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Gräueltaten im ivorischen Machtkampf: Laurent Gbagbo steht vor Gericht

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Ein Bürgerkrieg landet vor dem Internationalen Strafgericht: Laurent Gbagbo, Unterlegener im Kampf um die Macht in der Elfenbeinküste, muss sich verantworten. Über Monate kommen Ende 2010 und Anfang 2011 beunruhigende Nachrichten aus dem westafrikanischen Staat Elfenbeinküste. (Foto: picture alliance / dpa)

Ein Bürgerkrieg landet vor dem Internationalen Strafgericht: Laurent Gbagbo, Unterlegener im Kampf um die Macht in der Elfenbeinküste, muss sich verantworten. Über Monate kommen Ende 2010 und Anfang 2011 beunruhigende Nachrichten aus dem westafrikanischen Staat Elfenbeinküste.

Ein Bürgerkrieg landet vor dem Internationalen Strafgericht: Laurent Gbagbo, Unterlegener im Kampf um die Macht in der Elfenbeinküste, muss sich verantworten. Über Monate kommen Ende 2010 und Anfang 2011 beunruhigende Nachrichten aus dem westafrikanischen Staat Elfenbeinküste.

Während des Konflikts sterben über 3000 Menschen, hunderte Frauen werden vergewaltigt, Tausende werden vertrieben. Für viele Beobachter ist schwer zu durchschauen, wer hier gegen wen kämpft und wessen Machtanspruch gerechtfertigt ist.

Heute, rund zwei Jahre nach Ende des Konflikts, soll nun einer der Protagonisten, Laurent Gbagbo, als "indirekter Mittäter" für Mord und Vergewaltigung verantwortlich gemacht werden.

Doch was ist genau geschehen? Rückblende: Laurent Gbagbo ist Führer der ivorischen Sozialisten. Im Jahr 2000 wird er zum Präsidenten des Landes gewählt.

Doch Rebellen versuchen vom Norden her, die Kontrolle zu übernehmen. Ab 2002 gehen weite Landstriche an die Aufständischen.

Nach langem Bürgerkrieg schließen die beiden Konfliktparteien einen Friedensvertrag. Darin wird eine Waffenstillstandslinie vereinbart, die quer durch das Land verläuft. Außerdem sollen Wahlen den rechtmäßigen Präsidenten bestimmen.

Der Urnengang wird immer wieder verschoben, Jahre vergehen. Erst Ende November 2010 wird abgestimmt. In der Stichwahl tritt Gbagbo gegen Alassane Ouattara an, der im ersten Wahlgang Zweiter geworden ist.

Das Ergebnis, das die Wahlbehörde verkündet, erbost Gbagbo und seine Anhänger: Ouattara (im Bild) gewinnt, weil die Wähler des zuvor Drittplatzierten Henri Konan Bédié für ihn stimmen. Der blutige Konflikt nimmt seinen Lauf.

Im Gegensatz zu den meisten Nachbarstaaten und der internationalen Gemeinschaft erkennt Gbagbo das Wahlergebnis nicht an. Auf seiner Seite steht der von ihm kontrollierte Verfassungsrat, der ein Ergebnis verkündet, nach dem Gbagbo gewonnen hat.

Laurent Gbagbo entschließt sich dazu, mit Gewalt an der Macht zu bleiben. Er verhängt eine Ausgangssperre, Truppen marschieren in der Hauptstadt Abijan auf.

Kurzerhand lässt sich Gbagbo am 4. Dezember zum Präsidenten vereidigen. Wenige Stunden zieht Ouattara nach. Die Elfenbeinküste hat zwei Präsidenten. Der blutige Konflikt nimmt seinen Lauf.

Fortan kämpfen die beiden Seiten militärisch. Es stehen sich gegenüber: Die Forces Nouvelles de Côte d'Ivoire (FN) - die Rebellenorganisation aus dem Norden, die Ouattara unterstützen.

Später formiert Ouattara sie zu den Forces Républicaines de Côte d'Ivoire (FRCI) um. Die FRCI sollen nach dem Sieg die neuen Streitkräfte darstellen.

Auf der anderen Seite stehen die bisherigen offiziellen Streitkräfte der Elfenbeinküste, die Gbagbo treu bleiben. Zudem kämpfen die Republikanische Garde sowie die Jugendorganisation Jeunes Patriotes für Gbagbo.

Sechs Monate dauern die Kämpfe an. Ein Report von Human Rights Watch schlüsselt auf, zu welchen Menschenrechtsverletzungen es dabei kommt. Die Details sind erschütternd.

Gbagbo-Kämpfer sollen reihenweise und gemeinschaftliche Frauen vergewaltigt haben, die zu Ouattaras Anhängern gehören. Danach sollen sie den Opfern empfohlen haben, "Alassane von ihren Problemen zu berichten".

Immer wieder kommt es zu Straßenblockaden, bei denen Ouattara-Kämpfer mit Steinen zu Tode geprügelt oder schlicht aus nächster Nähe erschossen werden.

An solchen Checkpoints wird die grausame "Praxis 125" geboren. Sie bezeichnet die 100 CFA-Francs für Benzin plus 25 CFA-Francs für ein Päckchen Streichhölzer, die nötig sind, um niedergeschlagene Gegner bei lebendigem Leib zu verbrennen.

Human Rights Watch betont aber auch: Systematische Verstöße gegen internationale Bestimmungen begehen in dem Bürgerkrieg beide Seiten. Mitte März beginnen Ouattaras Truppen mit der letztlich siegbringenden Offensive.

Bei ihrem Vormarsch massakrieren sie Hunderte. Sie zerren vermeintliche Anhänger Gbagbos aus ihren Häusern und erschießen die Unbewaffneten kurzerhand.

Auch Ouattaras Männer vergewaltigen Frauen. Sie brennen ganze Dörfer nieder. Über Leben und Tod von Zivilisten entscheidet die Sprache Guéré. Wer sie spricht, gehört zu einer ethnischen Gruppe, die Gbagbo nahesteht. Wer nicht, steht auf Ouattaras Seite.

Richtig schlimm sind die Zustände während des Kampfs um die Hauptstadt Abijan. Ouattaras Truppen dringen, unterstützt durch französische und UN-Kräfte, rasch vor. Gbagbos Getreue verteidigen sich buchstäblich bis aufs Blut.

Noch nach der Erstürmung von Gbagbos Residenz töten seine Männer Dutzende Menschen. Nach Ende der Kämpfe Mitte Mai 2011 finden Einwohner in Brunnen gestopfte Leichen, manche Tote liegen noch tagelang auf den Straßen und verwesen.

In Abijan gehen zu dieser Zeit noch Milizen des Commando Invisible um. Sie halten zu Alassane Ouattara und sollen die Stadt von Gbagbo-Kämpfern säubern (im Bild: Rebellenführer Ibrahim Coulibaly).

Gbagbo nehmen die französischen Truppen, unter deren Kontrolle die Residenz erstürmt wird, fest.

Die Fotos von ihm im Unterhemd gehen um die Welt, demütigen den mutmaßlichen Bürgerkriegsverbrecher und seine Anhänger.

An den Konflikt schließt sich an, was die internationale Gemeinschaft schon immer wollte: Alassane Ouattara wird ivorischer Präsident.

Der damalige Chefankläger Luis Moreno-Ocampo des Internationalen Strafgerichtshofs beantragt einen Haftbefehl.

Nur wenige Wochen später überstellen die ivorischen Behörden Gbagbo nach Den Haag. Kritiker werfen dem "Weltgericht" einseitige Justiz vor - schließlich bleiben die Taten Ouattaras und dessen Anhänger ungesühnt.

Schon vor dem ersten Termin der ersten Anhörung im Juni 2012, der verschoben wurde, demonstrieren Gbagbos Anhänger vor dem Haager Gerichtsgebäude.

Die Ivorische Volksfront - Gbagbos Partei - wirft dem Tribunal zudem vor, für den Westen gezielt Afrikaner zu verfolgen. Ein Vorwurf, der neuerdings etwas schwerer haltbar sein dürfte.

Chefanklägerin und nun für den Fall zuständig ist Fatou Bensouda - sie stammt aus Gambia.

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