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Politik

US-Präsidentschaftswahlen 2012: Obamas Herausforderer

 
US-Präsidentschaftswahlen 2012: Obamas Herausforderer

Der Kampf um das Weiße Haus hat begonnen. Auch diese Kandidaten wollen für die Republikaner gegen Barack Obama antreten: Rick Santorum, Michele Bachmann, Newt Gingrich, Mitt Romney, Ron Paul, Tim Pawlenty und Herman Cain (v.l.n.r.).

Als bislang letzter Republikaner hat zudem der Texaner Rick Perry seinen Hut in den Ring geworfen.

Als aussichtsreichster Kandidat galt zuvor der Ex-Gouverneur von Michigan, Mitt Romney.

In betont ländlicher Umgebung verkündete Romney im Juni seine Kandidatur auf einer Farm im US-Bundestaat New Hampshire. Das angestrebte Image: Der ehemalige Unternehmer setzt auf die traditionellen Werte Amerikas.

Romney will vor allem in der Wirtschaftspolitik punkten. Obama wirft er vor, zu wenig für die wirtschaftliche Erholung der USA nach der Krise getan zu haben. Er selbst verweist stets auf seine Erfahrung als Geschäftsmann und Chef einer Investorengruppe - eine Bilanz, die von Experten allerdings auch kritisch gesehen wird.

Romneys größtes Manko: Als Gouverneur verschaffte er den Bürgern seines Staates eine Krankenversicherung, die Präsident Obama später als Vorbild für seine eigene Reform nahm - und die die Republikaner nun unbedingt rückgängig machen wollen.

Schon bei seiner Kandidatur 2008 wurde Romney seine eher progressive Politik als Gouverneur zum Verhängnis. Er galt vielen Republikanern als nicht konservativ genug. Inzwischen rechnen ihm Wahlexperten größere Chancen aus - auch aus Mangel an geeigneten Konkurrenten innerhalb der Partei.

Politik liegt dem 64-Jährigen im Blut. Schon sein Vater, George W. Romney (vorn, mit dem 14-jährigen Mitt), war Gouverneur des Bundesstaates Michigan.

Kontroverse Themen wie Abtreibung und Homo-Ehe versucht Romney meist zu umgehen, aus Angst, gemäßigte Wähler zu verschrecken. Romney selbst ist seit 1969 mit seiner Frau Ann verheiratet. Sie haben fünf Söhne und 16 Enkel.

Würde Romney die Wahl gewinnen, wäre er der erste Mormone im höchsten politischen Amt der Vereinigten Staaten. Auch dies gilt als mögliches Hindernis. Die Mormonen (hier ihr größter Tempel in Salt Lake City) folgen neben der Bibel auch den Lehren des selbsternannten Propheten Joseph Smith.

Ebenfalls im Rennen ist Rick Perry, seit 11 Jahren Gouverneur im US-Bundesstaat Texas. Nie war jemand länger in diesem Amt als er. Der 61-Jährige gilt als ausgesprochen religiös und ultra-konservativ. Schon seit Monaten wurde über seine mögliche Kandidatur spekuliert. Noch nie hat Perry eine Wahl verloren.

Auch bei politisch-religiösen Veranstaltungen tritt Perry auf, wie hier in Houston. Der Evangelikale ist Romneys ärgster Konkurrent. Hinter den Kulissen soll Perry bereits eifrig und erfolgreich Spenden für seinen Präsidentschaftswahlkampf gesammelt haben. Schätzungen gehen von bis zu einer Milliarde US-Dollar aus, die er einsammeln könnte.

Vor der Erklärung seiner Kandidatur hatte er seine Feuerprobe bestanden - geschickt mischte er in einer Rede vor Zehntausenden Gläubigen politische Forderungen mit Bibel-Zitaten. In der US-Presse handelte er sich damit aber auch Kritik ein. Er missbrauche das Gebet für sein Streben ins Weiße Haus und verwische die Trennung zwischen Religion und Staat, so die Vorwürfe.

Als einer der ersten hochrangigen Republikaner verbündete sich Perry bereits im Jahr 2009 mit dem ultra-konservativen Flügel der Tea-Party-Bewegung, sprach sich für eine strikte Anti-Abtreibungs-Regelung aus und eine Verschärfung der Maßnahmen gegen illegale Einwanderer. Auch Initiativen für eine Abspaltung Texas' von den USA hält er nicht für abwegig - auch wenn das eine unrealistische Extremforderung sein dürfte.

Die Offenheit für extreme Ansichten zeigt jedoch: Perry, rechts im Bild, wandelt auf den Spuren seines texanischen Amtsvorgängers George W. Bush. Dessen Zusammenführung der religiösen Rechten und gemäßigteren Konservativen gilt bei vielen Republikanern als Schlüssel für das Weiße Haus. Auch sonst liegt er voll auf der Linie der Bundespartei. Wegen einer Budgetlücke im Jahr 2011 kürzte er in Texas die Ausgaben im Bundesstaat um 15 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich im Bereich Bildung und Krankenversorgung. Wie fast alle Republikaner wehrt er sich vehement gegen Steuererhöhungen.

Perry ist zudem Vorsitzender im Bund der republikanischen Gouverneure und bewertet - ebenfalls eine traditionelle Position der Republikaner - fast jegliche Einflussnahme der US-Regierung in den einzelnen Bundesstaaten als Verstoß gegen die Verfassung. Beobachtern zufolge schwächt seine Popularität im Gegenzug vor allen eine Mitbewerberin im Feld der möglichen Gegenkandidaten zu US-Präsident Barack Obama - Michele Bachmann.

Michele Bachmann (r.) gilt als die "kleine Schwester" von Sarah Palin, dem Star am rechten Rand der Republikanischen Partei. Palin unterstützte Bachmann während ihrer Wiederwahl ins US-Repräsentantenhaus 2010. Jetzt könnten die beiden starken Frauen der Grand Old Party, wie die Republikanische Partei auch genannt wird, allerdings zu Gegnerinnen werden - falls Palin ebenfalls antritt.

Die ultra-konservative Bachmann ist eine glühende Verfechterin des Rechts auf Waffenbesitz. Als Senatorin im Bundesstaat Minnesota schmückte sie ihre Bürotür schon mal mit Beweisstücken für ihre Treffsicherheit. Bachmann nennt sich selbst eine "Verfassungskonservative" - was in der Praxis eine sehr enge Auslegung der Gründungsdokumente der USA bedeutet.

Bachmann machte in der Vergangenheit immer wieder durch kontroverse Statements auf sich aufmerksam. Der Sängerin Melissa Etheridge riet sie einmal, die Diagnose Brustkrebs als Chance zu sehen, weniger lesbisch zu sein. Präsident Obama warf sie wiederholt vor, sozialistische und "unamerikanische" Politik zu machen. Obamas Gesetz zur Gesundheitsreform verglich sie mit den Euthanasieprogrammen der Nazis.

Bachmann sitzt seit 2007 im US-Repräsentantenhaus. Sie unterstützt offen die konservative Tea-Party-Bewegung, gibt sich betont nationalistisch und fordert, dass die Bundesregierung nur eine minimale Rolle im Leben der US-Amerikaner spielen sollte.

Die Mutter von fünf und Pflegemutter von 23 weiteren Kindern ist entschieden gegen Abtreibung. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie in Stillwater, Minnesota, einen christlichen Betreuungsdienst. Bachmann ist Lutheranerin.

Ebenfalls aus Minnesota kommt Tim Pawlenty. Doch der ehemalige Gouverneur zeigt sich nicht gerade standhaft im Rennen um die Präsidentschaft. Schon nach einer ersten Testabstimmung in Iowa zieht er seine Kandidatur zurück.

Seine Botschaft habe "nicht die Art von Zugkraft" bekommen, die für das Rennen notwendig sei, sagt Pawlenty zur Begründung dem Sender ABC.

Der Rückzug des als moderat geltenden Pawlenty gilt als Zeichen, dass die republikanischen Bewerber um das Präsidentenamt insgesamt weiter nach rechts rücken.

Mit Newt Gingrich betritt ein republikanischer Veteran die Bühne des Wahlkampfs.

Gingrich war 1994 der politische Stratege hinter der sogenannten "Republikanischen Revolution", bei der die Konservativen beide Kammern des US-Kongresses erobern konnten. Nach schweren Verlusten bei den Wahlen 1998 trat Gingrich allerdings wieder zurück. In seiner Partei wird er jedoch weiterhin als intellektuelles Schwergewicht anerkannt.

Gingrich polarisierte in der Vergangenheit häufig mit populistischen Aussagen, speziell zum Thema Religion. Dabei warnte er mal vor der Säkularisierung der USA - nach seiner Lesart eine christliche Nation - und vor radikalen Islamisten, die das Land angeblich unterwandern. Gingrich selbst konvertierte 2009 zum Katholizismus. Sein Privatleben passt nicht unbedingt zu einem Muster-Konservativen: Er ist zwei Mal geschieden und drei Mal verheiratet (hier mit seiner dritten Ehefrau Callista).

Bei der zweiten großen Debatte der republikanischen Kandidaten hielt sich Gingrich stark zurück. Vermutlich lag das auch daran, dass seiner Kampagne kürzlich fast alle Berater von der Fahne gingen. Der Grund: Gingrich hatte den Alternativvorschlag der Republikaner zu Obamas Gesundheitspolitik ungewöhlich scharf kritisiert.

Der ehemalige US-Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, will ebenfalls Präsident werden. Seit seiner verlorenen Wiederwahl zum Senat 2006 arbeitet Santorum als Anwalt und regelmäßiger Kommentator in konservativen Medien, allen voran Fox News.

Santorum und seine Frau Karen haben sieben Kinder. Der Katholik gilt als extrem konservativer Politiker: Er ist gegen Abtreibung, gegen die Schwulen-Ehe und für die Unterrichtung von christlicher Schöpfungslehre an Schulen. Den Missbrauch von Kindern durch katholische Priester in Boston schob er einst auf die durch alternative und links-liberale Lebensstile "krank gemachte Gesellschaft" in den USA.

Santorum ist vor allem wegen seiner verbalen Attacken gegen Schwule und Lesben bekannt. Als US-Senator wollte er einst Homosexualität rechtlich auf eine Ebene mit Polygamie, Kindesmissbrauch, Inzest und Ehebruch heben. Dumm nur: Sein Nachname wird dank beharrlicher Internetaktivisten inzwischen synonym mit einer anderen Bedeutung benutzt. Nur so viel: Es hat etwas mit einer gewissen Sexpraxis zu tun.

Bisher der größte Außenseiter im Rennen: Herman Cain. Der Gründer einer Pizzakette mit Mafia-Ambiente, "Godfather's Pizza", hat bisher kaum politische Erfahrung gesammelt. Er war Ballistiker bei der Navy, bevor er in die Gastronomie einstieg. Seine Kandidatur für den US-Senat 2004 scheiterte. Ein politisches Amt hatte Cain bisher nicht inne.

2010 trat Cain wiederholt bei Veranstaltungen der Tea-Party-Bewegung auf und trat vor allem für Steuerkürzungen ein. Cain machte wiederholt durch aggressive Rhetorik gegen Muslime auf sich aufmerksam. Er unterstellt ihnen unter anderem die schleichende Einführung der Scharia in den USA.

In der ersten offiziellen Debatte der republikanischen Kandidaten überraschte Cain die Experten mit einem starken Auftritt. Er ist für Privatisierungen im Sozialsystem, für niedrigere Steuern und die Wiedereinführung des Goldstandards. Wirklich hervorgehoben hat sich Cain jedoch bisher mit keinem Wahlkampfthema.

Auch Ron Paul ist wieder mit dabei. Bereits 1988 und 2008 trat Paul als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl an - erst für die Libertarian Party, die größte Drittpartei der USA, dann für die Republikaner. Fiskalisch ist Paul der wohl konservativste Politiker überhaupt im Rennen - und dennoch als der mit den geringsten Chancen auf eine Nominierung durch die Republikanische Partei.

Paul gilt als Vordenker der heutigen Tea-Party-Bewegung. Seit Jahrzehnten kämpft er für die Durchsetzung der reinen, freien Marktwirtschaft, in der der Staat nichts, der Markt hingegen alles regelt. Er ist gegen Steuererhöhungen und würde die Einkommenssteuer in den USA am liebsten ganz abschaffen.

Paul war zum Beispiel gegen die Bankenrettung in der Finanzkrise. Nur eine von vielen Abstimmungen, bei denen er mit Nein votierte. In 31 Jahren als Abgeordneter hat Paul gegen fast jede Entscheidung gestimmt, die zu Ausgaben des Staates geführt hätte. In Washington D.C. gilt der Arzt deshalb auch als "Dr. No".

In der Außenpolitik ist Paul (hier bei der Kandidaten-Debatte 2008) strikter Isolationist. Seiner Meinung nach sollten sich die USA zum Beispiel aus der NATO und der WTO zurückziehen und keinerlei Souveränität aufgeben. Paul war einiger der wenigen Republikaner, die gegen den Irak-Krieg stimmten.

Jon Huntsman ist politisch ein echter Exot: Er ist der einzige Moderate im ansonsten sehr rechtslastigen Kandidatenfeld. Der ehemalige Gouverneur von Utah diente unter Obama als Botschafter in China. Er unterstützte wesentliche Punkte der Obama-Agenda und gilt deswegen eher als Außenseiter. Dennoch könnte er Chancen bei bisher unentschiedenen Wählern haben.

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