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Viele Haushaltsgeräte beginnen ihre Karriere dort, wo man sie nicht vermutet: Nicht im Küchenfachgeschäft und auch nicht im Elektromarkt, sondern in der Drogerie oder beim Discounter.
Nur durch diese Überrumpelungstaktik erklärt es sich, dass völlig überflüssige Gegenstände den Weg in unser Bewusstsein und von dort in den Einkaufswagen finden.
Auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn folgt der Aufenthalt in der Küche. Nach der anfänglichen Euphorie sinkt die Nutzungsfrequenz allerdings schnell. Irgendwann werden die sperrigen Staubfänger dann verbannt.
Und so fristen zahlreiche Brotbackautomaten, Eierkocher und Crepe-Platten den Rest ihrer Tage im Keller oder auf dem Dachboden, wo sie sehnsuchtsvoll ihrer Reaktivierung harren.
Für noch mehr Platznot im Kellerregal könnten bald Kaffeeautomaten und Entsafter sorgen. Die sind derzeit besonders angesagt, hat der Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (ja, den gibt es wirklich) festgestellt.
Während Kaffeemaschinen noch eine gute Überlebenschance haben, dürfte den meisten Entsaftern die Verbannung aus der Küche sicher sein. Gekauft werden sie meist aus einem kurzlebigen Impuls heraus: Man will sich gesünder ernähren.
"Unser Ernährungsverhalten bestimmt in einem gewissen Maße die Nachfrage nach bestimmten technischen Produkten", sagt die Designberaterin Eva Barth-Gillhaus. Spätestens wenn Obst und Gemüse teurer würden, sei die Presserei schnell wieder vorbei.
Vielen vergeht die Lust aber schon vorher. Wer hinterher mühevoll die Obstreste aus dem Entsafter kratzen muss, greift bald doch lieber zum Tütensaft.
Auch bei Brotbackautomaten wird die eigene Faulheit oft unterschätzt. Nachdem die hoffnungsvollen Bäcker anfangs noch mit eigenen Rezepten herumexperimentieren, greifen viele bald nur noch zur Fertigbackmischung.
Und deren Ergebnis kann auf die Dauer ziemlich fad schmecken. "Häufig haben die Brote keine richtige Kruste, und viele haben ein Loch, das stört", weiß Silvia Frank vom Hausfrauenbund.
Was sich in der Praxis nicht bewährt, wird früher oder später aussortiert. Doch manche Elektrogeräte werden ja ohnehin weniger wegen ihre praktischen Nutzens als wegen ihrer Optik gekauft.
Nostalgische Teigrührmaschinen zum Beispiel. Sie sind zwar dekorativ, aber auch sperrig.
Und letztlich gelingt der Teig wohl auch nicht besser als mit einem profanen Handmixer.
Doch offenbar folgen wir in der Küche gern dem Grundsatz "Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?"
Warum also einen Kochtopf verwenden, wenn das Frühstücksei auch im Eierkocher den gewünschten Härtegrad bekommt?
Auch zur Zubereitung von Reis erscheint ein simpler Topf nicht jedem hinreichend. Es muss schon der Reiskocher mit Abschaltautomatik und Warmhaltefunktion sein.
Der natürliche Lebensraum solcher Geräte ist Asien, wo mehrmals täglich Reis auf den Tisch kommt. Als gelegentliche Sättigungsbeilage dürfte der Reis aber auch ohne derlei Hilfsmittel gelingen.
Auch Popcorn lässt sich mit etwas Fett im Kochtopf selbst herstellen. Doch wer denkt schon daran, wenn der Discounter des Vertrauens gerade den Popcorn-Automaten zur ultimativen Bereicherung des Speiseplans anbietet?
Kulinarische Highlights verspricht sich manch einer auch vom Sandwich-Maker. Wenn Toast und Schmelzkäse den Magen ausreichend verklebt haben, wandert das Ding aber irgendwann in den Keller ...
... und leistet dort dem Donut-Maker Gesellschaft. Den hatte man irgendwann einmal angeschafft, um den Kindern einen Gefallen zu tun.
Aus dem gleichen Grund haben auch die Eismaschine ...
... und die Crepe-Platte ihren Weg in den Haushalt gefunden. Mit der lassen sich in Sekundenschnelle hauchdünne Crepes herstellen. Toll!
Doch nach dem Kauf merkt man, dass sich der Crepe-Hunger immer nur bei Besuchen auf dem Rummel einstellt.
Der Versuch, sich eine bestimmte Atmosphäre ins Haus zu holen, ist auch bei der Nudelmaschine gescheitert. Die hielt man nach dem letzten Italien-Urlaub für unverzichtbar. Seltsamerweise fühlt man sich beim Teigpressen dann doch nicht wie Mamma Miracoli.
Jetzt kommen die Nudeln wieder aus der Tüte. Aber wenigstens sieht das gute Stück dekorativ aus und macht sich gut auf dem Küchenregal ...
... was man vom Dörrautomaten leider nicht behaupten kann. Erst spät kam man darauf, dass Trockenfrüchte auch für nicht allzu viel Geld im Supermarkt erhältlich sind.
Für die meisten Geräte ist der Weg in die Abstellkammer eine Reise ohne Wiederkehr. Nur wenige können auf Auferstehung hoffen.
Das Fondue-Set feiert wenigstens zu Silvester ein kurzes Comeback.
Und auch der Raclette-Grill wird zu besonderen Gelegenheiten reaktiviert.
Ebenso ergeht es dem Waffeleisen. Sind die süßen Gelüste befriedigt, verschwindet das Gerät wieder für Monate in der Versenkung.
Die Aufrüstung des Haushalts beschränkt sich nicht auf die Küche - und es sind keineswegs nur Frauen, die sie zu verantworten haben. Männer interessieren sich derzeit vor allem für teure Hochleistungsstaubsauger.
Das Saugen selbst wollen aber leider die wenigsten selbst übernehmen, bedauert Designberaterin Barth-Gillhaus.
Und die Dame des Hauses ist nicht unbedingt begeistert, wenn sie vor der Bodenpflege erst die Gebrauchsanweisung für die ferngesteuerte Saugkraftregulierung studieren muss.
Selbst am kleinen Handstaubsauger ist die technische Innovation nicht vorbeigegangen. Trotzdem kommt er eher selten zum Einsatz. Wenn man dann tatsächlich einmal die Krümel von der Tischdecke saugen will, ist sowieso gerade der Akku alle.
Bei den meisten Geräten ist man ja zumindest anfangs vom praktischen Nutzen überzeugt. Doch was um alles in der Welt hat einen nur zur Anschaffung eines elektrischen Dosenöffners bewogen?
Und in welchem schwachen Moment hielt man eigentlich die batteriebetriebene Pfeffermühle für unverzichtbar?
Die Psychologie hilft weiter: "Wir haben in unserem Gehirn ein Überraschungs- und Belohnungssystem, das reagiert, wenn etwas neu und unerwartet ist", sagt der Konsumpsychologe Häusel.
Während wir im Geschäft beispielsweise einen Schokoladenbrunnen erspähen, stellen wir uns unterbewusst schon vor, wie wir uns an schokolierten Früchten laben.
Das Belohnungs-Zentrum im Gehirn läuft auf vollen Touren. Und schon stellt sich das Gefühl des "Haben-Wollens" ein.
Manchmal hat man den überflüssigen Gerätezuwachs aber auch gar nicht selbst zu verantworten. Oft schleppen wohlmeinende Freunde oder Verwandte die Gerätschaften ins Haus.
Schließlich ist es heute nicht einfach, ein Präsent zu finden, das der Beschenkte nicht schon hat. Und da sind vermeintlich originelle Lösungen wie Teeautomaten und Popcornmaschinen hochwillkommen.
Und so werden unsere Räumlichkeiten wohl bald höher technisiert sein als die Kommandobrücke der Enterprise. (Bilder: AP, dpa, pixelio, Text: I. Noé)
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