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Politik

Schloss Bellevue mal wieder frei: Gesucht wird: ein Kandidat für alle

 
Schloss Bellevue mal wieder frei: Gesucht wird: ein Kandidat für alle

Und wieder wird ein neuer Bundespräsident gesucht.

Nach dem seltsamen Abgang des beleidigten Horst Köhler ...

... ist Christian Wulff bereits der zweite Bundespräsident, der von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgesucht wurde und die in ihn gesetzten Erwartungen enttäuscht hat.

Das spricht nicht gerade für eine glückliche Hand beim Kandidaten-Casting.

Möglicherweise sollte Merkel die Wahl jemand anderem überlassen.

Wie wäre es mit den Wählern?

Dazu wird es, zumindest kurzfristig, nicht kommen. Und noch haben Union und FDP eine Mehrheit in der Bundesversammlung - eine sehr knappe zwar, aber es ist eine Mehrheit.

In der Bundesversammlung wird geheim abgestimmt. Das Risiko, dass Merkel noch einmal einen Kandidaten durchbekommt, wäre sehr hoch.

Da liegt es nahe, sich mit SPD und/oder Grünen auf einen Kandidaten zu einigen.

Die FDP hat bereits zugestimmt, dass Merkel SPD und Grüne bei der Suche nach einem Kandidaten einbindet.

In ihrer Erklärung nach Wulffs Rücktritt kündigte Merkel an, die Koalition werde auf SPD und Grüne zugehen. "Wir wollen Gespräche führen mit dem Ziel, in dieser Situation einen gemeinsamen Kandidaten für die Bundesrepublik Deutschland vorschlagen zu können." Eine Premiere für das Bellevue-Casting.

Die potenziellen Wulff-Nachfolger, die derzeit gehandelt werden, sind die üblichen Verdächtigen:

Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Für ihn spricht, dass er als sehr integer gilt und sicher auch den Respekt der Opposition genießt. Gegen ihn spricht, dass er ohne jede Pause von der aktiven Politik ins Schloss Bellevue wechseln würde. Und natürlich, aus Sicht von SPD und Grünen, sein CDU-Parteibuch.

Das gilt auch für Finanzminister Wolfgang Schäuble: hohes Ansehen, aber stark in der aktiven Politik verankert. Und sowohl gegen Schäuble als auch gegen de Maizière spricht ihre Kompetenz: Kann Merkel wirklich auf ihre beiden besten Minister verzichten?

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen war bereits 2010 im Gespräch, als ihr Landsmann Christian Wulff den Job bekam. Mittlerweile hält sich aber das Gerücht, dass die CDU-Politikerin eher auf das Kanzleramt als auf das Bundespräsidialamt hofft.

Auch hätten konservative Unionspolitiker wohl Schwierigkeiten mit zwei Frauen an der Spitze des Staates, die auch noch beide evangelisch sind.

Dann Bundestagspräsident Norbert Lammert. Er gilt ohnehin als "geschäftsführender Bundespräsident". Als Bundestagspräsident hat er Merkel mehrfach mit selbstbewusstem Auftreten geärgert.

Ex-Umweltminister Klaus Töpfer, ebenfalls CDU, ist immer wieder im Gespräch, wenn ein neuer Bewohner für das Schloss Bellevue gesucht wird. Sein Thema ist die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel, er würde daher als "schwarz-grünes Signal" verstanden werden. Das wiederum fänden FDP und SPD vermutlich nicht so toll.

Noch unwahrscheinlicher sind aus den selben Gründen zwei grüne Politiker, die im Gespräch sind: Winfried Kretschmann ist als erster grüner Ministerpräsident gerade erst vor wenigen Monaten in Baden-Württemberg angetreten.

Und Katrin Göring-Eckhardt genießt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland zwar hohes Ansehen auch in den Koalitionsfraktionen. Doch die Bundestagsvizepräsidentin ist nicht nur eine Frau, sondern auch eine Grüne.

Auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, wird genannt. Voßkuhle wäre nicht der erste Verfassungsrichter, der Bundespräsident wird. Aber er wäre der erste, der ohne Pause von Amt zu Amt wechselt.

Auch Politiker der SPD kursieren als mögliche, wenngleich wenig wahrscheinliche Kandidaten. Franz Müntefering etwa verfügt vermutlich über die nötige Bürgernähe, wäre aber vor allem der FDP nur schwer zu vermitteln. Und seine Frau Michelle müsste dann wohl auf ihre Kandidatur für den Bundestag verzichten.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hätte für Merkel den Vorteil, einen möglichen Kanzlerkandidaten aus dem Rennen genommen zu haben. Aber auch für ihn gilt: zu politisch, kein Konsens-Kandidat.

Am wahrscheinlichsten ist wohl eine parteilose Lösung. In Umfragen taucht da stets die Ex-Ratspräsidentin der EKD, Margot Käßmann, auf. Durch ihren konsequenten Umgang mit ihrer Alkoholfahrt hat sie sich viel Respekt verdient.

Wahrscheinlicher als Käßmann ist allerdings der ehemalige Chef der Stasi-Akten-Behörde, Joachim Gauck. Er wurde 2010 trotz breiter Unterstützung aus der Bevölkerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel verhindert. Das war schon damals seltsam, weil Gauck zu Merkel eigentlich viel besser passt als Wulff.

Der Vorteil wäre, dass Merkel die Einzige ist, die bei Gauck über ihren Schatten springen müsste. Denn natürlich wäre ein Bundespräsident Gauck aus Merkels Sicht ein deutliches Eingeständnis, mit Wulff einen Fehler gemacht zu haben.

Für Gauck spricht wiederum, dass er mit seinem Lieblingsthema Freiheit vermutlich auch der FDP vermittelbar wäre. Die sächsische FDP hatte bereits 2010 für Gauck gestimmt.

Es bleibt spannend.

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