In Bayern war er eine Lichtgestalt, im Rest der Republik für viele eine Provokation. Eine Legende ist Franz Josef Strauß bis heute.Bild 1 von 73 Strauß war 29, als der Zweite Weltkrieg endete. Er starb zwei Jahre vor der Wiedervereinigung Deutschlands. Kaum ein Politiker war so eng mit dem alten Westdeutschland verbunden wie er.Bild 2 von 73 Seine Wurzeln liegen in einer anderen Zeit. Franz Josef Strauß kommt am 6. September 1915 zur Welt. Seit einem Jahr tobt der Erste Weltkrieg.Bild 3 von 73 Bayern hat noch einen König, Deutschland einen Kaiser. Der kleine Franz Josef Strauß heißt wie sein Vater. Der ist Metzger und stammt aus Mittelfranken. Mutter Walburga kommt aus dem niederbayerischen Kelheim.Bild 4 von 73 Die Familie lebt in der Münchner Maxvorstadt, damals ein Arbeiterviertel. Der Vater ist Mitglied der Bayerischen Volkspartei. Franz, wie Strauß junior genannt wird, hat eine acht Jahre ältere Schwester, Maria (Bild).Bild 5 von 73 Er ist ein ausgezeichneter Schüler. Er schafft es - für seine Herkunft ungewöhnlich - aufs Gymnasium und legt dort 1935 das bayernweit beste Abitur ab. "Er verläßt die Schule mit einem durchweg sehr erfreulichen Maß gediegener Kenntnisse", heißt es in seinem Zeugnis.Bild 6 von 73 Ab 1936 studiert Strauß Deutsch, Geschichte, Altphilologie und Volkswirtschaft. Er will Gymnasiallehrer werden, Studienrat. Doch er muss sein Studium unterbrechen; ...Bild 7 von 73 ... wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen wird er eingezogen. Während eines Fronturlaubs im März/April 1940 legt Strauß das Erste Staatsexamen ab. Anschließend wird er an die Westfront geschickt.Bild 8 von 73 Zwischen November 1940 und April 1941 wird Strauß erneut beurlaubt. Er macht sein Referendariat, ist Assistent am Altphilologischen und Althistorischen Seminar der Uni München und beginnt eine altphilologische Dissertation, die 1944 verbrennt.Bild 9 von 73 Am 16. April 1941 wird Strauß erneut eingezogen. Er nimmt an dem am 22. Juni 1941 beginnenden Krieg gegen die Sowjetunion teil.Bild 10 von 73 Strauß hat Glück im Unglück: Vor Stalingrad erleidet er so schwere Erfrierungen an den Füßen, dass er ausgeflogen wird. Im pommerschen Stolpmünde an der Ostsee wird er zum Ausbildungsoffizier ausgebildet.Bild 11 von 73 1943 wird er an die Flakschule im oberbayerischen Altenstadt geschickt; heute steht dort die Franz-Josef-Strauß-Kaserne. Ende April 1945 wird Strauß hier von US-Soldaten festgenommen. Er wird ins nahe gelegene Schongau gebracht und fünf Wochen interniert.Bild 12 von 73 Da er Englisch spricht und kein Nazi war, setzen die Amerikaner ihn als stellvertretenden Landrat ein. Das ist der Beginn seiner politischen Karriere. Strauß gründet den Schongauer Kreisverband der CSU.Bild 13 von 73 Strauß wird Landrat, Abgeordneter im Frankfurter Wirtschaftsrat (eine Art Proto-Parlament der Bizone), CSU-Geschäftsführer, CSU-Generalsekretär, 1949 Mitglied des ersten Deutschen Bundestags (Bild).Bild 14 von 73 Im Bundestag wird Strauß Chef der CSU-Landesgruppe und stellvertretender Fraktionsvorsitzender, in seiner Partei 1952 Stellvertreter von CSU-Chef Josef Müller (genannt "Ochsensepp", links im Bild).Bild 15 von 73 Strauß hat große Ziele, seinen Schwerpunkt legt er auf die der Außen- und Sicherheitspolitik.Bild 16 von 73 Nach der Wahl von 1953 geht es mit seiner Karriere steil nach oben: Strauß wird einer von vier Bundesministern "für besondere Aufgaben", 1955 Atomminister.Bild 17 von 73 1957 heiratet Strauß Marianne Zwicknagl, die er auf einem Faschingsball in München kennengelernt hat.Bild 18 von 73 Anders als Strauß kommt Marianne aus einer großbürgerlichen Familie. Ihr Vater besitzt einen Gutshof und eine Brauerei und ist deutscher Konsul in Innsbruck.Bild 19 von 73 Marianne Zwicknagl hat studiert, unter anderem in Grenoble, Paris und London. Als Strauß sie kennenlernt, führt sie die Geschäfte der Brauerei ihres Vaters.Bild 20 von 73 "Ich habe gut geheiratet, nicht sehr gut, aber gut", schreibt Strauß nach der Hochzeit einem Freund.Bild 21 von 73 Die Ehe wird Höhen und Tiefen haben; ...Bild 22 von 73 ... Strauß gilt als "Lebemann", ...Bild 23 von 73 ... doch seine Frau hält zu ihm.Bild 24 von 73 Als Marianne Strauß 1984 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ...Bild 25 von 73 ... ist Strauß "am Boden zerstört", wie seine Tochter Monika Hohlmeier später berichtet.Bild 26 von 73 Seit 1957 ist Strauß Verteidigungsminister. Als solcher legt er Pläne für eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr vor, kann sich damit jedoch nicht durchsetzen.Bild 27 von 73 Zwei Skandale des Jahres 1958 charakterisieren Strauß' Amtsverständnis. Der eine beginnt harmlos: Ein Verkehrspolizist zeigt Strauß' Fahrer an, weil dieser vor dem Palais Schaumburg (Bild), dem Sitz des Kanzleramts, falsch abgebogen war.Bild 28 von 73 Der "Spiegel" berichtet ausführlich über die Angelegenheit: Strauß - der "Bajuware im Ministerrang" - kommt in dem Artikel nicht gut weg. Doch Strauß selbst gibt sich alle Mühe, schlecht dazustehen.Bild 29 von 73 Er droht Hauptwachtmeister Siegfried Hahlbohm, er werde "dafür sorgen, daß Sie von der Kreuzung verschwinden", und erstattet Anzeige gegen den Beamten - erfolglos. Ein Ermittlungsverfahren gegen Hahlbohm wird eingestellt.Bild 30 von 73 Weitaus folgenschwerer ist der Starfighter-Skandal: 1958 entscheidet Strauß, Starfighter des US-Konzerns Lockheed anzuschaffen. Der deutsche Lockheed-Repräsentant ist ein Freund des Ministers.Bild 31 von 73 Strauß ordert 700 Maschinen, noch bevor der auf deutsche Bedürfnisse umgerüstete Prototyp getestet wird. Viele Starfighter stürzen ab, 1965 kommen 15 Starfighter-Piloten der Bundeswehr ums Leben.Bild 32 von 73 In den Medien heißt der Starfighter bald "Witwenmacher". Bis 1991 sterben 116 Piloten bei Starfighter-Unfällen.Bild 33 von 73 1962 stürzt Strauß über die "Spiegel"-Affäre. Herausgeber Rudolf Augstein ist dem Verteidigungsminister schon seit 1957 in inniger Feindschaft verbunden; ...Bild 34 von 73 ... Augstein hält Strauß für gefährlich, er will den CSU-Mann stoppen. Strauß wird zum Lieblingsziel für das "Sturmgeschütz der Demokratie".Bild 35 von 73 Im Oktober 1962 erscheint im "Spiegel" ein Artikel über die NATO-Übung "Fallex 62", in dem beschrieben wird, "daß die Vorbereitungen der Bundesregierung für den Verteidigungsfall völlig ungenügend sind".Bild 36 von 73 Es ist die Zeit der Kuba-Krise. Die Bundesanwaltschaft wirft dem "Spiegel" Landesverrat vor. Die Redaktion wird durchsucht, Rudolf Augstein (Bild) und der Autor des Artikels, Conrad Ahlers, werden verhaftet.Bild 37 von 73 Strauß behauptet, er habe "nichts, im buchstäblichen Sinne nichts" mit der Sache zu tun. Eine Lüge. Er muss schließlich einräumen, persönlich für die Festnahme von Ahlers gesorgt zu haben. Die FDP droht, ihre Minister abzuziehen. Strauß muss gehen.Bild 38 von 73 Doch die "Spiegel"-Affäre unterbricht Strauß' Karriere lediglich. Seit 1961 ist er Chef der CSU. Er wird dieses Amt bis zu seinem Tod behalten.Bild 39 von 73 Nach Bildung der Großen Koalition im November 1966 unter Kanzler Kiesinger wird Strauß Finanzminister.Bild 40 von 73 Die Zusammenarbeit mit dem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Karl Schiller (Bild) klappt gut; die Medien taufen die beiden schon äußerlich unterschiedlichen Männer nach zwei Figuren von Wilhelm Busch: "Plisch und Plum".Bild 41 von 73 1969, als eine Koalition aus SPD und FDP die Regierung übernimmt, bleibt Strauß im Bundestag.Bild 42 von 73 Er bekämpft die Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt, reist jedoch 1975 in die Volksrepublik China.Bild 43 von 73 Im Bundestagswahlkampf 1976, den Helmut Kohl als Kanzlerkandidat der Union bestreitet, ist Strauß Schatten-Finanzminister.Bild 44 von 73 Nach der Wahlniederlage verkündet Strauß in Wildbad Kreuth die Aufhebung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU.Bild 45 von 73 Aus dieser Zeit ist bekannt, was Strauß von Kohl hält: "Der wird nie Kanzler werden. Der ist total unfähig, ihm fehlen alle charakterlichen, geistigen und politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles."Bild 46 von 73 Doch Kohl bezwingt den Bayern. Er droht, einen CDU-Landesverband in Bayern zu gründen. Die CSU kehrt in die Fraktionsgemeinschaft zurück.Bild 47 von 73 1978 kann Strauß von den harten Bonner Oppositionsbänken auf den Sitz des bayerischen Ministerpräsidenten nach München wechseln. Er wird Nachfolger von Alfons Goppel, der seit 1962 an der Spitze des Freistaates stand.Bild 48 von 73 Im Vorfeld der Bundestagswahl von 1980 setzt Strauß sich gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als Kanzlerkandidat der Union durch. Für Kohl eine hilfreiche Entscheidung, wie sich später zeigen wird.Bild 49 von 73 Der von Generalsekretär Edmund Stoiber gemanagte Wahlkampf ...Bild 50 von 73 ... wird zu einem spektakulären Kulturkampf gegen Strauß ...Bild 51 von 73 ... und für Strauß zu einem Fiasko.Bild 52 von 73 Strauß verliert. Er habe es geschafft, "das beschämende Wahlergebnis Rainer Barzels 1972 von 44,9 Prozent noch um 0,4 Prozentpunkte zu unterbieten", höhnt der "Spiegel".Bild 53 von 73 Fortan bleibt Strauß in Bayern. Im Bonn der achtziger Jahre wirkt er zunehmend fremd, wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.Bild 54 von 73 1982, als Kohl zum Bundeskanzler wird, entscheidet sich der CSU-Chef gegen einen Posten im Bundeskabinett - obwohl er angekündigt hatte, im Falle einer Regierungsübernahme der Union nach Bonn zu gehen.Bild 55 von 73 "Für mich ist's gar nicht mehr schön: Der Wehner kommt nicht mehr, der Schmidt will nicht mehr, was hab' ich da noch in Bonn verloren", sagt er im Oktober 1982.Bild 56 von 73 Ausgerechnet Strauß fädelt im Mai 1983 mit dem DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski einen spektakulären Deal ein: Die Bundesregierung bürgt für einen Bankkredit von knapp einer Milliarde D-Mark an die DDR.Bild 57 von 73 Strauß argumentiert, die Bürgschaft habe den Ostdeutschen genutzt. Tatsächlich baut die DDR in der Folge Selbstschussanlagen an der Grenze ab und genehmigt mehr Ausreiseanträge.Bild 58 von 73 Von 8000 im Jahr 1983 steigt die Zahl der Ausreisen auf 35.000 im Jahr 1984.Bild 59 von 73 Trotzdem ist der Kredit selbst für viele CSU-Mitglieder nicht nachvollziehbar. Auf Unverständnis stößt vor allem Strauß' fast freundschaftlicher Umgang mit der Staatsspitze in Ostberlin.Bild 60 von 73 Berührungsängste mit Diktaturen sind Strauß generell fremd. 1984 nimmt er den südafrikanischen "Orden der Guten Hoffnung" entgegen. Das Bild zeigt ihn im selben Jahr in Bonn mit dem südafrikanischen Premier Pieter Willem Botha.Bild 61 von 73 1977 trifft er den chilenischen Militärmachthaber Pinochet und besucht die umstrittene Colonia Dignidad, deren Leiter Paul Schäfer 2004 wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs verurteilt wird.Bild 62 von 73 Besonders eng ist Strauß' Freundschaft mit General Eyadéma, dem Präsidenten von Togo. Strauß "delektiert sich an der sprichwörtlichen innenpolitischen Stabilität der rüden Einmanndiktatur seines schwarzen Freundes Eyadema", mokiert sich der "Spiegel" 1983.Bild 63 von 73 Im Dezember 1987 fliegt die CSU-Spitze nach Moskau. Strauß selbst sitzt am Steuer der Cessna Citation. Trotz schweren Schneesturms bringt der Hobby-Pilot die Maschine sicher zur Landung.Bild 64 von 73 Als Pilot tritt Strauß auch bei seinem letzten Skandal auf: 1988 drückt er in Bonn die Steuerbefreiung für Flugbenzin durch. Ein Skandal, der auch zahlreiche Abgeordnete der CSU empört.Bild 65 von 73 Am 1. Oktober 1988 erleidet Strauß bei einer Hirschjagd nahe Regensburg einen Zusammenbruch. Er stirbt am 3. Oktober, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.Bild 66 von 73 In der CSU bleibt Strauß ein Mythos.Bild 67 von 73 "Er hat in besonderer Weise die Verbindung von Tradition und Fortschritt vorangetrieben und auch selbst verkörpert", sagt Bayerns Landtagspräsident Alois Glück.Bild 68 von 73 FJS polarisiert bis heute. Zu jedem Strauß gibt es ein Gegenbild. Strauß war Machtmensch und Familienmensch, ...Bild 69 von 73 ... ein Law-and-Order-Politiker, der Gesetze gering achtete, wenn dies dem "höheren Ziel" diente.Bild 70 von 73 Helmut Kohl hat Strauß einmal recht treffend beschrieben. Strauß sei ein Mann der "lauten Töne" gewesen, aber "kein starker Mann".Bild 71 von 73 Sein Problem sei gewesen, "dass er den Motor eines schweren Lasters hat, aber die Bremsen von einem Kleinwagen". Strauß habe zwar Intelligenz besessen, aber einen Mangel an Klugheit.Bild 72 von 73 Strauß selbst sagte 1977 etwas ganz Ähnliches über sich: "Ich bin g'scheit und faul, daher zum Truppenführer geeignet." (Text: Hubertus Volmer)Bild 73 von 73