Bilderserie

Wettrüsten auf dem Meer: Die Macht der Flugzeugträger

Bild 1 von 178
Zu mehr als zwei Dritteln ist der Planet Erde von Wasser bedeckt. Mächtige Ozeane trennen die Landmassen. Länder wie die Vereinigten Staaten sehen sich in allen Himmelsrichtungen von nichts als Wind und Wellen umgeben. (Foto: REUTERS)

Zu mehr als zwei Dritteln ist der Planet Erde von Wasser bedeckt. Mächtige Ozeane trennen die Landmassen. Länder wie die Vereinigten Staaten sehen sich in allen Himmelsrichtungen von nichts als Wind und Wellen umgeben.

Zu mehr als zwei Dritteln ist der Planet Erde von Wasser bedeckt. Mächtige Ozeane trennen die Landmassen. Länder wie die Vereinigten Staaten sehen sich in allen Himmelsrichtungen von nichts als Wind und Wellen umgeben.

Diese Lage hat weitreichende Folgen: Für die USA sind die sieben Weltmeere alles andere als ein Refugium des Friedens. Sie sind das Aufmarschgebiet der größten und stärksten Seestreitmacht der Welt, der "U.S. Navy".

Egal, ob zur Abschreckung, zur Landesverteidigung oder zur Krisenintervention: Immer wenn sich Washington irgendwo einmischen will, müssen die Truppen das Meer überqueren.

Es geht nicht anders: Ein Großteil der Militäroperationen spielt sich auf, über oder unter Wasser ab. Die US-Marine verlässt sich dabei vor allem auf ihre Flugzeugträger: Sie symbolisieren den Stolz, die Macht und die militärische Schlagkraft der USA.

Kein Land der Welt verfügt über mehr Flugzeugträger als die US-Amerikaner. Ihre Übermacht ist erdrückend: Washington alleine kann mehr Träger in den Einsatz schicken als alle anderen Staaten zusammen.

Weltweit dampfen derzeit insgesamt 20 Flugzeugträger (engl.: Aircraft Carrier) im aktiven Dienst. Elf dieser riesigen Stahlkolosse kreuzen unter dem Sternenbanner.

Nur 20 Träger? Nicht mitgezählt werden hier kleinere Schiffe wie zum Beispiel Hubschrauberträger (im Bild die "USS Iwo Jima") oder die sogenannten amphibischen Angriffsschiffe mit kurzem Flugdeck, von denen die USA noch eine ganze Reihe mehr besitzen.

Der Carrier-Club ist klein, der Beitritt extrem kostspielig: Nur neun Staaten leisten sich die horrenden Ausgaben, die mit dem Bau, dem Betrieb und dem Unterhalt eines Flugzeugträgers verbunden sind.

Die Liga der mächtigen Seefahrernationen ist übersichtlich: Neben den USA gehören ihr nur noch Italien, Großbritannien, Frankreich, Russland, Spanien, Brasilien, Indien und Thailand an.

Im Sommer 2011 kommt eine weitere aufstrebende Militärmacht hinzu: die Marine der Volksrepublik China.

Entsprechende Berichte kursieren in Geheimdienstkreisen seit Jahren: Im Sommer 2011 bestätigt Peking die Gerüchte. Erste, unscharfe Bilder eines angeblich noch namenlosen Riesenschiffs tauchen auf.

Das Schiff markiert eine historische Zäsur: Für China ist es der erste Flugzeugträger überhaupt. Und: Niemals zuvor hat das Reich der Mitte den Drang verspürt, die Weltmeere zu beherrschen.

Doch schon der Bug des weltweit 21. Flugzeugträgers verrät seine Herkunft. China steigt als zehntes Land in den Carrier-Club auf - mit gebrauchter Ware aus dem Kalten Krieg.

Das Schiff, die frühere "Warjag", ist günstig erworbenes Kriegsgerät russischer Bauart. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erwirbt ein Unternehmen aus Macau den 306 Meter langen Rumpf günstig in der Ukraine. Offiziell soll es zum Hotel- und Kasinokomplex umgebaut werden.

Das wäre so weit nicht ungewöhnlich: Mit der "Kiew" und der "Minsk" führen bereits zwei weitere sowjetrussische Flugzeugträger in China ein ziviles Leben als schwimmende Luxushotels.

Bislang spielen das Meer und seine strategischen Möglichkeiten im Denken chinesischer Militärs eine eher untergeordnete Rolle. Kaum jemand rechnet in Peking mit Ambitionen auf eine starke Flottenpräsenz.

In den Planspielen der Militärs setzt die Volksbefreiungsarmee demonstrativ auf landgestützte Anti-Schiffsraketen: Als vergleichsweise billige Defensiv-Waffen gelten die sogenannten "Carrier-Killer" als gut geeignet, gegnerische Flugzeugträger fernzuhalten.

Doch Verteidigung alleine scheint den Admiralen der chinesischen Marine nicht länger zu genügen: Die obskure Firma aus Macau treibt ihre verdächtig umständlichen Kasino-Pläne weiter voran.

Nach einer Reihe formeller Sicherheitsbedenken lassen die türkischen Behörden im Jahr 2001 das rostige Riesenschiff schließlich aus dem Schwarzen Meer durch den Bosporus ins Mittelmeer passieren: für Lotsen, Diplomaten und Geheimdienstler eine höchst heikle Passage.

Weil sich auch Ägypten querstellt, bleibt der Suezkanal für die antriebslose und unbewaffnete "Warjag" verschlossen. Doch die Kasino-Planer scheuen keine Kosten: Schlepper ziehen das Schiff um Südafrika herum quer durch den Indischen Ozean bis nach China.

In Macau kommt die Warjag nie an: Zehn Jahre nach ihrer Weltreise liegt sie neu gestrichen in einer Werft bei Dalian im Nordosten Chinas. Aus dem geplanten Luxus-Projekt ist nichts geworden. Stattdessen wartet ein fast nagelneuer Flugzeugträger auf den Beginn der Testfahrten.

Es lässt es sich vor der Welt nicht länger verbergen: China rüstet auf - zu Lande, in der Luft und auf dem Wasser.

Mit der Remilitarisierung der "Warjag" steigt China in den exklusiven Kreis der Trägerbesitzer auf. Militärstrategen fürchten um das strategische Gleichgewicht im gesamten asiatischen Raum.

Denn das Kräfteverhältnis im Pazifik droht sich dramatisch zu verändern: An ungelösten Konflikte herrscht kein Mangel. Gerüchten zufolge wollen die Chinesen ihren ersten Flugzeugträger nach einem Admiral benennen, der im 17. Jahrhundert Taiwan für die Ming-Dynastie erobert hatte.

Doch was macht einen Flugzeugträger eigentlich zu einer furchterregenden Waffe?

Im Prinzip sind Flugzeugträger nichts anderes als sehr große Schiffe mit einem durchgehenden Flugdeck: Die USS "Dwight D. Eisenhower" zum Beispiel, ein sogenannter "Super Carrier" der Nimitz-Klasse, misst vom Bug bis zum Heck knapp 333 Meter.

Vom Kiel bis zur Mastspitze reicht sie rund 74 Meter in die Höhe - so hoch wie ein Gebäude mit 18 Stockwerken. Das Flugdeck ist maximal 76 Meter breit. Das Schiff verdrängt fast 90.000 Tonnen Wasser. Der Tiefgang beträgt rund 12 Meter.

Auf dem Schiff und in den Hangars unter dem Flugdeck finden bis zu 70 Flugzeuge Platz. Die "Super-Carrier" der US-Amerikaner sind im Flugzeugträgerbau das Maß aller Dinge.

Je Schiff umfasst die Besatzung knapp 6000 Frauen und Männer: Seeleute, Maschinisten, Marineinfanteristen, Techniker, Waffenexperten, Nautiker und Piloten. Sie bleiben Monate auf See. Manchmal dauert ein Einsatz Jahre.

Ein kleiner Teil der Besatzung arbeitet auf Deck, ...

... ein größerer Teil unter Deck, wo die Flugzeuge geparkt, gewartet und aufmunitioniert werden.

Riesige Plattformen dienen als Aufzug: Sie heben die Jets aus dem Hangar nach oben.

An Bord stationierte Soldaten veranstalten an den offenen Luken Schießübungen.

Marineinfanteristen trainieren im Schiffsinneren für den Einsatz an Land.

Die USS Eisenhower wird von zwei Druckwasserreaktoren angetrieben, die ihre atomare Urgewalt auf die vier Schiffsschrauben übertragen.

Die kontrollierte Kernspaltung an Bord erzeugt Dampf. Der wiederum beschleunigt das Schiff über Hochleistungsturbinen auf bis zu 30 Knoten (rund 55 Kilometer je Stunde). Das sind acht Knoten mehr als die legendäre und ungleich schnittigere "Titanic".

Die klassische Atlantiküberquerung Southampton - New York wäre damit innerhalb von vier Tagen zu schaffen. Der Vorteil des Atomantriebs: Nachtanken muss die Eisenhower eigentlich nie. Sie bleibt rund um die Uhr einsatzbereit.

Lediglich der Flugzeugtreibstoff muss auf hoher See per Schlauchverbindung übernommen werden. Trinkwasser erzeugt die bordeigene Entsalzungsanlage. Der Rest kommt per Hubschrauber oder Flugzeug: Essen, Ersatzteile, Munition.

Alle paar Jahre müssen die Brennstäbe getauscht und die Reaktoren gewartet werden. Das Schiff läuft dazu in seinen Heimathafen ein.

Gesteuert wird der Träger von der "Insel": Es sind die einzigen Aufbauten, die das Flugdeck überragen. Hier befinden sich Radar- und Funkanlagen, der Ausguck, die Schiffsglocke, die Signaleinrichtungen, der Kontrollturm für die Piloten und der Flaggenmast.

Auf der Brücke selbst sieht es nicht viel anders aus als auf jedem anderen US-Kriegsschiff: Offiziere bedienen Radar, Sonar, Funk und Ruderanlage. Der Kapitän bestimmt den Kurs.

Ansonsten geht es recht eng zu: Der Platz für das nautische Personal ist begrenzt.

Mehr Raum gibt es unterhalb der Brücke: Hier sitzen die Spezialisten der elektronischen Kriegführung im abgedunkelten "Combat Control Center". Sie überwachen die eingehenden Daten von Aufklärern, Sensoren und anderen taktischen Informationsquellen.

Von der Flugleitzentrale aus überwacht der "Airboss" alle Starts- und Landungen auf Deck. Seine Arbeit gleicht der von zivile Fluglotsen im Tower - nur dass sein Flughafen schwankt und sich bewegt - und im Ernstfall aus allen Richtungen beschossen wird.

Mehrere Stockwerke darunter, tief im Bauch der nuklearbetriebenen Ungetüme, wartet eine Kapelle für das stille Gebet. Der bordeigene Priester lädt dort zum Gottesdienst, während über ihm die Crew Präzisionsbomben unter die Flügel der Kampfjets hängt.

Durch ihre Reichweite und die Bewaffnung sind Flugzeugträger das Symbol der globalen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten.

Als schwimmende Luftwaffenbasis erweitern sie den Einsatzradius von Aufklärungsflugzeugen, Kampfjets und leichten Bombern. Damit vervielfachen sie das Drohpotenzial der Streitkräfte und dehnen die Einflusszone der US-Außenpolitik rund um den Globus aus.

Flugzeugträger gehen nie alleine auf Reise: Ihre Größe und ihre Bedeutung macht die Riesenschiffe zum bevorzugten Angriffsziel. Eine ganze Flotte von Begleitern umschwärmt das Flaggschiff.

Das Pentagon fasst seine Seestreitkräfte in Trägerkampfgruppen zusammen. Für jeden Teil der Welt ist eine eigene Flotte zuständig.

Eine typische Trägerkampfgruppe besteht aus mehreren Kreuzern, ein paar U-Booten, eigenen U-Bootjägern, Luftabwehrfregatten, Versorgungsschiffen und dem Träger selbst.

"Die Trägerkampfgruppe operiert in internationalen Gewässern und muss nicht nach Überflugrechten oder Landeerlaubnis fragen", beschreibt die U.S. Navy die Vorteile.

Egal, durch welche Seegebiete sie auch kreuzen: Völkerrechtlich betrachtet bleiben die Träger Bestandteil des Hoheitsgebiets der Vereinigten Staaten. Sie sind fahrbare US-Kasernen mit eigenem Flugplatz.

"Es ist kein Zufall, dass in Washington jeder sofort wissen will, wo sich der nächste Flugzeugträger befindet, sobald das Wort 'Krise' fällt", lautet ein berühmtes Zitat des früheren US-Präsidenten Bill Clinton.

Clinton beschreibt damit ihre wichtigste Eigenschaft: Flugzeugträger können ihr waffenstarrendes Arsenal jederzeit ...

... in jeden Winkel der Erde tragen und dort so lange wie erforderlich bleiben - oder auf Befehl aus Washington ohne Pause zum nächsten Krisenherd weiterziehen.

Moderne Flugzeugträger gleichen schwimmenden Städten. Sie sind hochgerüstete Zentren der modernen Kriegführung. Ein Träger ist ein riesiges, komplexes Waffensystem. Um zu funktionieren, müssen alle Abläufe perfekt ineinandergreifen.

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Entwicklungsgeschichte der Flugzeugträger ist beinahe so alt wie die motorbetriebene Fliegerei selbst.

Im Herbst 1903 experimentiert der US-Amerikaner Samuel P. Langley - noch ziemlich erfolglos - mit Katapultstarts vom Dach seines Hausboots. Er verfolgt eine waghalsige Idee mit großer Zukunft. Sein Konzept sollte eine erstaunliche Karriere machen.

Langley war seiner Zeit nur wenige Jahre voraus. Der berühmte erste Motorflug der Gebrüder Wright in den Dünen von Kitty Hawk fand wenige Monate später statt.

Weitere 20 Jahre darauf, im Oktober 1922, gelingt dem US-Marineflieger Godfrey Chevalier die erste Landung auf einem US-Flugzeugträger.

Es ist die USS "Langley" mit dem Navy-Kürzel "CV-1". Der ehemalige Kohlefrachter trägt ein durchgehendes Flugdeck über den Aufbauten - es ist der erste Flugzeugträger der USA.

Auch die Briten experimentieren früh mit Starts und Landungen auf Schiffen: Die "HMS Furious" zeigt ab 1917 ein frühes Entwicklungsstadium mit Startkatapult und Landebahn auf zwei verschiedenen Ebenen.

Die "HMS Argus" von 1917 gilt als der erste echte Flugzeugträger der Welt. Das Schiff bleibt bis weit in den Zweiten Weltkrieg im Dienst. Eine eigene "Insel" für Kapitän und Flottenkommandant gibt es hier noch nicht.

Die US-Navy entwickelt das Trägerkonzept weiter: Die "USS Saratoga" - hier auf einem Bild aus dem Jahr 1932 - kommt mit ihrem Schwerölantrieb auf eine Höchstgeschwindigkeit von fast 34 Knoten (rund 63 Kilometer je Stunde).

Der Krieg befeuert die Entwicklung: Mit dem Überfall auf Pearl Harbor demonstriert das kaiserliche Japan der Welt, wozu eine Flotte mehrerer Flugzeugträger in der Lage ist: Fern ihrer Heimatbasen fügen japanische Flugzeuge dem wichtigsten US-Stützpunkt im Pazifik schweren Schaden zu.

Der Schock des Überfalls hat Folgen: Die US-Amerikaner reagieren mit einem umfangreichen Bauprogramm und rüsten ihre Flotte auf.

Ein Träger nach dem anderen geht auf Kurs: Die entscheidenden Seeschlachten des Pazifikkrieges werden durch das Ringen der Flugzeugträger bestimmt.

Im April 1942 rollen beim sogenannten "Doolittle Raid" erstmals mittelschwere Bomber vom Typ "B-25" auf dem Flugdeck der "USS Hornet" an den Start. Die Maschinen beginnen ihren Angriff auf Tokio aus einer Entfernung von fast 1000 Kilometern.

Es ist eine erste symbolische Attacke auf die japanische Hauptstadt. Das Blatt beginnt sich zu wenden. Der Tod kommt aus der Luft.

Das strategische Potenzial seegestützter Flugzeuge weckt weltweit Begehrlichkeiten: Auch Nazi-Deutschland arbeitet an einem eigenen Flugzeugträger. Die "Graf Zeppelin" läuft 1938 vom Stapel: Es ist der erste Träger der deutschen Kriegsmarine.

Der stahlgewordene Großmachtstraum wird nie fertig. Die Kriegsmarine gibt altmodischen Schlachtschiffen und U-Booten den Vorrang. Das Bauprogramm wird erst zurückgefahren, dann eingestellt.

Die "Graf Zeppelin" wird schließlich auf Grund gesetzt und unbrauchbar gemacht. Am Ende des Krieges beschlagnahmt die Rote Armee die Bauruine. Nach ausgiebigen Experimenten wird das Schiff in der Ostsee versenkt.

Ein Teil der Erfahrungen fließt in das sowjetische Trägerbauprogramm der Nachkriegsära ein: Experten erkennen im Bau der "Kiew" - Jahrzehnte später während des Kalten Krieges entstanden - in einzelnen Details noch Merkmale der "Graf Zeppelin".

Doch auch vom Stolz der Sowjetflotte bleibt nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht viel übrig. Nur ein einziger Träger fährt für Russland: Die "Admiral Kusnezow" mit ihrem charakterischen "Sky Jump" am Bug.

Die himmelwärts weisende Startrampe ist eigentlich eine Erfindung der Briten (im Bild: die mittlerweile ausgemusterte "HMS Invincible"). Durch den ansteigenden Anstellwinkel am Ende der Rollbahn verkürzt sich für die Piloten die zum Abheben benötigte Strecke.

Der Trick mit dem Sky Jump funktioniert allerdings nur mit Jets bis zu einem gewissen Startgewicht.

Oder mit speziellen Kurzstartern wie dem "Sea Harrier", der zur Not auch senkrecht starten und landen kann.

Die US-Amerikaner lösen das Problem mit dampfbetriebenen Startkatapulten. Das Prinzip setzt sich fast überall durch.

Dazu wird die Maschine an die Startposition gerollt.

Das Vorderrad wird in den Katapultschlitten eingehängt, das Schiff nimmt Fahrt auf und dreht in den Wind.

Wenn die Maschine ausgerichtet ist, kann es losgehen. Bedient wird das Katapult vom Steuerstand (links im Bild). Die abgeschrägten Panzglasscheiben sind tief in den Boden nahe der Bordwand versenkt.

Der Pilot gibt Vollgas. Klappwände schützen die Maschinen hinter ihm vor den fauchenden Abgasstrahlen.

Das Bodenpersonal tritt zurück.

Ein letztes Handzeichen an die Crew.

Der "Shooter" gibt das Startsignal.

Mit gezündetem Nachbrenner schießt die tonnenschwere Maschine auf den Horizont zu.

Der Kampfjet beschleunigt in Sekundenbruchteilen. Piloten beschreiben die Erfahrung als "brutalen Schlag".

Dann ist der Flieger in der Luft. Der Pilot übernimmt die Steuerung.

Schon rollt der nächste Jet an den Start.

Dank der Katapultschienen können US-Flugzeugträger ihr fliegendes Personal im Ernstfall kurz hintereinander in den Himmel schicken.

Selbst Spezialflugzeuge wie diese "EA-6B Prowler" passen auf den Katapultschlitten.

Die größten Maschinen an Bord eines US-Flugzeugträgers sind die "fliegenden Augen" der Kampfgruppe: Zweimotorige Frühwarnflugzeuge mit ihrer charakteristischen Radarscheibe über dem Rumpf.

Die schwersten Maschinen sind jedoch die Frachtflugzeuge vom Typ "Grumman C-2A Greyhound". Über sie läuft ein Großteil der Versorgung mit Personal, Frischwaren und leichten Ersatzteilen.

Nach mehr als 100 Jahren verfügen die US-Amerikaner über einen umfangreichen Erfahrungsschatz: ...

... Niemand auf der Welt kennt sich besser aus mit ...

... dem Alltagsbetrieb auf einem Flugzeugträger und dem Einsatz unter scharfen Waffen.

Selbst traditionsreiche Seefahrernationen wie Großbritannien müssen zurückstecken: aus Kostengründen.

Der einstige Stolz der Royal Navy, die "HMS Invincible", wird 2010 außer Dienst gestellt.

Dasselbe Schicksal ereilt die "HMS Ark Royal", ein Schiff mit geschichtsträchtigem Namen und berühmten Vorgängern.

Die Ark Royal steht zum Verkauf. Wenn sich ein Geldgeber findet, wird sie zum Museum - oder zum Wohl des Tauchtourismus als künstliches Riff versenkt.

Militärische Nachnutzer gäbe es genügend. Doch nicht jedem Abnehmer würden die Briten ihren Träger auch gönnen. Abgesehen davon kann sich nicht jeder Staat ein Kampfgerät dieser Größe auch leisten.

Jede Stunde im Einsatz verschlingt Unsummen. Es bedarf eines sehr großzügig bemessenen Verteidigungsetats, um ...

... diese Art von "Diplomatie" in den Einsatz schicken zu können. Ganz vorne dabei: Die Supermacht USA: Aus ihrem Verteidigungsetat von rund 671 Mrd. Dollar (Stand: 2011) finanzieren die Vereinigten Staaten insgesamt elf Träger aus der Kategorie der "Super-Carrier".

Diese Schiffe bewegen sich in einer Größerordnung von fast 100.000 Tonnen Wasserverdrängung: Es sind die größten Kriegsschiffe der Welt.

Der älteste noch aktive Träger der US-Navy ist die "USS Enterprise" mit dem Kürzel "CVN 65". Das Schiff ist seit 1961 im Dienst - und war zu seiner Zeit der erste atomar angetriebene Flugzeugträger der Welt.

Mit ihren acht Westinghouse-Reaktoren an Bord, ihren vier Schrauben und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 34 Knoten zählt die "Big E" immer noch zu den schnellsten Schiffen der Navy. Sie ist das einzige Schiff ihrer Klasse.

Nach mehreren Umbauten stampft die Enterprise (rechts) mittlerweile durch ihr sechstes Dienstjahrzehnt. Ursprünglich ausgelegt war sie auf eine Lebensdauer von 25 Jahren. Hier begegnet sie im Roten Meer der "USS George H.W. Bush" (CVN 77), dem jüngsten Träger im Arsenal der Navy.

Benannt ist die "Bush" nach dem 41. Präsidenten der USA, dem Vater des 43. Präsidenten George W. Bush. Experten sehen darin eine besondere Ehre: Eigentlich benennt die Navy ihre Schiffe nicht nach lebenden Personen. Für Bush gibt es eine Ausnahme: Er diente im Pazifikkrieg als Pilot auf der "USS San Jacinto" (Bild im Hintergrund).

Ihren Platz im Trockendock verlässt die "George H.W. Bush" im Herbst 2009. Sie zählt mit den übrigen neun Trägern der Nimitz-Klasse zu den teuersten Schiffen der Flotte. Ihren ersten Einsatzbefehl erhält die "Bush" 2011.

Namensgeber der Giganten-Klasse ist die "USS Nimitz" (CVN 68) aus dem Jahr 1975.

Die zehn Schiffe der Niimitz-Klasse sind nahezu baugleich: 333 Meter lang, 77 Meter breit, rund 90.000 Tonnen schwer, 30 Knoten schnell.

Der Stückpreis ab Werft liegt bei rund 4,5 Mrd. US-Dollar.

Elektronik und Flugzeuge kosten extra. Personal, Ersatzteile und Unterhalt sowieso - Betriebsstunde für Betriebsstunde.

Die "USS Dwight D. Eisenhower" (CVN 69, Baujahr 1975), ist nach dem 34. Präsidenten der USA benannt und trägt auch seinen Spitzname "Ike". Heimathafen ist Norfolk in Virginia.

Die "USS Carl Vinson" (CVN 70, Baujahr 1980) operiert von der Westküste aus. Heimathafen ist San Diego in Kalifornien. Benannt ist sie nach einem Kongressabgeordneten aus Georgia, der sich besonders um die Marine verdient gemacht hat.

In die Schlagzeilen der Weltpresse gerät die Vinson, Rufname "Gold Eagle", im Mai 2011: ...

... Nach der Kommandoaktion in Abbottabad bringen die "Navy Seals" die Leiche von Osama bin Laden auf die Vinson. Für US-Amerikaner ist es zu diesem Zeitpunkt der mit Abstand sicherste Ort im Umkreis von mehreren tausend Kilometern.

Auf hoher See bekommt der tote Terrorführer US-Angaben zufolge ein Begräbnis nach "islamischem Ritus". Seine sterblichen Überreste rutschen aufs offenem Meer - wohl eingenäht und mit Gewichten beschwert - über die Reling.

Die "USS Theodore Roosevelt" (CVN 71) trägt den Namen des 26. Präsidenten der USA. Baujahr: 1984. Wie alle Träger der Nimitz-Klasse glühen Reaktorstäbe in ihrem Inneren.

Die "USS Abraham Lincoln" (CVN 72, hier bei der Einfahrt in Pearl Harbor) stammt aus dem Jahr 1988.

Namenspatron ist der 16. Präsident: Der legendäre Gegner der Sklaverei und erster Republikaner im Weißen Haus, Abraham Lincoln.

Vier Jahre später stößt die "USS George Washington" (CVN 73) dazu, benannt nach dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Mit ihrem Heimathafen im japanischen Yokusuka steht die "Washington" in Asien auf vorgeschobenem Posten.

Am Turm der "USS John C. Stennis" prangt die Nummer 74. Das Schiff geht 1995 in Dienst und ist der siebte Träger der Nimitz-Klasse.

Namenspatron der "JCS" ist ein hoch angesehener Senator aus dem Bundesstaat Mississippi. Bei der Vorstellung der neuen Trägerpläne beschreibt US-Präsident Ronald Reagan John C. Stennis als "standhaften Advokaten des Friedens durch Stärke".

Die Nummer acht der Nimitz-Klasse ist die "USS Harry S. Truman" (CVN 75).

Erste Arbeiten am Kiel der "Truman" beginnen Ende 1993. Getauft wird sie drei Jahre später auf den Namen des 33. Präsidenten. Ausgeliefert wird sie 1998.

Ihre Jungfernfahrt zum ersten Einsatz unter Waffen unternimmt die Truman im Jahr 2000. Nach den ersten zehn Jahren im Dienst kehrt sie für kleinere Umbauten ins Trockendock der Marinebasis in Norfolk zurück.

Mit der "USS Ronald Reagan" (CVN76) ehrt die US-Marine den einstigen Westerndarsteller und späteren 40. Mann im Weißen Haus.

Die Nimitz-Klasse reicht von der fortlaufenden Schiffsnummer 68 bis 77. Danach ist Schluss.

Die US-Navy läutet dafür das Zeitalter der "Gerald R. Ford"-Klasse ein. An "CVN 78", dem neuesten atomgetriebenen Super-Carrier der USA, wird bereits gebaut.

Das Treiben der elf US-Träger auf den Weltmeeren bleibt nicht unbeobachtet. Doch wem gehören die übrigen Flugzeugträger?

Das Mittelmeerland Italien verfügt über zwei eigene Träger und verteidigt damit eine militärische Sonderstellung im Schatten der USA: ...

... Mit einer Länge von 180 Metern, einer Breite von rund 30 Metern und einem Gewicht von knapp 14.000 Tonnen gilt die "Giuseppe Garibaldi" als einer der kleinsten Flugzeugträger der Welt.

Das neue Flaggschiff der italienischen Marine, die "Cavour", ist deutlich größer: Die Länge beträgt 244 Meter, die Breite 39 Meter, der Tiefgang 8,7 Meter. Das Schiff verdrängt 27.000 Tonnen.

Im Dienste der britischen Krone kreuzt die "HMS Illustrious" (20.000 Tonnen), der derzeit einzige Flugzeugträger Großbritanniens.

Allerdings planen die Briten bereits fest mit zwei weiteren Trägern.

Die Schiffe der Queen-Elizabeth-Klasse - hier in der Computeranimation - beschäftigen derzeit vor allem Haushaltsexperten. Aus Kostengründen bekommen sie keinen Nuklearantrieb, sondern "nur" konventionelle Aggregate modernster Bauart.

Ab 2020 sollen sie dafür mit den neusten US-Kampfjets vom Typ "F-35" ausgestattet werden.

Gebaut werden die neuen Flaggschiffe der Royal Navy in einzelnen Komponenten in verschiedenen britischen Werften.

Zusammengesetzt werden sie im Trockendock im schottischen Rosyth: Die graue Fläche links ist das fast vollendete Flugdeck der "HMS Queen Elizabeth" mit einer Wasserverdrängung von rund 65.000 Tonnen. Die deutlich kleinere "Illustrious" liegt in der Bildmitte zu Reparaturarbeiten.

Neben US-Amerikanern, Italiern und Briten wollen die Franzosen nicht zurückstehen: ...

... Kein Schiff der französischen Marine ist größer, keines mächtiger und keines auch nur annähernd so stark wie die "Charles de Gaulle".

Der nuklear angetriebene Flugzeugträger verdrängt 39.000 Tonnen Wasser, nutzt US-amerikanische Katapulttechnologie und ist der derzeit einzige Träger der Franzosen.

Die "Admiral Kusnezow" ist der letzte verbleibende Flugzeugträger der russischen Marine. Mit etwa 68.000 Tonnen verdrängt das Schiff deutlich mehr Wasser als die "Charles de Gaulle".

Die "Principe de Asturias" fährt für Spanien und fällt mit ihren 17.000 Tonnen vergleichsweise klein aus - und ist trotzdem noch dreimal größer als die größte Fregatte der deutschen Marine.

Die Tage des spanischen Flugzeugträgers sind gezählt: Die "Principe de Asturias" soll von dem größeren Mehrzweckkampfschiff "Juan Carlos I." (benannt nach dem spanischen König) abgelöst werden.

Im April 2011 lassen die Spanier das künftige Aushängeschild ihrer Armada zu Wasser. Es wird noch ein, zwei Jahre dauern, bis die "Juan Carlos" einsatzklar ist.

Der einzige Träger mit Heimathafen auf der Südhalbkugel ist die "Sao Paulo". Brasilien hat das Schiff, den früheren Träger "Foch", in Frankreich gebraucht gekauft (hier im Bild noch unter französischer Flagge).

Wenn die Generalüberholung abgeschlossen ist, soll die "Sao Paulo" in der brasilianischen Marine die längst ausgemusterte "Minas Gerais", einen Träger aus den Weltkriegstagen, ersetzen.

Weitgehend unbemerkt von westlichen Beobachtern drängt Indien in den engeren Kreis der einflussreichen Trägernationen.

Die "INS Viraat" stammt wie die Foch vom Markt für gebrauchte Flugzeugträger. Für die Briten war der 30.000-Tonner unter dem Namen "HMS Hermes" unter anderem am Falklandkrieg beteiligt. Seit den späten achtziger Jahren ist die "Viraat" das Flaggschiff der indischen Marine.

Ein Nachfolger ist bereits bestellt: In Russland lassen die Inder mit der "Admiral Gorschkow" ein ehemaliges sowjetisches Großkampfschiff modernisieren. Als "INS Vikramaditya" soll der 45.000 Tonner der "Kiew"-Klasse künftig Freund und Feind beeindrucken.

Bis 2015 will Indien als Ersatz für die "Viraat" (im Bild) zudem dem ersten unter Eigenregie gebauten Träger zu Wasser lassen: Die "INS Vikrant". Daneben kursieren Berichte über Interesse an der "USS Kitty Hawk".

Thailand besitzt seit 1997 einen eigenen Flugzeugträger, die "HTMS Chakri Naruebet".

Das Schiff gleicht der "Principes de Asturias" fast bis ins Detail, ist allerdings ein bisschen kleiner und leichter. Die thailändische Marine hat ihren Träger (knapp 12.000 Tonnen) in den 90er Jahren in Spanien bestellt.

China, USA, Frankreich, Russland, Italien, Großbritannien, Indien, Spanien, Brasilien, Thailand: Warum bürden sich diese Länder solche waffenstarrenden Kostenfaktoren überhaupt auf?

Gemessen an zivilen Sicherheitsmaßstäben ist jeder Start von Bord eines Flugzeugträgers im Grunde genommen ein vollkommen unverantwortliches Wagnis.

Es gibt eigentlich kein einziges Flugmanöver, das gefährlicher wäre.

Von der Landung auf einem Flugzeugträger einmal abgesehen. Die Netzbarriere kommt allerdings nur im Notfall zum Einsatz.

Für die reguläre Landung muss der Pilot in einem eng begrenzten Areal aufsetzen.

Mehrere Stahltrossen sollen dafür sorgen, dass die Maschine nicht über das Flugdeck hinausschießt. Die schweren Kabel liegen quer zur Anflugrichtung auf dem Deck.

Der Plan: Ein spezieller Fanghaken unter dem Heck soll sich in einer der vier Trossen verfangen. Wenn alles klappt, bremst der Seilwiderstand das Flugzeug binnen Sekundenbruchteilen ab. Die Methode ist brachial, aber wirkungsvoll.

Dazu muss der Pilot einiges richtig machen: Ein typischer Kampfjet vom Typ "F/A-18E Super Hornet" zum Beispiel wiegt mindestens 15 Tonnen und kostet pro Stück 55 Mio. Dollar.

Doch nur ein grober Fehler reicht und es kommt auf dem dicht bepackten Flugdeck zum Inferno.

Dutzende vollgetankte Maschinen warten auf den Einsatz.

Auf und unter Deck stapelt sich die Munition.

Eine Bruchlandung hätte katastrophale Folgen.

Zur Landung rast der Pilot mit einer Mindestgeschwindigkeit von 250 Kilometern je Stunde auf das Flugdeck zu. Langsamer geht nicht, die Maschine würde abstürzen.

Der Pilot muss das erste Drittel der Landebahn mit dem richtigen Anflugwinkel treffen. Nur hier liegen die Trossen für den Fanghaken - und je nach Seegang kann die Piste erheblich schwanken.

Nach oft mehreren Stunden im Einsatz gleicht das einer aberwitzigen Konzentrationsübung. Das Aufsetzen auf dem winzigen Fleckchen Stahl mitten im Ozean will gelernt sein: ...

... Denn nach drei, höchstens vier Fehlversuchen wird es auch für erfahrene Profis eng. Der Treibstoff reicht nicht ewig. Ausweichflughäfen gibt es nicht.

Die Belastungen für Mensch und Maschine sind enorm: ...

Greift der Fanghaken eine der Stahltrossen, reißt es die Besatzung hart nach vorne in die Gurte. Das Flugzeug kommt kurz vor dem Abgrund zum Stehen.

Greift er nicht, röhrt der Jet mit gezündetem Nachbrenner zurück in den Himmel.

Was tagsüber schon schwierig und extrem gefährlich ist, ist nachts nichts anderes als ein Roulettespiel mit dem Schicksal.

Hat der Pilot seinen Träger mitten im Meer gefunden, muss er sich komplett auf die Instrumente, die Leitsignale und seine antrainierten Reflexe verlassen.

Oder zu einem neuen Anlauf durchstarten. (Text: Martin Morcinek, Quellen: AFP, AP, BBC, China.org.cn, dpa, Globalsecurity.org, Herstellerangaben, Indian Navy, Jane's, Marinha do Brasil, Marina Militare, Marine nationale, Sinodefence.com, SIPRI, Royal Navy, rts, U.S. Navy)

weitere Bilderserien