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Nur noch zehn Prozent: Der Aralsee verschwindet

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Der Aralsee - zum Teil in Kasachstan, zum Teil in Usbekistan gelegen – war einst der viertgrößte Binnensee der Erde und so groß wie Irland. (Satellitenbild von August 2001) (Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Aralsee - zum Teil in Kasachstan, zum Teil in Usbekistan gelegen – war einst der viertgrößte Binnensee der Erde und so groß wie Irland. (Satellitenbild von August 2001)

Der Aralsee - zum Teil in Kasachstan, zum Teil in Usbekistan gelegen – war einst der viertgrößte Binnensee der Erde und so groß wie Irland. (Satellitenbild von August 2001)

Mittlerweile ist er nicht mal halb so groß wie ursprünglich - er war einst etwa 68.000 Quadratkilometer groß, jetzt sind es um die 20.000 bis 30.000 Quadratkilometer, je nach Niederschlagsmenge und Temperatur. Das Wasservolumen des Aralsees ist sogar um etwa 90 Prozent zurückgegangen.

Die Uferlinien haben sich teilweise weit über 100 Kilometer verschoben. Schiffe liegen auf dem Trockenen, Häfen weit entfernt von der verbliebenen Wasserfläche.

Und er trocknet immer weiter aus. Die Europäische Weltraumagentur ESA rechnet nach Vergleichen von Satellitenbildern damit, dass der Große Aralsee bis 2020 komplett verschwunden sein wird.

Dann gibt es dort nur noch eine weiße Salzwüste.

Hauptursache für das Verschwinden des Sees ist der enorm gestiegene Wasserverbrauch der letzten Jahrzehnte, ab Mitte des 20. Jahrhunderts, vor allem für die Bewässerung der Baumwollplantagen ... (Maschinelle Baumwollernte in Usbekistan, 1984)

... und Reisfelder. Beide Kulturen benötigen vergleichsweise viel Wasser.

Aus den Zuflüssen durch Amudarja und Syrdarja (im Bild) wurden und werden für die Bewässerung der Felder riesige Wassermengen entnommen, was den Zufluss in den Aralsee drastisch reduziert. Zudem sind viele Bewässerungskanäle undicht, wodurch ein Großteil des Wassers ungenutzt versickert.

Die Verdunstung übersteigt den Wassereintrag etwa durch Regen oder Schneeschmelze bei Weitem.

Ende der 1980er Jahre zerfiel der See in zwei Hauptteile: in den Kleinen (nördlichen) und den Großen (südlichen) Aralsee.

Durch den enormen Wasserverlust stieg die Salzkonzentration stark an. Der Aralsee hat heute einen viel höheren Salzgehalt als Meerwasser: Er ist ein biologisch fast toter Salzsee und droht zu einem Salzsumpf auszutrocknen.

Die zunehmende Austrocknung des Sees ist eine der größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen weltweit.

Nicht nur die Schiffe liegen dadurch auf dem Trockenen, auch die Fische: ...

... Von ehemals über 30 Fischarten überlebten bisher nur etwas sechs, und die überwiegend in den Flussdeltas.

Die vormals bedeutende Fischerei mit zehntausenden Tonnen Fang pro Jahr ... (Mosaik aus Sowjet-Zeiten im Bahnhof von Aralsk: "Wir schickten Lenin auf seine Bitte hin 14 Waggons mit Fisch")

... ist bereits in den 1980er Jahren völlig zusammengebrochen: ein Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen in der Region.

Durch den fallenden See-Pegel sank auch der Grundwasserspiegel in der Umgebung.

Das führte zur zunehmenden Versteppung und Wüstenbildung und einem völlig anderen Pflanzenbewuchs.

Hier wachsen statt einer vormals üppigen Vegetation aus Bäumen, Büschen und Gras nur noch salz- und trockenheitsverträgliche Pflanzen. Daraus resultiert auch ein drastischer Rückgang der Artenvielfalt bei Tieren.

Zudem wehen durch die Austrockung vom Grund des Sees Salz und abgelagerte Giftstoffe ins Umland.

Die Salzbelastung verringert die Ernteerträge auf den dort liegenden Feldern.

Schon zu Zeiten der Sowjetunion - erst Mitte der 1980er Jahre gab Michail Gorbatschow zu, dass sich am Aralsee eine Umwelt-Katastrophe abspielt - gab es erste verzweifelte Rettungsversuche, wie etwa den Plan, Flüsse aus Sibirien umzuleiten.

Dieser Plan scheiterte jedoch mit dem Auseinanderfallen der Sowjetunion 1991: Seitdem gehört der Aralsee zu Kasachstan und Usbekistan. Beide Staaten wetteifern seither eher um die maximale Ausbeutung der schwindenden Ressource als um seine Schonung.

Beide Staaten sind wirtschaftlich nicht in der Lage, die finanziellen Mittel für großangelegte Gegenmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. So wäre es beispielsweise möglich, durch Kanäle Wasser aus dem Kaspischen Meer oder anderen Ressourcen zuzuführen- allerdings eine sehr kostspielige Angelegenheit. (Schutzmauer gegen die weitere Ausbreitung der Wüste)

Das marode Kanalsystem müsste saniert werden, damit nicht mehr so viel Wasser versickert. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich die Umstellung vom Anbau der Monokulturen, die viel Wasser verbrauchen, hin zu genügsameren Pflanzen.

Immerhin wurde zur Rettung des kleineren nördlichen Teils des Aralsees im Jahr 2005 ein Staudamm gebaut. Der Kok-Aral-Damm zeigt seitdem positive Wirkungen: Schon 2006 wurde eine Erhöhung des Wasserspiegels und ein Absinken des Salzgehalts verzeichnet.

Auch die Fischbestände erholten sich auf ein wirtschaftlich bedeutsames Maß, so dass nun sogar wieder Fisch exportiert werden kann. (Text: Andrea Beu)

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