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Dokumentation des Niedergangs: In Detroit geht der amerikanische Traum unter

Von Tom Garus

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Immer wieder ist zu hören, die Finanzkrise sei sechs Jahre nach ihrem Ausbruch vorbei. Die Bilder von US-Blogger Alex Alsup sprechen eine andere Sprache. Im Vaterland des Kapitalismus zeigt sich dieser in Detroit von seiner hässlichsten Seite.

Immer wieder ist zu hören, die Finanzkrise sei sechs Jahre nach ihrem Ausbruch vorbei. Die Bilder von US-Blogger Alex Alsup sprechen eine andere Sprache. Im Vaterland des Kapitalismus zeigt sich dieser in Detroit von seiner hässlichsten Seite.

Immer wieder ist zu hören, die Finanzkrise sei sechs Jahre nach ihrem Ausbruch vorbei. Die Bilder von US-Blogger Alex Alsup sprechen eine andere Sprache. Im Vaterland des Kapitalismus zeigt sich dieser in Detroit von seiner hässlichsten Seite.

Motor-City Detroit: Hier war das Auto-Herz der USA und hier ist nun ein Ort moderner amerikanischer Geschichte - die des Verfalls nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Doch Detroit steckt schon lange im Stillstand: jahrelang hat die Automobilindustrie gelitten. Das Immunsystem der Stadt war bereits Jahrzehnte geschwächt, als die Finanzkrise ihr Übriges tat.

Amerika im 21. Jahrhundert heißt auch Armut. Zwischen 2008 und 2012 ist die Zahl der US-Bürger, die unter der Armutsgrenze leben, um 38,1 Prozent gestiegen. Das Headquarter von General Motors im Hintergrund wirkt wie eine Fata Morgana.

Dank Google Street View und Bing Streetside konnte Blogger Alex Alsup GooBing Detroit zum Leben erwecken. Die folgenden Bilderstafetten zeigen eindrücklich den Verfall. Den zu dokumentieren ist Alsups Job. Er arbeitet für die Firma "Loveland Technologies", die Immobilien in Detroit registriert.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Verfall der Häuser in Zeitraffer. 2009: Die Bäckerei ist noch als Bäckerei erkennbar. Dann kommt es wie eine Krankheit über eine ganze Vorstadt.

2011: Die Bäckerei schaut wie ein Totenschädel auf die leere Straße.

Juli 2013: Nur das Motel-Schild steht noch. Dass der Himmel nicht mehr so blau strahlt wie 2009, darf wohl dem Zufall zugeschrieben werden.

2009: Auch dieses Haus verabschiedet sich bald von seinem ersten Stockwerk.

2011: Es sieht aus wie nach einem Krieg.

2009: Ein anderes Beispiel des amerikanischen Traums kurz vor seinem Verfall.

Wie ein Hexenhaus steht das zuvor noch sauber gestrichene Haus 2013 da. 2009 saßen seine Bewohner noch auf der Veranda.

2009: Dieser Straßenzug wird innerhalb von zwei Zeitsprüngen nahezu ausgesiebt.

2011: Häuser fehlen, Gras wuchert und die Farbe blättert ab.

2013: Nur zwei Häuser gibt es, verglichen mit dem Bild von 2009, noch. Die Finanzkrise von 2008/09 gab vielen Detroitern den letzten Rest.

2009: Innerhalb von zwei Zeitsprüngen verschwinden zwei von drei Häusern.

2011: Das rechte Haus ist weg. Und das Damoklesschwert schwebt schon über dem Nachbarn, ...

... der zwei Jahre später dran und wie vom Erdboden verschluckt ist. 2005 wurde das Haus noch für 80.000 US Dollar verkauft. Heute schafft es gerade einmal ein Grundstück des Blocks auf eine Bewertung über 15.000 Dollar ...

2009: Ein Indiz für Leben bringt der Pick-Up links, bevor sich die Natur zwei Jahre später um sich greift.

2013: Ruinen mit eingeschlagenen Fenstern, herumliegenden Glasflaschen und Bauschutt.

2009: Trotz der Schmierereien an dem Haus links blickt noch Leben aus den Fenstern.

2013: Ausgehöhlt stehen die gleichen Häuser zwei Jahre später an diesem traurigen Straßenzug.

2009: Wo einst noch Autos vor den Häusern parkten, steht schon zwei Jahre später nichts mehr.

2013: "Hurricane ohne Wasser" nennt eine Detroiter Gruppe den Verfall ihrer Stadt, dokumentiert Blogger Alsup.

2009: Dass Besitz vergänglich ist, zeigen die nächsten drei Bilder.

2011: Nur zwei der Häuser haben die letzten zwei Jahre überstanden. Ihrem Schicksal hat man sie jedoch überlassen.

2013: Nur Geisterhäuser bleiben.

Wenn jemand überhaupt an den Grundstücken interessiert ist, sind es oft Spekulanten, sagt Alsup. Sie würden Häuser zu Preisen von je 500 Dollar kaufen. Doch "die Spekulanten machen nichts mit den Häusern." Der Verfall der Grundstücke kam nicht von ungefähr. "Zu Beginn der Krise waren die Häuserpreise bereits seit einigen Jahren gefallen" sagt Alex Alsup. Seit der Finanzkrise wurden über 70.000 Grundstücke durch Zwangsvollstreckungen eingezogen. Die Behörden reagierten damit auf die Steuerschuld der Detroiter. Für 50.000 davon konnten die Behörden keine Käufer finden.

Schluss mit dem Verfall, sagt die Obama-Administration. Sie will den Leerstand und Verfall beseitigen. Vielleicht auch, weil Detroit zu prominent ist, um sich so gehen zu lassen. Die Vorstädte werfen kein gutes Licht auf die USA. Die "Detroit Blight Removal Task Force" soll es nun richten und die verwahrlosten Gebäude abreißen. Es ist eine Strategie des "Gesundschrumpfens". Die Stadt war einst für 1.8 Millionen Menschen ausgelegt. Heute leben nicht einmal mehr 700.000 hier. Geschätzte zwei Milliarden Dollar wird es kosten, Detroit von seinen leeren Häuserhüllen zu befreien. Seit April 2014 wird gezielt abgerissen.

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