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Wirtschaft

Alles wird teurer: Die Entwicklung der Kaufkraft

 
Wenn es ums Geld geht ist eines klar: Es geht immer viel zu schnell weg. Hat man welches, dann ist es meist genauso schnell wieder ausgegeben.

Wenn es ums Geld geht ist eines klar: Es geht immer viel zu schnell weg. Hat man welches, dann ist es meist genauso schnell wieder ausgegeben.

Es wird einfach alles teurer. Die gefühlten Lebenshaltungskosten sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Besonders bei den Dingen des täglichen Bedarfs macht sich das bemerkbar. Die Energiekosten sind in den letzten Monaten besonders drastisch in die Höhe galoppiert..

Es ist ein täglicher Kampf ums Portemonnaie, denn alle wollen nur unser Bestes, unser Bares.

Und am Ende des Monats herrscht doch wieder Flaute.

Der (T) Euro alleine kann auch nicht schuld sein. Den Euro haben wir jetzt immerhin schon sechs Jahre. Und trotzdem steigen die Preise immer weiter.

Auch an der Inflation kann es nicht liegen. Die ist hierzulande bei weitem nicht so hoch, wie beispielsweise in Zimbabwe. Dort liegt sie bei unfassbaren 66.000 Prozent. In Deutschland nur bei bescheidenen 2,2 Prozent.

Ein echter Gradmesser muss her. Zum Beispiel: Was bekomme ich für eine Stunde Arbeit?

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat mit Zahlen des Statistischen Bundesamts und dem Institut für Arbeit untersucht, wie lange man für Güter des täglichen Lebens 1960, 1991 und 2007 arbeiten musste. Grundlage waren die durchschnittlichen Stundenlöhne dieser Jahre.

Zum Beispiel unser täglich Brot. Ein Mischbrot von einem Kilogramm kostete 1960 20 Minuten Arbeit, 1991 nur noch elf Minuten und 2007 noch zehn Minuten. Brot ist also eher billiger geworden. Seit 1991 hat sich aber nicht mehr viel getan.

Um sich mit Markenbutter (250 Gramm) einzudecken, waren 1960 39 Minuten Arbeit angesagt. 1991 waren es nur noch sechs Minuten und 2007 fünf Minuten. Die Butterberge der EU machen es möglich, obwohl es sie ja angeblich nicht mehr gibt.

Für ein Kilo Zucker musste man 1960 30 Minuten arbeiten. 1991 waren es noch sechs Minuten und 2007 fünf Minuten. Gesünder ist der Zucker in der Zwischenzeit auch nicht geworden.

Auf das Frühstücksei wollen viele, zumindest am Sonntag, nicht verzichten. Leisten sollte es sich mittlerweile jeder können, denn 1960 musste noch 51 Minuten für zehn Eier gearbeitet werden. 1991 nur noch acht Minuten und 2007 nur noch sieben Minuten.

Milch gehört für Europäer zum unverzichtbaren Teil der Ernährung. Sie war auch 1960 schon bezahlbar. Elf Minuten musste man damals für einen Liter arbeiten, 1991 aber nur noch acht Minuten und 2007 sogar nur sieben Minuten.

Fleisch ist Massenware geworden. Früher gab es oft nur Sonntags Fleisch. Rindfleisch war 1960 besonders teuer. Zwei Stunden und vier Minuten musste für den Sonntagsbraten (1 kg) geackert werden. 1991 waren es nur noch 32 Minuten und 2007 eine halbe Stunde.

Auch beim Schweinekotelett ist der Preisverfall in der Lebensmittelindustrie offensichtlich. Für ein Kilo musste 1960 zwei Stunden und 37 Minuten geschuftet werden. 1991 waren es noch 37 Minuten und 2007 nur noch 31 Minuten.

Beim Brathuhn gibt es ebenfalls einen Preisverfall: 1960 musste zwei Stunden und 13 Minuten gearbeitet werden, 1960 noch eine Viertelstunde und 2007 gerade mal zwölf Minuten. Der umgerechnete Preis für ein Kilo Brathähnchen ist übrigens fast gleich geblieben.

Anders sieht es bei Kabeljau aus. Dieser steht kurz vorm Aussterben. Für 56 Minuten Arbeit bekam man 1960 ein Kilo, der in der Ostsee auch Dorsch genannt wird. 1991 war es mit 57 Minuten bereits mehr und 2007 musste sogar eine Stunde und acht Minuten gearbeitet werden.

Die Kartoffel hat ihren Siegeszug um die ganze Welt gefeiert. Sie war auch 1960 schon ein recht billiges Grundnahrungsmittel. 17 Minuten musste man für 2,5 Kilo arbeiten. 1991 waren es noch zehn Minuten, aber 2007 wurden es wieder 13 Minuten.

Käse schließt den Magen, sagt man. Auch bei diesem Milchprodukt macht sich die Industrialisierung der Landwirtschaft bemerkbar. 1960 war für ein Kilo Edamer noch eine Stunde und 52 Minuten zu arbeiten. 1991 waren es noch 39 Minuten und 2007 eine halbe Stunde.

Richtiger Bohnenkaffee war früher eine Rarität und sehr kostbar. So musste 1960 noch drei Stunden und 33 Minuten gearbeitet werden. Bereits 1991 wurde aus Kaffee eine Billigware. In 23 Minuten hatte man sich ein Kilo Kaffee verdient. 2007 waren es noch 20 Minuten.

Mehr als 1200 Brauereien gibt es in Deutschland. Die Qual der Wahl hat man nicht nur beim Politiker-Bier von 1998. 1960 musste man für einen halben Liter Bier 15 Minuten arbeiten, 1991 waren es noch drei Minuten und auch 2007 reichten drei Minuten für ein "kühles Blondes".

Aber nicht jeder Alkohol war schon immer billig. Für 0,7 Liter Weinbrand musste 1960 fünf Stunden und eine Minuten geschuftet werden. 1991 waren es noch 45 Minuten und 2007 sogar nur noch 35 Minuten. Weinbrand ist regelrecht erschwinglich geworden, hicks.

Auch in der Textilindustrie hat sich einiges getan. Für einen Herrenanzug musste früher 68 Stunden gearbeitet werden. 1991 waren es immerhin noch 21 Stunden und elf Minuten. 2007 reichten dann schon 17 Stunden und 15 Minuten.

Bei den Kleidern für Damen gibt es natürlich ungeheure Preisspannen. Ein durchschnittliches Kleid für die Dame kostete 1960 26 Stunden und 28 Minuten Arbeit, 1991 nur noch neun Stunden und 44 Minuten. 2007 waren es noch sechs Stunden und 44 Minuten.

Die Strumpfhose feierte nach dem Krieg einen Siegeszug. Entsprechend teuer war sie 1960. Eine Stunde und 13 Minuten musste für ein Paar gearbeitet werden. 1991 waren die elastischen Verführer schon 16 Minuten Arbeit zu haben. 2007 waren es wieder 18 Minuten.

Herrenslipper sind Geschmackssache. Für ein Paar musste 1960 noch zwölf Stunden und 19 Minuten gearbeitet werden, aber schon 1991 waren es nur noch fünf Stunden und 35 Minuten. Bis 2007 tat sich nicht mehr viel. Fünf Stunden und drei Minuten reichten.

Damen-Pumps haben nach oben fast keine Preisgrenze. Für ein durchschnittliches Paar mussten 1960 14 Stunden und 29 Minuten geackert werden. 1991 waren es nur noch sieben Stunden und drei Minuten. 2007 gar nur noch fünf Stunden und 36 Minuten.

Energie ist teuer geworden, denkt man. 1960 musste für 200 kWh und die Grundgebühr zehn Stunden und sieben Minuten geschuftet werden. 1991 waren es nur noch drei Stunden und elf Minuten. 2007 brauchte es drei Stunden und 13 Minuten.

Auch Benzin gehört zu den Preistreibern. Ein Liter Normalbenzin kostete 1960 14 Minuten Arbeit. 1991 waren es nur noch vier Minuten. 2007 musste dann wieder sechs Minuten gearbeitet werden. Immerhin 50 Prozent mehr.

Nur noch wenige Haushalte heizen heute mit Kohle. Daher sind die Preise relativ stabil geblieben. 1960 brauchte es eine Stunde und 46 Minuten, 1991 eine Stunde und sechs Minuten und 2007 eine Stunde und zehn Minuten Arbeit für 50 Kilo.

Ein Kleiderschrank (nicht die Robe) gehört in jeden Haushalt. Dafür ackerte man 1960 70 Stunden und 49 Minuten, 1991 noch 37 Stunden und fünf Minuten und 2007 36 Stunden und 49 Minuten.

Auch ein Kühlschrank ist heute unverzichtbar. 156 Stunden und 30 Minuten war 1960 dafür zu schuften. 1991 nur noch 30 Stunden und 27 Minuten. 2007 24 Stunden und zwölf Minuten. Billigware aus Fernost machts möglich.

Ein ähnlicher Preisverfall ist bei Waschmaschinen festzustellen. 224 Stunden und 30 Minuten war 1960 dafür zu arbeiten, 1991 nur noch 53 Stunden und 27 Minuten. 2007 war es gerade noch 35 Stunden und 34 Minuten.

Ein Fernseher war früher purer Luxus. Heute gehört er zur Grundausstattung. 1960 musste 351 Stunden und 38 Minuten dafür gearbeitet werden. 1991 waren es nur noch 79 Stunden und vier Minuten. 2007 sogar nur 23 Stunden und zwei Minuten.

Die tägliche Zeitung ist ein Muster an Preisstabilität. Ein Abo von einem Monat bedurfte 1960 eine Stunde und 41 Minuten, 1991 eine Stunde und zwölf Minuten und 2007 eine Stunde und 37 Minuten Arbeit. Das Lesen ist also wieder etwas teurer geworden.

Die Fernsehgebühren für einen Monat kosteten 1960 48 Minuten Arbeit. 1991 waren es nur noch 18 Minuten. 2007 kostete der Finanz-Hunger der Öffentlich-Rechtlichen wieder 24 Minuten Arbeit.

Briefe schreiben war schon immer relativ billig. Für fünf Minuten Arbeit konnte man 1960 schon sein Herz an entfernte liebe Menschen ausschütten. Der gleiche Liebesbrief kostete 1991 nur drei und 2007 sogar nur noch zwei Minuten. Das Schreiben dauert da viel länger.

Einmal Schuhe besohlen. Im Einweg-Zeitalter ist diese Tätigkeit eher selten geworden. Vier Stunden und sechs Minuten musste 1960 dafür gearbeitet werden. 1991 nur noch eine Stunde und 24 Minuten. 2007 waren es wieder eine Stunde und 34 Minuten.

Der Damen-Friseur ist eine kostspielige Angelegenheit, auch heute noch. Einmal Waschen und föhnen für die Dame kostete 1960 eine Stunde und 28 Minuten Arbeit, 1991 noch 59 Minuten, aber 2007 wieder eine Stunde und zwölf Minuten.

Das Kino schließlich ist eine heute fast genauso teuer wie vor knapp fünfzig Jahren. 1960 musste 38 Minuten dafür geackert werden, 1991 27 Minuten und 2007 wieder 28 Minuten. Die Qualität der Filme rechtfertigt das nicht immer. (Alle Bilder dpa, AP)

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