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Es ist eines der dunkelsten Kapitel der deutsch-polnischen Geschichte.
Vor 65 Jahren, am 2. Oktober 1944, endet der Warschauer Aufstand, die polnische Untergrundarmee Armia Krajowa (AK) ergibt sich den Deutschen.
63 Tage hatten die Soldaten erbittert gekämpft.
18.000 von ihnen und etwa 180.000 polnische Zivilisten kamen dabei ums Leben, ...
... viele bestialisch durch die Waffen-SS ermordet.
Schon lange hatte die Untergrundarmee, die der polnischen Exilregierung in London unterstand, einen Aufstand in dem von Deutschen besetzten Warschau geplant.
Sie wollte die Stadt noch vor dem Einmarsch sowjetischer Soldaten befreien, um so ihre Position gegenüber dem kommunistischen Moskau zu stärken.
Als die Rote Armee kurz vor Warschau schon an der Weichsel steht, entschließt sich General Tadeusz Bor-Komorowski zum Handeln.
Am 2. August um 17 Uhr, mehr als ein Jahr nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto, kommt die lang geplante "Stunde W".
Rund 30.000 Kämpfer, unter ihnen der spätere Schriftsteller Andrzej Szczypiorski und der spätere Politiker Wladyslaw Bartoszewski, beziehen ihre Positionen und eröffnen das Feuer. Viele der Kämpfer sind blutjung, Schüler, Studenten, Dichter, Komponisten.
Bereits am ersten Tag fallen 2000 Polen und 500 Deutsche.
Als Adolf Hitler von dem Aufstand erfährt, ist sein Befehl unmissverständlich:
"Warschau muss dem Erdboden gleichgemacht werden, ...
... und es soll in dieser Hinsicht ein abschreckendes Beispiel für ganz Europa geschaffen werden."
SS-Führer Heinrich Himmler zaudert nicht lange und ordnet an, alle Polen in Warschau "ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht" zu erschießen.
Schnell werden weitere SS-Verbände nach Warschau entsandt, die, ebenso wie Soldaten der Wehrmacht, mit größter Grausamkeit vorgehen.
Sie morden, vergewaltigen, brandschatzen.
Zehntausende Frauen, Kinder, Alte und Kranke werden in den zurückeroberten Bezirken grausam ermordet.
Am 5. August schreibt der deutsche Generalgouverneur Hans Frank (im Bild rechts) in sein Tagebuch:
"Nach diesem Aufstand und seiner Niederschlagung wird Warschau dem verdienten Schicksal seiner völligen Vernichtung mit Recht anheimgefallen sein oder unterzogen werden."
Die Polen haben keine Chance.
Ihnen fehlen Waffen und Munition. Manche Kompanien mit 200 Mann haben gerade mal ein Maschinengewehr, vier Pistolen, zwölf Handgranaten. Auch wenn die Soldaten erbittert um jedes Haus kämpfen, müssen sie nach und nach den deutlich besser ausgestattene deutschen Truppen weichen.
Der Appell der Londoner Exilregierung, die an den sowjetischen Diktator Josef Stalin telegrafiert, verhallt: "Warschau verteidigt sich mit übermenschlicher Kraft, ungeachtet des immer bedrohlicher werdenden Waffen- und Munitionsmangels ...
... In unserem und eurem Interesse liegt es, dass die Rote Armee jetzt als Befreier in Warschau einmarschiert, und nicht später, um Trümmer zu räumen."
Die Rote Armee bleibt jedoch am rechten Weichselufer liegen. Mehr noch: Moskau verweigert den allierten Flugzeugen, die Waffen und Munition nach Warschau bringen wollen, eine Landeerlaubnis rechts der Weichsel.
Was damals weder die polnische Exilregierung noch die AK-Kämpfer wissen:
Ein Jahr zuvor hatten der britische Premierminister Winston Churchill und der US-Präsident Franklin D. Roosevelt bei der Konferenz von Teheran mit Stalin vereinbart, dass Polen künftig zur sowjetischen Einflusszone gehört.
Eine siegreiche polnische Untergrundarmee und selbstbewusste bürgerliche Elite stehen Stalin da nur im Weg.
Dies hatte sich schon beim Massaker von Katyn gezeigt, wo die Sowjetarmee tausende gefangene polnische Offiziere ermordete.
Vier Jahre später muss Stalin seine Truppen nur warten und zusehen lassen, wie Wehrmacht und SS die Liquidierungen der polnischen Intelligenz für sie übernehmen.
Und die tun ganze Arbeit: Die Lage ist für die polnischen Kämpfer hoffnungslos, Anfang Oktober kapitulieren sie.
15.000 von ihnen ziehen im Gleichschritt an den Siegern vorbei in Gefangenschaft.
50.000 Zivilisten werden als Zwangsarbeiter ins Reich deportiert, 60.000 in Konzentrationslager geschickt.
400.000 weitere Warschauer schlagen sich, ...
... ausgehungert und elend, zu Verwandten oder Bekannten in andere Teilen Polens durch.
Was von der einst prächtigen Hauptstadt Warschau noch übrig geblieben ist, zerstören deutsche Sprengtrupps systematisch:
Gebäude für Gebäude wird gesprengt, ...
Die Bestände von Bibliotheken und Archiven, unter ihnen zehntausende unersetzlicher Handschriften, gehen in Flammen auf.
... Kirchen, Theater, Museen und das schon zerstörte Königsschloss.
Erst Mitte Januar, als Wehrmacht und SS schon lange die Stadt geräumt haben, dringt die Rote Armee in die Ruinen von Warschau vor.
Tausende von AK-Kämpfern werden interniert, viele für Jahre weggesperrt.
Für Stalin sind die Aufständischen nur eine „Handvoll machthungriger Verbrecher“, derer nicht gedacht werden darf.
Die Erinnerung an sie wird jahrzehntelang unterdrückt.
Und auch im Nachkriegsdeutschland bleibt der Warschauer Aufstand lange nur eine Fußnote in der Geschichtsschreibung.
Die Hauptverantwortlichen für die Niederschlagung der Kämpfe werden nie verurteilt, ...
... die Massenmorde bleiben ungesühnt.
Wenn, dann spielen vor allem die Verbrechen an den Juden eine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung.
Noch 1994 verwechselt Bundespräsident Roman Herzog den Warschauer Aufstand mit dem Ghetto-Aufstand.
Für Polen bleibt dies schmerzhaft.
Denn ungeachtet aller Diskussionen, ob der Aufstand, der einen derart hohen Blutzoll forderte, sinnvoll war, ist für die meisten klar:
Die Widerstandskämpfer sind Helden in der großen Tragödie ihrer Geschichte, ...
... der Aufstand bleibt ein nationales Trauma. (Text: Gudula Hörr)
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