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Die Tunesier haben ihren Präsidenten Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali davongejagt.
Am Ende reichte ein Funken, um das Gemisch aus Unterdrückung und Perspektivlosigkeit zum Explodieren zu bringen.
Die Ägypter beschreiten einen ähnlichen Weg.
Mit ihren Massenprotesten zwingen sie ihren Präsidenten Husni Mubarak zu einem noch vor Wochen undenkbaren Schritt.
Der seit 1981 regierende Autokrat gibt seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit bekannt. Spätestens im September endet seine Herrschaft.
Gut möglich aber auch, dass ihn der Druck der Straße zum Rücktritt zwingt. Die Macht der arabischen Despoten ist nicht mehr unantastbar.
"Die arabische Seele ist zerrissen von Armut, Arbeitslosigkeit und dem Rückgang der Entwicklungsindikatoren," sagt der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa.
Ein Blick auf die anderen arabischen Länder zeigt, dass in den meisten von ihnen soziale Proteste ausbrechen könnten.
Die politischen Führer sind durch die Massenunruhen aufgeschreckt, das lange vernachlässigte Thema Armutsbekämpfung wird plötzlich zur Chefsache.
In Algerien, einem unmittelbaren Nachbarland Tunesiens, ist seit 1999 Abdelaziz Bouteflika Präsident.
Der inzwischen fast 74-Jährige wurde 2009 mit über 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt, nachdem er sich zuvor mit einer Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit ermöglicht hatte.
Das Durchschnittseinkommen in Algerien liegt gerade einmal bei umgerechnet 250 Euro monatlich, obwohl das Land durch Erdöl und Erdgas reich geworden ist.
Weil die Preise für einige Nahrungsmittel seit Jahresbeginn um 30 Prozent stiegen, kam es in jüngster Zeit zu gewaltsamen Protesten.
Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben; es gab mehrere versuchte Selbstverbrennungen.
Die Regierung sicherte zu, Grundnahrungsmittel weiter zu subventionieren.
Seit zehn Jahren kommt es im Land immer wieder zu lokalen Aufständen. Bisher ist daraus jedoch keine geamtgesellschaftliche Bewegung geworden.
An der Spitze der parlamentarischen Monarchie in Marokko steht seit mehr als elf Jahren König Mohammed VI.
Wie auch in anderen arabischen Staaten sorgt der Preisanstieg der teilweise vom Staat subventionierten Lebensmittel für Unmut unter den Bürgern.
15 Prozent der Bevölkerung gelten als arm. Über 50 Prozent der über 14-Jährigen können nicht lesen und schreiben. Das Land gilt als das Armenhaus des Maghreb.
Wirtschaftlich setzt Marokko vor allem auf den Export von Phosphat, den Tourismus und seine Textilindustrie.
Doch es mangelt an Perspektiven für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt.
Das Land gilt als relativ liberal, solange man keine Kritik am Königshaus und dem Islam äußert und den Westsahara-Konflikt nicht anspricht.
Mauretanien wird seit einem Militärputsch im August 2008 von Mohamed Ould Abdel Aziz regiert.
Angesichts steigender Preise für Nahrungsmittel wie Zucker, Öl und Milchpulver forderte er seine Regierung auf, das Preisniveau zu senken.
Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder, dass Sicherheitskräfte mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen friedliche Demonstranten und Abgeordnete vorgehen.
Aus Protest gegen die politische Lage gingen vergangene Woche tausende Menschen auf die Straße. Ein Demonstrant zündete sich an.
In Libyen ist Revolutionsführer Muammar el Gaddafi seit einem unblutigen Putsch im September 1969 an der Macht.
Er bedauerte den Sturz des langjährigen tunesischen Präsidenten Ben Ali. "Es tut mir sehr weh, was in Tunesien gescheht", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Jana den Revolutionsführer.
Der Verfassung nach ist Libyen ein basisdemokratischer Staat auf Grundlage des Islam. Allerdings gilt Gaddafis Regime als sehr repressiv.
Die UNO sieht Libyen als höchstentwickeltes Land des afrikanischen Kontinents.
Dennoch gibt es große Unzufriedenheit im einfachen Volk, das vom Ölreichtum abgekoppelt ist.
Vor einer Woche hob die Regierung sämtliche Steuern und Zölle auf Lebensmittel auf, machte aber keine Angaben dazu, ob dieser Schritt im Zusammenhang mit den Protesten in Tunesien und Algerien steht.
Der Sudan, das größte Land des afrikanischen Kontinents, steht vor einer Spaltung in einen Nord- und Südteil.
In Khartum herrscht seit 1989 der wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen per internationalem Haftbefehl gesuchte Staatschef Omar el Baschir.
Bei Protesten gegen gestiegene Preise kam es vergangene Woche zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Ein Oppositionsführer wurde festgenommen, vermutlich, weil er sagte, ein Aufstand wie in Tunesien sei auch im Sudan "wahrscheinlich".
Zuvor hatte die sudanesische Regierung mit dem Abbau der bisherigen Subventionen für Erdölprodukte und Zucker begonnen. Benzin und Kerosin zum Kochen sind seitdem deutlich teurer geworden.
Konflikte verschiedener Volksgruppen um Zugang zu Land und Wasser haben seit dem Ende des Bürgerkriegs vor sechs Jahren tausende Menschenleben gefordert.
Auch zwischen dem Norden und dem Süden sind weiterhin Konflikte möglich, vor allem um den genauen Grenzverlauf und die künftige Aufteilung der Einkünfte aus der Ölförderung.
Seit 2000 ist in Syrien Präsident Baschar el Assad an der Macht.
Die sozialistische Volksrepublik ist de facto eine autokratische Präsidialrepublik mit Einparteiensystem.
Der gelernte Augenarzt Assad hat Hoffnungen auf weitreichende Reformen enttäuscht; er herrscht inzwischen mithilfe des allgegenwärtigen Geheimdienstes, Regimegegner verschwinden im Gefängnis.
Nach offiziellen Angaben leben 14 Prozent der 22 Millionen Menschen in Armut, jeder Fünfte ist arbeitslos.
Um mittellosen Familien zu helfen, legte die Regierung Anfang der Woche einen millionenschweren Hilfsplan auf.
Zudem kündigte sie Investitionen an, um die Entwicklung hin zu einer Marktwirtschaft voranzutreiben.
Auch in Damaskus bleiben die Vorgänge in Ägypten nicht ohne Wirkung: Es gibt Solidaritätsbekundungen, die Opposition formiert sich.
Im Königreich Jordanien unter dem Monarchen Abdullah lebt jeder Vierte unter der Armutsgrenze.
Der junge König regiert heute ebenso mit harter Hand, wie er es von seinem Vater gelernt hat.
Das Land gilt dennoch im Verhältnis zu anderen Staaten als relativ liberal - obwohl auch hier keine Presse- und Meinungsfreiheit herrscht und der Geheimdienst allgegenwärtig ist.
In den vergangenen Tagen gab es friedliche Proteste gegen die Wirtschaftpolitik und die Inflation.
Die Demonstranten forderten dabei auch den Rücktritt der Regierung, obgleich diese vergangene Woche umgerechnet 126 Millionen Euro freigegeben hatte, um die Preise zu senken und Arbeitsplätze zu schaffen.
Die ständigen politischen und militärischen Spannungen in der Region beeinträchtigen Jordanien trotz des Friedensschlusses mit Israel stark.
Im Libanon ist die Lage gespannt, seit die Hisbollah und deren Verbündete ihre Minister aus der Regierung der nationalen Einheit abzogen.
Auslöser für die Krise war die bevorstehende Veröffentlichung der Anklageschrift des UN-Tribunals, das die Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri, dem Vater des noch amtierenden Regierungschefs, Saad Hariri, untersucht hatte.
Aus Angst vor gewalttätigen Protesten im Zuge der Regierungskrise wurden in Beirut die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und mehrere Schulen geschlossen.
Der Libanon hat ein pluralistisches Parteiensystem und eine vielfältige Medienlandschaft. Allerdings gibt es immer wieder Eingriffe in die Pressefreiheit.
Das Land befindet sich in einer tiefen Rezession. 60 Prozent der Bevölkerung leben in Armut.
Die Arbeitslosenzahl liegt bei über 20 Prozent. Vor allem für junge Leute gibt es kaum berufliche Perspektiven.
Politische Beobachter gehen davon aus, dass im Libanon eine längere politische Krise droht.
Die weitere Entwicklung in diesen Staaten dürfte entscheidend von Tunesien und Ägypten abhängen: Siegt hier die Demokratie, dürften die Throne der Despoten in den Bruderländern wanken.
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