Bilderserie

Genie und Wahnsinn: Klaus Kinski

Bild 1 von 29
Wer Klaus Kinski - den "wilden Mann des deutschen Films" - verehrt, kann sein Geburtshaus im polnischen Zoppot besuchen.

Wer Klaus Kinski - den "wilden Mann des deutschen Films" - verehrt, kann sein Geburtshaus im polnischen Zoppot besuchen.

Wer Klaus Kinski - den "wilden Mann des deutschen Films" - verehrt, kann sein Geburtshaus im polnischen Zoppot besuchen.

Als Klaus Günther Nakszynski kam der exzentrische Leinwandstar am 18. Oktober 1926 in dem damals zur Freien Stadt Danzig gehörenden Ostseebad zur Welt.

Ein Kinski-Grab gibt es nicht. Seinem Wunsch zufolge wurde sein Leichnam verbrannt und die Asche bei San Francisco in den Pazifik gestreut.

In dem kleinen nordkalifornischen Ort Lagunitas, wo Kinski die letzten Jahre abgeschieden lebte, war er 65-jährig und völlig unerwartet am 23. November 1991 einem Herzinfarkt erlegen.

Nur eine kleine Trauergemeinde, darunter Sohn Nikolai, erwies dem Schauspieler die letzte Ehre.

Drei Kinder aus vier gescheiterten Ehen - Pola (54), Nastassja (47, im Bild) und Nikolai (30) - sind dem Vater beruflich gefolgt.

Der in Paris geborene und in Deutschland lebende Sohn war zuletzt in "Klimt" zu sehen (links, mit John Malkovich und Veronica Ferres).

Die in Los Angeles wohnhafte Nastassja Kinski kommt demnächst in David Lynchs "Inland Empire" ins Kino.

Zehn Jahre nach dem Tod des Vaters war sie hart mit ihm ins Gericht gegangen.

"Ich sehe in ihm nicht so sehr schauspielerische Genialität, sondern nur seine Besessenheit mit sich selbst", sagte sie damals dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Sie nannte ihn größenwahnsinnig und egozentrisch.

Kinski war ein Star der Extreme. Von den einen als Genie und "größter Schauspieler aller Zeiten" verehrt, während andere einen Wahnsinnigen und rücksichtlosen Egomanen sahen.

Mal randalierte er auf der Bühne, mal ging der Bürgerschreck auf Talkshow-Moderatoren los. In einem römischen Restaurant zertrümmerte er Geschirr und prügelte sich mit Polizisten.

Er verfluchte Kollegen und beschimpfte Regisseure. Seine spannungsgeladene Hass-Liebe mit Filmemacher Werner Herzog entlud sich in üblen Schimpftiraden.

Herzog brachte den Widerspruch auf einen Nenner: "Er war einfach die ultimative Pest. Leute wie Marlon Brando waren Vorzugsschüler im Vergleich zu ihm."

Doch Herzog, der seine Kinski-Erlebnisse 1999 in dem Film "Mein liebster Feind" dokumentierte, erinnerte sich neben "monströsen Kämpfen" auch an eine "tiefe, tiefe Freundschaft".

Fünf Filme drehten sie zusammen, darunter "Aguirre - der Zorn Gottes" (1972), "Nosferatu - Phantom der Nacht" (1978) und "Fitzcarraldo" (1981). Immer ging es um Außenseiter und Einzelgänger - Rollen, die ein besessen arbeitender Kinski mit höchster Intensität spielte.

Erste Bühnenerfahrung sammelte Kinski nach dem Krieg in einem britischen Gefangenenlager. Mit Versen von François Villon oder Arthur Rimbaud zog der junge Künstler dann in den 50er Jahren durch die Lande.

Besonders die Kinski-Happenings waren in Studenten-Kreisen äußerst beliebt.

Ersten Fernsehruhm erspielte sich der Mann mit dem unnachahmlich irren Blick und der metallischen Stimme als wilder Bösewicht in Edgar-Wallace-Verfilmungen.

Er drehte an die 200 Filme, von denen er nach eigener Aussage viele "zum Kotzen" fand. Er trat in Italo-Western ("Für ein paar Dollar mehr") und in Hollywoodkomödien ("Buddy, Buddy") auf.

"Wenn man - wie ich - ständig Geld braucht, dann kann man nicht wählerisch sein. Filme sind ein großer Haufen Blödsinn", schimpfte Kinski in seinem letzten Interview vor seinem Tod in der US-Zeitschrift "Frisko".

Doch er wies auch Top-Angebote zurück, etwa Steven Spielbergs Einladung für eine Bösewicht-Rolle in dem Indiana-Jones- Abenteuer "Jäger des verlorenen Schatzes".

Mit seinem letzten großen Projekt, einem Porträt des "Teufelsgeigers" Niccolo Paganini, machte er 1988 nochmals Schlagzeilen.

Kinski spielte die Hauptrolle und führte erstmals auch Regie. Doch der Film wurde vom Wettbewerb bei den Filmfestspielen in Cannes ausgeschlossen, weil er dem Auswahl-Gremium zu pornografisch erschien.

Furore machten auch seine freizügigen Memoiren "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" und "Ich brauche Liebe".

Nach drei gescheiterten Ehen heiratete Kinski mit 61 Jahren die damals 17-jährige Italienerin Deborah Caprioglio. Dies ging nur zwei Jahre gut.

Das Ende seines dramatischen Lebens war überraschend leise. Nach Angaben der Behörden in Lagunitas starb Kinski am 23. November 1991 "eines völlig natürlichen, friedlichen Todes im Bett".

Die Autopsie ergab Herzinfarkt als Todesursache. Danach litt der Schauspieler bereits seit längerem an Herzbeschwerden und einer Arteriosklerose.

weitere Bilderserien