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Sie schwimmt auf einer Welle der Popularität: Bei Meinungsumfragen rangiert Ursula von der Leyen regelmäßig ganz weit vorn.
Sie ist Kanzlerins Liebling, wenn es um die Besetzung schwieriger, aber auch populärer Posten geht.
Die zierliche Frau übernahm Ende vergangenen Jahres überraschend das Arbeits- und Sozialressort und ist damit, ...
... jedenfalls gemessen am Etat von rund 140 Milliarden Euro,- das Schwergewicht im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Nun wird die jugendlich wirkende 51-Jährige schon als Nachfolgerin für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler gehandelt.
Sollte sie sich durchsetzen, wären zwei der wichtigsten bundespolitischen Spitzenämter mit Frauen besetzt.
Auf die Frage, ob sie Interesse an dem überraschend frei gewordenen Amt des Staatsoberhauptes habe, antwortete sie ausweichend: ...
... "Es muss jetzt unter hohem Zeitdruck eine gute Lösung für dieses Land gefunden werden."
Und ergänzte auf Nachfrage: "Ich finde ganz wichtig, dass der nächste Bundespräsident oder die nächste Bundespräsidentin ein hohes Vertrauen in diesem Land genießt."
Dass sich die Selbstbewusste den Job im Schloss Bellevue zutraut, darf unterstellt werden.
Von der Leyen gilt zwar als durchsetzungsstark, ...
... ist manchen aber noch zu jung für das Präsidentenamt. Allerdings ist so etwas wie das Alter ja relativ.
Die gelernte Ärztin und siebenfache Mutter tritt eloquent und elegant auf ...
... - immer im schicken Hosenanzug.
Nur selten erlaubt sie sich extravagante Auftritte.
Sie kann sich in der trotz Wirtschaftskrise positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt sonnen.
Auch beim Erhalt der Jobcenter sieht sich die Ministerin auf gutem Weg.
Schon in Niedersachsen legte die Tochter des früheren Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) eine Blitzkarriere hin.
Nach nur kurzem Engagement in der Kommunalpolitik ernannte Regierungschef Christian Wulff (CDU) die Aufstrebende gleich zur Sozialministerin.
Und nun also wieder ein Wechsel?
In der Krise liegt die Chance. Sollte die schwarz-gelbe Koalition tatsächlich - wie es am Dienstag aus der Union verlautete - Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zur ersten deutschen Bundespräsidentin küren, ...
... hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) wohl einen Coup gelandet.
Erstens hätte sie schnell das Vakuum gefüllt, ...
... ... das der überfallartige Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler am Montag dem Land beschert hat.
Das stünde für die Handlungsfähigkeit der Kanzlerin und einer durch Finanzkrise, Wahlschlappen und Personaldebatten angeschlagenen schwarz-gelben Bundesregierung.
Zweitens steht von der Leyen für Kompetenz, neue Ideen frischen Wind, wie sie zuerst im Familien- und dann im Arbeits- und Sozialministerium bewiesen hat.
Das könnte im Land Vertrauen schaffen, dass das neue Staatsoberhaupt weiß, was Bürger umtreibt.
Und drittens gilt von der Leyen als Gewährsfrau von Merkel. Die Kanzlerin müsste kaum befürchten, dass eine solche Präsidentin ihr ähnlichen Stress bereiten würde wie der Nicht-Politiker Köhler, der Gesetze nicht unterschrieb und den Politbetrieb eher kritisch sah.
Alle drei Koalitionsparteien - CDU, CSU und FDP - ließen am Dienstag in Berlin keinen Zweifel daran, dass sie kein zweites Mal einen im harten Politikgeschäft unerfahrenen Kandidaten für das höchste Amt im Staate haben wollen.
Dem Schock über Köhlers geradezu als belanglos empfundenen Rücktrittsgrund wie die Kritik an seinen Äußerungen zu Bundeswehreinsätzen im Zusammenhang mit Wirtschaftsinteressen wich nahezu der Wut.
Politiker können ein Lied von dem Leid der Kritik, Vorwürfe, und mitunter ungerechten Anfeindungen singen. "Da muss man durch", lautet die Devise. Merkel beherrscht das in Perfektion.
Allerdings muss wohl das konservative Lager in der CDU und CSU erst noch überzeugt werden, dass gleich zwei der wichtigsten Staatsämter in Frauenhand liegen sollen. Das wäre eine kleine Revolution in der Union, heißt es.
Zugleich wurden Bedenken laut, dass von der Leyen bereits so gute Arbeit als Arbeitsministerin leiste, dass das wiederum die Suche für ihre Nachfolge erschwere.
Allerdings könnte Merkel auch hier wieder zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: ...
Käme der sich als Arbeiterführer fühlende nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ins Bundeskabinett, stiegen wohl die Chancen auf eine große Koalition in NRW mit der SPD. Diese kann sich nämlich ein Bündnis unter Rüttgers kaum vorstellen.
Die FDP will bei der Wahl des neuen Staatsoberhaupts am 30. Juni durch die Bundesversammlung keinen eigenen Kandidaten für das Schloss Bellevue präsentieren.
Die Liberalen haben angeblich viel Sympathie für den oft unbequemen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU), der neben von der Leyen größter Favorit sein soll. Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle sollen aber in der Präsidentenfrage unbedingten Gleichschritt vereinbart haben.
Und nach Köhler soll Merkels Bedarf an unbequemen Präsidenten gedeckt sein. Die SPD kann nicht anders als einen eigenen Kandidaten aufstellen, um ihr Gesicht zu wahren, heißt es.
Für Merkel sind derzeit viele Fallstricke aufgespannt. Im Gegensatz zu einigen ihrer Wegbegleiter, die wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch in der vorigen Woche und Köhler am Montag ihre Ämter niederlegten, ...
... hat die CDU-Chefin aber über viele Jahre eiserne Kondition bewiesen - und auch ein dickes Fell. Von Kritik lässt sie sich nicht so schnell beeindrucken.
Ja ja, Merkel und ihre Mädchen, das wird auf alle Fälle ein Sommermärchen.
Mit Happy End?
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