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Dienstag, 15. März 2011

Sieben müssen sofort vom Netz: Deutschlands Atomkraftwerke

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Das ging schnell: Erst 2010 hatte Schwarz-Gelb den mühsam gefundenen Atomkonsens aus dem Jahr 2000 aufgebohrt und die Laufzeiten der deutschen Atommeiler verlängert, ... (Foto: picture alliance / dpa)

Das ging schnell: Erst 2010 hatte Schwarz-Gelb den mühsam gefundenen Atomkonsens aus dem Jahr 2000 aufgebohrt und die Laufzeiten der deutschen Atommeiler verlängert, ...

Das ging schnell: Erst 2010 hatte Schwarz-Gelb den mühsam gefundenen Atomkonsens aus dem Jahr 2000 aufgebohrt und die Laufzeiten der deutschen Atommeiler verlängert, ...

... da erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Vollbremsung. Während des dreimonatigen Moratoriums sollen nun alle deutschen Atomkraftwerke einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden.

Zudem sollen gleich sieben deutsche Atomkraftwerke sofort, wenn auch nur vorübergehend, abgeschaltet werden. Und zwar alle AKW, die vor 1980 in Betrieb genommen wurden.

Das betrifft beide Blöcke im hessischen Biblis.

Biblis A ging 1974 ans Netz, Biblis B 1976. Biblis ist damit der älteste noch aktive Meiler in Deutschland.

Die beiden Druckwasserreaktoren liefern zusammen rund 2500 Megawatt, Betreiber ist RWE. Biblis A hätte nach dem Atomkonsens von Rot-Grün bereits vom Netz gemusst. Union und FDP verlängerten die Frist bis 2018.

Kritiker bemängeln seit langem, dass die Technik der beiden Reaktoren veraltet sei, sie teilweise nicht über alle modernen Notstandssysteme verfügten.

Ebenfalls vom Netz geht nun das AKW Unterweser in Niedersachsen. Unterweser läuft seit 33 Jahren. Im AKW kommen auch plutoniumhaltige MOX-Brennelemente zum Einsatz, die erhöhte Sicherheitsvorkehrungen verlangen.

Wie in allen AKW, gab es auch in Unterwesser im Laufe der Jahre kleinere Pannen. 2007 wurde bei einer Überprüfung des Meilers festgestellt, dass aufgrund einer Fehljustierung das Notkühlsystem nicht richtig funktioniert hätte.

Ebenfalls mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat Philippsburg 1. Das Kraftwerk gehört EnBW.

Philippsburg verfügt noch über einen zweiten Meiler, der 1984 den Betrieb aufnahm und nun zunächst weiter am Netz bleiben kann.

Gemäß Atomkonsens ist die endgültige Abschaltung von Philippsburg 1 für 2011 und für den Block 2 für 2017 vorgesehen. Union und FDP wollten nach dem Ausstieg vom Ausstieg die Meiler bis 2026 beziehungsweise 2032 laufen lassen.

Zu Eon gehört das Atomkraftwerk Isar mit den Blöcken 1 und 2. Block 1 ist nahezu baugleich mit dem Siedewasserreaktor Philippsburg 1 und ging 1977 in Betrieb. Der Druckwasserreaktor Block 2 ging erst 1988 ans Netz.

Atomkraftgegner sehen bei Isar 1 vor allem mangelnden Schutz gegen Flugzeugabstürze. Der Block wird nun heruntergefahren. Schwarz-Gelb hatte ihm im Herbst 2010 eine Fristverlängerung bis 2018 gewährt.

Isar 2 sollte demnach bis 2034 laufen und damit als einer der letzten Meiler in Deutschland seinen Dienst tun. Isar 2 ist einer der produktivsten Atommeiler der Welt.

Neckarwestheim 1 wird nun abgeschaltet - und geht so oder so nicht mehr ans Netz. Der Reaktor ist einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen in Deutschland. Er nahm die Strom-Produktion 1976 auf.

Neckarwestheim 1 ist ein Druckwasserreaktor der 2. Generation, zu der auch Biblis A und B sowie Unterweser gehören. Alle Druckwasserreaktoren der 1. Generation sind bereits abgeschaltet. Neckarwestheim 1 sollte längst vom Netz sein. Erst im Oktober 2010 wurde dem Block eine Laufzeitverlängerung bis 2019 eingeräumt.

Das Atomkraftwerk verfügt auch noch über den Block Neckarwestheim 2. Er nahm 1989 den Betrieb auf und verfügt über eine Leistung von 1.400 Megawatt. Beide Meiler werden von EnBW betrieben.

70er-Jahre-Charme: Brunsbüttel in Schleswig-Holstein ging 1976 ans Netz.

Das Kraftwerk verzeichnete zuletzt 2007 eine Pannenserie und steht seitdem still. Auch unabhängig vom dreimonatigen Moratorium der Bundesregierung ist unklar, ob das Atomkraftwerk noch einmal seinen Betrieb aufnehmen wird.

Neben diesen sieben Meilern bleibt zudem - als einziges nach 1980 gebaute AKW - Krümmel, ebenfalls in Schleswig-Holstein gelegen, vom Netz getrennt.

Eine Pannenserie von 2007 bis 2009 hatte das Vertrauen in den Meiler gänzlich erschüttert. Im Juli 2009 kam es dann zu einer Schnellabschaltung. Der Betreiber Vattenfall wollte das Kraftwerk eigentlich längst wieder in Betrieb genommen haben.

Weiterhin am Netz bleiben demnach neben den erwähnten Meilern Philippsburg 2, Neckarwestheim 2 und Isar 2 sechs weitere Atomkraftwerke:

Brokdorf in Schleswig-Holstein. Das AKW wurde Ende der 70er-Jahre zu einem Zielpunkt der Anti-Atom-Bewegung.

Die endgültige Abschaltung des Kernkraftwerks Brokdorf war laut Atomkonsens für 2018 vorgesehen. Schwarz-Gelb sieht eine Verlängerung der Laufzeit bis 2033 vor.

1988 ging das AKW Emsland in Niedersachsen ans Netz. Ein Meiler vom Typ der modernen Druckwasserreaktoren. Er gilt als einer der sichersten in Deutschland.

Das Kernkraftwerk Emsland verfügt über eine Leistung von 1.400 Megawatt. Es sollte nach dem Willen von Schwarz-Gelb als eines der letzten bis 2034 Strom produzieren.

Grafenrheinfeld wird von Eon betrieben und liegt in Bayern. Größere Zwischenfälle sind von diesem Reaktor nicht bekannt. Das AKW liefert seit 30 Jahren Strom.

In Grafenrheinfeld wurde 2006 ein Zwischenlager für abgebrannte Kernbrennelemente in Betrieb genommen. Das AKW soll bis 2028 laufen.

Grundremmingen, ebenfalls in Bayern gelegen, verfügt über zwei Blöcke, B und C. Der alte Block A, ein Siedewasserreaktor mit einer vergleichsweise geringen Leistung von 237 Megawatt, der von 1966 bis zu einem Störfall am 13. Januar 1977 betrieben wurde, wird seit 1983 zurückgebaut.

Das Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen liefert Strom seit 1984. Das AKW verfügt über zwei 1982 errichtete baugleiche Naturzugkühltürme mit einer Schalenhöhe von 137,14 Metern.

Grohnde arbeitete bisher weitgehend pannenfrei und ist zudem das produktivste AKW in Deutschland. Auch im weltweiten Vergleich erzeugte die Anlage in mehreren Jahren die höchste Bruttostrommenge aller in Betrieb befindlichen AKW.

Wann der letzte Meiler vom Netz geht, ist nach dem Kurswechsel der Bundesregierung offen. Offen ist zudem die Frage der Endlagerung. Denn egal, ob 2022 oder 2034 Schluss ist mit der Kernenergie in Deutschland: Der Atommüll strahlt noch viele tausend Jahre.

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