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Sonntag, 23. Februar 2014

Golfplatz und Goldmünzen: "Tag der offenen Tür" in Janukowitschs Prachtresidenz

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Ein wenig erinnert es an die Öffnung der Politbüro-Siedlung in Wandlitz nördlich von Berlin, oder an die Erstürmung der Paläste von Saddam Hussein. Aber natürlich ist es ganz anders: Die Revolution in Kiew ist - trotz der vielen Toten - viel friedlicher als der Umsturz im Irak, und sie vollzieht sich viel schneller als die "Wende" in der DDR. (Foto: AP)

Ein wenig erinnert es an die Öffnung der Politbüro-Siedlung in Wandlitz nördlich von Berlin, oder an die Erstürmung der Paläste von Saddam Hussein. Aber natürlich ist es ganz anders: Die Revolution in Kiew ist - trotz der vielen Toten - viel friedlicher als der Umsturz im Irak, und sie vollzieht sich viel schneller als die "Wende" in der DDR.

Ein wenig erinnert es an die Öffnung der Politbüro-Siedlung in Wandlitz nördlich von Berlin, oder an die Erstürmung der Paläste von Saddam Hussein. Aber natürlich ist es ganz anders: Die Revolution in Kiew ist - trotz der vielen Toten - viel friedlicher als der Umsturz im Irak, und sie vollzieht sich viel schneller als die "Wende" in der DDR.

In der ehemaligen DDR dauerte es zwei Wochen vom Fall der Mauer bis zur Öffnung von Wandlitz. Die Residenz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch wird gestürmt, noch bevor das Parlament das Staatsoberhaupt für abgesetzt erklärt.

Obwohl: Zu einem Sturm auf das Anwesen Mezhyhyria in einem nördlichen Vorort von Kiew kommt es gar nicht.

Zunächst lassen die Wachleute nur Journalisten durch, später auch Demonstranten und Schaulustige.

Es ist ein "Tag der offenen Tür" im luxuriösen Anwesen eines gestürzten Machthabers.

"Aber bitte nicht plündern", sagen die Wachleute noch. Ihr Chef war in der Nacht überstürzt getürmt, ...

... vier Hubschrauber und zwei gepanzerte Fahrzeuge seien am frühen Samstagmorgen um 2 Uhr gekommen, zitiert die "Kyiv Post" Wachleute. Dies sei das letzte Mal gewesen, dass Janukowitschs Sicherheitsleute das Gelände kontrolliert hätten.

Am Vormittag übernimmt dann die Opposition den Schutz der Gebäude. Jemand schlägt vor, aus Mezhyhyria ein Museum der Korruption zu machen.

Viele Besucher sehen sogar ihre kühnsten Vorstellungen noch übertroffen. Da gibt es einen riesigen Golfplatz, wo behelmte Kämpfer den Schläger schwingen.

Die Eitelkeit des Präsidenten wirkt nur noch peinlich. Seinen Namen hatte er in Golfschläger eingravieren ...

... und in Gold auf seine Golftasche setzen lassen, ...

... was die Besucher offenbar amüsiert.

Es gibt ein riesiges Segelschiff, eine gewaltige Jacht, ein flottes Motorboot.

Die Besucher finden schwere Goldmünzen mit Janukowitschs Antlitz, eine Garage voller Luxuswagen, sogar einen Bunker. Für Aufsehen sorgen die Skulpturen, die auf dem Anwesen herumstehen, ...

... darunter auch die eines Pferdes.

Im Haus finden die Schaulustigen noch mehr Dekadenz und Pracht.

Natürlich eine Bar, ...

... edle Badezimmer, ...

... Badewannen mit Seeblick ...

... und einfach die Zurschaustellung von Geld.

Selbst ein kleiner Zoo findet sich auf dem Gelände.

Doch die Schaulustigen, darunter viele Journalisten, finden noch mehr.

Aus einem See fischen sie Dokumente, die offenbar eilig vernichtet werden sollten, und trocknen sie in einer Halle.

So soll der Name von Tatjana Tschornowol auf einer Schwarzen Liste von Reportern stehen.

Die Journalistin ist selbst vor Ort, sie hat viele Artikel darüber geschrieben, wie Janukowitsch sich öffentlichen Besitz unter den Nagel gerissen hat. Ende Dezember war die investigative Journalistin von Unbekannten massiv verprügelt und lebensgefährlich verletzt worden.

Tschornowol wirft Janukowitsch vor, hinter der brutalen Attacke zu stecken. Jetzt bittet sie die Euromaidan-Aktivisten, Vandalismus zu verhindern.

Auch vor dem Parlament in Kiew läuft alles geordnet, Chaos gibt es nicht. Das Volk hat die Stadt übernommen - Sicherheitskräfte der alten Macht sind nicht zu sehen.

Am Samstag strömen Massen ins Zentrum.

Viele haben Blumen bei sich und legen sie auf die Barrikaden, an denen noch vor kurzem tödliche Schüsse fielen.

Schweigend trauert die Menge auf dem großen Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan.

Priester sprechen Gebete für die Opfer. Viele Särge werden über den Maidan getragen. Mindestens 82 Tote gab es bei den Kämpfen in Kiew.

Auf dem Weg zum Regierungsviertel markieren rote Nelken die Spur des Bluts. Unbekannte Scharfschützen hatten hier gezielt auf Menschen geschossen.

Vor dem Präsidentensitz steht eine metallene Absperrung in den blau-gelben Landesfarben. Dahinter haben sich Mitglieder der sogenannten Selbstverteidigungskräfte mit Schilden und Helmen aufgebaut. Eine ältere Frau sagt stolz: "Alles unsere Jungs".

Am Abend spricht Julia Timoschenko auf dem Maidan vor mehr als 100.000 Menschen. "Wenn euch jemand sagt, dass es zu Ende ist und Ihr nach Hause gehen könnt, glaubt ihm kein Wort", ruft sie. "Ihr müsst die Arbeit beenden."

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