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Donnerstag, 21. Mai 2015

IS erobert Weltkulturerbe in Syrien: Palmyra ist dem Untergang geweiht

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Eine der schönsten antiken Ruinenstädte der Welt ist akut bedroht: das syrische Palmyra. (Foto: picture alliance / dpa)

Eine der schönsten antiken Ruinenstädte der Welt ist akut bedroht: das syrische Palmyra.

Eine der schönsten antiken Ruinenstädte der Welt ist akut bedroht: das syrische Palmyra.

Tagelang haben sich das syrische Regime und die Dschihadisten des Islamischen Staates nahe der Stadt an der historischen Karawanenstraße bekämpft.

Nun sollen die IS-Kämpfer die Stadt eingenommen haben. Das berichten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und andere Aktivisten.

Inmitten der syrischen Wüste an einer Oase gelegen, ist Palmyra für die IS-Terroristen von strategischer Bedeutung. Von hier führt eine Straße direkt hinein in das restliche vom Regime kontrollierte Gebiet.

Die Regierungstruppen wurden zurückgeschlagen und haben ...

... die prachtvolle antike Säulenstadt damit ihrem Schicksal überlassen. "Die IS-Kämpfer sind in allen Teilen von Tadmur, auch nahe der archäologischen Stätte", sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Der aus Palmyra stammende Aktivist Mohammed Hassan al-Homsi berichtete über den IS-Vormarsch, die Regierungstruppen hätten aufgegeben und sich ohne Widerstand von ihren Positionen zurückgezogen.

Der Beobachtungsstelle zufolge wurden seit Beginn der IS-Offensive auf Palmyra am 13. Mai mindestens 462 Menschen getötet. Unter ihnen seien 71 Zivilisten, von denen viele vom IS hingerichtet worden seien. Überdies seien 241 Regierungssoldaten sowie 150 Dschihadisten getötet worden.

Ist die nun in Kauf genommene Zerstörung der Kulturdenkmäler durch den IS einer dieser absurden Schachzüge, mit denen sich das Regime als einzige "bewahrende" Macht im Land präsentieren will?

Der Leiter der syrischen Altertümerverwaltung, Mamun Abdelkarim, sprach von einer "sehr schlimmen Lage" und warnte, die Dschihadisten würden alles zerstören.

Zwar seien hunderte Objekte des örtlichen Museums bereits aus der Stadt geschafft worden, andere Exponate wie antike Gräber könnten hingegen nicht abtransportiert werden.

Die "New York Times" formuliert die These, dass jetzt selbst die Rebellen, die eine Zeitlang Palmyra hielten und gegen das Assad-Regime kämpften, nun paradoxerweise hoffen müssten, dass die Regierung die Stadt doch noch irgendwie schützt.

Den fragwürdigen Beweis für ein solches Kalkül des Regimes dürften die kulturnihilistischen Dschihadisten bald liefern.

Luftschläge der internationalen Koalition gegen den IS würden dem Regime wiederum woanders den Rücken freihalten, während andere das Kulturerbe zu verteidigen versuchen.

Wie die zerstörten Stätten Nimrud und Hatra im Irak bietet Palmyra in Syrien einzigartige Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit, mit deren Zerstörung man maximale Empörung in der Welt auslösen kann.

Die Artefakte sind außerdem auf dem Schwarzmarkt begehrt.

Aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammt der dem Gott Baal geweihte Tempel.

Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. stand Palmyra unter römischer Hoheit. Die Oasenstadt wurde an die zu damaliger Zeit wichtigste Handelsroute, die Seidenstraße, angebunden.

Auf dem Berg mit Blick auf die Palmenstadt wurde später eine arabische Zitadelle errichtet.

Palmyra war vor dem Bürgerkrieg eines der wichtigsten Ziele eines jeden Syrien-Touristen.

Im Museum können um die 2000 Jahre alte Mumien bewundert werden.

Regelmäßig gab es historische Spektakel beim Palmyra Festival.

Die Stadt war auf Touristen eingestellt.

Nach Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 demonstrierten auch Bürger in Tadmur, wie der moderne Teil der Stadt auf Arabisch heißt.

Vor den römischen Säulenbögen versammelten sich Demonstranten, um gegen das Assad-Regime zu protestieren.

Diese Altertümer haben rund 2000 Jahre überdauert, ohne mutmaßlicher Zerstörung ausgesetzt gewesen zu sein.

Wenn sich die Befürchtungen bewahrheiten, dürften dies die letzten Bilder des intakten Palmyras gewesen sein.

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