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Wirtschaft

Investoren startbereit: Vorhang auf für Kuba!

 
Kuba regt mal wieder die Fantasie an.

Kuba regt mal wieder die Fantasie an.

Und diesmal geht es nicht um Revolutionen, ...

... malerische Kulissen und alte Autos ...

... oder distinguierte Herren mit dicken Zigarren, ...

... die uns mit ihrer Musik betören.

Nein, diesmal ist es ausgerechnet die internationale Investorengemeinschaft, die mit den Füßen scharrt.

Sie können es nicht abwarten, ihre Claims in dem noch vom kommunistischen Vorhang verhüllten Land abzustecken.

Und sie stehen damit nicht alleine da: Auch viele Exil-Kubaner freuen sich schon auf eine baldige Rückkehr.

Denn seit Raul Castro die Zügel aus den Händen seines erkrankten Bruders Fidel übernommen hat, ...

... gibt es fast täglich Neuigkeiten von der Zuckerinsel, die für eine baldige wirtschaftliche Öffnung sprechen.

So wurden die Beschränkungen für den Kauf von Fernsehern und Computer wieder aufgehoben.

Der Verkauf war 2003 mit Verweis auf die Stromknappheit eingeschränkt worden. Das Problem scheint offenbar gelöst zu sein.

Seit wenigen Wochen darf auch jeder Kubaner ein Handy besitzen - bislang das Privileg ranghoher Beamter.

Und der Einheitslook, pardon, Einheitslohn, soll abgeschafft werden. "Dass alle das Gleiche verdienen, ist nicht hilfreich", weiß jetzt die kubanische Regierung.

Besonders überrascht wurde die Bevölkerung von der Erlaubnis, die Hotels zu betreten, ...

... die bislang ausländischen Gästen vorbehalten waren.

Die meisten Kubaner durften die Luxusherbergen bislang nicht von innen sehen, geschweige denn dort logieren.

Offiziell mitgeteilt wurde diese neue Maßnahme nicht, die Kubaner erfuhren davon quasi auf der Straße.

Um den neuen Luxus genießen zu können, fehlt den meisten Kubanern jedoch das Geld.

Um eine Hotelrechnung bezahlen zu können, müssten sie bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von zehn Euro mehr als ein Jahr arbeiten.

In Sachen Mobilfunk sind die vom staatlichen Telekommonopolisten ETECSA geplanten Prepaid-Tarife unerschwinglich.

Denn die Handy-Rechnung muss in konvertierbaren Pesos bezahlt werden.

Und diese sind 24 Mal mehr wert als die gewöhnlichen Pesos, die die Kubaner in ihrer Lohntüte finden.

Auch wenn sich die Wirtschaft langsam von dem Kollaps erholt, in den der Wegfall der sowjetischen Bruderhilfe in den 90ern sie gestürzt hatte, ...

... bis Kuba wirtschaftlich auf festen Beinen steht, wird es noch eine ganze Weile dauern.

So muss Kuba immer noch Lebensmittel teuer importieren und bezahlt mit Geld aus China und Venezuela.

Diese Mittel fehlen dann für die Modernisierung der eigenen Produktion - beispielsweise für Zucker.

Das weiße Gold, das Kuba einst reich machte, wurde vom "Maximo Lider" jedoch verpönt.

Seine Kubaner sollten nie wieder auf den Zuckerrohrfeldern schuften, erklärte Fidel Castro im Jahr 2005.

Stattdessen sollte Kuba an der Seite des Ölstaates Venezuela und mit dem eigenen Öl zu Wohlstand kommen, ...

... auch wenn das kubanische Öl von eher minderwertiger Qualität ist.

Aber auch wenn sich die wirtschaftliche Erholung noch auf dünnen Beinchen bewegt - Experten gehen davon aus, ...

... dass das Wirtschaftswachstum eher bei sechs Prozent als bei den offiziell verbreiteten zehn Prozent liegt - ...

... seit der Revolution vor rund fünf Jahrzehnten waren ausländische Investoren nicht mehr so elektrisiert von Kuba, ...

... wie seit der Machtübergabe an Raul Castro.

Beobachter sind davon überzeugt, dass der kubanischen Regierung keine Wahl bleibt, als die Wirtschaft vorsichtig zu öffnen, ...

... vor allem, wenn sie ihren Machtanspruch nicht verlieren will. Und die ausländischen Konzerne sind schon da: ...

So haben der kanadische Bergbaukonzern Sherrit und die chinesische Minmetal 500 Millionen Dollar in die Nickelminen des Landes investiert.

Die brasilianische Petrobras sucht im Golf von Mexiko vor Kuba nach Öl.

Mexiko hat alte Schulden gestundet, um wieder mit den Kubanern ins Geschäft zu kommen.

Iranischen Unternehmen bauen eine Zementfabrik und ein Thermokraftwerk. Dafür liefert Kuba Pharmazeutika in den Iran.

Spanische Unternehmen investieren in den Tourismus und betreiben in Joint Ventures schon jetzt zahlreiche Hotels in Havanna.

Auch der einstige Bruder Russland ist wieder da und gewährt Kuba einen Kredit für den Kauf von Militärflugzeugen.

Und China liefert günstige Handelskredite. Gebraucht wird das alles, denn ähnlich wie bei den ehemaligen kommunistischen Ländern in Osteuropa ...

... braucht Kuba dringend Hilfe bei der Infrastruktur, Telekommunikation, Lebensmitteln und Industrieaufbau.

Bei soviel Bewegung werden allmählich auch die Anlageprofis unruhig und wollen mit dabei sein.

Obwohl man aus rechtlichen Gründen noch in kein einziges kubanisches Unternehmen investieren kann, hat die Société Générale schon ein Kuba-Zertifikat aufgelegt.

Sie wettet einfach auf die Unternehmen, die von einer Öffnung Kubas profitieren würden, wie beispielsweise Petrobras. Eine nette Idee, finden Analysten ...

... auch wenn das Kuba-Etikett eher Marketing-Ideen diene, da die besagten Unternehmen nur einen sehr geringen Umsatzanteil in Kuba haben.

Eine ähnliche Prinzip verfolgt auch der bislang einzige Kuba-Fonds, der Herzfeld Caribean Basin Fund.

Der Gründer Thomas J. Herzfeld wartet schon seit 1993 auf die Öffnung Kubas und setzt ebenfalls auf Unternehmen, die davon profitieren würden.

Im Jahr 2006 schienen sich die Hoffnungen zu erfüllen. Als Fidel Castro schwer erkrankte und ...

... nicht nur Exil-Kubaner schon das Ende einer Ära feierten, verdoppelte sich der Fondspreis.

Als sich Castro wieder erholte, rutschte der Kurs wieder ab.

Auch die Amtsübernahme von Raul Castro brachte nur ein kurzes Hoch.

Zwar ist die Analystengemeinde davon überzeugt, dass sich in den nächsten Monaten oder Jahren viel in Kuba tun wird.

Trotzdem warnt sie vor einem Frühstart.

Denn noch hängt alles von politischen Entscheidungen ab. So ist Konsens, dass es in Kuba ...

... zu keinem großen Umbruch kommen wird, solange Fidel Castro noch lebt.

Auch in Sachen Transparenz muss Kuba noch Hausaufgaben machen:

Beim Index of Economic Freedom kommt Kuba auf Platz 156 von 157 Ländern.

Damit wird der karibische Inselstaat nur noch von Nordkorea übertroffen.

Ein wichtiger Faktor ist auch das immer noch bestehende US-Embargo.

Hier hoffen viele Kubaner auf den neuen demokratischen US-Präsidenten Barack Obama, ...

... besonders weil er durchblicken ließ, das Embargo aufheben zu wollen.

Gedulden wir uns also noch ein bisschen und trinken noch einen Kaffee, bis Kuba sich öffnet. (Bilder AP, Text: Samira Lazarovic)

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