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Was geht und was nicht geht: Und der alte Knigge hatte doch recht

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Mal wieder so richtig über die Stränge schlagen - und dennoch nicht die Contenance verlieren: Das will gelernt sein. Oder angeboren. Man kann es aber nachlesen, denn mehr als je gilt: Umgangsformen sind "in". (Foto: imago stock&people)

Mal wieder so richtig über die Stränge schlagen - und dennoch nicht die Contenance verlieren: Das will gelernt sein. Oder angeboren. Man kann es aber nachlesen, denn mehr als je gilt: Umgangsformen sind "in".

Mal wieder so richtig über die Stränge schlagen - und dennoch nicht die Contenance verlieren: Das will gelernt sein. Oder angeboren. Man kann es aber nachlesen, denn mehr als je gilt: Umgangsformen sind "in".

Adolph Freiherr von Knigge (1751 - 1796) - er hatte ja schon damals so Recht, als es um gute Manieren und Benimm ging! Wir können uns noch heute, Jahrhunderte später, ein bis zwei Scheiben davon abschneiden.

Der Nachfahre des Aristokraten, Moritz Freiherr Knigge, ist Initiator des "Deutschen Kniggerates" und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Respekt, Vertrauen und angemessenes Verhalten unter den Plebs zu bringen.

Hier nochmal ein paar Tipps für unsere geneigten, etikettebewussten Leser, nur zur Auffrischung vorhandener Kenntnisse, selbstverständlich: In Deutschland - und nur hier - betritt der Herr das Restaurant zuerst.

Andere Länder - andere Sitten (was nicht heißt, dass man(n) ...

... die Dame von hinten über die Straße schieben muss.

Der Kellner wird übrigens mit einem förmlichen "Herr Ober" herbeigerufen - und nicht etwa herbeigepfiffen oder -geklatscht.

Für Kellnerinnen gibt es im Deutschen keine gebräuchliche Anrede. Üblich ist "Entschuldigung", "Hallo" oder der Blickkontakt, bitte nicht "Fräulein". Und natürlich gilt auch hier - erst recht kein Pfiff.

Der Herr gibt die Bestellung auf, er nennt zuerst die Wünsche der Dame (sofern möglich oder bekannt). Eine Beschwerde der Dame gibt ebenfalls der Herr an den Kellner weiter: "Sag' ihm, die Austern waren zu salzig, irgendwie zu meerig, du weißt schon."

Zwei Männer sollten deshalb noch lange nicht gleichzeitig bestellen. Der Gastgeber bestellt für den Gast mit.

Auch eine Dame darf heute den Wein aussuchen und probieren.

Tellerdekoration, wie Gurke und Petersilie, kann gerne mitgegessen werden (die Vitamine!).

Wer Gäste ins Restaurant einlädt, signalisiert ihnen am besten, in welchem Rahmen sich die Einladung bewegt, indem er ein "Und welche Vorspeise nimmst du?" vorwegschickt und zeigt, dass man mehrere Gänge spendieren möchte. Oder eben nicht.

Wer seine Begleiter einlädt, zahlt zum Schluss diskret. Trinkgeld, meist 10 Prozent, ist kein Muss, sondern eine Anerkennung. Zahlt man mit Karte, sollte es bar dazugelegt werden.

Kein Trinkgeld gibt man am Tresen einer Bar oder einer Kneipe - ob es der Tresenkraft nun gefällt oder nicht.

Laut Knigge Gesellschaft darf man wieder "Gesundheit" nach dem Niesen sagen. Das wurde vor einiger Zeit von Benimm-Experten zwar auf den Index gesetzt, aber es sei erstens höflich gemeint und zweitens verbreitet.

Wer jemand anderem Feuer gibt, nimmt die eigene Zigarette dabei aus dem Mund.

Eine Dame raucht am besten nur drinnen oder auf der Terrasse, aber nicht auf der Straße.

Ein Herr sollte es, nebenbei bemerkt, auch lassen. Es sieht einfach blöd aus.

Im Wald geht auch gar nicht.

"Stört es dich, wenn ich noch esse, Schatz?"

Themenwechsel: Der Ehrenplatz in einem viertürigen Fahrzeug ist hinten rechts.

Im zweitürigen PKW lässt man den Gast nicht auf den Ehrenplatz kriechen, sondern neben sich.

Es ist höflich, wenn der Fahrer einer Dame von außen die Beifahrertür öffnet.

Elegantes Aussteigen will nämlich geübt sein!

Keinesfalls jedoch beugt sich der Fahrer über den Beifahrer, um von innen die Tür aufzustoßen.

Völlig aus der Mode gekommen scheint leider zu sein, dass man älteren Herrschaften einen Platz anbietet. Kann aber sein, dass die älteren Herrschaften sich das selbst zuzuschreiben haben, da sie ja oft entsetzt gucken, wenn man sie der älteren Generation zurechnet.

In öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße sollte niemand essen. Auch das Kaugummikauen in der Öffentlichkeit gilt als unschicklich.

Ausnahme: In der Umgebung vertrauter Menschen ist Eis essen erlaubt.

Wer im Theater oder Kino an bereits sitzenden Zuschauern vorbei muss, ...

... wendet diesen dabei seine Vorderseite zu (auch wenn die Hinterseite noch so knackig ist).

In Kirchen wendet man sich in dieser Situation allerdings dem Altar zu.

Im Privatleben gilt: Der Herr grüßt die Dame, ...

... der Jüngere den Älteren, ...

... der Einzelne die Gruppe, der Rangniedere den Höheren.

Beim Händegeben ist es umgekehrt: Der Höhere erlaubt den Körperkontakt.

In der Firma grüßt der Rangniedere den Ranghöheren immer zuerst, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Im Privaten ersetzt das Bekanntmachen das Vorstellen, das erspart Hin und Her. Einzelne machen sich einer Gruppe selbst bekannt.

Auch nicht angetraute Lebensgefährten werden als "mein Mann" oder "meine Frau" vorgestellt. Damit erspart man sich Peinlichkeiten wie: "Wollen Sie denn gar nicht heiraten?"- "Ach, ich leb' ja noch in Trennung von meinem dritten Ehemann."

Bei einer Begrüßung in Räumen wird der rechte Handschuh abgelegt ...

... (der linke darf in besonderen Situationen durchaus triumphierend in die Luft gereckt werden).

Auf der Straße darf man beide Handschuhe anbehalten.

Man nimmt bei der Begrüßung die Sonnenbrille ab.

Ein wahrer Gentleman lupft auch den Hut zum Gruße.

Die Dame behält die Kopfbedeckung durchaus auf.

Für das Anbieten des Du gilt: Der oder die Höhergestellte gewährt das Du. Ein einmal gewährtes Du lässt sich nicht ohne Peinlichkeit rückgängig machen - also sparsam damit umgehen.

Ein Du abzulehnen erfordert Taktgefühl. "Ja, wir sollten uns duzen - wenn wir uns erst einmal besser kennen" ist möglich. Oder: "Ich will Sie nicht verletzen - aber ich möchte lieber beim Sie bleiben."

Ein Ausweg kann das sogenannte Hamburger Du sein - Vorname plus Sie.

Nicht jedes Du, das einem auf einem Betriebsausflug angeboten wird, ist ernst gemeint.

Der Niedrigergestellte spricht den Höhergestellten am Tag danach taktvollerweise wieder mit Sie an.

Wenn der Chef beim Du bleiben will, wird er das dann sagen.

Wer ein Abteil betritt oder im Großraumwagen beziehungsweise Flugzeug (oder Heli) Platz nimmt, grüßt die Mitreisenden.

Und wenn man auf Veranstaltungen an einen Tisch mit Fremden gesetzt wird, stellt man sich vor. Smalltalk-Themen wie das schicke Schuhwerk oder ein "Na, wo gibt's denn DIESE Socken?" sind schnell gefunden.

Schwierig vor allem in Medienberufen und der Gastronomie: Fast unmöglich ist es, sich in einer Firma, in der sich alle von der Chefin bis zum Büroboten duzen, siezen zu lassen.

Wer länger als eine Nacht im Hotel bleibt, ...

... räumt seine persönlichen Gegenstände bitte aus dem Koffer in den Schrank.

Zimmermädchen dürfen außer der Nachtwäsche keine persönlichen Gegenstände ...

... des Gastes anfassen. Eigentlich ...

Der Gast hinterlässt dem Personal das Zimmer halbwegs aufgeräumt.

Gepäckträger, Zimmermädchen und alle, die dem Gast einen Dienst erweisen, sollten mit einem Trinkgeld belohnt werden, das sich zum Beispiel nach der Kategorie des Hotels richtet ...

... und danach, welche Sonderwünsche dem Gast erfüllt wurden.

Vor Auslandsreisen informiert man sich mittels Broschüren, Reiseführern ...

... oder Internet über besondere Verhaltensregeln ...

... im Gastland.

Wer in einer Gruppe reist, ...

... nimmt nur so viel Gepäck mit, wie er allein bewältigen kann, ...

... und verlässt sich nicht auf die kräftigen Hände der Mitreisenden.

Pünktlichkeit versteht sich von selbst.

Wer an fremden Orten Menschen fotografiert, sollte kurz überlegen, ob er selbst in dieser Situation einem Touristen als Fotomotiv dienen wollte.

Dann sollte er die Person - und sei es notfalls ...

... gestikulierend - um Erlaubnis bitten.

Beim Essen befinden sich beide Hände - etwa bis zu den Manschetten - oberhalb der Tischkante.

Liegen für mehrere Gänge mehrere Bestecke am Platz, verwendet man sie von außen nach innen.

Benutztes Besteck legt man quer - mit den Griffen nach rechts - auf den Teller und lässt es abtragen.

Auch die Gläser - sofern vorhanden - benutzt man von rechts außen beginnend.

Für jedes Getränk gibt es ein eigenes Glas. Weißweinkelche sind eher klein, solche für Rotwein haben ein größeres Volumen, damit der Wein über die Oberfläche mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Korrekt sind sie in der Reihenfolge, wie sie gebraucht werden.

Wer von demselben Gang noch weiter essen möchte, legt das Besteck gekreuzt auf den Teller - Messer rechts, Gabel links - und ...

... zwar so, dass auch die Griffe noch auf dem Tellerrand liegen.

Es ist durchaus erlaubt nachzufragen, wie man eine unbekannte Speise isst.

Keine Verbeugung vor dem Teller. Alles Essbare wird zum Mund transportiert und nicht umgekehrt. Allzu großes Entgegenkommen des Kopfes gilt als schlechter Stil. Ebenso, wie den Mund zu voll zu nehmen, mit offenem Mund zu kauen oder mit vollem Mund zu sprechen.

Wenn Brot und Vorspeise aufgetragen werden, legt man die Serviette auf den Schoß, wo sie während des ganzen Essens - bis zum Kaffee - liegen bleibt.

Isst man etwas Spritzgefährliches wie Spaghetti mit Tomatensoße, darf man die Serviette am Kragen befestigen.

Vor jedem Trinken tupft man sich den Mund kurz mit der Serviette ab. Gilt ganz besonders für Bartträger!

Gräten, Obstschalen und Knochen nicht auch noch in den Aschenbecher legen.

Notfalls um einen Extrateller bitten.

Grillhähnchen werden in formeller Umgebung mit Besteck verspeist, im Freundeskreis oder Bierzelt ist es aber erlaubt, sie mit den Fingern zu essen.

Fisch wird mit Fischbesteck oder mit Messer und Gabel gegessen. Mit zwei Gabeln zu essen ist nicht mehr üblich.

Spargel, Kartoffeln und Knödel darf man schneiden - Spaghetti jedoch nicht. Kartoffeln und Knödel nehmen mehr Soße auf, wenn sie mit der Gabel zerteilt werden - doch harte Kartoffel oder Knödel könnten unter der Gabel wegflutschen.

Harte Salatblätter wie Eisberg und Frisée dürfen geschnitten werden. Weichere Salate werden mit dem Messer einfach nur gabelgerecht gefaltet.

Auf jeden Fall gilt: Vorrang hat eine saubere Bluse.

Soße darf mit Brot aufgestippt werden, aber den Teller nicht auswischen oder auslöffeln!

Zahnstocher: Diskretes Benutzen hinter vorgehaltener Hand oder der Serviette ist zwar gestattet, aber nicht unbedingt ein schöner Anblick. Besser, man sucht einen ungestörten Ort auf.

Make-Up: Dezentes Nachziehen der Lippen ist erlaubt. Größere Korrekturen oder das Kämmen bei Tisch sind jedoch verpönt.

Mit Essen spielt man nicht!

Eier dürfen sowohl geklopft ...

... als auch geköpft werden.

Auf jeden Fall sollten Sie immer ein paar Eier im Haus haben.

Ein Wein- oder Sektglas wird mit Stil am Stiel gehalten. "Prost" zu sagen ist offiziell und glücklicherweise verpönt.

Beim Zutrinken erhebt man das Glas, sagt: "Zum Wohl", trinkt einen Schluck, nickt - mit dem Glas in der Hand - dem anderen zu und sieht ihm dabei ihn die Augen (sonst gibt's sieben Jahre lang schlechten Sex, wie jedes Kind weiß).

In Gesellschaft wird nicht mehr mit den Gläsern angestoßen. Außer im Bierzelt.

"U. A. w. g." auf einer Einladungskarte heißt nicht "Um Acht wird getanzt" sondern: "Um Antwort wird gebeten." Das Gleiche gilt für "R.S.V.P." – "Répondez, s’il vous plaît".

Diese Bitte ist rechtzeitig zu erfüllen.

Wer zu früh zu einer Einladung kommt, ist nicht besonders höflich, sondern besonders unhöflich.

Lieber noch einmal um den Block fahren, als zu früh zu kommen.

Kleider-Ordnung: Hübsch machen? Ja, bitte - aber nicht zu auffällig. Tiefe Dekolletees, ultrakurze Miniröcke ...

... und schrilles Make-up müssen nicht sein.

In ein schickes Lokal sollte man ...

... auch nicht in Jeans und Pulli kommen.

Bei einer Einladung zum Essen stets pünktlich sein!

Bei einem Empfang darf man sich etwas verspäten.

Steht auf der Einladung "von 19 bis 22 Uhr", darf man auch um 21.50 Uhr kommen, muss aber um 22 Uhr gehen.

Gehen Sie so oft zum Buffet, wie Sie wollen. Aber: Den Teller nie überladen, das könnte leicht gierig aussehen.

Höchstens fünf Sorten auf den Teller, der Rand bleibt frei. Immer Serviette benutzen.

"Und, was machen Sie so beruflich?"

Einen Gast mit dieser Frage ins Gespräch verwickeln zu wollen, gilt als unhöflich.

Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte, Produzenten und Fürstinnen sind auf Partys nicht eingeladen, um andere Gäste zu beraten oder zu unterhalten.

Haustiere sind ein gutes Thema! Für manche(n) ist der Hund ja der beste Freund. Sollte aber doch ein Mann zur Hand sein, ...

... dann ist er der Beschützer. Feminismus hin oder her.

Er geht auf dem Bürgersteig neben der Frau auf der Seite, die der Straße am nächsten ist.

Auf Treppen geht der Herr so, dass er die eventuell stolpernde Dame stützen kann: Sowohl treppauf als auch treppab geht er vor ihr. Oder er bläst ins Horn. Das geht auch.

Der Herr hilft seiner Begleiterin aus dem Mantel beziehungsweise hinein, macht sie aber unter keinen Umständen auf etwaige Farbblindheit oder andere Malessen aufmerksam.

Der Handkuss ist in Deutschland kaum noch üblich, kann aber durchaus angewendet werden.

Die Dame reicht dem Herrn ihre schlaffe rechte Hand unterhalb der Schulterhöhe. Der Herr greift die Hand an den Fingerspitzen, zieht sie zu sich heran und haucht (!) einen Kuss.

Am Telefon zu Hause meldet man sich mit "Hallo" oder "Ja bitte".

Vom Anfertigen neumodischer "Selfies" in jeder Lebenslage ist dringend abzuraten!

Verboten!!! Nicht von Knigge, sondern von der Polizei!

Handys schaltet man aus, wenn man sich in Gesellschaft befindet. Handy-Telefonate vor fremden Ohren hält man möglichst kurz und leise.

Oder man begibt sich einfach ein wenig ins Abseits.

Sollten Sie tatsächlich noch über einen Festnetzanschluss verfügen, ...

... dann melden sich in Familien die Kinder mit Vor- und Familiennamen. Zeiten für private Anrufe sind von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 22 Uhr.

Und nun noch etwas Aktuelles zum Thema Plauder-Fallen: Bei der Weihnachtsfeier sollen sich die Kollegen ja durchaus besser kennenlernen. Stellen Sie sich selbst kurz vor, das hilft, ins Gespräch zu kommen und Schüchternheit zu überwinden.

Geldfragen, Liebesleben, Krankheiten oder Probleme sind jedoch tabu. Vorsicht auch mit Alkohol.

Aber trinken Sie ruhig ein Gläschen Sekt! Wenn Sie eigentlich keinen Alkohol mögen, aber nicht unhöflich sein möchten, nippen Sie eben nur kurz am Glas und lassen es dann stehen.

Der Mittelweg ist ideal: Denn wer den ganzen Abend am Mineralwasser nippt, gilt schnell als Spaßbremse.

Flirt-Faktor: Gegen einen harmlosen Flirt ist nichts zu sagen. Nur nicht übertreiben, das heißt, Küssen oder zusammen irgendwohin verschwinden.

Es sei denn, es mündet in die Ehe!

Der Morgen danach: Auch wenn Sie einen Kater haben: Nicht krank melden. Ihren Kollegen geht es auch nicht besser.

Wenn Sie diese Tipps, ...

... natürlich nicht nur in der Weihnachtszeit, ...

... beherzigen, ...

... dann dürfte Ihrem gesellschaftlichen Leben ...

... eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Bleiben Sie aber immer schön Sie selbst bei allem!

Manchmal klappt das! (soe)

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