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Für viele längst überfällig: Koch-Mehrin zieht Konsequenzen

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Gut zwei Monate nach Karl-Theodor zu Guttenberg tritt auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wegen einer Plagiatsaffäre zurück. (Foto: dapd)

Gut zwei Monate nach Karl-Theodor zu Guttenberg tritt auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wegen einer Plagiatsaffäre zurück.

Gut zwei Monate nach Karl-Theodor zu Guttenberg tritt auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wegen einer Plagiatsaffäre zurück.

"Mit sofortiger Wirkung" legt die 40-Jährige ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments nieder. Auch ihre Partei-Ämter gibt sie ab.

Viel zu spät, meinen viele Kritiker. Der Schritt sei überfällig gewesen.

Tagelang hatte sich die Europa-Politikerin nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die Universität Heidelberg prüft, ihr den Doktortitel abzuerkennen. Grund seien mehrere festgestellte Plagiate.

Die FDP-Politikerin hatte 1999 eine wirtschaftshistorische Dissertation eingereicht und 2001 veröffentlicht. In ihrer Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" ging es um die lateinische Münzunion.

Einer Untersuchung der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge hat Koch-Mehrin jedoch an vielen Stellen gezielt abgeschrieben.

Die FDP muss nach vielen Querelen nun also den nächsten Tiefschlag hinnehmen. Doch was bedeutet der Rücktritt Koch-Mehrins für die Liberalen? Zwei Lesarten gibt es.

Die eine: Das ist gut für die FDP. Das letzte schwelende Personalproblem hat sich nun quasi durch Selbstzündung erledigt.

Dem Vernehmen nach wurde Koch-Mehrin herzlich empfohlen, doch vielleicht eher nicht zum Parteitag nach Rostock zu reisen, von wegen der vielen Fotografen und vielleicht eines Schattens, den man auf der soeben aufgehellten FDP fürchte.

Dazu passt, was FDP-Generalsekretär Christian Lindner von sich gab, denn das fällt doch in die Kategorie dürre Mitteilung: "Wir nehmen die Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis und danken ihr für den Einsatz für die liberale Sache." Linder ist ja sonst durchaus zur Emphase fähig.

Lesart zwei: Das ist schlecht für die FDP. Groß war nach einigen für die Liberalen furchtbaren Wahlergebnissen die Sehnsucht nach einem Neubeginn. "Konzentrieren wir uns auf die Inhalte!" riefen alte und kommende Kabinettsmitglieder in einer Mischung aus Trotz und Durchhaltewillen.

So gesehen, kommt Koch-Mehrins Rückzug doch ein wenig zur Unzeit. Lange galt die hochgewachsene Blonde als ambitionierte Vorzeigefrau einer liberalen Sache.

Fast rührend mag Koch-Mehrins Versuch anmuten, den Rücktritt mit der Sorge eines vermeintlichen Schadens für das Europäische Parlament aufzuladen: ...

Sie trete auch zurück, erklärte sie, um nicht "in führender Position ein Ziel für Angriffe auf die einzige demokratisch legitimierte Institution der Europäischen Union zu bieten".

Nicht bei allen war sie beliebt in Brüssel. Zwar galt sie als intelligent, offen und kommunikativ. Haften blieb allerdings der Vorwurf eines angeblich nicht durchgängig hohen Fleißes. (Hier Koch-Mehrin bei einem Foto-Shooting)

Wer folgt ihr nun nach?

Die Liberalen im Europaparlament entsenden einen Vertreter in das Präsidium der FDP nach Berlin, von einem Parteitag gewählt werden muss er nicht. Das ist jemand mit Rede- und Stimmrecht, also nicht irgendwer.

Mag sein, dass die FDP auch dieses Personalproblem sehr schnell lösen wird, dass sie Alexander Graf Lambsdorff vorschlagen wird, Mitglied des Europaparlaments und für viele nun ein Mann mit Zukunft. Zumindest hat er keinen Doktortitel.

Bundesaußenminister Westerwelle kommentierte den Verlust der liberalen Spitzen-Frau übrigens ebenso dünn wie Lindner.

"Ich bedauere diese Entscheidung, aber ich respektiere die Gründe und bin zuversichtlich, dass Silvana Koch-Mehrin die Europapolitik auch künftig weiter prägen wird."

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