Bilderserie

Gehirn-Jogging für Vollprofis: Sie schädeln wieder in Wacken

Bild 1 von 61
Nanu, was ist denn hier los? Zwei "Anonymous"-Nerds im Zwillingslook? (Foto: dapd)

Nanu, was ist denn hier los? Zwei "Anonymous"-Nerds im Zwillingslook?

Nanu, was ist denn hier los? Zwei "Anonymous"-Nerds im Zwillingslook?

Ein weißes Handwerker-Dekolleté unterm Sonnenschirm?

Orientierungslose Wikinger im Supermarkt?

Aliens beim Crowdsurfing?

Ein total stinkiges Matschfeld?

Und dann auch noch mit Menschen mittendrin?

Zeit für einen Frisurenwechsel?

Ein Typ mit seltsamem Tattoo?

Ein brüllender Abiturient mit Speerwurfambitionen?

Kuriose ideologische Feindschaften?

Seltene Tiere auf dem Zeltplatz?

Normal ist das nicht, sagt da mancher Zeitgenosse. Und er hat recht.

Denn es ist Wacken-Zeit.

Oder besser: Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaacken!

Und nochmal: Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaacken!

Das geht noch lauter: Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaacken!

Etwas beliebter ist nur noch: Wacköööööööööööön!

Und nochmal. Wacköööööööööön!

Mehr Sprachbegabung braucht es nicht, um beim Kult-Metal-Fest Nummer 1 auf deutschen Wiesen kräftig mitzufeiern.

Seit dem 1. August 2012 bebt in Wacken wieder der Acker.

75.000 Metal-Headz, 130 Bands und 120 Dezibel verwandeln das Dorf bei Itzehoe in Deutschlands Top-Moshpit.

Hier kann der Mensch wieder Mensch sein. Mit all seinen kleinen versteckten Neigungen.

Hier kann man durch rosa Gülle fliegen, ohne gleich vom lebensfremden Chef angeranzt zu werden wie sonst immer.

Hier kann man parken, wo man lustig ist.

Und hier kann selbst der harmloseste Muskel-Boy mal ungestraft einen auf dicke Hose machen.

Und klar: Sexy ist das auch noch alles.

Meistens jedenfalls.

Oft aber auch nicht.

Bemerkenswert ist neben den Namen für selbst gebrannten Fusel natürlich, wie stramm Menschen schädeln können.

"Schädeln" meint in der Sprache der Stromgitarrenkinder vor allem das heftige Kreisen oder Auf- und Abbewegen des Kopfes im Takt der Musik.

Ein älterer Name für diese nicht als Beruf anerkannte Tätigkeit ist Headbangen.

Hier, dieser junge Mensch zeigt das Phänomen. Rechts und links, die Haare fliegen.

Und dieser Rotschopf spielt sogar noch Luftgitarre dazu.

Das Gehirn des gemeinen Heavys wird ordentlich durchtrainiert.

Alle diese jungen Menschen betreiben also Jogging fürs Cerebrum, wie die Lateiner sagen.

Allerdings nicht nur mechanisch, sondern auch chemisch. Die zweite Definition des "Schädelns" ist nämlich der ungehemmte Alkoholkonsum.

Literweise wird dabei weggezischt, was der Festival-Zapfhahn ausspuckt. Je mehr, desto besser.

Bevorzugt wird Bier in großen Dosen.

Das Doppeltraining für die Birne sorgt während der Wacken-Tage für allerlei Erscheinungen.

Richtige Profi-Schädler bauen ihre leeren Getränkeverpackungen etwa zu dekorativen Weihnachtsbäumen um.

Die Wahrnehmung von äußeren Einflüssen wie Regen wird herabgesetzt.

Gute Schädler lassen sich auch von Gruselrockern kaum noch erschrecken.

Und der Tod? Macht er noch Angst?

Nein, im Gegenteil.

Selbst der Anblick noch so schrecklicher Heavy-Metal-Zombies sorgt für Ekstase.

Bevorzugt wird dann in der ersten Reihe geschädelt.

Da kann man schon mal die Orientierung verlieren.

Der kollektive Fortschritt beim Schädeln drückt sich auch in der Anzahl der "Pommesgabeln" aus.

Wie jetzt, "Pommesgabel", fragen Sie sich.

Jetzt verstanden? Gut.

Also: Irgendwann fängt einer an mit der ersten Pommesgabel.

Er hier ist es nicht, hat noch nicht genug geschädelt.

Dann steigen mehr und mehr ein.

Die Pommesgabeln verbreiten sich wie eine Seuche.

Niemand kann sich mehr zurückhalten.

Selbst harmlose ADAC-Mitglieder machen mit.

Bis schließlich alle, wirklich alle mitziehen und das Zeichen in die Luft strecken.

Natürlich nicht zu verwechseln hiermit.

Kurz zusammengefasst: Wenn alle diese Menschenkinder ordentlich schädeln, ...

... entstehen die wahnsinnigsten Pommelsgabeln.

Ein Prinzip, das auch dieses Jahr in Wacken wieder blendend funktioniert.

weitere Bilderserien