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Entscheidungsschlacht in Ersten Weltkrieg: Die Hölle von Verdun

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Kein anderes Ereignis steht so sehr für das Grauen des ersten Weltkriegs wie die Schlacht von Verdun. (Foto: REUTERS)

Kein anderes Ereignis steht so sehr für das Grauen des ersten Weltkriegs wie die Schlacht von Verdun.

Kein anderes Ereignis steht so sehr für das Grauen des ersten Weltkriegs wie die Schlacht von Verdun.

Die Bilanz in Zahlen lässt das Ausmaß erahnen: Etwa 167.000 französische Soldaten fallen im Kampf um den Verteidigungsring um die nordostfranzösische Stadt.

Auf deutscher Seite lassen rund 150.000 Soldaten ihr Leben auf dem Schlachtfeld.

Hinzu kommen Hunderttausende Verwundete und Kriegsgefangene (Bild: deutsche Gefangene in einem französischen Lager).

Am 21. Februar 1916 beginnen die deutschen Truppen mit dem Artilleriebeschuss aus 1200 Rohren gleichzeitig. Ein solches Inferno hat die Welt bis dahin noch nicht erlebt.

Es soll monatelang anhalten. Die Schlacht um Verdun endet erst wenige Tage vor Weihnachten 1916.

1914 starteten junge deutsche Männer blind vor Kriegslust und Patriotismus in den später sogenannten Großen Krieg. Doch Anfang 1916 rennt sich die deutsche Offensive an der Westfront fest.

Spätestens vor Verdun tritt Ernüchterung ein. In dem hügeligen Gelände liefern sich die beiden Armeen eine Materialschlacht unfassbaren Ausmaßes.

Der Schlamm steht den Soldaten und den Pferden bei oft schweren Witterungsbedingungen bis zum Hals.

Binnen weniger Wochen ist die Region übersät von Millionen Kratern, die die Sprenggranaten rissen. Manche davon sind 20 Meter tief. Die Wälder um Verdun sehen aus wie eine Mondlandschaft.

Wegen des ununterbrochenen Granatenhagels bleiben Leichen oft tagelang auf dem Schlachtfeld liegen. Der Gestank ist kaum auszuhalten.

Im Ersten Weltkrieg kommt erstmals in großem Stil Giftgas zum Einsatz - auch in Verdun. Oft tragen die Soldaten stundenlang Gasmasken.

Die Versorgungslage ist für viele Soldaten schlecht. Sie müssen tagelang auf Nahrung und Trinkwasser verzichten. Deutsche und französische Soldaten haben viele Bezeichnungen für den Einsatz: "Blutpumpe", "Knochenmühle" oder "die Hölle von Verdun".

Bis heute ist die Landschaft von dem Krieg vor 100 Jahren gezeichnet.

Ganze Orte werden dem Erdboden gleichgemacht. Einige werden, wie das Bauerndorf Fleury-devant-Douaumont, nicht wieder aufgebaut.

Wegen der vielen Verluste und der Dauer der Schlacht hat sich der Kampf um Verdun in das militärische Gedächtnis beider Nationen eingebrannt.

Durch Truppenverschiebungen während der drei Monate kämpften auf beiden Seiten rund 1,2 Millionen Menschen um Verdun.

Am Ende des Ersten Weltkriegs kennt fast jeder jemanden, der auf den Maas-Höhen gekämpft hat.

In der Folge wird die Schlacht um Verdun auf beiden Seiten als ruhmreich gefeiert. Die Franzosen sind stolz, dass sie den deutschen Invasoren standgehalten haben (Bild zeigt die Ehrung französischer Soldaten für ihren Einsatz in Verdun).

In der Weimarer Zeit noch als Symbol der Sinnlosigkeit des Krieges betrachtet, deutet die NS-Propaganda Verdun schließlich um.

Nun gelten die Kämpfer von Verdun als heroische, stählerne Krieger - als Vorbild für die Soldaten Adolf Hitlers.

In Wahrheit sind die vielen Gefallenen, Verwundeten und Zerstörungen nahezu umsonst: Geländegewinne machen beide Seiten praktisch keine.

Es entwickelt sich ein monatelanges Hin und Her, es ist ein bis dahin beispielloser Stellungskrieg.

Schließlich die Vorentscheidung im Sommer 1916: Die Kraft der deutschen Armee wird geteilt, durch Angriffe der Franzosen und Engländer an der Somme müssen Teile der Truppen in den Norden abgezogen werden.

Die Schlacht dort ist noch größer und mit noch mehr Verlusten verbunden. Und auch in der späteren Militärgeschichte wird es gigantische Schlachten geben. Doch Verdun ist besonders.

Sie wird nach dem Zweiten Weltkrieg zum Symbol, zum Fanal für die Sinnlosigkeit industrialisierter Kriege.

Im Beinhaus von Douaumont werden die sterblichen Überreste von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt.

Gemeinsam mit dem angeschlossenen Soldatenfriedhof ist der Ort die zentrale Erinnerungsstätte der Franzosen.

Und sie wird zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung nach den Weltkriegen. Im September 1984 reist mit Helmut Kohl erstmals ein bundesdeutscher Regierungschef hierher.

Hand in Hand mit François Mitterrand gedenkt der Kanzler der vielen Toten. Verdun ist damit auch ein Mahnmal für die friedliche europäische Nachkriegsordnung geworden. (jog)

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