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Wo Kinder mit Waffen aufwachsen: Land der unbegrenzten Ballerei

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Die US-Amerikaner und ihr Verhältnis zu Waffen: In Europa verursacht es immer wieder Kopfschütteln, wenn Bilder wie diese erscheinen. (Foto: REUTERS)

Die US-Amerikaner und ihr Verhältnis zu Waffen: In Europa verursacht es immer wieder Kopfschütteln, wenn Bilder wie diese erscheinen.

Die US-Amerikaner und ihr Verhältnis zu Waffen: In Europa verursacht es immer wieder Kopfschütteln, wenn Bilder wie diese erscheinen.

Kinder mit Waffen sind für die sogenannte Alte Welt ein No-go. Und auch in den USA ist das sorglose Ausstatten von Minderjährigen mit Waffen in die Diskussion geraten.

Schließlich ist es zuletzt fast schon zur Gewohnheit geworden, dass Kinder mit Schusswaffen töten oder verletzen.

Erst Anfang Mai 2013 schreckte der Fall des Kristian Sparks aus dem kleinen Örtchen Burkesville in Kentucky die USA auf.

Kristian ist ein Bengel von nur fünf Jahren. Als seine Mutter ihn kurz unbeaufsichtigt lässt, greift er zum Gewehr und schießt versehentlich auf seine zweijährige Schwester.

Als die kleine Caroline auf dem Weg ins Krankenhaus ist, stirbt sie. Die gesamten USA diskutieren über den Fall.

Der örtliche Gerichtsmediziner sagte kurz nach dem tragischen Tod des Mädchens lapidar: "Es war einer dieser verrückten Unfälle."

Doch tatsächlich wirft der "verrückte Unfall" ein Schlaglicht auf die Schattenseite eines Land, das historisch bedingt nicht mehr ohne Waffen kann und will.

Ein Land, in dem es völlig normal ist, dass schon die ganz Kleinen mit dem Schießen groß werden.

Kristian Sparks benutzte für seinen tödlichen Schuss eine Crickett 22 – ein eigens für Kinder produziertes Kleinkalibergewehr der Firma Crickett. Seine Eltern hatten es ihm geschenkt.

Der Werbeslogan der Firma lautet: "My first rifle". Das Unternehmen macht auf seiner Webseite keinen Hehl daraus, dass es darum geht, kleine US-Amerikaner schon im Kindesalter an seine Produkte zu binden.

In der "Kids Corner" zeigt der Hersteller stolz Bilder von bewaffneten Kindern. Sogar ein Säugling im Tarnanzug ist zu sehen, im Arm hält das Baby ein Crickett-Gewehr – ein Foto, eingesandt von einem der Tausenden Waffennarren in den USA.

Um den drohenden Imageschaden zu begrenzen, hat Crickett die eigene Homepage vorübergehend offline genommen.

Dabei ist Crickett nicht die einzige Firma, die sich auf Waffen für Kinder spezialisiert hat. Bei Waffenmessen in den USA sind Stände mit Knarren für Kids stets mit dabei. Oft in peppigen Farben gehalten, um sie für Junge attraktiver zu machen.

Als handele es sich um Spielsachen wie Computer oder Fahrräder, dürfen Minderjährige hier anfassen, …

… testen, …

… abdrücken.

Kinderwaffen wie die Crickett 22 gibt es bei Einzelhändlern wie Walmart zu kaufen.

Und das zu erschwinglichem Preis: Für 139 Dollar kann sich so gut wie jeder ein potenzielles Tötungswerkzeug leisten.

Dabei muss fairerweise eingeordnet werden: "Kindgerechte" Kleinkalibergewehre werden nicht zum Töten von Menschen verkauft.

Sie sind für die Jagd gedacht und für den Einsatz auf eigens dafür vorgesehenen Schießplätzen.

Hier unterrichten die Väter und Mütter ihre Söhne und Töchter im Umgang mit der Waffe. Im Zweifelsfall sollen die Sprösslinge in der Lage sein, sie zu bedienen.

Die Waffenfixierung der US-Amerikaner ist Ausdruck einer unvernünftigen Liebhaberei, wie sie in vielen Teilen der Welt vorzufinden ist.

Die Faszination vom kalten Stahl, der tötet, ist so alt wie Schusswaffen selbst.

Lobby-Gruppen, allen vorweg die National Rifle Association - kurz NRA - kultivieren diese Gefühle.

Treffen der NRA muten für europäische Augen mitunter geradezu grotesk an.

Unkritisch frönen viele US-Amerikaner ihrer Lust an der waffengewordenen Macht.

Doch in den USA kommt ein weiteres Moment hinzu: Die Menschen hier sind seit Jahrhunderten darauf geprägt, dass ihre Freiheit auch darauf basiert, bewaffnet zu sein.

In allerletzter Instanz garantiert das Schießeisen ihre individuelle Freiheit - auch vor dem Staat.

Anders als in Europa erwarten die US-Amerikaner weniger von ihrem Land. Sie verlangen dafür aber auch, dass er sie in Ruhe lässt. Und wenn es etwas zu regeln gibt, dann wollen viele Mann oder Frau genug sein, es selbst in die Hand zu nehmen.

Das Ergebnis ist ein Wahnsinn in Ziffern: Rund 250 Millionen Kleinwaffen existieren in den USA. Das bedeutet, dass statistisch gesehen nahezu jeder US-Amerikaner eine besitzt.

Damit liegen die Vereinigten Staaten noch weit vor Ländern wie Jemen, Libanon oder Irak. Jahr für Jahr sterben in den USA 30.000 Menschen durch Schusswaffen. Jeder Tote wird betrauert. Ein Umdenken bewirken die Opfer jedoch nicht.

"Hier reichen wir unsere Waffen von Generation zu Generation weiter", sagte der zuständige Gerichtsmediziner nach dem Todesfall in Kentucky.

Und damit trifft er den Kern des Problems: Denn trotz Bestrebungen von Präsident Barack Obama, die Waffenfreiheit einzuschränken, wird sich das Bewusstsein der US-Amerikaner so schnell nicht ändern.

Schon gar nicht, wenn sie weiterhin von klein auf an den Umgang mit dem Abzug gewöhnt werden.

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