Joschka Fischer: Jahrelang stand er - mit weitem Abstand - an der Spitze der Liste der beliebtesten Politiker Deutschlands.Bild 1 von 112 Angriffslustigkeit wurde ihm attestiert, er galt als scharfzüngig und instinktsicher. Auf dem internationalen Parkett war er diplomatisch geschickt, ...Bild 2 von 112 ... im Umgang mit seiner Partei war er sowohl begnadeter Strippenzieher als auch eiskalter Machtpolitiker.Bild 3 von 112 Und um das Bild abzurunden: Fischer ist guten Rotweinen ebenso zugewandt wie gelegentlicher Askese, ...Bild 4 von 112 ... entwickelte in der Hochphase seiner politischen Karriere einen ausgeprägten Sinn für edle Stoffe ...Bild 5 von 112 ... und gilt dennoch nur als durchschnittlich eitel. Allerdings stand Fischer im Ruf, insbesondere im Umgang mit Wollpulli-tragenden Parteifreunden, zur Arroganz zu neigen, ...Bild 6 von 112 ... im Umgang mit Frauen - von 19-jährigen Studentinnen bis hin zu US-Außenministerinnen - jedoch erstaunlichen Charme zu entwickeln (dazu später mehr).Bild 7 von 112 Doch der einstige politische Großmeister, erst in der Opposition, dann der Regierung, sieht dem Spiel der Macht inzwischen nur noch aus der Ferne zu.Bild 8 von 112 Ohne viel Rummel feierte Joschka Fischer am 12. April 2008 seinen 60. Geburtstag.Bild 9 von 112 Joseph Martin Fischer, wie ihn - nicht nur - die Kollegen der FAZ noch immer gerne nennen, war als Außenminister zwar nicht mehr der uneingeschränkte Leitwolf der Grünen.Bild 10 von 112 Dennoch vertrat er die Grünen nach außen als Galionsfigur, wurde als Vordenker der Partei wahrgenommen, die im Jahr 2008 gerade mal halb so alt ist wie ihr einstiger "heimlicher Vorsitzender".Bild 11 von 112 Dabei kümmerte der Außenminister sich um die partei-internen Belange nur noch am Rande, aus der Innenpolitik hielt er sich - zum Ärger manchen Parteifreundes - wenn möglich heraus.Bild 12 von 112 Das war mal anders. Vielleicht kam Fischer gerade wegen seiner persönlichen Entwicklung vom Straßenkämpfer ...Bild 13 von 112 ... über den "Turnschuh-Minister" (Im Bild: Die Original-Schuhe von Fischer, die er 1985 bei seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister trug, heute ausgestellt im Deutschen Ledermuseum in Offenbach) ...Bild 14 von 112 ... bis hin zum Staatsmann im Dreiteiler (hier 1999 mit EU-Kommissionspräsident Jacques Santer) auch in konservativen Kreisen so gut an - verkörpern doch gerade seine Wandlungen eine nicht nur in der Politik ungewöhnliche Glaubwürdigkeit.Bild 15 von 112 Fischer wird 1948 in Gerabronn (Baden-Württemberg) als drittes Kind in ein streng katholisches, kleinbürgerliches Elternhaus geboren.Bild 16 von 112 Zwei Jahre zuvor hatten seine Eltern als Ungarndeutsche Budapest verlassen müssen. Sein Vater war dort Metzger, die Mutter hatte vor der Heirat einen Tabakladen betrieben.Bild 17 von 112 Nach der Umsiedlung in die schwäbische Provinz muss sich der Vater als Hilfsarbeiter in Schlachthöfen durchschlagen.Bild 18 von 112 Auch Joschkas Leben verläuft nicht geradlinig. Kurz vor Abschluss des zehnten Schuljahres verlässt er im März 1965 mit 17 Jahren das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart.Bild 19 von 112 Mäßig motiviert beginnt er im beschaulichen Fellbach, wo die Eltern inzwischen wohnen, eine Lehre als Fotograf, bricht jedoch auch diese bald ab.Bild 20 von 112 Kaum 18 macht sich Fischer auf Reisen. Per Anhalter durchstreift er Westeuropa, Griechenland und die Türkei und landet letztlich sogar im damals sehr exotischen Kuwait.Bild 21 von 112 Im Herbst 1966 kehrt er nach Deutschland zurück: Seine Schwester ist schwer erkrankt. Sie stirbt. Wenig später erleidet der Vater einen tödlichen Schlaganfall.Bild 22 von 112 Heimlich sagt er 1967 zum ersten Mal vor dem Standesamt Ja - allerdings im schottischen Gretna Green, denn seine Auserwählte, die Polizistentochter Edeltraud, ist erst 17.Bild 23 von 112 Die Liebe beginnt romantisch: In Marseille schlagen sich beide als Pflastermaler durch. Und zumindest auf dem Papier hält sie relativ lange: elf Jahre.Bild 24 von 112 "Doch ein richtiges Familienleben entwickelte sich nicht", schreibt die Fischer-Biografin Krause-Burger. "In Frankfurt, dem Zentrum für die Theorie von der Revolution, wo die beiden schließlich gelandet waren und sich mit allerlei Jobs über Wasser hielten ..., (Bild: Cohn-Bendit)Bild 25 von 112 ... lebte man mal zusammen, mal auch wieder nicht, mal in dieser Wohngemeinschaft, mal in jener. Es galt in diesen Revoluzzerkreisen der Satz: 'Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.'" (John Lennon und Yoko Ono im Juni 1968)Bild 26 von 112 Auch die ehemalige RAF-Terroristin Margrit Schiller (links ein undatiertes Polizeifoto, rechts 2000 in Hamburg) wohnte zeitweise mit Fischer in einem Haus, was 2001 zu einer ebenso kurzen wie skurrilen Affäre führt:Bild 27 von 112 Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Außenminister wegen uneidlicher Falschaussage. Hintergrund: die Aussage des Außenministers beim OPEC-Prozess, er habe nie mit der ehemaligen RAF-Terroristin Margrit Schiller zusammengewohnt.Bild 28 von 112 Fischer räumt schließlich ein, mit Schiller möglicherweise gemeinsam gefrühstückt zu haben, als diese in der benachbarten Frauen-Wohngemeinschaft übernachtete. Die Ermittlungen werden im April 2001 eingestellt.Bild 29 von 112 Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre mischt Fischer in der Studentenbewegung mit. Seine Bildungslücken schließt er mit dem Besuch der Universität.Bild 30 von 112 Ohne Abitur, ohne eingeschrieben zu sein, hört er in Frankfurt Vorlesungen, unter anderem von Habermas, Adorno und Negt (v.l.n.r.) ...Bild 31 von 112 "Ich habe eine profunde theoretische Ausbildung genossen, sozusagen ein Studium ohne Scheine und ohne Abschluss, und davon zehr' ich noch heute", zitiert ihn seine Biografin.Bild 32 von 112 Wenn er nicht arbeitet oder in der Uni hängt, ist er in der studentischen Protestbewegung und der Gruppe "Revolutionärer Kampf" aktiv. In diese Zeit fällt der Auftakt zum Terror der "RAF", die zum bewaffneten Kampf gegen den Staat antritt:Bild 33 von 112 Polizei und Feuerwehr sichten den Schaden in der ausgebrannten vierten Etage des "Kaufhof" auf der Frankfurter Zeil im April 1968. Vier Plastikflaschen voll Benzin mit einem primitiven Weckzünder richteten zwei Mio. DM Sachschaden an und veränderten die Republik.Bild 34 von 112 Über Wasser hält sich Fischer mit Gelegenheitsjobs. Unter anderem steht er bei Opel am Fließband. Als er auf einer Betriebsversammlung zum Streik aufruft ... wird er gefeuert.Bild 35 von 112 In Frankfurt lernt er auch Daniel Cohn-Bendit, Jahrgang 1945, kennen (Aufnahme von 1968).Bild 36 von 112 Neben Cohn-Bendit wird Fischer zu einem der führenden Köpfe der Frankfurter Sponti-Szene.Bild 37 von 112 Beim Agitieren und Protestieren bleibt es nicht. Fischer beteiligt sich an Straßenschlachten.Bild 38 von 112 Am 7. April 1973 wird der Polizist Rainer Marx brutal zusammengeschlagen. Mit dabei ist auch Joschka Fischer (2.v.r).Bild 39 von 112 Nach massiver Kritik muss sich Fischer 28 Jahre später für seine Vergangenheit als Straßenkämpfer entschuldigen. Er räumt ein, bei Demonstrationen Polizisten geschlagen zu haben. Rainer Marx verzeiht ihm. Eine persönliche Begegnung mit Marx sucht Fischer nicht.Bild 40 von 112 Nach einer Demo gegen den Vietnam-Krieg, bei der er die Bannmeile um das neue Schloss in Stuttgart missachtet, kommt es zur Anklage gegen Fischer. Das Urteil: Sechs Tage Haft. Er sitzt sie in Stuttgart-Stammheim ab.Bild 41 von 112 In Frankfurt berüchtigt ist Fischers "Putztruppe", die sich dem Kampf gegen Immobilienhaie verschrieben hat und sich regelmäßig mit der Polizei um besetzte Häuser prügelt.Bild 42 von 112 Doch Mitte der 70er Jahre kehrt Ernüchterung ein. Die Studentenbewegung zerfällt. Während die Mehrheit der Protestler die revolutionäre Zeit als Abenteuer hinter sich lässt und vom Rand der Gesellschaft in ihre Mitte strebt (Juso-Vizechef Scharping 1975), ...Bild 43 von 112 ... zieht es eine Minderheit in den militanten, terroristischen Untergrund. Diesen Weg geht Fischer nicht.Bild 44 von 112 Fischer gehört zur dritten Gruppe - er fällt in ein Loch: 1977 spricht er von "Perspektivlosigkeit". Als Taxifahrer hat er viel Zeit, um nachzudenken und er konstatiert: "Die Wirklichkeit hat sich durch unseren Rückzug auf uns selbst auch nicht verändert."Bild 45 von 112 Die RAF-Anschläge 1977 und die Schleyer-Entführung leiten bei Fischer nach eigenem Bekunden einen Sinneswandel ein.Bild 46 von 112 Den Wandel charakterisiert Fischer als "Illusionsverlust" und "Illusionsabschleif". Nach dem Mord an Schleyer und der Landshut-Entführung wendet er sich von den radikalen politischen Gruppierungen ab.Bild 47 von 112 Fischers Elan erwacht 1981. Es geht um die Frage, ob die Frankfurter Spontis auf den Listen der Grünen für das Stadtparlament kandidieren dürfen. Diese hatten sich ein Jahr zuvor gegründet. Damals mit dabei: Der Berliner Rechtsanwalt Otto Schily, ...Bild 48 von 112 ... später Innenminister und Mitglied der SPD.Bild 49 von 112 Fischer, der bis zum Anfang der 80er Jahre mit Umweltpolitik nicht allzuviel am Hut hatte, tritt in die neue Partei ein. Viele Weggefährten früherer Tage folgen ihm und unterstützen fortan seine Politik, ...Bild 50 von 112 ... die den Stempel der Realpolitik bekam. "Plötzlich", so schreibt Krause-Burger, "traten die Revolutionäre von einst als Revisionisten und Reformer auf. Spontis erschienen als abgeklärt, und Öko-Bewegte zeigten sich als Heißsporne".Bild 51 von 112 Bereits am 22. Juni 1981 gratulieren Rhea Thönges (r) und Christel Jahn (M) von der Fraktion der Grünen Kassels Oberbürgermeister Hans Eichel (SPD) zur Wahl. Das erste rot-grüne Bündnis in einer deutschen Großstadt (in Kassel) sorgt für Aufsehen.Bild 52 von 112 Fischer behauptete später, der Kampf zwischen "Fundis" und "Realos" sei mit seinem Parteieintritt ausgebrochen, und fügte zur Begründung an:Bild 53 von 112 "Warum die Revolution auf der Straße nicht, im Parlament aber funktionieren soll, das hat mir keiner klarmachen können." (Luftaufnahme der legendären Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten 1983)Bild 54 von 112 Kritiker bemängeln heute, die "arbeitslose Kaste der Spontiberufspolitiker" hätte bei den Grünen ihre letzte Chance gesehen. (Demo gegen die NATO in Berlin 1982)Bild 55 von 112 Desillusioniert sei es den Spontis dabei darum gegangen, die eigene Karriere nun endlich anzugehen - zur Not auf Kosten der grünen Sache. (Ganz bei der Sache: Die Grünen der Stadt Alsdorf Anfang der 80er)Bild 56 von 112 Machtstreben und Glück kommen wohl zusammen. Unerwartet erreichen die Grünen bei der Bundestagswahl 1983 5,6 Prozent.Bild 57 von 112 Fischer findet sich plötzlich im Bundestag wieder. (Im Bild: Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nach seiner Wiederwahl. Links die Grünen-Abgeordneten Petra Kelly (l) und Marieluise Beck-Oberdorf.)Bild 58 von 112 Fischer wird Mitglied im Innenausschuss und macht als Provokateur von sich reden. Die Tricks für sein Amt als Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion schaut er sich bei seinem damaligen Amtskollegen der Union ab, ...Bild 59 von 112 ... Wolfgang Schäuble. Die beiden achten und verstehen sich: Fischer präsentiert 2003 Schäubles Buch "Scheitert der Westen?".Bild 60 von 112 Er ist aber auch noch auf der Straße zu sehen: Mitglieder der Grünen (Fischer neben dem Schild "No Nukes") blockieren am 1983 ein US-Militärgelände in Frankfurt, das nach ihren Informationen für die Montage von Pershing-II-Raketen vorgesehen war.Bild 61 von 112 Im Zuge der Bundestagsdebatte über den NATO-Doppelbeschluss kommt es im November 1983 zu dem berühmten Ausruf Fischers an Richard Stücklen (l, im Bild mit dem damaligen CSU-Chef Strauß): "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch."Bild 62 von 112 Nach zwei Jahren scheidet Fischer - dem damaligen Rotationsverfahren der Grünen gemäß - aus dem Parlament aus. Doch schon im Dezember des Jahres prägt er eines der Schlüsselbilder der Nachkriegspolitik.Bild 63 von 112 In Hessen wird unter Holger Börner eine rot-grüne Koalition gebildet. Fischer wird als Umweltminister zum bundesweit ersten Kabinettsmitglied der Grünen.Bild 64 von 112 Es ist sein legendärer Auftritt bei seiner Vereidigung am 12. Dezember 1985 in Turnschuhen, der in Erinnerung bleibt.Bild 65 von 112 Die Koalition in Hessen zerbricht 1987, die CDU gewinnt die Landtagswahl. Börner muss den Stab an Walter Wallmann übergeben. 1990 verpassen die Grünen auch den Einzug in den Bundestag.Bild 66 von 112 Fischer setzt daraufhin in der Partei eine Strukturreform durch: Die Abschaffung der Rotation und die Wahl von zwei Parteivorsitzenden.Bild 67 von 112 Das kommt an. Die Wähler mögen seinen Pragmatismus. 1991 erhalten die hessischen Grünen 8,8 Prozent der Stimmen. Fischer kehrt als Umweltminister zurück. Ministerpräsident ist zu dieser Zeit Hans Eichel. 1994 zieht sich Fischer aus der Landespolitik zurück, ...Bild 68 von 112 ... taucht nur noch gelegentlich in der Fussball-Elf des hessischen Landtags auf (im Hintergrund erkennen Sie übrigens den Chef der Truppe, der heute wieder Chef der Truppe ist: Bundesverteidigungsminister Jung) ...Bild 69 von 112 ... um nach der Bundestagswahl 1994 seine eigentliche bundespolitische Karriere zu beginnen. Er wird neben Kerstin Müller Fraktionssprecher ...Bild 70 von 112 ... und in den letzten Jahren der Ära Kohl zum populärsten und bissigsten Oppositionsführer im Bundestag ...Bild 71 von 112 ... und außerhalb des Bundestages. Fischer auf einer Wahlkampfrede 1998 in München (oben) und als aufmerksamer Kavalier im gleichen Jahr auf dem 93. Deutschen Katholikentag in Mainz mit der damaligen Bundesumweltministerin Merkel.Bild 72 von 112 Innerparteilich sorgt er wiederholt für Wirbel. Insbesondere 1995, als er ein Grundsatzpapier zur militärischen Sicherung Bosniens veröffentlicht.Bild 73 von 112 In dem Papier befürwortet er den Einsatz von Waffen in der Region und fordert eine "Interventionspflicht der UN bei Völkermord". Die Grünen-Basis ist entsetzt.Bild 74 von 112 Doch er setzt sich durch (im Bild: Parteitag der Grünen 1997 in Kassel). Der Einsatz der Bundeswehr nicht nur in Bosnien ist bei den Grünen heute kein Thema mehr.Bild 75 von 112 Dennoch fällt es der Partei weiterhin schwer, Fischer zu folgen. Der an der Spitze vollzogene Wandel hin zu einer Partei der neuen bürgerlichen Mitte stößt bei der Parteilinken auf Skepsis. Fischer 1997 in der Diskussion mit Kernkraftgegnern in Dannenberg.Bild 76 von 112 1998 gewinnen SPD und Grüne die Bundestagswahl. Fischer wird Vizekanzler und Außenminister.Bild 77 von 112 Nach dem Marsch durch die Institutionen ist Fischer damit in einem Amt gelandet, das wie kaum ein anderes realpolitische Sachzwänge fordert. Und er bekommt ein schönes neues Gebäude: Richtfest des Auswärtigen Amtes im November 1998.Bild 78 von 112 Symbolische Übergabe des Staffelstabes der EU-Präsidentschaft durch den österreichischen Außenminister Schüssel am 11.12.1998. Am 1. Januar übernimmt Deutschland die EU-Präsidentschaft. Fischer erwirbt sich schnell international Respekt im Amt.Bild 79 von 112 Seine Ideen über die Rolle und Struktur des künftigen Europas werden ebenso beachtet wie seine Bemühungen um ein Weiterkommen im Nahost-Friedensprozess ...Bild 80 von 112 ... und wie sein Umgang mit den USA. In US-Außenministerin Madeleine Albright findet er eine Freundin. "Er ist eine ungeheuer faszinierende Persönlichkeit", sagt die 1937 Geborene später über Fischer.Bild 81 von 112 Mal lauter, mal leiser setzt er sich bei den UN für einen ständigen Sitz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat ein.Bild 82 von 112 Von seiner Partei entfernt er sich in diesen Jahren. "Es gibt keine grüne Außenpolitik, nur eine deutsche Außenpolitik", hatte Fischer gleich nach seinem Amtsantritt verkündet. (Fischer nach der Bundestagswahl 1998 bei der NATO)Bild 83 von 112 "Joschka liebt sich und sein Ministerium und dann die Grünen", heißt es in der Partei. Auf dem "Kriegsparteitag" in Bielefeld wirft ein Linksautonomer 1999 einen Farbbeutel auf Fischer.Bild 84 von 112 Konnte die Partei ihm beim Kosovo-Krieg gerade noch folgen, kommt es 2000 zu einer schweren Krise. Die von Fischer geforderte Aufgabe der Trennung von Amt und Mandat fällt auf einem Parteitag durch. Hartnäckig halten sich Gerüchte über einen möglichen Wechsel Fischers zur SPD.Bild 85 von 112 So weit kommt es nicht. Die damals neue Parteispitze unter Kuhn und Künast fängt Fischer wieder ein, er lässt sich in den Parteirat wählen.Bild 86 von 112 Die Wiederwahl von Rot-Grün 2002 gelingt - dank des drohenden Irak-Kriegs, aber auch wegen der Grünen und ihres Zugpferdes Fischer. Die SPD verliert zwar, der kleine Koalitionspartner legt jedoch fast zwei Prozent zu.Bild 87 von 112 Und Fischer genießt die Anerkennung für seine Haltung im Irak-Konflikt: "I'm not convinced", ruft er (wenige Woche vor Beginn des Kriegs) dem damaligen US-Verteidigungsminister Rumsfeld 2003 zu den Kriegsgründen und -Plänen der Amerikaner zu.Bild 88 von 112 Fischer wirkt gelöst und entspannt - und nimmt wieder zu. Stimmt: Das hätten wir beinahe vergessen. Der Charme ...Bild 89 von 112 Vier Frauen hat Fischer inzwischen verschlissen. Nach Edeltraud heiratet er 1984 Inge. Mit ihr hat er zwei Kinder: David wird 1979 geboren, Lara 1983. Doch schon 1987 folgt die Scheidung.Bild 90 von 112 Im gleichen Jahr sagt er Ja zu Claudia. Die Ehe hält bis 1996. Doch man streitet sich übers Kinderkriegen, sie verlässt ihn - schwanger von einem anderen Mann.Bild 91 von 112 Den Trennungsschmerz überwindet er nach eigenen Angaben mit asketischen Lebensgewohnheiten.Bild 92 von 112 Der damals 110 Kilogramm schwere Außenminister wird zum Marathonläufer und speckt dramatisch ab.Bild 93 von 112 Am Ende steht sein Buch "Der lange Weg zu mir selbst" ...Bild 94 von 112 ... und eine neue Frau. Nicola. Auch sie wesentlich jünger als Fischer.Bild 95 von 112 Die Hochzeit folgt 1999. Doch 2003 ist auch Ehe Nummer vier am Ende.Bild 96 von 112 Seit Sommer 2003 ist Fischer mit der Filmstudentin Minu zusammen. Erstaunlich: Auch zwei Jahre später war das Paar noch nicht verheiratet.Bild 97 von 112 Dabei behauptete sein Freund Daniel Cohn-Bendit: "Der Joschka ist eben katholisch, der muss immer gleich heiraten." (Cohn-Bendit bei seiner eigenen Hochzeit 1997 in Lauret bei Montpellier)Bild 98 von 112 Er behielt Recht: Die Hochzeit kam im Oktober 2005.Bild 99 von 112 Zunächst allerdings kam der Visa-Untersuchungsausschuss. Angst schien Fischer vor seiner Befragung nicht zu haben.Bild 100 von 112 Die "Titanic" gab dem Außenminister darum einen Ratschlag mit auf den Weg.Bild 101 von 112 Fischer hält durch. Er kann die Vorwürfe zwar nur bedingt entkräften, ...Bild 102 von 112 ... doch geht er erhobenen Hauptes aus der Sitzung. Seine Ankläger redet er rekordverdächtige zwölf Stunden lang bis zur Erschöpfung. Der Minister bekennt nach der Marathonsitzung des Untersuchungsausschusses: "Ich fühlte mich nicht unwohl."Bild 103 von 112 Als die SPD nach der verlorenen Wahl in NRW Neuwahlen anstrebt, bringt Fischer wiederholt seinen Unmut zum Ausdruck. Auch wenn ihn eine Freundschaft mit Schröder verbindet - dessen Entscheidung, das rot-grüne Projekt vorzeitig zur Disposition zu stellen, gefällt ihm nicht.Bild 104 von 112 Der Wahlkampf beginnt. Fischer sammelt seine Kräfte, begibt sich von der Bühne der Weltpolitik auf die Marktplätze der Republik.Bild 105 von 112 Und er erweist sich als Kämpfer. Tausende Kilometer legt er mit seinem Wahlkampfbus zurück, auf den Veranstaltungen will er mehr Zuspruch erfahren haben als vor drei Jahren.Bild 106 von 112 Auch die Partei ist begeistert von ihrer Galionsfigur. Maßgeblich Fischer ist es zu verdanken, dass die Grünen bei der Wahl am 18. September 2005 nur 0,5 Prozentpunkte verlieren und 8,1 Prozent der Stimmen holen.Bild 107 von 112 Um so überraschender sein Auftritt vor der Fraktion am 20. September. Viele hatten damit gerechnet, dass Fischer nun den Fraktionsvorsitz übernehmen will. Doch Fischer winkt ab.Bild 108 von 112 Nach sieben Jahren als Außenminister will er nicht mehr für eine kleine Fraktion die Oppositionsarbeit organisieren.Bild 109 von 112 Nach einer Gastprofessur in den Vereinigten Staaten vertreibt er sich in den vergangenen beiden Jahren die Zeit mit Kolumnen und Vorträgen zu internationalen Themen.Bild 110 von 112 Daneben ist er im "European Council on Foreign Relations" aktiv, einer Denkfabrik, deren Gründungsmitglied Fischer ist.Bild 111 von 112 Er habe mit der Unterschrift unter den Koalitionsvertrag in Hessen vor über 20 Jahren seine Freiheit gegen die Macht eingetauscht, sagte Fischer 2005. "Nun will ich meine Freiheit zurück".Bild 112 von 112