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Wladimir Wladimirowitsch Putin bleibt wohl auch als Premierminister der starke Mann Russlands.
Schließlich war er "Mann des Jahres" 2007.
Für Russland hat er in seiner zehnjährigen Amtszeit als Präsident so manchen dicken Fisch an Land gezogen ...
... und es an den Tisch der Weltmächte zurückgebracht.
Wie einst die alten Zaren erstrahlte er zum Ende seiner Amtszeit.
Dabei war Putin lange Zeit als blasser Tschekist verspottet worden.
Als ihn der russische Präsident Boris Jelzin 1999 zum Ministerpräsidenten ernannte, fragte noch alle Welt: "Wer ist Putin?"
Obwohl sich diese Frage auch heute kaum erschöpfend beantworten lässt, kennen wir doch inzwischen immerhin einige Fakten:
1952 in Leningrad geboren, bewirbt er sich angeblich schon als Schüler beim KGB. (Im Bild: Briefmarken zum 80-jährigen Bestehen der Tscheka)
Auf den Rat der Geheimdienstler hin absolviert er zunächst ein Jura-Studium, um dann von 1975 bis 1992 als KGB-Offizier in der Auslandsspionage zu arbeiten.
In Leningrad verfolgt er Dissidenten, 1985 geht er in die DDR, wo er laut Wikipedia "in nachgeordneter Funktion" tätig ist und "seine Deutschkenntnisse vertieft".
Putin soll versucht haben, nach der Wende einen Spionagering aus ehemaligen Stasimitarbeitern aufzubauen.
Dieser fliegt offenbar auf, Putin kehrt in die Sowjetunion zurück.
In seiner Heimatstadt arbeitet er sich bis zum Ersten Vize-Bürgermeister hoch. (Im Bild mit dem damaligen Bürgermeister Anatoli Sobtschak).
Später wird er Direktor des Inlandsgeheimdienstes, bis ihn der gesundheitlich stark angeschlagene Boris Jelzin am 9. August 1999 zum Ministerpräsidenten ernennt.
Bei seiner Ernennung erscheint Putin noch als willfähriges Instrument Jelzins: "Ich bin Militär und führe Befehle aus."
Doch schnell wird klar, für welche Politik er steht.
Nach einer Serie von Bombenanschlägen auf Moskauer Wohnhäuser, deren Ursache nie geklärt wurde, gibt er Tschetschenen die Schuld ...
... und beginnt den zweiten Tschetschenienkrieg.
Als ihn Jelzin am 31. Dezember desselben Jahres zum Nachfolger im Präsidentenamt erklärt, ...
? fliegt er noch in der Silvesternacht mit seiner Ehefrau Ludmilla nach Tschetschenien, um den russischen Truppen moralischen Beistand zu leisten.
Der Krieg kostet Zehntausende das Leben, ...
... Vergewaltigungen, Folter und Willkür durch die russische Soldateska sind an der Tagesordnung. (Inschrift an der Wand: "Willkommen in der Hölle, Teil II)
Dies ficht Putin allerdings nicht an, ...
... ebensowenig wie Kritik an seiner Tschetschenienpolitik.
Als ihn ein französischer Journalist in Brüssel im November 2002 nach den Menschenrechtsverletzungen in der Kaukasusrepublik befragt, ist seine Antwort von entwaffnender Offenheit und bringt seinen Übersetzer ins Straucheln:
"Wenn Sie ein radikaler Islamist werden wollen und bereit sind, sich beschneiden zu lassen, dann kommen Sie nach Moskau ...
Wir sind ein multikonfessionelles Land ...
Wir haben Spezialisten auch für solche Angelegenheiten ...
Und ich werde denen empfehlen, die Operation bei Ihnen so durchzuführen, dass da bei Ihnen nichts mehr nachwächst."
Diese Antwort ist bezeichnend für Putins speziellen Umgang mit Kritik und Presse.
Seit 2000 sind in Russland mehr als ein Dutzend Journalisten ermordet worden, etliche mussten ins Ausland fliehen.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" rangiert Putins Russland inzwischen auf Rang 147.
"Die Meinungsfreiheit in Russland ist die Freiheit, Putin zu lieben - die meisten Russen machen davon Gebrauch", sagt der deutsche Journalist Heribert Prantl.
Und die Pressefreiheit dort sei die Freiheit, "so zu schreiben, wie Putin es mag - die meisten Medien machen davon Gebrauch".
"Der Radius der Einschüchterung erweitert sich nicht täglich, sondern stündlich", beklagt die nach London geflohene Journalistin Elena Tregubova in einem offenen Brief an die G8-Staatschefs.
"Als Begleitmusik" zum Schweigen des Westens "hat Putin alle unabhängigen Fernsehsender geschlossen, eine rigide Zensur eingeführt, ...
... hat der demokratischen Opposition den Zugang zu den Medien abgeschnitten, Menschenrechtler der Spionage für den Westen beschuldigt ...
.... und er hat - mit Hilfe einer folgsamen Staatsanwaltschaft und Marionetten-Gerichten - die gewaltsame Neuverteilung des Eigentums auf den Weg gebracht wie im Falle des Yukos-Konzerns." (Im Bild: Die Versteigerung von Yukos-Vermögenswerten)
Der spektakulärste Mord fand just an Putins 54. Geburtstag statt.
Damals wurde die Journalistin Anna Politikowskaja, eine beharrliche Kritikerin der Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und der Machtpolitik Putins, in ihrem Hausflur erschossen.
Putins Beileid hielt sich in Grenzen.
Politkowskajas politischer Einfluss im Lande sei nicht sehr groß gewesen, sagte er später der "Süddeutschen Zeitung", beteuerte aber:
"Die Ermordung eines Menschen ist ein sehr schweres Verbrechen - sowohl vor der Gesellschaft als auch vor Gott. Die Verbrecher müssen gefasst und verurteilt werden."
Bis heute sind sie nicht gefasst, ebensowenig wie zahlreiche andere Morde an Regimegegnern aufgeklärt sind. (Im Bild: Der mit Polonium-210 vergiftete Ex-Spion und Putin-Kriker Alexander Litwinenko)
Wer nicht unter mysteriösen Umständen stirbt, kann bei politischer Missliebigkeit auch mit anderen Methoden zum Schweigen gebracht werden.
Dies erfährt der einstige Oligarch Michail Chodorkowski. Kaum wird er politisch unbequem, wird ihm der Prozess gemacht und er ins Gefängnis geschickt.
Überhaupt scheint Putin eine recht eigentümliche Auffassung von Recht und Ordnung zu besitzen.
So soll er 2006 einmal über Israels damaligen Präsidenten Mosche Katzav gesagt haben: "Was für ein starker Kerl. Zehn Frauen hat er vergewaltigt...
... Das hätte ich ihm nicht zugetraut. Er hat uns alle überrascht. Wir beneiden ihn alle."
Nicht nur in seinen Personalentscheidungen, wenn er Schlüsselpositionen mit alten KGB-Freunden besetzt, schimmert Putins Geheimdienst-Vergangenheit durch.
Auch in seiner Politik hat er die Methoden des KGB verinnerlicht.
Bei einem westlichen Journalisten soll er sich einmal vor einem Interview nach dem Gesundheitszustand von dessen Schwiegermutter erkundigt haben.
Nicht einmal enge Kollegen des Journalisten hatten gewusst, dass diese schwer erkrankt war.
Für eine Analyse der Putin-Politik empfiehlt der ehemalige Schachweltmeister und Putin-Herausforderer, Garri Kasparow, die Lektüre des "Paten", um die Putin-Regierung besser zu verstehen:
"Die strenge Hierarchie, die Erpressungen und Einschüchterungen, die Codes der Geheimhaltung - ...
... und vor allem das Mandat, Erträge fließen zu lassen. In anderen Worten: ...
Wir haben es mit einer Mafia zu tun.
Wenn ein Mitglied des inneren Zirkels gegen den Paten rebelliert, ist sein Leben verwirkt."
Den Großteil der Russen scheint dies nicht zu stören.
Würden sie in einem Referendum über Putins Verbleib an der Macht entscheiden können, müssten die Ergebnisse nicht einmal gefälscht werden.
"Putin ist ungeheuer populär", sagt Russlandexpertin Iris Kempe gegenüber n-tv.de.
"Sie sind froh, dass das Chaos der Jelzin-Jahre vorbei ist und der Alltag wieder besser funktioniert."
Nicht zuletzt unterstützen die meisten Russen das Wiedererstarken ihres Landes, das sich unter Putin gerne auf die alte Größe besinnt.
"Die überwältigende Mehrheit der russischen Bevölkerung ist nationalpatriotisch gesinnt - vergleichbar mit dem Wilhelminischen Deutschland vor 1918", sagt der Ost-Experte Wolfgang Leonhard der "Süddeutschen Zeitung".
Und da kommt ihnen Putins Politik gerade recht, der einmal explizit vor der Presse gesagt hatte: "Der Zusammenbruch der Sowjetunion war die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts."
Inzwischen ist das Land zu den Noten der sowjetischen Hymne zurückgekehrt, ...
... die Feiern zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland werden im Stil der Breschnew-Ära abgehalten, ...
... die rote Militärflagge mit dem Sowjetstern wird wieder gehisst.
Auch in der Außenpolitik lautet die Devise "Back in the U.S.S.R.".
Die Ukraine wird zum "nahen Ausland" erklärt, "die Politik im postsowjetischen Raum wird nach Parametern der Innenpolitik betrieben", so Kempe zu n-tv.de.
Klar zeigt sich dies bei den Wahlen in der Ukraine Ende 2004.
Als alle Welt noch gegen Wahlfälschungen demonstriert, ...
... gratuliert Putin schon einem seinem treuen Vasallen Viktor Janukowitsch.
Vorbei die Zeiten der "Christbaumdiplomatie", als Putin die Nähe zum Westen suchte ...
... und sogar als "lupenreiner Demokrat" umgarnt wurde.
"Die Situation ist heute unberechenbarer als zu Zeiten des Kalten Krieges", so Kempe.
Ob im Streit um Gas, ...
.... um die Besitzansprüche der Arktis ...
... oder im Zünden von Superbomben - Putin steht für ein starkes Russland.
Auch wenn der 55-Jährige nun nicht mehr als russischer Präsident agiert, wird er doch weiter als Premier fest im Sattel sitzen.
Dazu hat der einst so blasse und stets nüchtern wirkende Ex-Geheimdienstler wohl auch zu viel Freude an den Attributen der Macht.
Inzwischen trägt er mit Vorliebe Brioni-Anzüge und Krawatten von Moschino oder Valentino. Auch soll er Medienberichten zufolge eine mehr als 40.000 Euro teure Patek-Philippe-Armbanduhr besitzen.
"Putin ist ein eiskalter Stratege - es ist eine Leichtigkeit für ihn, die höchste Macht anzustreben, ohne den Posten des Präsidenten einzunehmen", sagt Ost-Experte Leonhard.
"Er hat eine solche Macht, dass er ohne Probleme Verfassungsänderungen in wenigen Minuten verkünden und innerhalb weniger Stunden legitimieren könnte."
Auch mit dem Amt als Premier ist sicher: Putins Muskelspiele werden der Welt noch eine Weile erhalten bleiben. (Text: Gudula Hörr)
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