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Jens Lehmann und seine Eskapaden: Berufsrebell oder etwas seltsam?

 
Jens Lehmann und seine Eskapaden: Berufsrebell oder etwas seltsam?

Manchmal verhält er sich eher wie ein 20-jähriger Heißsporn.

Jens Lehmann: Ein Berufsrebell?

Bisweilen wirkt der Fußball-Torwart des VfB Stuttgart eher wie ein Mann, der nicht weiß, was er tut.

Zum Beispiel beim Bundesligaspiel in Mainz. Da trat er ...

... Aristide Bancé absichtlich auf den Fuß. Und kassierte dafür die Rote Karte.

Ein unrühmlicher Abgang.

Auch wenn Bance ihn zuvor übel gefoult hatte und Jens Lehmann sich unter dem Gejohle der Fans behandeln lassen musste.

Dabei ist er ein richtig guter Torwart.

Nur mitunter etwas unbeherrscht und seltsam.

So hat er in dieser Saison schon eigenmächtig das Münchner Oktoberfest besucht, ...

... sich eine Rangelei mit Dortmunds Neven Subotic geliefert ...

... oder sich in Hannover sogar mit einem Balljungen angelegt.

Und im Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni verschwand er während der Partie hinter seinem Tor, um gegen die Bande zu pinkeln.

Dabei ist der Torwart des VfB Stuttgart am 10. November 40 Jahre alt geworden.

Lehmann ist der älteste Spieler der Fußball-Bundesliga, er hat in seiner Karriere fast alles erreicht, ...

... aber zumindest auf dem Platz ist er mit zunehmendem Alter nicht ruhiger, ausgeglichener oder gelassener geworden.

Die große Frage ist: Wie passen seine Erfahrung und dieses Verhalten zusammen?

Jens Lehmann sieht sich des Öfteren gezwungen, diese Frage zu beantworten.

Er ruht in sich, ist sehr freundlich und nachdenklich dabei - er gibt ein ganz anderes Bild ab als auf dem Platz.

Den Unterschied zwischen dem Lehmann im Tor und dem Lehmann im Privaten erklärt er mit einigen negativen Erfahrungen, die ihn geprägt hätten: ...

... Er habe in 22 Profijahren gelernt, dass man in diesem Geschäft mit Nettigkeit und Gelassenheit "nicht weiterkommt".

Mit 23 wurde er bei Schalke 04 mal in der Halbzeit ausgewechselt.

1998 ging er zum AC Mailand und saß dort fast nur auf der Bank.

Als er daraufhin zu Borussia Dortmund wechselte, feindeten ihn die Fans wegen seiner Schalker Vergangenheit an. Nicht nur mit Leverkusens Ulf Kirsten, auch mit den BVB-Fans kam es in der Folge zu Handgreiflichkeiten.

Die Konsequenz daraus ist, "dass ich auf dem Platz nicht nachdenke, wie etwas aussieht, sondern wie ich Erfolg haben kann", sagt Lehmann.

Aggressivität vorzuleben, gehört für ihn manchmal dazu.

Sein Rivale Oliver Kahn tat das, weil es seinem Naturell entsprach.

Bei Lehmann ist mehr Strategie dabei.

Manchmal geht er damit zu weit.

Es gibt auch Tage, da endet das im Widerspruch, wenn ausgerechnet Lehmann nach seinem Streit mit einem Balljungen den Verfall von Anstand und Sitte beklagt.

Aber er sagt von sich: "Es gab nie eine Aktion, bei der ich dachte: Das war wirklich böse." Und er hat es mit seiner Art auch weit gebracht.

Mit Schalke gewann er 1997 überraschend den Uefa-Pokal.

2002 wurde er mit Borussia Dortmund deutscher Meister, ...

... 2004 mit dem FC Arsenal Champion in England.

Es fällt auf, dass Lehmann mit zunehmendem Alter immer erfolgreicher wurde, ...

... einen Stammplatz in der Nationalelf erkämpfte er sich erst mit 36.

Die bittersten und zugleich bedeutendsten seiner 61 Länderspiele waren das WM-Halbfinale 2006 und das EM-Endspiel 2008.

Im kommenden Jahr will er endgültig aufhören.

Lehmann ist nur einmal schwer verletzt gewesen (1992) ...

... und mit der Zeit "immer perfektionistischer" geworden.

Das erklärt den Verlauf seiner Karriere.

Er sagt aber auch: "Ich bin anders groß geworden als die Spieler heute. Früher ging es nur ums Gewinnen."

"Heute können Spieler schon nach drei, vier Jahren materiell sehr zufrieden sein."

Er habe "bei jungen Spielern manchmal das Gefühl, dass nicht Titel für sie bedeutend sind, sondern ein guter Vertrag."

Beim VfB Stuttgart schätzt man seine Ansichten. "Er spricht die Sachen klipp und klar an ...

... und strahlt dabei dennoch eine gewisse Ruhe aus."

"Aufgrund seiner Erfahrung ist er sehr, sehr wichtig für mich", sagte deshalb sein Ex-Trainer Markus Babbel. Er sagte aber auch: "Ich kann nicht immer nachvollziehen, was Jens tut."

Als Babbel nach dem Pokal-Aus in Fürth zu Beginn der Saison auf der Kippe stand, ...

... stellte sich Lehmann an seine Seite und sprach sich deutlich und öffentlich für den Trainer aus.

Und auch als Babbel gehen musste, hielt Lehmann seine Meinung nicht zurück. Er ...

... kritisierte die Klub-Bosse um Manager Horst Heldt, sie hätten Babbel nur auf Druck "meist pubertärer Fans" entlassen.

Heldt und seine Kollegen fanden das nicht so witzig und verdonnerten Lehmann zu einer Strafe von 40.000 Euro.

Und was macht Lehmann? Er zahlt einfach nicht, zunächst zumindest. Erst später lenkt er doch ein.

Doch trotz aller Eskapaden: Auch der neue Trainer Christian Gross hält an ihm fest.

Denn sie schätzen ihn in Stuttgart als Torwart - auch, weil sie keinen besseren haben.

Christian Gross sagt aber auch: "Ich kenne den Fußballer Jens Lehmann, aber ...

... ich kenne nicht den Menschen Jens Lehmann."

Da ist er nicht allein.

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