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Fettecken, Filz und ein toter Hase: Joseph Beuys polarisiert noch immer

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Für die einen war er ein "Schamane", … (Foto: picture alliance / dpa)

Für die einen war er ein "Schamane", …

Für die einen war er ein "Schamane", …

… andere brachte er mit seinen Fettecken (Foto), Leichenbahren und toten Hasen auf die Barrikaden: …

… Joseph Beuys polarisiert bis heute.

Doch unbestritten ist wohl, dass der Mann mit dem Filzhut (im Bild eine Beuys'sche Badewanne in Filzhut-Optik) ...

... und dem kantigen Gesicht die Nachkriegskunst in Deutschland gründlich revolutionierte.

Vor 30 Jahren, am 23. Januar 1986, starb der weltberühmte Kunstprofessor, Mitbegründer der Grünen, ...

... Anthroposoph und Freund von Andy Warhol (von ihm stammt dieses Porträt) im Alter von 64 Jahren.

Noch heute gibt es viele Spuren des Ausnahme-Künstlers in Düsseldorf, wo er lebte und lehrte.

Beuys habe aus seinen Schülern das herausholen können, was ihnen selber nicht bewusst war, erzählt Johannes Stüttgen, ...

... der in den wilden Jahren von 1966 bis 1971 bei Beuys studierte. "Er hat sie auf ihre eigene Linie gebracht, nicht auf seine", sagte Stüttgen.

So sei zu erklären, dass berühmte Schüler von Beuys wie Imi Knoebel, …

… Jörg Immendorff oder …

… Katharina Sieverding sich in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelten.

Kunst und Gesellschaft gehörten für Beuys zusammen.

Der Künstler war seiner Zeit voraus und forderte schon in den 1960er-Jahren mehr direkte Demokratie.

So heißt auch dieses Kunstwerk: "Rose für direkte Demokratie".

Die Selbstbestimmung des Menschen galt Beuys als oberstes Prinzip.

Doch sogar die Grünen, bei denen er sich seit der Gründung engagierte (hier im Bild mit Petra Kelly und Hartmut Fondermann), hätten ihn als "Spinner" abgetan, so sein ehemaliger Meisterschüler Stüttgen.

Jeden Tag war Beuys in der Kunstakademie, von morgens bis abends.

Er war ein strenger Lehrer, ebenso gefürchtet wie verehrt.

Seinen umfassenden Freiheitsbegriff teilte allerdings der damalige NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau gar nicht.

Er entließ Beuys als Akademieprofessor 1972 fristlos, als dieser begann, abgewiesene Bewerber in einer eigenen Klasse zu unterrichten.

Für Beuys war jeder Mensch ein Künstler. Energie, Willenskraft ...

... und vielseitige Interessen fanden bei Beuys ihren Niederschlag in einem höchst komplexen Werk, ...

… das Kunsthistoriker bis heute zu entschlüsseln versuchen.

Beuys, Bordfunker im Zweiten Weltkrieg, abgeschossen über der Ukraine, Freund des Tierfilmers Heinz Sielmann, avancierte erst zum Kunststar, als er schon weit über 40 war.

Beuys war nicht nur ein Meister der Stoffe, ...

.... sondern auch der Aktionen - für das Documenta-Projekt "7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" ...

... pflanzte er in Kassel 1982 zum Beispiel Bäume.

Marion Ackermann hat als Künstlerische Direktorin bereits eine große Retrospektive zu Beuys in der Kunstsammlung NRW kuratiert. Sie findet, ...

... sein Werk durchbricht "die Grenzen der künstlerischen Disziplinen, ...

… hat das Theater stark beeinflusst und definiert insgesamt eine Veränderung des herkömmlichen Werkbegriffs".

Dabei bewies der strenge Kunstprofessor stets eine ganze Menge Humor. Ob der "mit Fett verlängerte Spazierstock" oder "anschwebende plastische Ladung vor Isolationsgestell" ...

... - die Titel der Werke sind so rätselhaft wie witzig. Hier sehen Sie etwa die "Capri Batterie".

Dass man aber mit Fettecken & Co. auf dem Kunstmarkt Höchstpreise erzielen konnte, empörte viele.

"Dabei haben die Fettecken nie gestunken", schmunzelt sein Schüler Stüttgen. "Ich kann das beurteilen, weil ich lange mit ihnen gelebt habe."

Auch 30 Jahre nach seinem Tod boomt Beuys.

Mehrere Ausstellungen bundesweit waren ihm gewidmet, viele wissenschaftliche Arbeiten wurden über ihn geschrieben.

Für Stüttgen ist Beuys eine "Jahrhundertfigur", die über die Kunst im herkömmlichen Sinne hinausgewachsen ist.

Und noch etwas mache Beuys aus: Der Geheimnischarakter seiner Werke. "Je tiefer ich eindringe, umso größer wird das Geheimnis."

Hasen, Hirsche, Fabelwesen bevölkern das Werk des Künstlers, ...

... Mythen, physikalische und geistige Energieformen beschäftigten Beuys.

Er verbrachte drei Tage mit einem Kojoten in einer New Yorker Galerie und erklärte einem toten Hasen, den er auf dem Arm trug, Bilder.

Für Kunstsammlungschefin Ackermann steht daher fest: "Man lernt am Werk von Beuys, dass nicht alles erklärbar ist". (kse/ame/dpa)

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