Bilderserie

Berlin Air Show: Die Highlights der ILA 2014

Von Martin Morcinek, Schönefeld

Bild 1 von 90
Aus heiterem Himmel herrscht am Berliner Hauptstadtflughafen BER plötzlich Hochbetrieb: In einem abgesperrten Bereich abseits der Problembaustelle öffnet die Internationale Luftfahrtausstellung ILA ihre Pforten. (Foto: dpa)

Aus heiterem Himmel herrscht am Berliner Hauptstadtflughafen BER plötzlich Hochbetrieb: In einem abgesperrten Bereich abseits der Problembaustelle öffnet die Internationale Luftfahrtausstellung ILA ihre Pforten.

Aus heiterem Himmel herrscht am Berliner Hauptstadtflughafen BER plötzlich Hochbetrieb: In einem abgesperrten Bereich abseits der Problembaustelle öffnet die Internationale Luftfahrtausstellung ILA ihre Pforten.

Die Berlin Air Show zählt - neben Farnborough und Le Bourget - zu den wichtigsten Verkaufs- und Präsentationsveranstaltungen der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Angekündigt haben sich rund 1200 Aussteller aus 40 verschiedenen Ländern. Die Branche verspürt Rückenwind: Die Veranstalter sprechen von der zweithöchsten Beteiligung in mehr als 100 Jahren ILA-Geschichte.

An den insgesamt fünf Messetagen erwarten der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Messe Berlin GmbH mehr als 200.000 Fachbesucher, Luftfahrtbegeisterte und Flugzeugfans.

Für das breite Publikum öffnet die ILA allerdings erst am 23. Mai. (Hier im Bild: Das BER-Hauptterminal aus der Sicht eines Hubschrauberpiloten.)

Bereits am Eröffnungstag herrscht auf dem Ausstellungsgelände reger Andrang. Ein Stargast mit großer Anziehungskraft hat sich angekündigt.

Airbus präsentiert in Berlin die A350 XWB: Zum ersten Mal lässt der europäische Flugzeughersteller sein neues Prestigemodell zu einer öffentlichen Air Show einfliegen - und das trotz eines knappen Zeitplans.

Die zweistrahlige Maschine steht kurz vor der Betriebszulassung für den zivilen Flugverkehr.

Extra für die ILA unterbricht Airbus das Testflugprogramm. Mehrere Show-Vorführungen sind im Begleitprogramm der Messe angekündigt.

Mit der A350 wechselt der Boeing-Konkurrent ins Zeitalter der Leichtbauweise. Verbundwerkstoffe ersetzen an vielen Stellen herkömmliche Materialien wie Stahl und Aluminium.

Das spart ähnlich wie bei der 787 "Dreamliner" von Boeing vor allem Gewicht - mit positiven Auswirkungen auf Spritverbrauch, Reichweite und Betriebskosten.

In Berlin zeigt Airbus die Testmaschine MSN 4 und damit die vierte und bislang jüngste A350 der noch in der Entwicklung befindlichen Baureihe.

In breiten Lettern auf dem Rumpf prangt der Name des Erstkunden Qatar Airways aus dem rohstoffreichen Emirat Katar.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Großprojekts lässt selbst die deutsche Regierungschefin nicht kalt.

Denn am Verkaufserfolg der A350 hängen auch deutsche Arbeitsplätze in Flugzeugbau und Zuliefererindustrie.

"Die Luft- und Raumfahrt nimmt eine strategische Schlüsselrolle für unseren gesamten Wirtschaftsstandort ein", so Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Eröffnungsrede.

Die Flugzeugbauer können also weiterhin mit politischer Rückendeckung aus den europäischen Hauptstädten rechnen.

Die Bundesregierung jedenfalls will der Luft- und Raumfahrt, so Merkel, "ein besonderes Augenmerk als High-Tech-Branche widmen".

Grenzen gibt es am Himmel nicht: Welche vielfältigen internationalen Beziehungen sich in der Luftfahrtindustrie ergeben, zeigt ein Blick auf das Partnerland.

In diesem Jahr ist es die Türkei.

An Merkels Seite durchtrennt der türkische Verkehrsminister Lütfi Elvan mit einer Riesenschere das symbolische Eröffnungsband.

Politische Differenzen angesichts des nahenden Erdogan-Besuchs spielen hier keine erkennbare Rolle: Auf der ILA geht es um Standortpolitik und ums Geschäft.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht im Südosten Europas präsentiert auf der ILA neben verschiedenen zivilen Zuliefererkapazitäten auch den Kampfhubschrauber T129 "Atak", ein Transportflugzeug C160, eine F-16 mit ungewöhnlich schmucker Schutzhülle und eine türkische Drohne vom Typ "Anka".

Wie nebenbei unterstreicht der Nato-Partner in Schönefeld mit einer eigens eingeflogenen AWACS-Maschine seine Fähigkeiten zur elektronisch unterstützten Luftraumüberwachung.

Überhaupt ist das Militär auf der ILA breit vertreten. Ganz vorne mit dabei: die Bundeswehr.

Auf dem Messegelände im Südosten der deutschen Hauptstadt übernimmt die Truppe in diesem Jahr sogar wieder die Rolle als wichtigster Einzelaussteller.

Die deutschen Streitkräfte sind nicht nur Großkunde bei namhaften europäischen Herstellern. In Berlin nutzen die Militärstrategen die große Bühne am Flugfeld auch für eine publikumswirksame Leistungsschau: ...

... Die Bundeswehr will sich in Deutschland und vor aller Welt als moderne Armee präsentieren - und als attraktiver Arbeitgeber für Techniker und Technikbegeisterte.

Die Bundeswehr zeigt auf der ILA eine großzügige Auswahl ihres fliegenden Geräts. Zu sehen sind unter anderem zwei Maschinen vom Typ ...

... Eurofighter "Typhoon" ...

... sowie vier Jagdbomber vom Typ "Tornado".

Dazu kommen eine C-160 "Transall" zum Lufttransport, ein Airbus-Tankflugzeug, ...

... insgesamt neun Hubschrauber für verschiedene Einsatzaufgaben, ein Aufklärungspanzer, ein komplettes Lazarettmodul, eine Patriot-Luftabwehrbatterie und vier verschiedene Drohnen-Modelle.

In einer Art Minimanöver namens "Willfire 2014" sollen die Soldaten im Show-Programm für Fachbesucher und das breite Publikum das ...

... "Zusammenspiel militärischer Kräfte demonstrieren".

Die ILA erschöpft sich allerdings nicht in einem rein militärischen Flugspektakel.

Für interessierte Messegäste gibt es sehr viel mehr zu sehen.

Denn neben der A350 nimmt ein weiteres Prestigeobjekt des zivilen Flugverkehrs an der Messe teil.

Schon die Außenmaße beeindrucken jeden Piloten: Airbus-Kunde Emirates hat das derzeit größte Passagierflugzeug der Welt nach Berlin beordert.

Die durchgehend doppelstöckige A380 zeigt, wohin für Fluggesellschaften die Reise geht.

Die konkurrenzgebeutelten Airlines lechzen nach Effizienz - und suchen sie entweder in schierer Größe, Gewichtseinsparungen durch Leichtbau oder passgenau dimensionierten Maschinen.

Viel Geld fließt derzeit in die Erneuerung und den Ausbau der Flugzeugflotten. Mit der A320 kämpft Airbus im Segment der Mittelstrecke um Marktanteile.

In einem Spezialsegment der Luftfahrt kommt Größe in ganz anderer Ausprägung zum Tragen.

Die Antonow An-124 ist das derzeit größte in Serie gefertige Frachtflugzeug der Welt. Die Volga-Dnepr-Gruppe, eine Tochter der russischen Volga-Dnepr Airlines, hält insgesamt zehn dieser Riesenfrachter im Einsatz.

Eine dieser gewaltigen Großraumtransporter, eine An-124-100, ist in Berlin aus nächster Nähe zu sehen.

Mit einer Zuladung von bis zu 120 Tonnen liefert der Gigant im Alltagsbetrieb zum Beispiel Raketenteile, Hubschrauber, Flugzeugrümpfe oder U-Bahn-Waggons, Jachten und Tunnelbohrer per Luftfracht aus.

Traditionell wirft die Berlin Air Show einen intensiven Blick nach Osten: Russland und die russische Luftfahrtindustrie waren 2006 sogar Partnerland der ILA - vor Indien, Schweiz und Polen.

In diesem Jahr tritt der russische Flugzeugbau diskreter auf. Am Stand des Herstellers MiG - Teil des Luftfahrtkonzerns UAC - wartet das Modell einer MIG-35 auf Interessenten.

In den Messehallen stehen Konzernvertreter und Verhandlungsführer dabei regelmäßig vor einem branchentypischen Problem: ...

... Die oft milliardenschweren Sondierungsgespräche werden immer wieder vom Dröhnen der Flugvorführungen unterbrochen.

Die waghalsigen Flugmanöver der Kunstflieger fallen dabei noch vergleichsweise ohrenschonend aus.

Lauter wird es, wenn etwa die Piloten der Schweizer Militärkunstflugstaffel "Patrouille Swiss" ihr Können zeigen wollen.

Die Schweizer fliegen mit Maschinen vom Northrop F-5E Tiger II. Im regulären Betrieb sollen sie in den kommenden Jahren ausgemustert werden.

Als möglicher Ablösung war zeitweise auch der Eurofighter "Typhoon" im Gespräch. Die Anschaffung schwedischer Jäger vom Typ Saab "Gripen" ist mit der jüngsten Volksabstimmung wohl gescheitert.

Diskutiert wird am Rande der Messe daher, ob das Schweizer Nein zum Gripen neue Chancen für den Eurofighter eröffnet.

Um ein Kampfjet-Programm halbwegs profitabel betreiben zu können, benötigen die Hersteller eine bestimmte Mindestmenge an Abnehmern. Saab wird sich wohl nach einem neuen Kooperationspartner umsehen müssen.

Die Schweizer "Tiger" sind allerdings bei Weitem nicht allein für das fauchende Getöse am Berliner Frühsommerhimmel verantwortlich.

Die polnische Luftwaffe demonstriert die Flugeigenschaften einer MIG 29.

Der zweistrahlige Luftüberlegenheitsjäger wirbt damit auch für den russischen Flugzeugbau.

Lautstark wird es auch, wenn die türkische Delegation ihre F-16 aufsteigen lässt.

Ein tiefes, sonores Brummen kündigt dagegen den Auftritt des "Grizzly" an. Die Bundeswehr soll voraussichtlich noch in diesem Jahr ihre ersten Maschinen vom Typ Airbus A400M in Empfang nehmen können.

Die viermotorige Militärtransportmaschine ist auf der ILA nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft zu sehen.

Das Nebeneinander auf der Messe ermöglicht Besuchern auch einen direkten Größenvergleich mit einem wichtigen Konkurrenzmodell.

Die US Air Force stützt sich bei Transportaufträgen auf die bewährten, aber mittlerweile recht betagten C-17 "Globemaster III" von Boeing. Die Debatte über ein Nachfolgermodell läuft.

Konkurrenz droht den Herstellern herkömmlicher Militärflugzeuge jedoch von ganz anderer Seite.

Die unbemannten Fluggeräte drängen sich auf der ILA mittlerweile immer mehr in den Vordergrund.

Drohnen aller Größen stehen für die unterschiedlichsten Einsatzanforderungen zur Verfügung.

In Berlin zeigt die deutsche Industrie zum Beispiel die auf dem beschleunigten Dienstweg für die Bundeswehr aus Israel beschaffte Aufklärungsdrohne "Heron 1".

Direkt daneben: Ein Fluggerät namens "TR-170 KZO". Die Eigenentwicklung startet mit Feststoffboostern und landet am Fallschirm. Lange Strecken kann sie nicht zurücklegen.

Der Vorstoß dreier europäischer Rüstungskonzerne für ein neues, gemeinsames Drohnen-Projekt sorgt daher auch auf der ILA für reichlich Aufsehen. Die Bundesregierung reagiert bislang sehr zurückhaltend auf den Vorschlag, das Thema "Drohne" nach dem Eurohawk-Debakel neu anzugehen.

Dabei geht es auf der ILA längst nicht mehr nur um militärische Aufklärungs- Kampf- oder Überwachungsdrohnen. (Im Bild eine "Aladin" aus den Beständen der Bundeswehr.)

In einem komplett neuen Marktsegment experimentieren Hersteller mit ferngelenkten Fluggeräten für Behörden, Wissenschaft und Katastrophenschutz.

"Unbemannt fliegende Systeme sind der global am schnellsten und stärksten wachsende Bereich in der Luft- und Raumfahrt", heißt es in einer Mitteilung des Messeveranstalters.

Auf der Messe läuft das Thema unter der Abkürzung UAS (Kurz für "Unmanned Aerial Systems").

Bis vor wenigen Jahren galten Drohnen noch als Nischentrend: Auf der ILA 2014 nimmt das Thema Unbemannte Luftfahrt mittlerweile bereits den Rang eines eigenen Ausstellungsschwerpunkts ein. Besonderes Augenmerk gilt dabei laut Veranstalter auch den kleineren Fluggeräten, die überwiegend für die zivile Nutzung bestimmt sind.

In einem eigenen Bereich in Halle 3 zeigen allein 18 verschiedene UAS-Hersteller, Serviceanbieter und Forschungsinstitute Produktneuheiten, Dienstleistungen und Forschungsergebnisse rund um die ferngelenkten Sensorträger.

Liebhaber traditioneller Flugmaschinen kann das nicht locken: Nostalgie-Fans und Historiker kommen dafür auf dem Außengelände voll auf ihre Kosten.

Zu sehen gibt es unter anderem ein Flugboot vom Typ Dornier Do 24 ATT.

Der amphibische Hochdecker kann sowohl auf der Wasseroberfläche als auch auf festem Untergrund landen.

Die historische Flugmaschine ist nicht der einzige Weltkriegsveteran auf der ILA.

Das Flugmuseum Messerschmidt schickt einen flugfähigen Nachbau des legendären Düsenjägers Me 262 ins Show-Programm.

Inmitten des Messetrubels aus alten und neuen Flugzeugen droht eine echte Neuerung beinahe ins Hintertreffen zu geraten.

Mit dem "E-Fan" von Airbus zeichnet sich der Beginn einer neuen Ära ab: Der komplett elektrisch angetriebene Prototyp steht für den Aufbruch ins Zeitalter des flüsterleisen Fliegens.

Lärmgeplagte Flughafenanwohner werden diese Entwicklung zu schätzen wissen: Mit dem E-Fan experimentiert ein einflussreicher Hersteller an einem abgasfreien, vergleichsweise sanft summenden Antrieb.

Das Startgeräusch geht im Gesprächsgewirr der Messebesucher unter. Mancher Beobachter verpasst die Flugdarbietung des stillen Leichtgewichts.

Das Modell E-Fan dient dabei nur als Fingerübung. Die fertige Maschine soll Hobbypiloten eine robuste Alternative zur weit verbreiteten Cessna bieten - und für Ruhe über deutschen Sportfllughäfen sorgen. Das große Zukunftsgeschäft sieht Airbus ganz woanders.

Immerhin: Der E-Fan fliegt bereits, eine Batterieladung reicht für eine knappe Stunde in der Luft. Zusammen mit Siemens und Triebwerkshersteller Rolls-Royce lotet Airbus zudem die Vorteile von Hybrid-Antrieben aus, bei denen ein Verbrennungsmotor die Energie für die Batterieladung liefert.

Der Flugzeugbauer verspricht sich viel von der neuen Elektromobilität in der Luft: Der E-Fan gilt konzernintern als erster Schritt in Richtung eines Projekts namens "E-Concept" - eine hybrid-elektrisch betriebene Verkehrsmaschine für bis zu 80 Passagiere.

Das Kalkül zielt auf die Erfordernisse der modernen Verkehrsluftfahrt: Im Gegensatz zu ihren lauten Vorgängern könnten die neuen Flüsterflugzeuge, so die Planung, auch mitten in der Nacht noch europäische Großflughäfen inmitten dicht bebauter Metropolregionen ansteuern - ohne dabei entnervte Anwohner zu stören.

Nicht nur für Airbus wäre das ein unschlagbares Verkaufsargument. (Stand: 20. Mai 2014)

weitere Bilderserien