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Das Büro des meistgefürchteten Mannes der DDR wirkt fast gemütlich: Fischgrätparkett, Holzmöbel und vertäfelte Schränke, kobaltblau bezogene Lehnstühle und Blümchengardinen.
Hier saß der Chef der DDR-Staatssicherheit, Erich Mielke, und unterzeichnete Dokumente, hielt Besprechungen, telefonierte mit den Mächtigen des Landes.
Das "Allerheiligste einer Institution, die 40 Jahre Angst und Schrecken verbreitete", nannte ein Redner den Raum, der nach umfangreicher Restaurierung erstmals öffentlich präsentiert wird.
Die Stasi, die sich als "Schild und Schwert" der herrschenden SED-Partei verstand, residierte seit 1961 an der Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg...
... hermetisch abgeriegelt von der Öffentlichkeit - mit bis zu 7000 hauptamtlichen Stasi-Mitarbeitern.
Nach dem Mauerfall stürmten am 15. Januar 1990 aufgebrachte DDR-Bürger die Zentrale und retteten säckeweise Unterlagen vor der Vernichtung. Sie besiegelten damit das endgültige Aus des Spitzelministeriums.
Mielkes Büro und das Gebäude, in dem es sich befindet, können nun besichtigt werden. Das Gebäude wurde mit elf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II besuchertauglich gemacht.
Um ein Konzept für die Schaltstelle des SED-Herrschaftssystems war rund 20 Jahre lang gestritten worden. Nun wurde eine Kooperation zwischen der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen und dem Verein "Antistalinistische Aktion Berlin Normannenstraße" kurz: ASTAK unterschrieben.
Danach wird eine gemeinsame Dauerausstellung über das Wirken der Staatssicherheit erarbeitet. Sie soll Mitte 2013 auf drei Etagen eröffnet werden. Bis dahin ist eine Interims-Ausstellung zu sehen.
Der Verein hatte bis zur Sanierung ein Stasi-Museum in Haus 1 betrieben, auf eigene Ausstellungsprojekte gepocht und sich an den Rand gedrückt gefühlt. Nicht zuletzt auf Initiative des Chefs der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, werden Vereine und Initiativen nun weiter ihren Sitz in Haus 1 haben.
Dem ASTAK war es zu verdanken, dass erhalten blieb, was nach dem Aus für SED und Stasi viele schnell verschwinden lassen wollten.
Mit wenigen ehrenamtlichen Mitarbeitern verhinderte der Verein, dass die Angestellten der Stasi nach der Wende Bespitzelungs- und Verwaltungsakten, aber auch Mobiliar und andere Gegenstände zerstörten. So blieb vieles für die Aufarbeitung der Geschichte erhalten.
"Wir hatten nur rund 85 Leute - gegen rund 24.000 Stasi-Mitarbeiter", sagte Detlef Stein, ein Bürgerrechtler der ersten Stunde.
Als sie Mielkes Büro 1990 betraten, waren sie zunächst erschrocken, erinnerte er sich: "Wir hätten modernes Gerät erwartet, doch hier war alles wie in den 50er Jahren."
Das stalinistische Denken habe sich bis 1989 gehalten.
Die Räume scheinen noch den Geruch der damaligen Zeit zu atmen. Darauf ist Jörg Drieselmann, Geschäftsführer des Stasimuseums, besonders stolz.
"Als wir das Mobiliar zurückgebracht haben, haben wir darauf geachtet, dass es nicht mit modernen Chemikalien behandelt wird", sagte er.
So dünsten die Stühle noch Tabakrauch und Aktenstaub der alten Zeit aus.
Und noch ein Detail lag Drieselmann am Herzen. "Wir fanden dort Sansevieria", berichtete er. Von der Zimmerpflanze, die auch als Bogenhanf oder Schwiegermutterzunge bekannt ist, ließ er Ableger ziehen. Diese befinden sich nun in stattlicher Höhe in zwei rechteckigen Pflanzenkübeln in Mielkes Büro - auch die Kübel sind Originale.
So wenig luxuriös wie die pflegeleichten Zimmerpflanzen sind die Privatzimmer des Ministers hinter seinem Büro.
Ein brauner Salon mit Liege und Sesseln aus vergangenen Zeiten mutet bieder an, ...
... geradezu ärmlich wirkt das hellblau gekachelte Bad mit Mini-Badewanne und verkratzter Toilette. An vielen Stellen sind blaue Fliesen durch weiße ersetzt.
Im Foyer von Haus 1 steht auch ein beigefarbener Kleinbus, in dem getarnt Gefangene transportiert wurden. Langfristig soll das Areal langfristig zu einem Campus der Demokratie entwickelt werden. Dazu gehören sollen das Archiv mit Millionen Akten, eine Bibliothek, ein Buchladen und ein Café.
Der Blick zurück in die Vergangenheit soll plastisch machen, was für viele Schüler und Studenten kaum noch vorstellbar ist.
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