Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Politik

Anti-Atom-Widerstand im Wendland: "... bis zum nächsten Mal am Castor"

 
Anti-Atom-Widerstand im Wendland: "... bis zum nächsten Mal am Castor"

Als sich die Gitter des Zwischenlagers Gorleben hinter den elf Tiefladern schließen, wird klar: Der Widerstand gegen die Atomkraft in Deutschland erlebt nicht nur eine Renaissance, er erreicht eine neue Qualität.

Noch nie dauerte ein Castor-Transport so lange, noch nie war der Widerstand der Atomkraftgegner aus ganz Deutschland so groß, entschlossen und massiv wie in diesem Jahr.

Knapp 92 Stunden dauert die Fahrt, einen Tag länger als geplant.

Immer wieder wird der Konvoi aufgehalten.

"Wir haben die Leute mit unseren Protesten zum Umdenken gebracht. Atomkraft ist wieder ein gesellschaftliches Thema", freut sich Jochen Stay von der Aktion "ausgestrahlt".

Stay gegenüber stehen junge Polizisten aus Sachsen, die dort die letzten Meter des Transports sichern. Sie sind einfach nur platt.

"Wir sind müde, hungrig und freuen uns aufs Bett", sagt einer der Beamten mit dicken Ringen unter den Augen.

Seit 27 Stunden stehen sie vor dem Zwischenlager – ohne Schlaf, ohne Essen, weil ihre Versorgung die Sitzblockade der Demonstranten nicht passieren kann.

Mehrere tausend Atomkraftgegner campieren seit Sonntag vor dem Zwischenlager.

Teilweise bis zu 44 Stunden sitzen sie auf der kalten Straße.

Doch die Stimmung der Demonstranten in der Nacht ist blendend.

Sie singen und wärmen sich an Lagerfeuern.

"Volxküchen" geben gegen eine Spende warmes Essen aus.

Einige Demonstranten schlafen, andere sind vom Adrenalin wie aufgeputscht.

Als die Polizei dann am Morgen mit der Räumung der Blockade vor dem Zwischenlager beginnt, ist die Lage zunächst angespannt, weil nicht klar ist, ob es ohne Krawalle abgeht.

Unter den Augen zahlreicher Fernsehkameras wird die Atmosphäre aggressiver. Auch n-tv Reporter Carsten Lueb wird von der Polizei an der Berichterstattung gehindert.

Am Ende bleibt aber alles friedlich.

"Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis", sagt ein Polizist ganz höflich zu dem Mann, den er wegträgt.

Vor dem Verladebahnhof Dannenberg verzögern zwei Greenpeace-Mitglieder die Abfahrt der Tieflader mehr als zwölf Stunden lang.

Sie haben sich in einem als Bierlaster getarnten Lkw an einen Betonblock fixiert.

Die Polizei setzt Bohrhämmer und schweres Spezialwerkzeug ein, um die beiden loszubekommen.

Damit bei einer möglichen Polizeikontrolle die ganze Aktion nicht aufliegt, sind in den Laster Dutzende Kisten mit Leergut gestellt worden.

Der respektvolle Kommentar einer Polizistin: "Das war der Oberknaller, echt 'ne geile Aktion."

Gegen die beiden Aktivisten wird nun wegen versuchter Nötigung ermittelt.

Greenpeace selbst feiert die Aktion - sie reihe sich "fantastisch ein in die ganzen Aktionen beim Castor-Protest".

Zum Schluss geht alles schnell.

Die letzten Blockierer werden von der Straße getragen und der Weg ist frei für die Transporter.

Zurück bleiben nur noch Iso-Matten, Strohballen und Unmengen von Müll.

Allen steht die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben.

Um 8.34 Uhr startet der Konvoi am Verladebahnhof Dannenberg auf das letzte Teilstück nach Gorleben.

Er wird mit einem lauten Pfeifkonzert verabschiedet.

Gelbe X-Kreuze - Zeichen des Anti-Atom-Widerstands im Wendland - säumen die Strecke an Häusern und Straßen.

Auch auf den letzten Kilometern bleibt alles ruhig.

Die Demonstranten haben keine Überraschungsaktion mehr in petto.

Nur knapp eine Stunde brauchen die elf Tieflader für das letzte Teilstück, das früher oft am härtesten umkämpft war.

Als der Castor das Zwischenlager erreicht, ist keiner der Demonstranten mehr da.

Aber Demonstranten ...

... wie Polizisten ist klar:

Beim nächsten Atommüll-Transport nach Gorleben werden sich viele wiedertreffen.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.