholung zu bekommen, glauben US-Diplomaten in Rom den Wikileaks-Veröffentlichungen zufolge.

Wenn er gesundheitlich und politisch durchhält, könnte er 2013 Staatspräsident Giorgio Napolitano beerben - und sich so weiterhin der juristischen Verfolgung entziehen.

Für ihn wäre das ganz normal. "Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat", sagte er 2003. Eines von vielen Berlusconi-Zitaten, die für Kopfschütteln sorgen.

Das Berlusconi-Lager nennt alle Verfahren gegen den Ministerpräsidenten politische Prozesse, angestoßen von linken Staatsanwälten und Richtern. Seit 2001 verabschiedete Berlusconis Regierung mehrere Gesetze, die ihm bei der Abwehr der Justiz halfen - indem zum Beispiel rückwirkend Verjährungsfristen verkürzt wurden.

Natürlich ist Berlusconi nicht typisch für Italien. Doch nur in einem Land wie Italien kann ein Berlusconi dauerhaft erfolgreich sein.

Typisch für Italien sind eine starke Spaltung des Landes in zwei politische Lager, großes Misstrauen gegen den Staat und eine vergleichsweise schwache nationale Identität. Dies alles hat historische Gründe: lange Zersplitterung, Fremdherrschaft, der Gegensatz von Nord und Süd. Die Folge: ...

... Nur 26 Prozent der Italiener haben laut Eurobarometer Vertrauen in ihre Regierung, nur 27 Prozent vertrauen dem Parlament.

Wer kein Vertrauen hat, hat auch keine großen Erwartungen an den Staat. Berühmt ist der italienische Fluch "Piove, governo ladro!", der der "diebischen Regierung" sogar die Schuld am Regen gibt.

In einem solchen Umfeld werden korrupte Politiker von der öffentlichen Meinung nicht aus dem Amt gejagt, sondern wiedergewählt - sie entsprechen ja nur den Erwartungen.

Im Vorfeld der jüngsten Vertrauensabstimmung sagte Luigi De Magistris von der kleinen Mitte-Links-Partei "Italien der Werte", das Parlament werde Zeuge von Korruption. "Geld, Gefälligkeiten und andere Dinge werden angeboten, das ist ein Fall für die Justiz."

Das sieht Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" anders: "Jemandem den Immobilienkredit abzulösen ist doch kein Verbrechen", meinte der Abgeordnete Giorgio Stracquadanio.

Im aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt Italien hinter Ruanda auf Rang 67. Nur drei EU-Staaten sind schlechter platziert: Rumänien (69), Bulgarien (73) und Griechenland (78).

Die US-Botschaft in Rom geht laut Wikileaks-Veröffentlichungen davon aus, dass Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin Berlusconi Prozente für Gaspipeline-Projekte zugesagt hat.

Berlusconi dementierte. Dass die amerikanischen Diplomaten ihn "inkompetent, eitel und ineffektiv" genannt hatten, versuchte US-Außenministerin Clinton wettzumachen. Die USA hätten "keinen besseren Freund", sagte sie.

Apropos Freunde: Neben Putin zählt Berlusconi auch den libyschen Diktator Gaddafi dazu; ihn hält Berlusconi für einen Mann "von tiefer Weisheit".

Zwei weitere "Freunde" Berlusconis, George W. Bush und Tony Blair, sind mittlerweile nicht mehr im Geschäft.

Lange vor den Sex-Geschichten sorgten die Probleme des Cavaliere mit den Folgen des Älterwerdens für Aufsehen. Diese Bilder zeigen ihn am 13. Dezember 2003 (l.) und am 23. Januar 2004. Zwischendurch war er für ein paar Wochen verschwunden.

Dieses Bild zeigt Berlusconi im August 2004 mit dem Ehepaar Blair. Kurz zuvor hatte er sich Haare auf die Kopfhaut transplantieren lassen.

Über die US-Depeschen soll Berlusconi sehr gelacht haben - auch über Clintons Kniefall dürfte er sich amüsiert haben. "Mit mir kann sich keiner vergleichen, nicht in Europa und nicht in der Welt", hat er einmal gesagt.

Seit Berlusconi politisch aktiv ist, stellt er sich als Bollwerk gegen den Kommunismus dar.

Wer gegen ihn ist, ist "links". Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er im Oktober: "Tatsache ist, dass ich von linken Staatsanwälten und Richtern angegriffen werde, die ihre Macht für den politischen Kampf rechtswidrig missbrauchen."

Tatsache ist, dass Berlusconi in eine Vielzahl von Skandalen verwickelt ist, die kaum ein anderer europäischer Regierungschef überlebt hätte.

Fast harmlos nimmt sich die Müll-Krise in Neapel aus. Immer wieder kündigte Berlusconi die baldige Lösung des Problems an. Geschehen ist wenig.

Zu den juristischen und politischen Skandalen kamen zuletzt immer mehr Affären aus dem eher privaten Bereich. Die Berichte über Berlusconis Feiern und Vorlieben sind zum Teil recht konkret.

Darin geht es um ausschweifende Partys, bezahlten Sex, um die Nachtklubtänzerin Ruby Rubacuori, die noch minderjährig war, als sie für Berlusconi "Bunga-Bunga" tanzte, ...

... und der er aus der Patsche half, als sie Ärger mit der Polizei hatte. Als dies bekannt wurde, sagte er, er habe nur ein hilfsbedürftiges Mädchen unterstützt.

Ruby ist nur eine der vielen Frauen, mit denen Berlusconi in Verbindung gebracht wird. Eine ehemalige Prostituierte namens Nadia Macrì erzählte der Staatsanwaltschaft von einer dreitägigen Party des Ministerpräsidenten, auf der ausführlich gekifft worden sei. Zudem seien minderjährige Mädchen dabei gewesen. Sie selbst habe zwei Mal Sex mit Berlusconi gehabt.

Wie gewohnt ging Berlusconi zum Gegenangriff über: "Es ist besser, schöne Frauen anzuhimmeln als schwul zu sein." Immerhin war Nadia Macrì schon 28.

Zehn Jahre jünger war die Schülerin Noemi Letizia, als die Tageszeitung "La Repubblica" 2009 berichtete, Berlusconi sei auf ihrer Geburtstagsfeier aufgetaucht. Sie nenne ihn "Papi", er mache ihr teure Geschenke.

Alles ganz harmlos, doch kurz darauf reichte Veronica Berlusconi die Scheidung ein. Sie wolle nicht länger mit einem Mann verheiratet sein, der die Nähe Minderjähriger suche. Ihr Mann sei krank und brauche Hilfe.

Spätestens nach den Enthüllungen des Callgirls Patrizia D'Addario hätte Veronica wohl die Scheidung eingereicht. Sie behauptete im Juni 2009, sie habe gegen Geld Sex mit Berlusconi gehabt.

Ihr Tonband hatte sie mitlaufen lassen - und so konnte jeder im Internet folgenden Satz hören: "Ich geh mich gerade noch duschen, warte bitte im großen Bett auf mich." Berlusconi dementierte: Er habe noch nie für Sex bezahlt.

Als ihre Freundschaft mit Berlusconi bekannt wurde, sagte Noemi Letizia im Mai 2009 in einem Interview, sie wolle "Showgirl" werden, interessiere sich aber auch für die Politik. Bei Regionalwahlen werde sie aber nicht antreten, "ich würde lieber für das Parlament kandidieren".

Eine abwegige Idee? Nicht in Berlusconis Italien. Letizia wäre nicht das erste "Showgirl" auf der Liste des "Volks der Freiheit". Hier die Gleichstellungsministerin Mara Carfagna.

Die katholische Zeitung "La Croix" aus Frankreich schreibt, zahlreich seien die Freunde Italiens, "die traurig sind, das Land durch eine so wenig empfehlenswerte Persönlichkeit verkörpert zu sehen".

Wer für die Schuld daran allein Berlusconi geben will, ist jedoch auf dem Holzweg. Denn die Opposition bietet keine Alternative. Sie ist sogar noch stärker zerstritten als die Regierung. "Ich siege immer", sagte Berlusconi im Mai 2004. "Ich bin zum Siegen verdammt." Ein Ende ist nicht in Sicht.

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