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Politik

"Das war NICHT vorsätzlich": Koran-Verbrennungen lösen Krawalle aus

 
"Das war NICHT vorsätzlich": Koran-Verbrennungen lösen Krawalle aus

Strenggläubige Muslime würden nicht einmal einen Fetzen Papier wegwerfen, auf dem ein Vers aus dem Koran steht. Für sie ist die Schändung ihres Heiligen Buches eine Todsünde.

Dennoch "entsorgten" Soldaten auf dem US-Stützpunkt Bagram Koran-Exemplare in einem Verbrennungsofen. (Das Bild zeigt Proteste in Kuala Lumpur.)

Alle Versuche der Schadensbegrenzung können die wütenden Proteste nicht stoppen.

Der Reihe nach: Zunächst wird bekannt, dass in Bagram Korane verbrannt oder zumindest angezündet worden waren. Wahrscheinlich waren die Bücher Gefangenen in dem Geheimgefängnis auf der US-Basis zur Verfügung gestellt worden.

Am selben Tag entschuldigt sich Isaf-Kommandeur John Allen dafür, dass die Bücher "unangemessen entsorgt" worden seien. "Das sichergestellte Material wird ordnungsgemäß durch die entsprechenden religiösen Obrigkeiten gehandhabt werden."

Er erklärt: "Ich versichere Ihnen... ich schwöre Ihnen... das war NICHT in irgendeiner Weise vorsätzlich."

Dass er "nicht" tatsächlich in Großbuchstaben schreibt, lässt auf Allens Verzweiflung schließen: Die Isaf - und allen voran die Amerikaner - kämpfen seit Jahren gegen das Image ebenso unsensibler wie rüpeliger Besatzer an, als die sie immer mehr Afghanen wahrnehmen.

Später entschuldigt sich auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta für den "höchst bedauerlichen Zwischenfall". Zu einem solchen Schritt hatte sich die US-Regierung nicht einmal durchgerungen, als US-Soldaten im vergangenen November an der afghanischen Grenze 24 verbündete pakistanische Soldaten töteten.

Dennoch beginnen die offenbar unausweichlichen Proteste. Vor dem Stützpunkt in Bagram skandieren knapp 3000 Demonstranten "Tod den Amerikanern".

Am Folgetag greifen die Proteste auf andere Teile des Landes über. In Kabul setzen Hunderte Demonstranten Fahrzeuge in Brand und attackieren Geschäfte ...

... sowie Stützpunkte der Isaf-Truppen.

In Dschalalabad wird ein Treibstofflager in Brand gesetzt.

Insgesamt kommen bei den Krawallen in Afghanistan an diesem Tag acht Demonstranten ums Leben.

Tags darauf rufen die Taliban zur Tötung von ausländischen Soldaten auf, um den "Invasoren ... eine Lektion zu erteilen, dass sie es niemals wieder wagen, den heiligen Koran zu beleidigen".

Wegen der gewaltsamen Proteste zieht sich die Bundeswehr vorzeitig aus ihrem Stützpunkt Talokan zurück (Archivbild). Im März sollte das Lager ohnehin geräumt werden. Die rund 50 Soldaten werden nach Kundus verlegt.

Einrichtungen der US-Armee müssen von afghanischen Sicherheitskräften geschützt werden.

Wieder sterben Menschen.

Insgesamt kommen an diesem Tag sechs Demonstranten ums Leben.

In einem mutmaßlichen Racheakt wegen des Vorfalls erschießt ein afghanischer Soldat vor einer US-Basis zudem zwei amerikanische Soldaten.

Nun entschuldigt sich auch US-Präsident Barack Obama beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.

Die Entschuldigung nehmen diese Männer nicht an. Ihr Hass auf die USA ist grenzenlos.

Sie hängen ein Obama-Porträt an eine aufgespießte Puppe.

Der vierte Tag der Unruhen ist der blutigste. Zwölf Menschen sterben. Die Afghanen schleppen einen Toten weg, der bei Zusammenstößen mit US-Soldaten erschossen wird.

Die Afghanen äußern ihren Hass auf die USA immer deutlicher.

Am fünften Tag der Proteste wird das Innenministerium in Kabul angegriffen.

Dabei tötet ein Mann zwei US-Offiziere, die dort als Regierungsberater tätig waren.

Unklar ist, ob der Täter ein Mitglied des afghanischen Militärs oder der Polizei war. Später bekennt sich die Taliban zu dem Anschlag.

Die Nato zieht daraufhin sämtliche Mitarbeiter aus afghanischen Ministerien ab.

Auch am Folgetag werden wieder schwere Ausschreitungen gegen US-Einrichtungen vermeldet.

Eine anti-westliche Demonstration im Norden des Landes eskaliert, als eine Granate auf einem Nato-Stützpunkt einschlägt. Bei der Explosion werden sieben US-Militärausbilder verletzt.

Die Bundesregierung reagiert und zieht 50 Berater aus Kabuler Ministerien ab.

Die Experten sollen erst wieder zurückkehren, wenn der Mord an zwei US-Beratern im Kabuler Innenministerium aufgeklärt ist.

Die beiden Opfer sollen ihren Mörder zuvor verhöhnt und den Koran beschimpft haben. Daraufhin erschießt der Mann die US-Beamten.

Die deutsche Opposition verlangt von den US-Amerikanern eine "deutliche Entschuldigung für die Koran-Verbrennung. Zudem zweifelt sie zunehmend am Erfolg des Militäreinsatzes in Afghanistan.

Eine afghanische Untersuchungskommission kommt zwei Wochen später zu dem Schluss, die "Koran-Verbrennung" war beabsichtigt.

Die Darstellung der US-Regierung, es habe sich um ein Versehen gehandelt, sei "nicht hinnehmbar", heißt es in Kabul.

Eine Stellungnahme der US-Regierung steht noch aus.

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