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Gigantisches Kraftwerk am Amazonas: Energiehunger vertreibt Ureinwohner

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Im brasilianischen Amazonas-Gebiet stehen die Zeichen auf Sturm. (Foto: REUTERS)

Im brasilianischen Amazonas-Gebiet stehen die Zeichen auf Sturm.

Im brasilianischen Amazonas-Gebiet stehen die Zeichen auf Sturm.

Dort will die Regierung mit aller Macht am Fluss Xingu das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt errichten.

Ungeachtet massiver Proteste von Umweltschützern ...

... und Ureinwohnern treibt Brasilien den Bau des umstrittenen Staudamms im Amazonas-Gebiet voran.

Trotz einem juristischen Schlagabtausch mit einer Vielzahl Einstweiliger Verfügungen wurde die Konzession für den Bau der Anlage und den Verkauf des Stroms aus dem Mega-Kraftwerk Belo Monte ("Schöner Berg") Ende April 2010 vergeben.

Die Regierung setzte sich damit über eine Anordnung des Bundesstaates Pará hinweg. Dessen Justizministerium hatte das Ausschreibungsverfahren gestoppt und das Projekt als "Affront gegen Umweltgesetze" bezeichnet.

Die Bauarbeiten für das Milliarden-Projekt haben bereits begonnen, ...

... aber sowohl in der Region als auch international gibt es eine breite Front des Widerstands.

Schon heute deckt Brasilien rund drei Viertel seines Strombedarfs aus der Wasserkraft. (Im Bild: das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt "Itaipu" an der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien)

Belo Monte soll in einer ersten Stufe ab 2015 Strom für rund 20 Millionen Haushalte in Brasilien liefern und dabei den zunehmenden Energiehunger des Landes stillen, dem viele zutrauen, bis 2020 zur fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt zu werden.

Nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China ...

... und dem binationalen Wasserkraftwerk Itaipú wäre Belo Monte mit einer Spitzenleistung von etwa 11.300 Megawatt das drittgrößte Werk seiner Art auf der Erde.

Der Preis dafür ist zu hoch, finden Umweltschützer, Menschenrechtler, die katholische Kirche ... (Dom Erwin Kräutler, Bischof von Xingu, der größten Diözese Brasiliens, im Gespräch mit Ex-Präsident Lula da Silva)

... und die am Fluss lebenden Indios.

Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Kosten, die bei geschätzten 8,5 Milliarden Euro liegen.

Vielmehr werden ein nicht wiedergutzumachender Schaden für die reiche Flora und Fauna am Rio Xingu ...

... und existenzielle Einschnitte für die dort lebenden Indios befürchtet.

Mindestens 516 Quadratkilometer Regenwald würden durch den Staudamm überflutet ...

... und schätzungsweise 20.000 Menschen umgesiedelt.

Der zur Katholischen Bischofskonferenz gehörende Indianermissionsrat (CIMI) wurde nach der Vergabe der Konzession deutlich: "Die Regierung lügt, wenn sie sagt, die Energie von Belo Monte sei sauber und effizient. Die Regierung lügt, wenn sie sagt, die Energie von Belo Monte sei billig und komme der ärmeren Bevölkerung zugute." (im Bild: CIMI-Präsident Kräutler)

Der CIMI-Rat will den schon lange geführten Kampf "erhobenen Hauptes" und mit voller Kraft fortsetzen: "Ein Kampf, der siegreich sein wird, denn es ist ohne Zweifel ein gerechter Kampf."

Die Gegner des Projekts wollen rund 500 Quadratkilometer Land im Amazonas-Regenwald besetzen - ...

... die Fläche, die durch die geplante Stauung des Xingu, eines Zuflusses des Amazonas, laut Greenpeace-Schätzung überflutet wird.

Trotz aller Einwände soll das Mega-Projekt Wirklichkeit werden. Daran ließ Präsident Lula in seinem letzten Amtsjahr keinen Zweifel.

Ob seine Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten. Mehrere Klagen sind noch anhängig ...

... und in den Reihen der Gegner finden sich publicityträchtige Protagonisten wie "Avatar"-Regisseur James Cameron ...

... und die US-Schauspielerin Sigourney Weaver, die in dem Film über den Kampf von Waldbewohnern gegen umweltzerstörende Eindringlinge mitspielte. Bereits Ende März 2010 hatte Cameron sich dem Kampf gegen den Staudamm angeschlossen und sich verpflichtet, dem damaligen Präsidenten Lula da Silva in einem Schreiben um die Rücknahme des Baubeschlusses zu bitten.

Auch die am Xingu lebenden Indios geben sich kampfbereit.

Der Vorsitzende des Indio-Rates von Altamira (im Bild), einem 100.000-Einwohner-Ort nahe des geplanten Projektes, warnte bereits im Februar 2010, ...

... dass 4000 Indios bereit seien, ihre Heimat notfalls mit Waffen zu verteidigen: "Die Regierung wird dieses Werk nur bauen, wenn sie die Indios tötet, die hier leben ...

... Der Rio Xingu wird rot sein von Blut." (Andrea Beu, mit dpa/AFP)

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