Bilderserie

Barack Obama am Scheideweg: Der Weltenretter ergraut

Bild 1 von 56
Die "Debatte", besser: die innenpolitische Schlammschlacht um Barack Obamas Geburtsurkunde - kein Glanzlicht der Demokratie, eher eines der skurrilsten politischen Ereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die "Debatte", besser: die innenpolitische Schlammschlacht um Barack Obamas Geburtsurkunde - kein Glanzlicht der Demokratie, eher eines der skurrilsten politischen Ereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die "Debatte", besser: die innenpolitische Schlammschlacht um Barack Obamas Geburtsurkunde - kein Glanzlicht der Demokratie, eher eines der skurrilsten politischen Ereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

Wochenlang tritt Baulöwe Donald Trump ganz im Sinne der Republikaner die Frage breit, ob der Präsident tatsächlich ein echter US-Amerikaner ist. Und ob er überhaupt das Amt bekleiden darf, das er bekleidet.

Die TV-Sender liefern täglich das Futter für das Thema, das eigentlich keines ist. Manches artet gar in üble Propaganda aus.

Schließlich ist sogar der sonst so besonnene Obama schwer genervt.

Das Weiße Haus stellt letztlich seine Geburtsurkunde bereit. Und auf Obamas Homepage gibt es sogar ein passendes Shirt.

Endlich sahen die US-Amerikaner schwarz auf weiß, was längst klar war: Barack Hussein Obama, geboren am 4. August 1961 in Honolulu.(Im Bild: Geburtenbuch in Honolulu, Hauptstadt des US-Bundesstaates Haiwaii)

Es ist also die Wahrheit: Barack Obama feiert seinen 50. Geburtstag.

Allerdings hat er sich gut gehalten. Frauen sehen das sofort, Männer müssen es zumindest anerkennen.

Wobei aus Obamas dunkler Locken-Matte inzwischen eine grau-weiß gefleckte Locken-Matte geworden ist.

Kein Vergleich mehr zu früher.

Nur kurz im Amt, ...

... nimmt die geneigte Öffentlichkeit die Veränderung in der präsidialen Optik wahr.

"Nur 44 Tage im Job - und schon wird er grau", lästert die "New York Times".

So schnell habe sich das bei keinem Vorgänger entwickelt - damals ist Obama gerade 47.

Macht ihn der Job, für den er so gekämpft hat, nun etwa mürbe?

Fest steht, dass die Zeiten hart sind für den Polit-Star.

Die Last der Probleme kumuliert, Obama trägt ein schweres Bündel.

Gleich zwei Kriege hat der Präsident geerbt und muss sie - möglichst "erfolgreich" - beenden. Den in Afghanistan und ...

... den im Irak.

Beide Einsätze ziehen sich schon ewig hin.

Und die Amerikaner sind, anders als man es traditionell erwarten würde, sehr kriegsmüde.

Da kommt der Einsatz in Libyen dem Präsidenten extrem ungelegen. Auch wenn es sich zurzeit nur um einen Einsatz aus der Luft handelt und der Regierung weitere Bilder toter US-Soldaten erspart bleiben.

Immerhin gelingt es Obama, die Verantwortung für die Luftschläge gegen Diktator Muammar al-Gaddafi schnell auf die NATO zu übertragen. Dennoch: Die USA fliegen und schießen mit.

Für einen Friedensnobelpreisträger ein schwieriger, eigentlich unmöglicher Spagat.

Dazu kommt: Während die Kriege Milliarden verschlingen, muss Obama eine schwere Wirtschaftskrise in den Griff bekommen.

Und dann noch das Schuldendebakel, das die USA so viel Vertrauen kostete, dass die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität der größten Volkswirtschaft der Welt senkte.

Und dann gibt es mit der Tea-Party-Bewegung noch eine konservative Fundamentalopposition, die Obama immer wieder Steine in den Weg legt.

Im Zuge der wichtigen Reform des Gesundheitswesens stempelte sie den Hoffnungsträger etwa zum gefährlichen Sozialisten.

Die Tea Party wird zurzeit munter angeführt von Michele Bachmann, die auch gerne Obamas Amt hätte.

Ja, Obama kam als Überflieger - und ist hart aufgesetzt im komplizierten Alltag der US-Politik.

Das "Yes we can", die großen Träume ("Amerika und die Welt verändern"), ...

... die in aller Welt ...

... oft kopiert ...

... und nachgeahmt wurden, ...

... dauert nur kurze Zeit. Dann ist der ganz große Zauber verschwunden.

Zum "Phänomen Obama" gehört damit auch, dass kaum ein anderer Präsident bisher die Vorschusslorbeeren so schnell absetzen musste.

Die Umfragen sind beunruhigend für die Demokraten. Aktuell wollen nur 41 Prozent Obama weiter im Amt sehen.

Im Mai, kurz nach der Tötung Osama bin Ladens durch eine Eliteeinheit, waren es immerhin noch 48 Prozent. Allerdings war selbst das kein Spitzenwert.

Doch bei allem negativen "Change":

Obama wirkt immer noch. Auf der polititschen Bühne ist er dank seiner Frische und seiner lebensbejahenden Beschwingtheit sowas wie ein personifiziertes Alleinstellungsmerkmal.

Auch, wenn manche das anders sehen.

G8-Gipfel in Deauville, Frankreich: Nur Obama ist es, der die Menschenmenge so richtig begeistern kann.

Sein gewinnendes Lachen, seine Aura verzücken auch viele, die mit der Politik und ihren Akteuren längst abgeschlossen haben.

Obama ist lässig. Obama ist echt.

Angela Merkel, David Cameron und selbst Nicholas Sarkozy wirken wie blasse Geschwister.

Spielt ein anderer Staats- und Regierungschef in seiner Freizeit Basketball, ohne es nur auf Bilder abgesehen zu haben?

Wer schreibt ganz nebenbei ein Kinderbuch?

Und welcher Entscheider von Welt macht im Schwimmdress schon Furore?

Die Faszination Obama bleibt dennoch schwer zu erklären.

Insgesamt aber ist er bisher ein glückloser Präsident. An manchen Stellen hat er sich und seine Möglichkeiten auch überschätzt.

Das Gefängnis Guantánamo, der Ort US-amerikanischer Menschenrechtsverletzungen, ist immer noch in Betrieb. Viele, die Obama weltweit unterstützten, nehmen ihm das übel.

Der Nahe Osten ist immer noch ein unbeherrschbares Pulverfass.

Aber vor allem: Der Zustand der US-Wirtschaft ist eine Katastrophe. Nichts, was Obama bisher tat, hat nachhaltig geholfen. Vielleicht wäre das auch zu viel verlangt in der kurzen Zeit.

Das Thema aber wird im November 2012 wahlentscheidend sein, da sind sich alle Beobachter einig.

Der "Obama-Effekt", seine Spritzigkeit und sein Charisma, wird ihn nicht mehr alleine tragen.

Obama wird viel Kraft und Energie, aber eben auch noch zündende Ideen brauchen, um die Wähler nochmal von sich zu überzeugen. (jmü/dpa)

weitere Bilderserien