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Glitschiges Gestrüpp? : Algen können mehr

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Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn es um Algen geht? Die Ostsee? (Foto: picture-alliance/ dpa)

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn es um Algen geht? Die Ostsee?

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn es um Algen geht? Die Ostsee?

Die Havel? Die Hamburger Alster?

Das Mittelmeer?

Oder China vor den Olympischen Spielen?

Oder denken Sie eher an Sushi, ...

... an die letzte Wellness-Kur ...

... oder an den Algenwein, den Sie auf der Grünen Woche gesehen, dann aber doch nicht probiert haben?

Algen können uns ganz schön den Urlaub vermiesen ("Baden verboten") ...

Doch als vitaminreiches Nahrungsmittel erfreuen sich die Wasserpflanzen schon seit Jahren wachsender Beliebtheit. Für Gebäck ...

... und Hausbesitzer an der Küste zur Verzweiflung bringen.

... werden Kugelalgen gezüchtet, ...

... Braunalgen finden als Fleischersatz Verwendung.

Auch die Rotalgen aus einer Sylter Zuchtfarm ...

... sollen deutsche Speisepläne bereichern. Algen besitzen einen außerordentlich hohen Anteil an Mineralstoffen und Spurenelementen, außerdem an Proteinen. Hier übertreffen sie sogar Fleisch, Milch und Eier.

Noch dazu sind sie besonders jodreich. Der menschliche Tagesbedarf von 180 bis 200 Mikrogramm Jod kann mit Algen schnell gedeckt werden. Ein Kilo Algen enthält bis zu 3,8 Gramm Jod.

In China kamen bereits 2500 Jahre vor Christus Algen auf den Tisch.

Von dort breitete sich die Esskultur nach Japan aus. Dort entstanden Mitte des 17. Jahrhunderts auch die ersten Algenfarmen.

Da das Land selbst wenig Anbaufläche bietet, war es praktisch, Nahrungsmittel im umgebenden Meer zu züchten.

Ob roh als Salat, gedünstet als Gemüse, getrocknet, geröstet oder gebacken, ...

... in Südostasien, wo der Schwerpunkt der Algennutzung liegt, verzehren die Menschen jährlich rund 9 Millionen Tonnen Algen.

Auch wir essen ständig Algen, meist ohne es zu wissen.

Als Bindemittel oder Stabilisator sind sie Bestandteil vieler aufbereiteter Nahrungsmittel. Sie heißen dann Alginat, Agar oder Carrageen und sind zum Beispiel in Joghurt und Eiscreme, Margarine und Frischkäse enthalten.

Auch die Kosmetikindustrie hat das Gewächs längst für sich entdeckt.

Der hohe Jodgehalt soll gegen Cellulite wirken und den Stoffwechsel anregen, Mineralsalze fördern die Entschlackung, Zink und Vitamine sollen den Alterungsprozess der Haut aufhalten.

Etwa 50 Algenarten kommen für kosmetische Anwendungen zum Einsatz.

Insgesamt sind rund 80.000 Algenarten bekannt. 160 davon werden industriell genutzt.

Algen eroberten die Welt bereits vor 3,5 Milliarden Jahren. Sie gehören zu den ältesten pflanzlichen Organismen der Erde.

Je nach Färbung unterscheidet man Grünalgen, ...

... Rotalgen, ...

... Braunalgen ...

... und Blaualgen.

Letztere sind allerdings mit Bakterien verwandt und streng genommen gar keine Algen.

Zudem sind einige Blaualgen-Arten giftig.

Algen gibt es in unterschiedlichsten Größen und Formen. Das Spektrum reicht von wenigen Mikrometern kleinen Einzellern …

… bis hin zu mehreren Metern großen Makroalgen, den so genannten Tangen.

Diese wachsen häufig in riesigen Unterwasserwäldern und können eine Höhe von 70 Metern erreichen.

Die Mikroalgen dagegen treiben frei durchs Wasser. Vermehren sie sich stark, färbt sich das Wasser grün. Dann sprechen wir von einer "Algenblüte". Ein missverständlicher Ausdruck, denn Algen blühen nicht.

Schaum entsteht dann, wenn "blühende" Algen durch das bewegte Wasser wie Eischnee zu einer klebrigen Masse aufgequirlt werden.

Ohne Algen gäbe es weder genug Sauerstoff auf der Erde ...

... noch gäbe es Leben in den Gewässern.

Algen sind der Beginn der Nahrungskette im Wasser, ...

... und sie sorgen durch Photosynthese für die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre.

Nebenbei binden sie Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Schwermetalle.

Algen sind äußerst produktiv. Keine andere Pflanze setzt Nährstoffe so schnell um wie die Alge. Sie bildet bis zu 30 Mal schneller Biomasse als Mais oder Raps.

Wissenschaftlich sind Algen hochinteressant. Ihre Nutzungsmöglichkeiten scheinen unerschöpflich.

So soll die Alge Haematococcus das klimaschädliche Kohlendioxid aus den Abgasen eines Kraftwerkes filtern.

Das Gas wird dabei durch ein Gemisch von Algen und Meerwasser geleitet. CO2 fördert das Wachstum der Algen, wird von ihnen aufgenommen und in Biomasse umgewandelt.

Die auf diesem Weg gewonnene Algentrockensubstanz könnte dann zu Biogas oder Biodiesel verarbeitet werden. Doch noch ist die dazu nötige Technologie sehr teuer - und der Energieaufwand ist unverhältnismäßig hoch. 2,5 Kubikmeter Algen in Wasser produzieren wöchentlich etwa 10 kg Biomasse. Darin sind dann 20 kg CO2 gebunden.

Während Algen im Bioreaktor bisher jährlich rund 12.000 kg CO2 einbinden können, stößt ein Kohlekraftwerk im gleichen Zeitraum mehr als 27 Millionen Tonnen CO2 aus.

Der Hafen der Lagunenstadt Venedig setzt auf ein Algenkraftwerk zur Stromerzeugung. 200 Millionen Euro kostet die Anlage, die in zwei Jahren betriebsbereit sein soll und dann 40 Megawatt Strom liefert. Es ist das dritte in Europa geplante Kraftwerk dieser Art.

Das Kraftwerk soll nicht nur bewirken, dass der venezianische Hafen autark wird in der Energieversorgung. Es soll auch dazu beitragen, das sensible Ökosystem der Lagune zu bewahren.

Bei der Suche nach Algen, aus denen Biokraftstoffe der "zweiten Generation" gewonnen werden können, sind Wissenschaftler übrigens auf eine Substanz in den Pflanzen gestoßen, die gegen die Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden könnte.

Allerdings sind noch umfangreiche und kostenintensive Labortests notwendig, um zu klären, ob sich aus Algenchemie tatsächlich ein Alzheimer-Medikament herstellen lässt.

Algen scheinen Alleskönner zu sein. Sie werden an Tiere verfüttert, ...

... liefern Farbstoffe ohne Einsatz von Lösungsmitteln ...

... und lassen sich zu umweltfreundlichen Schaumstoffen verarbeiten (im Bild allerdings ein Schaumstoff, der ohne Algen hergestellt wurde).

Bereits 1939 wurde ein Verfahren entwickelt, um mit Hilfe von Grünalgen der Gattung Chlamydomonas reinhardtii (im Bild) Wasserstoff zu produzieren.

Algen könnten auch Grundlage für Lacke sein, die z.B. Schiffe vor dem Verfaulen schützen.

Blaualgen sollen zudem das genetische Potenzial haben, Zellulose zu produzieren. Das würde eine Papierherstellung ohne Bäume ermöglichen.

Erforscht ist noch längst nicht alles, und bei den bisher gefundenen Einsatzmöglichkeiten der Algen gilt es, sie auf umweltschonende Weise konkurrenzfähig zu machen.

Es bleibt abzuwarten, auf welchem Gebiet sich die industrielle Nutzung der Wasserpflanzen und Mikroorganismen als nächstes durchsetzt. Ihren Teil zum Energiemix dürften sie in nicht allzu ferner Zukunft beitragen. So oder so: Algen haben weitaus mehr zu bieten als schleimig-grüne Teppiche.

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