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Prozess gegen Adolf Eichmann: "Sechs Millionen Tote klagen an"

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"Ich stehe nicht allein. Mit mir stehen an dieser Stelle und zu dieser Stunde sechs Millionen Ankläger." ... (Foto: picture alliance / dpa)

"Ich stehe nicht allein. Mit mir stehen an dieser Stelle und zu dieser Stunde sechs Millionen Ankläger." ...

"Ich stehe nicht allein. Mit mir stehen an dieser Stelle und zu dieser Stunde sechs Millionen Ankläger." ...

… Mit diesen Worten eröffnete Chefankläger Gideon Hausner (stehend) am 11. April 1961 in Jerusalem den spektakulären Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann, einen der Hauptverantwortlichen des Holocausts.

Das Verfahren erregte weltweit Aufsehen …

… und stellt einen Meilenstein in der Aufarbeitung des Massenmordes an den Juden dar.

Denn anders als bei den Nürnberger Prozessen stand hier nicht nur einer der perfidesten NS-Kriegsverbrecher vor Gericht.

Knapp 16 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen erstmals die Opfer des Holocausts ein Gesicht und eine Stimme, …

… die Überlebenden wurden zu Anklägern und Richtern ...

... und das jahrelange Schweigen über die Gräueltaten der Nationalsozialisten fand ein Ende. (Zuschauer im Gerichtssaal)

Mehr als 110 Zeugen berichteten von ihren traumatischen Erlebnissen in den Konzentrationslagern, ...

... erzählten von Gaskammern, Genickschüssen, Massengräbern, Todesqualen, aber auch von Rebellion und Widerstand.

"Zuhören ist Folter", notierte Chefankläger Hausner. Immer wieder fielen Zuschauer in Ohnmacht.

Eichmann hatte bei der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942, auf der die Vernichtung der europäischen Juden koordiniert wurde, schon Protokoll geführt.

Als Leiter des so genannten "Eichmannreferats" war er im Reichssicherheitshauptamt für die Organisation der Vertreibung und Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig.

Er regelte die Transporte, überwachte die Einhaltung der Fahrpläne sowie die Zusammenstellung und "Auslastung" der Todeszüge, …

… mit denen rund sechs Millionen Juden in die Konzentrationslager transportiert und dort ermordet wurden.

Bis heute gilt er als Inbegriff des Schreibtischtäters. "Er hob den Telefonhörer und Eisenbahnwagen fuhren los in Richtung Vernichtungslager", so Hausner, der Eichmann einen "Herrscher über Leben und Tod" nannte.

Um die Vernichtungsmaschinerie auf grausame Art zu perfektionieren, besuchte Eichmann unter anderem Auschwitz und Treblinka …

… und beobachtete den von ihm organisierten Massenmord in den Gaskammern.

Nach dem Ende des Krieges tauchte der ehemalige SS-Obersturmbannführer als Holzfäller Otto Henninger zunächst in Niedersachsen unter. Wie viele der gesuchten NS-Kriegsverbrecher setzt er sich dann, mit Hilfe katholischer Geistlicher aus dem Vatikan, nach Argentinien ab. (In seiner Gefängniszelle)

Dort lebte er unter dem Namen Ricardo Klement ...

... zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern. (Ehefrau Vera mit Sohn Ricardo)

Aus 2006 veröffentlichten CIA-Akten geht hervor, dass sowohl der US-amerikanische Geheimdienst als auch der BND bereits 1958 von dem Aufenthaltsort Eichmanns gewusst haben sollen.

Aber es waren Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad, die 1960 zugriffen – allerdings erst nach langem Zögern. (Links: Mossad-Agent Zvi Aharoni)

Nachdem sie die ärmlichen Umstände gesehen hatten, in denen Eichmann lebte, glaubten sie nicht, dass es sich um einen der wichtigsten Nazis handeln könne. (Eichmann in seiner Zelle)

Erst der Vergleich seines heimlich fotografierten linken Ohres mit alten Aufnahmen enttarnte den Drahtzieher des Holocausts.

Da zu der Zeit kein Auslieferungsabkommen zwischen Argentinien und Israel existierte, entführten die Fahnder Eichmann, ...

... setzten ihn unter Drogen und flogen ihn nach Israel aus. (Untersuchung im Gefängnis)

Dort wurde dem "Spediteur des Todes" neun Monate lang der Prozess gemacht.

Mit Eichmann stand genau der Richtige vor Gericht, ist sich der damalige stellvertretende Ankläger, Gabriel Bach, sicher: …

… "Hätte man mir gesagt, du kannst EINEN Menschen haben, um ihn vor Gericht zu stellen – gar kein Zweifel, dass ich Eichmann gewählt hätte. …

… Der Mann, der war wirklich verantwortlich für alle Aspekte der Durchführung des Judenmordes", so Bach.

Eichmann aber war sich keiner juristischen Schuld bewusst. (Eichmanns Tagebücher)

In einem seiner Gespräche mit seinem deutschen Anwalt Robert Servatius, deren Protokolle erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, erklärte Eichmann: "Mein Gewissen ist rein". Er habe nicht getötet.

Wie die meisten Nazis berief er sich darauf, nur Befehle ausgeführt zu haben.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes sehe er die Vergangenheit jedoch "mit völlig anderen Augen".

Die Totalitarismusforscherin und Jüdin Hannah Arendt verfolgte den Prozess von April bis Juni und schrieb Reportagen für den "New Yorker".

Ihre Formulierung, Eichmann ziehe ein "Fazit von der furchtbaren 'Banalität des Bösen', vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert", wird bis heute kontrovers diskutiert.

Wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk, gegen die Menschheit sowie wegen Kriegsverbrechen wurde Eichmann zum Tode verurteilt und in der Nacht zum 31. Mai 1962 im Garten des Gefängnisses von Ramleh erhängt.

Es ist bis heute das einzige Mal in der Geschichte Israels, dass die Todesstrafe vollstreckt wurde.

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